Viele Rapper enttäuschen: Wieso es nicht reicht, nicht rassistisch zu sein

Vielen Rappern scheint die weltweite Black Lives Matter-Bewegung und der Kampf gegen Rassismus sowie Polizeigewalt völlig egal zu sein. Sicher, einige positionieren sich, manche haben zumindest am Blackout-Tuesday ein schwarzes Bildchen gepostet. Aber das reicht nicht. Dieses Thema geht weiter über die Probleme der USA hinaus und ist nichts, wo man sich raushalten könnte. Es reicht auch nicht, einfach nur nicht rassistisch zu sein (was sowieso kaum geht). Entweder ihr seid offen antirassistisch und fangt an, euch zu engagieren, oder ihr tragt dieses rassistische System weiterhin mit.

Wieso äußern sich so viele Rapper mit so großer Reichweite nicht zu Black Lives Matter?

Zu dem Thema wurde schon so viel gesagt und geschrieben. Von Menschen, die schlauer sind als ich und von Menschen, die dafür viel besser geeignet sind als ich. Trotzdem scheint sich die öffentliche Debatte ab einem gewissen Punkt immer wieder zurück zu drehen. Wir kommen so als Gesellschaft nicht weiter. Zumindest nicht, wenn nicht endlich ein Umdenken stattfindet, die Menschen anfangen, sich zu reflektieren und sie anschließend entsprechend handeln.

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Dabei könnten auch Rapper eine entscheidende Rolle spielen. Es gibt nur wenig Leute, die eine so große Reichweite in Deutschland haben, noch weniger, die vor allem so viele junge Menschen erreichen. Es wäre die perfekte Chance und Gelegenheit, diese Reichweite für einen guten Zweck zu nutzen – und nicht nur dafür, Werbung für sich selbst zu machen, um sich letztendlich zu vermarkten, um Profit daraus zu schlagen.

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Es ist und bleibt die alte Leier: Mit großer Reichweite geht eine große Verantwortung daher. Erst recht, wenn es um tendenziell junge Menschen geht. Aber viele Rapper wollen davon offenbar nichts wissen oder ignorieren das wissentlich. Okay, der Fairness halber müsen wir davon ausgehen, dass sie vielleicht auch einfach Angst davor haben, durch eine klare Positionierung einen Teil der Followerschaft zu vergraulen, was finanziell schädlich sein könnte.

Aber diese Denkweise ist natürlich einerseits krass kapitalistisch und damit von vornherein ein Teil des Problems. Andererseits haben die Leute, die ich meine, sowieso schon so viel Kohle gemacht, dass ihnen die paar Kröten eigentlich ruhig durch die Lappen gehen könnten. Aber es wäre selbstverständlich auch großartig, wenn solche Fans, die nicht sowieso schon von einer Sache überzeugt sind, durch ihre Vorbilder zum Nachdenken angeregt würden.

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Es reicht nicht, nicht rassistisch zu sein, wir brauchen Antirassismus

Wir haben es seit Jahrhunderten mit einem System zu tun, das auf Kolonialismus und Rassismus basiert. Wir alle sind dadurch geprägt und sollten dementsprechend unsere eigenen Handlungen, Aussagen und Denkstrukturen hinterfragen. Wenn wir das wirklich ehrlich und offen tun, müssen wir feststellen, dass es kein Entrinnen gibt: Auch wenn ihr das nicht wollt, denkt ihr unbewusst wahrscheinlich in rassistischen Kategorien.

Rassismus-Reflexe: Das löst bei den meisten Weißen Menschen sofort eine heftige Abwehrreaktion aus: "Ich bin doch kein Rassist!" Das ist verständlich und weitestgehend normal. Immerhin scheint bei den meisten Menschen Einigkeit darüber zu herrschen, dass Rassismus etwas Schlechtes ist, was wir nicht weitertragen wollen. Daher die starke Abwehrhaltung. Aber sie kann extrem hinderlich dabei sein, Rassismus tatsächlich zu bekämpfen.

Egal, ob in der Polizei, im Asylrecht, im Alltag oder in den Köpfen: Wir müssen diese Abwehrhaltung überwinden und uns mit unseren eigenen, verinnerlichten, normalisierten Rassismen auseinandersetzen. Auch wenn wir das nicht wollen, weil es unangenehm ist, und auch wenn es wehtut. Genau dann, wenn wir dahin gehen, wo es wehtut, können wir etwas verbessern. Alles andere ist nur Selbstvergewisserung und Realitätsflucht.

