"Bullsh*t von allen Seiten": Capo mit scharfer Kritik an Fans & Szene

Bei Capo hat sich offensichtlich einiges angestaut. In einer Instagram-Live-Session redete sich der Offenbacher in Rage. Dabei ging es ihm um etwas, was ihm merklich am Herzen liegt – seine Musik und der Umgang damit. Die Verhaltensweisen vieler Hörer kann Capo nicht nachvollziehen. Es sind vor allem zwei Punkte, die seine Wut befeuern.

Die nie endende Kritik an Autotune

Es ist 2019 und trotzdem scheint der bloße Einsatz von Autotune als Stilmittel immer noch ein Grund für Hate zu sein. Dabei äußert Capo sogar Verständnis für die Kritiker. Auch seiner Einschätzung nach gelangt "momentan sehr viel Bullsh*t von allen Seiten" auf den Markt. Dass Rapper heutzutage ständig Autotune benutzen, ist kein Geheimnis. Dabei gelingt es nicht jedem, das Tool vorteilhaft zu gebrauchen.

"Jeder benutzt Autotune. Die ganze Welt benutzt Autotune. [...] Wenn ihr Nas hören wollt, hört Nas. Aber hört auf, die Leute abzuf*cken, die ihr Ding machen und die es gut können."

Capo spricht zudem davon, dass die negativen Kommentare die Motivation in seinem Umfeld merklich senken würden. Künstler kämen zu ihm und bäten um Rat, wie sie mit dem Hate für den Autotune-Einsatz umgehen sollen.

Capo weist in seiner Ansage darauf hin, niemanden zum Autotune-Fan bekehren zu wollen. Er wirbt für konstruktive Kritik anstelle von reinen Respektlosigkeiten (zu denen er sich am Ende seines Statements jedoch selbst hinreißen lässt).

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Bereits 2013 konnte man Capo auf Autotune hören. "Hallo Monaco" war ein Album, das im Nachhinein betrachtet seiner Zeit voraus war. Schon damals schickte Capo einen mit Autotune versetzten "Gruß an die Hater", weil er nicht mehr den aggressiven Capo Azzlack-Style bediente. Er orientierte sich an einem amerikanischen Sound, der einigen Fans aus den Anfangstagen zu weit ging.

Die Kunst, ein Album abzuliefern

Die Gesetze des Musikmarktes haben sich verändert. Viele Künstler suchen nach dem einen Spotify-Hit und sind überhaupt nicht mehr daran interessiert, stimmige Alben herzustellen. Diese Einstellung kann Capo nicht nachvollziehen:

"Die Leute sind nur auf Singles aus, aber macht doch mal ein Album. Ich will hören, wie ihr auf einem ganzen Album klingt und ich will hören, wie ihr ein gesamtes Musikgerüst bauen könnt, ohne dabei abzuknicken. Das will ich sehen! Die letzten Alben, die gekommen sind, waren für den Arsch."

Capo verspricht zusammen mit Nimo und "Capimo" ein rundes Album zu releasen, das nicht aus einer Mischung von zwei bis drei Hits und Füllmaterial besteht. Seiner Einschätzung nach waren viele Platten, die in letzter Zeit veröffentlicht worden sind, kaum mehr als Album zu bewerten.

Künstler spielen mehr und mehr mit den Mechanismen des Streaming-Zeitalters. Sie scheinen weniger Wert auf einen roten Faden oder einen Spannungsbogen in ihren Werken zu legen. "Culture II" von den Migos oder Post Malones letztes Release "Beerbongs & Bentleys" sind in dieser Hinsicht Paradebeispiele aus den Staaten.

Ufo361, Fler, MoTrip: Capos Problem ist nicht neu

Es war in letzter Zeit häufiger zu beobachten, dass Fans den künstlerischen Weg ihrer vormaligen Lieblingskünstler nicht mehr mitgehen. Das aktuellste Beispiel ist sicherlich MoTrip. Das Kolllalbum "Mohamed Ali" blieb auch deshalb hinter den kommerziellen Erwartungen zurück, weil die (ehemaligen) Fans sich nicht darauf einstellen konnten, MoTrip auf modernen Beats mit Autotune zu hören.

Auch Flers Werdegang steht stellvertretend für die Hürden, die ein Künstler teilweise überwinden muss, bis das Publikum ihn akzeptiert. Er betont in vielen Interviews, wie wichtig es für ihn sei, neben starken Singles ein Album im klassischen Sinne abzuliefern. Bei diesem ambitionierten Vorhaben setzte Fler relativ früh auf Beats und Sounds, die in Deutschland kaum verbreitet waren. Ihn kostete es Zeit, unzählige Interviews und musikalische Überzeugungsarbeit, bis die Hörerschaft seinen "Vibe" verinnerlicht hatte.

