Endgültig rechts: Xavier Naidoo steht mit Nazi-Rapper im Kontakt

Jedes Mal, wenn wir über Xavier Naidoos neue Ausflüge in den braunen Sumpf berichten, sterben wir anschließend mehrere Tode beim Blick in die Kommentarspalten. Er hat ja vor hundert Jahren mal die Hook in einem Anti-Nazi-Song gesungen, selbst eine dunklere Hautfarbe und könnte daher doch gar nicht rechts sein, sind sich manche Rapfans einig. Falsch, falsch, falsch!

Xavier Naidoo blüht auf im rechten Milieu

Egal ob er grade mal wieder rassistische Vorurteile in Videos unterstützt oder den gleichen Verschwörungen aus dem rechten (US-)Lager erliegt wie offenbar Kollegah – immer wieder wird er verteidigt, nahezu trotzig supportet. Auch von einigen Rappern.

Nach seinem Rauswurf bei "DSDS" blüht er aktuell in seiner neuen Rolle als prominentestes Gesicht der selbsternannten "Patrioten" (ein leidiger Euphemismus für Rechte und Nazis, die nicht als Rechte und Nazis bezeichnet werden wollen) Deutschlands regelrecht auf. Die Metamorphose von der Raupe zum blau-braunen Schmetterling ist vollendet. Aber genug der blumigen Metaphern.

In einem Interview mit einem "patriotischen" Verschwörungsportal vom 19. April bedient Naidoo nicht nur zum wiederholten Male diverse wilde Theorien, die seit Jahren in rechten Foren kursieren. Er liebäugelt auch mit einem Rapper, der die Wortwahl und den Diskurs in Deutschland nach rechts verschieben will, "Ja zum deutschen Fadenkreuz" sagt, voller Nationalstolz germanische Vorfahren abfeiert und von "Promo für [sein] Volk" rappt. Eine Textpassage von ihm:

"Ich bin rechts und unser Kommen ist europaweit zu spüren / Bin im Recht und jetzt erst recht brechen Teutonen über Dünen / Übernehmen jedes Land, das ist die Rückkehr der Germanen / Ja wir opfern unser Dasein nur aus Rücksicht auf die Ahnen"

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Xavier Naidoo steht mit Nazi-Rapper Chris Ares in Kontakt

Wir haben intensiv überlegt, ob wir diesem gestörten Bullshit durch unsere Erwähnung und Zitate eine Bühne geben wollen. Wer sich durch diese Lines catchen lässt, ist aber ohnehin längst verloren, also nehmen wir die Chance wahr, um es denjenigen Schwarz auf Weiß zu geben, die es bisher nicht wahrhaben wollten.

Über eine mögliche Zusammenarbeit mit besagtem Rapper, der neben seinem Spitznamen Chris auch Ares, den griechischen "Gott des schrecklichen Krieges, des Blutbades und Massakers" (– Wikipedia) in seinem Künstlernamen trägt, sagt Xavier Naidoo im Interview:

"Mit Chris Ares stehe ich sowieso in Kontakt […] und ich mag ihn auch. Von dem her ist alles möglich."

Ja hey, grundsympathischer Kerl dieser Ares Chris, der vor seinem geistigen Auge schon die Teutonen in jedes Land einziehen sieht! Naidoos Aussage ist natürlich noch keine Bestätigung für ein Feature, aber sie zeigt eindeutig, wie sehr er mittlerweile in der rechten bis rechtsextremen Szene connectet ist. Seine Moves der letzten Wochen und Jahre haben ihm offenbar viele Sympathien und neue Freunde eingebracht.

Was Ares rappt und im echten Leben representet, ist längst nicht mehr vage genug, um mit dem rechten Kampfbegriff "Systemkritik" gelabelt zu werden, den der rechte Mob immer auspackt, wenn er als solcher enttarnt wird. Xavier Naidoo liebäugelt ohne jegliche Einschränkungen mit einem Nazirapper. Nicht mehr und nicht weniger. Wer ihn weiterhin supportet, weiß ja, wo er oder sie steht. Nämlich mit einem Fuß in der Tür zum dunkelsten Kapitel Deutschlands.

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Deutsche Rapper distanzieren sich nur teilweise oder zaghaft

Viele deutsche Rapper hatten in der Vergangenheit mit Naidoo zusammengearbeitet, auch lange nachdem sein Hang zu rechten Verschwörungen publik wurde. Chefket, Megaloh, Credibil und zuletzt auch Kool Savas distanzierten sich von dem Sänger. Etliche Artists hüllen sich aber weiterhin in Schweigen zu ihren Features mit dem Mannheimer oder liefern nur halbherzige Statements.

Ja, Rap soll und muss das System und die Gesellschaft kritisieren dürfen. Leider ist genau der Punkt, an dem der Hund sich in den Schwanz beißt, denn: Mit diesem Argument rechtfertigen viele ihr Faible für die teils abstrusen Fantasien über die satanistischen Machteliten, die angeblich unsere Welt lenken und Kinderblut trinken, um jung zu bleiben. Systemkritisch zu sein, bedeutet für diese Leute, an jeder Behauptung aus den etablierten Medien zu zweifeln und gleichzeitig jedem YouTube-Video mit "Akte X"-Melodie, unscharfen Bildern und dubiosen Quellen Glauben zu schenken.