Dear White People, This is What We Want You to Do

I don't want you to feel at ease. I want you to know that you are the byproduct of a successful racist regime that has capitalized off of Black oppression and suppression for centuries. I want you to shed light on the corners of your subconscious you've glossed over for years.

Also: Nicht rassistisch zu sein ist natürlich das erstrebenswerte Ideal, aber eines, an dem die meisten Weißen Menschen wie ich noch lange nicht angekommen sind – leider. In unserer heutigen Gesellschaft ist es quasi unmöglich, nicht rassistisch geprägt zu sein und das unbewusst auch verinnerlicht zu haben. Auch wenn ihr euch für links und woke haltet.

Genau darum reicht es nicht aus, möglichst wenig oder im Idealfall gar nicht rassistisch zu sein. Wir müssen aktiv dagegen vorgehen, Rassismus in uns und anderen bekämpfen, uns gegen ihn wehren. Überall und jederzeit! Wir müssen alle an uns und unserer Gesellschaft arbeiten. Da hilft es nicht, zu sagen, "aber ich bin nicht rassistisch" oder "nicht alle Polizisten". Ganz im Gegenteil.

The Difference Between Being 'Not Racist' and 'Anti-Racist'

Racism is a pestilence that affects the safety and well-being of people of color. As we continue to witness the injustices that exist as a result of racism, one thing is clear: It isn't enough for our white allies to just be "not racist"; they must be anti-racist.

Wenn ihr euch raushalten könnt, ist das ein krasses Privileg

White Privilege: Wer nicht jeden Tag mit Rassismus konfrontiert wird, hat schlicht und ergreifend extrem viel Glück gehabt. Dann befindet ihr euch in der extrem bequemen Position, euch nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Weil ihr die Wohnung einfach so bekommt, weil ihr nicht diskriminiert werdet und nicht bei rassistischen Polizeikontrollen um euer Leben fürchten müsst. Herzlichen Glückwunsch, schön für euch! Ich weiß, wovon ich spreche.

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Check your privilege! Dieses Leben ist sogar so bequem und komfortabel, dass es sehr leicht fällt, zu vergessen, dass es bei vielen anderen Menschen ganz anders aussieht. Schwarze Menschen, Indigene oder People of Colour haben leider gar nicht erst die Möglichkeit, sich einfach zurückzulehnen, die Hände in den Schoß zu legen und zu erklären, dass sie damit nichts zu tun haben wollen und deshalb nichts dagegen unternehmen.

Sie sind allein durch den Zufall, Pech, Gott oder wie auch immer man es nennen will, dazu gezwungen, sich permanent mit Rassismus auseinanderzusetzen, der so white cis-boys wie mich schlicht nie treffen wird (dasselbe gilt übrigens für Feminismus, Sexismus, FLINT*-Personen, die damit verbundene Diskriminierung und so weiter). Darum sehe ich es als meine Pflicht, mich für die Rechte und das (Über)Leben derjenigen einzusetzen, die es nicht so leicht haben wie wir.

5 Aktivist*innen erklären, wie wir die letzte Woche am Leben erhalten können?

Gänsehaut. Dieses Gefühl breitete sich in mir aus, als ich am Samstag mit meinem Fahrrad die Heinrich-Heine-Straße in Berlin hinauf fuhr. Zunächst war ich allein. Dann folgten zwei. Dann vier. Dann 100. Als ich am Alexanderplatz ankam, waren es 25.000. Rassismus ist unser Alltag. Am Wochenende positionierten sich 200.000 Menschen gegen Rassismus.

Wer nichts tut, macht sich mitschuldig

"Your silence is violence": Solche oder ähnliche Schilder sind auf den vielen Black Lives Matter-Demos immer wieder zu sehen. Egal ob hier in Berlin, in den USA oder irgendwo anders, die Message bleibt dieselbe und wird von Schwarzen Menschen direkt an Leute wie mich gerichtet. Es reicht nicht, zu versuchen, niemanden zu diskriminieren. Wir müssen mehr tun.

Wer schweigt, stimmt zu. Noch so eine Binsenweisheit, die in diesem Zusammenhang kaum treffender sein könnte. Die Polizisten, die zugesehen haben, wie auf George Floyds Nacken gekniet wurde, hätten mehr als nur ihre Stimme dagegen erheben müssen. Haben sie aber nicht und genau dadurch machen sie sich natürlich mitschuldig.

Wann, wenn nicht jetzt?! So läuft das auch jedes Mal, wenn jemand einen sexistischen oder rassistischen Scherz macht: Wenn ihr nichts dagegen sagt, seid ihr nicht besser. Im übertragenen Sinne gilt das auch für unser System, seinen Rassismus und die aktuellen Proteste. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, die Stimme zu erheben und endlich den Arsch hoch zu kriegen.