Ufo361 und sein vermeintliches Karriereende sind wohl die extremste Form, um auf einprasselnde Kritik zu reagieren. Mit den vielen künstlerischen Wandlungen von den "Berliner"-Mixtapes über das düstere "808" bis hin zu der "VVS"-Ästhetik konnten einige Fans nicht mehr Schritt halten. Ganz abgesehen von denen, die Ufo noch aus einer anderen Phase kennen, als der Berliner Boom Bap- und Funkbeats berappte.

CAP schnappt euch die Box und Tourtickets, es wird #linkinbio

61k Likes, 150 Comments - CAPO (@capo) on Instagram: "CAP schnappt euch die Box und Tourtickets, es wird #linkinbio"

Bei Capo scheint das Publikum nun ähnlich verärgert auf die künstlerische Entwicklung zu reagieren, was in Anbetracht von Capos Output in den letzten fünf bis sechs Jahren eher verwunderlich ist. Auch Nimo ist in der Vergangenheit nicht gerade mit Oldschool-Styles aufgefallen.

Dass beide Künstler im Team keinen grimmigen Straßenrap machen würden, war durchaus abzusehen. Anscheinend steckt Deutschrap weiterhin in einer Übergangsphase. In dieser wirken Autotune und die neuen Vertriebsmöglichkeiten als Teil eines gemeinschaftlichen Kennenlernprozesses zwischen Künstler und Publikum. Ob dieser je abgeschlossen sein wird, lässt sich weiter an den Kommentarspalten im Internet ablesen.

Capos kompletten Rant könnt ihr hier sehen:

CAPO ANSAGE AN DIE DEUTSCHRAP SZENE, BELEIDIGT SEINE FANS INSTAGRAM LIVE VOM 8.1

Uploaded by DeutschRapTv on 2019-01-08.

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Autor:
Verlag: Urban (Universal Music) ()
Binding: Audio CD, pages

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Fler entschuldigt sich bei der schwarzen Community

Fler entschuldigt sich bei der schwarzen Community

Von Clark Senger am 21.01.2019 - 11:58

Nachdem Fler sich in einer Instagram-Story über rassistischen Humor amüsierte und ein Homie die N-Bombe gedroppt hatte, gab es gestern Diskussionen und Ansagen von und innerhalb der schwarzen Community – insbesondere unter Rappern aus Flers Umfeld. Nun hat der Berliner sich dafür entschuldigt, auf Instagram den "geschmacklosen Scherz" seines Kumpels gepostet zu haben.

Er richtet sich an alle, die ihn nicht persönlich kennen, und erklärt, dass er niemanden kränken wollte. Hinter den Kulissen würden er und seine Jungs sich ständig übereinander lustig machen – unabhängig von der Hautfarbe.

"Sorry das ich gestern den geschmacklosen Scherz von meinem Kumpel gepostet habe! Hinter den Kulissen machen wir uns untereinander gerne über UNS lustig...Schwarz/Weiss/Gelb jeder hat den gleichen Stellenwert! Sorry an alle die mich nicht persönlich kennen, ich wollte Euch nicht kränken!"

An die Rapper aus seinem Umfeld richtet er weniger versöhnliche Worte. Er scheint enttäuscht davon zu sein, wie die Sache in die Öffentlichkeit getragen wurde. Jalil sprach mit Telson live bei Instagram darüber, dass er sich ohne einen empörten Beitrag einfach persönlich bei ihnen melden könnte.

"An alle die mich kennen...kommt nie wieder an und verlangt Support! Von Mensch zu Mensch!"

Telson, der die Diskussion erst so richtig angestoßen hatte, hat bereits auf Flizzys Entschuldigung reagiert. Er schreibt:

"@fler hat sich bei uns entschuldigt mehr wollte ich nicht! An alle die schreiben ich habe übertrieben ihr werdet nie dieses Gefühl kennen wenn ein weißer 'N*gga' ruft. Danke an alle schwarzen & weißen Brüder und Schwestern die mit mir marschiert sind!"

Sugar MMFK ist die Entschuldigung nicht genug. In seiner Story sagt er, Fler hätte nichts für die schwarze Community getan und nennt dessen Statement "halbherzig".

Die Vorgeschichte kannst du hier nachlesen:

Rassimusvorwürfe gegen Fler: "Fühle mich als Schwarzer ver*rscht"

Eine Instagram-Story von Fler sorgt für Empörung beim Kölner Rapper Telson.


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