Wer das jetzt nicht schafft, wird das wohl nie mehr schaffen und hat anscheinend auch kein Problem mit den (rassistischen) Zuständen. Oder er profitiert so stark von ihnen, dass er seine Privilegien einfach nicht aufgeben will. Egal, wie sehr er damit ein kaputtes System unterstützt und egal, wie viele Menschen darunter leiden. Daran muss sich etwas ändern und ihr könnt dabei helfen.

Hier gibt es noch mehr:

Auch in Deutschland tötet die Polizei immer wieder Unschuldige

In den USA war der Mord an George Floyd der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Seit über einer Woche demonstrieren die Menschen in jeder größeren US-Stadt gegen Polizeigewalt und Rassimus. Zu viele meist schwarze Menschen wurden von den Cops getötet. Auch in Deutschland formieren sich Proteste.

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Racial Profiling-Studie: Horst Seehofer schadet mit der Absage allen

Racial Profiling-Studie: Horst Seehofer schadet mit der Absage allen

Von David Molke am 07.07.2020 - 18:33

Racial Profiling ist ein bekanntes #Polizeiproblem. Darum ist es verboten, Menschen nur aufgrund ihres Aussehens zu kontrollieren. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) fordert, die rassistische Praxis eingehend zu untersuchen und die entsprechende Studie war bereits angekündigt. Aber Innenminister Horst Seehofer hat sie abgesagt und erntet seitdem nur Spott und Kritik. Ganz besonders für die abenteuerliche Begründung: Es sei ja sowieso verboten, darum finde Racial Profiling nicht statt und müsse dementsprechend gar nicht erst untersucht werden. Damit schadet er nicht nur den vielen Betroffenen, sondern auch der Polizei und dem gesamten Land.

Horst Seehofer sagt Racial Profiling-Studie ab, weil das sowieso verboten ist

Zielsicher steuert der CSU-Politiker von einem Fettnäpfchen ins nächste. Erst kürzlich hat sich der Innenminister bis auf die Knochen blamiert: Er wollte Strafanzeige stellen, weil ihm die satirische taz-Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah nicht gefallen hat. Nach viel Kritik hat er dann aber doch noch eingesehen, wie schlecht die Idee war. Jetzt macht er sich schon wieder lächerlich.

Darum geht es: Das Thema bleibt dasselbe und Horst Seehofer versucht abzulenken. Die ganze Welt hat ein Rassismus-Problem, das sich besonders furchtbar in der Armee und der Polizei manifestiert. Diese Leute haben Waffen und damit das Gewaltmonopol, gleichzeitig kultivieren sie Patriotismus, Nationalstolz und blinden Gehorsam – eine brandgefährliche Mischung.

Um Probleme wie Rassismus und Polizeigewalt in den Griff zu kriegen, sollten sie genauer untersucht werden. Zum Beispiel mit Hilfe von groß angelegten Studien, die schlaue Menschen fordern, die sich damit auskennen. Ihr müsst also weder mir noch Herrn Seehofer Glauben schenken, vertraut lieber den Experten.

Dafür war Heimat-Horst Seehofer aber leider noch nie bekannt. Ganz im Gegenteil. Stattdessen prescht der CSU-Mann gern im Alleingang vor, um Dinge zu tun und zu sagen, die er sich vielleicht besser anders überlegt hätte. So jetzt auch wieder: Er lässt durch einen Sprecher verlauten, die eigentlich geplante Racial Profiling-Studie werde nicht kommen.

Mit der wahnwitzigen Begründung, dass das eh nicht passiere. Weil das sei sowieso verboten. Klarer Fall: Was verboten ist, tut natürlich auch niemand. Erst recht nicht in der Polizei oder beim Bund – wo vor kurzem angekündigt wurde, eine ganze Kompanie des KSK aufzulösen, weil die so hoffnungslos rechtsradikal ist.

As Neo-Nazis Seed Military Ranks, Germany Confronts 'an Enemy Within'

After plastic explosives and Nazi memorabilia were found at an elite soldier's home, Germany worries about a problem of far-right infiltration at the heart of its democracy. Shooting drills at the base of the KSK, the military special forces, in Calw, Germany. Credit...

Horst Seehofer erntet in erster Linie Spott

Gute Neuigkeiten: Nach dieser Logik können wir jetzt alle Haustüren, Schließfächer, Überwachungskameras, Steuerfahnder, Fahrrardschlösser, Drogenfahnder, Fahrkartenkontrolleure und dergleichen einfach komplett abschaffen. Brauchen wir nicht mehr, weil Diebstahl, Einbruch, Steuerhinterziehung, Drogenhandel und das sogenannte Schwarzfahren sind ja verboten.

Was wirklich gut ist: Als nächstes muss Horst Seehofer konsequenterweise eigentlich auch die Polizei abschaffen. Verbrechen sind doch sowieso verboten und laut Heimat-Horst findet generell nirgendwo irgendetwas Verbotenes statt. Wofür brauchen wir dann noch Verbrechensbekämpfung?

Es wird immer besser: Wenn verbotene Dinge sowieso nie getan werden, kann es eigentlich auch keine Straftäter mehr geben. Wir brauchen also auch endlich keine Gefängnisse und Gefangenen-Sammelstellen mehr, weil die dann immer nur leerstehen würden. Das führt allerdings zu dem Problem, was die ganzen Leute dann arbeiten sollen ... Aber damit hat sich Hengameh Yaghoobifarah schon ausführlich beschäftigt.

So witzig das alles klingt, so berechnend ist es wahrscheinlich auch. Horst Seehofer dürfte ziemlich klar sein, wie die Begründung für die Absage der Racial Profiling-Studie wirkt. Aber das ist ihm höchstwahrscheinlich sogar sehr recht, weil jetzt alle darüber reden und nur noch die Wenigsten über das eigentliche Problem sprechen.

Horst Seehofer macht sich nicht einfach nur lächerlich

Der Innenminister blamiert sich nicht nur, er schadet auch der Institution, die er mit dieser Absage offensichtlich schützen will – der Polizei. Es liegt auf der Hand: Wenn die Polizei nichts zu befürchten hätte und es kein Racial Profiling geben würde, dürfte bei der Studie eigentlich nur Positives rauskommen. Wäre das nicht der Fall, könnte zumindest daran gearbeitet werden, dass sich etwas bessert.

Indem sich Horst Seehofer aber schon im Vorfeld vermeintlich schützend vor die arme Polizei stellt, leister er ihr einen Bärendienst. So hat sie weder die Chance, zu zeigen, wie sauber sie arbeitet (und dass es da angeblich kein Racial Profiling gibt), noch die Gelegenheit, an sich selbst zu arbeiten, sollte doch etwas im Argen liegen (wovon auszugehen ist).

So erweckt Horst Seehofer nur noch einmal genau den Eindruck, den er eigentlich vermeiden will: Die CSU, die Polizei und der gesamte Staatsapparat haben offensichtlich etwas zu verbergen, und zwar ein (institutionelles) Rassismus-Problem. Das wirkt zum einen natürlich kindisch, stur und weltfremd, zum anderen aber auch konservativ im eigentlichen Wortsinn.

Horst Seehofer betreibt so wieder einmal seine ewiggestrige Politik, die nur darauf abzielt, den Status Quo zu erhalten. Er stellt sich erneut einer zukunftsgewandten, fortschrittlichen Politik entgegen und verhindert aktiv, dass Fehler erkannt, benannt werden und anschließend die Arbeit daran beginnen kann, etwas zum Besseren zu verändern.

Schon wieder ein Ablenkungsmanöver: Wir haben es also erneut mit einem Derailing-Versuch zu tun. Horst Seehofer versucht schon wieder, vom eigentlichen Thema abzulenken. Während er davon spricht, gegen Rassismus vorgehen zu wollen, tut er genau das Gegenteil. Er verhindert sogar, dass etwas gegen Rassismus unternommen werden kann.

Kritik an Seehofer & viele Forderungen, die Studie durchzuführen

#SeehoferRücktritt: Horst Seehofer, der in der Vergangenheit immer wieder durch rechte Aussagen aufgefallen ist, der sich schützend vor die Rechten im Verfassungsschutz, in der AfD und in der Polizei stellt, der aktiv verhindert, dass Rassismus untersucht werden kann und alles in allem also einfach ungeeignet für diesen Posten ist – wieso ist dieser Mann immer noch Innenminister?

Wird der Minister wieder zurückgepfiffen? Es sieht aktuell ganz danach aus, als würde auch diese Ankündigung beziehungsweise das Einkassieren der Ankündigung wieder einkassiert. Das war schon bei der angeblichen Strafanzeige gegen Hengameh Yaghoobifarah so und könnte sich jetzt wiederholen. Es gibt sehr viele Stimmen, die Horst Seehofer scharf kritisieren und fordern, dass die Studie kommt.

Wir brauchen diese Studie: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat gestern (via: Spiegel) erklärt, sie werde nochmal mit dem Innenminister darüber sprechen. Es sei sehr wichtig, diese Studie durchzuführen. Auch Thüringens Innenminister und gleichzeitig Vorsitzender der Innenministerkonferenz Georg Maier erklärt gegenüber der taz:

"Ich trete dafür ein, die Diskussion an dieser Stelle zu versachlichen. Wir dürfen uns dem öffentlichen Empfinden über diskriminierendes Fehlverhalten in der Polizei nicht verschließen. Dies ist wichtig für das Vertrauen in die Polizei."

"Als Trägerin des Gewaltmonopols muss sie aber auch in besonderer Weise Vorbild sein und sich auch Kritik stellen."

Bernhard Franke, der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, spricht sich genauso für eine Durchführung der Studie aus. Horst Seehofers Begründung für die Absage sei "wenig stichhaltig" und er vergebe "eine wichtige Chance, entsprechende Fälle in der Polizei auszuwerten und Grundlagenforschung zu betreiben".

Der ECRI-Bericht aus dem März schlägt natürlich in dieselbe Kerbe: "Auch wenn es starke Indizien für ein ausgeprägtes Racial Profiling gibt, sind sich viele Polizeidienststellen und -vertreter dessen nicht bewusst oder leugnen dessen Existenz." Bei einer entsprechenden Untersuchung gehe es auch "überhaupt nicht darum, irgendjemanden unter Generalverdacht zu stellen".

"Kein Bedarf" für Studie zu institutionellem Rassismus in der Polizei

Amnesty International zeigt sich enttäuscht von der Absage des Bundesinnenministeriums, eine Studie zu Racial Profiling in Auftrag zu geben, wie sie die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) vorgeschlagen hatte. "Die Studie hätte eine Chance sein können, sich mit dem Problem von Rassismus in Institutionen auseinanderzusetzen - so wie es die Bundesregierung im Nationalen Aktionsplan angekündigt hat", sagt Julia Duchrow, Stellvertreterin des Generalsekretärs bei Amnesty International in Deutschland.

Rap über Racial Profiling: Das Problem ist das System

Weil es ohne unabhängige Beschwerdestellen kaum belastbare Fakten geben kann, sind Untersuchungen und Studien wie diese so wichtig. Bis dahin können und sollten wir uns anschauen, was Betroffene berichten. Dafür müssen wir nicht einmal besonders lang suchen oder weit gehen. Hiphop und Rap sind voll davon.

US-Rap hat seit Anbeginn Protest-Songs wie "F*ck tha Police", "Sound of da Police", "Changes", "Police State", "Pigs" oder "Officer Down" hervorgebracht. Aber auch im deutschsprachigen Hiphop gibt es natürlich haufenweise Lines, die sich mit Polizeigewalt, Rassismus und dementsprechend mit Racial Profiling auseinandersetzen.

Ansu – Bomberjacken

"Schon wieder Kontrolle durch die Polizei, na klar hab ich nichts dabei/Verhalte mich nicht mal ein bisschen verdächtig, egal, die Hautfarbe reicht"

Ansu - Bomberjacken [Video]

Ansus Song dreht sich vor allem um Probleme mit der Polizei...

Haftbefehl – Generation K*nak

"Schwarze Haare heißt Stress mit den Bullen/Denkt ihr jeder K*nacke bunkert Crack in seinem Mund?"

OG Keemo – 216

"Was weißt du von Polizeikontrollen, wenn ein junger N*gga spät im Dunkeln unterwegs ist?/Und allein dein Hautton ist Grund genug nicht lang rumzureden/Und der Bulle tut so, als wäre es unpersönlich"

OG Keemo - 216 [Video]

Der Bass kriecht böse aus dem Subwoofer, Colonel Keemo salutiert in die Kamera, aber etwas ist anders als bei den bisherigen Mixtapes "Neptun" und "Skalp". Die erste Auskopplung aus dem kommenden Debütalbum "Geist" von OG Keemo und Funkvater Frank rückt ein gesellschaftliches Thema in den Mittelpunkt, das nur wenig mit Kleptomanie oder den feinen Dingen des Lebens zu tun hat.

Massiv – Ghettolied

"Das ist kein Fluch - Das ist Schicksal, wir K*nacken landen immer im Gerichtssaal!"

Natürlich gibt es davon noch viel mehr und auch außerhalb von Rap existieren genug Berichte von Betroffenen. Wir müssten ihnen nur endlich zuhören und anschließend die logischen Konsequenzen daraus ziehen.

Black Lives Matter

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