Gerade bekommt das aus Hiphop-Perspektive eigentlich positiv konnotierte Wort "systemkritisch" dadurch einen braunen Beigeschmack. Der Diskurs wird verschoben, die Wörter im Mund verdreht. Das sind die vermeintlichen Kleinigkeiten, mit denen das rechte Gedankengut 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wieder in Deutschland salonfähig wird.

Deshalb wünschen wir uns von jedem ehemaligen Naidoo-Homie, der es bisher noch nicht übers Herz gebracht hat, endlich ein klares Statement. Wir wollen keine erhobenen Zeigefinger in Richtung des braunen Mobs schwenken, sondern senkrechte Mittelfinger.

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Kommentare

Guter und wichtiger beitrag, danke erstmal dafür!
Ich hab allerdings eine inhaltliche frage und wüsste gern wie ihr das ganze seht:
Wenn ihr sagt, dass wesentliches merkmal von hiphop der gegenseitige respekt sei, dem ich ganz und gar zustimme, dann müsste doch konsequenterweise 3/4 des momentanen hiphops diesem eigenen anspruch doch auch nicht genügen oder? Ausser wir reden von exklusiven respekt von mann zu mann. Und die müssten in der regel auch hetro sein damit der respekt ankommt. ist z.b so eine gestalt wie kollegah und konsorten mit seinem verschwörung theoretischen ansatz mit antisemitischen hang dann nicht auch ziemlich weit weg von dem von euch zu recht proklamierten ideal?
Gruss schlegel

Herr Naidoo sollte mal wieder auf dem Boden der Realität ankommen und bestimmten Tatsachen ins Auge sehen. Wir haben es alle nicht leicht, aber mit diesem Unfug ist niemanden geholfen. Er hat eine Vorbildfunktion und sollte auch dementsprechend handeln. Es ist schön den Menschen Xaviar zu sehen mir seinen Ecken Kanten und Problemen, jedoch sollte er sich seiner Rolle, bewusst werden. So geht es meiner Meinung nach nicht. Komm runter, sammel dich und reflektiere diesen Mist.

Selten so etwas peinliches gelesen. Der Autor sollte sich dringend in psychische Behandlung begeben. In welchem LGBTQ Magazin steht denn, dass "Patriot" ein Synonym von "Nazi" ist? Das sind ganz verschiedene Dinge. Ich bin mehrmals pro Jahr in den USA, dort wird man sogar dumm angeschaut, wenn man kein Patriot ist, also sein Heimatland mag und sich damit identifiziert. Kleiner, Du brauchst dringend Nachhilfe! ;)

Ich finde es grundsätzlich schön, dass ihr zu solchen Themen klare Haltung zeigt. Inhaltlich bin ich auch genau derselben Meinung. Bitte seid euch aber unbedingt dessen bewusst, dass ihr mit diesem Wording leider niemandem helft. Was so ein Artikel bewirkt ist, dass ausschließlich Leute wie ich, die sowieso schon der gleichen Meinung sind wie ihr, sich in ihrer Meinung bestärkt fühlen. Viel wichtiger wäre es doch, Menschen mit ungefestigten oder konträren Meinungen zu erreichen und ggf. zu einem Umdenken zu bewegen. Ein Umdenken wird aber nie stattfinden, wenn Leute plakativ als "Nazi" oder mit ähnlichen Schlagworten bezeichnet werden. Damit drängt ihr alle noch weiter in eine Ecke, die sich eh schon unbestätigt fühlen und die sich durch sowas noch mehr bestätigt und unverstanden fühlen. Ein Umdenken schafft man nur durch Dialog. Wenn sich diese "Andersdenkenden" durch solches Wording noch mehr ausgegrenzt fühlen, bestätigt das ihre Meinung und euer Artikel schafft das Gegenteil von dem, was ihr - unterstelle ich jetzt einfach mal - damit erreichen wollt.

Kleine Ergänzung: Dieser Artikel hat rein journalistisch gesehen keine Existenzberechtigung innerhalb einer News-Sektion. Er müsste mindestens als Meinung/Kommentar gekennzeichnet sein. Mit objektiver - jaja ich weiß, wirklich objektiv geht eh nich - Berichterstattung hat das rein gar nichts zu tun.

Wow...
Dieser Artikel versucht alles auf einmal aufzuklären, verwirrt in der Tat aber eher und vermischt gänzlich unterschiedliche Thematiken.
Euer Artikel scheint alles was deutlich rechts, patriotisch oder systemkritisch ist, als negativ oder verwerflich abzustempeln. Doch ist der Unterschied zwischen "rechts" und "rechtsradikal" beachtlich und doch schreibt ihr von beidem in nur einem Satz.
Manche mag ja diese Art von Berichterstattung zu interessieren, mir scheint sie aber eher manipulativ und unprofessionell. Das Tempo, indem zwischen der Meinung des Autors und der Faktenlage gewechselt wird, lässt beides verschmelzen und nicht mehr sachlich korrekt erscheinen.
Ich rate um eine dringende Nachschulung im Umgang und der Verfassung von politisch brisanten Reportagen auf einer HipHop-Plattform!
Lg maegge

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"Tür für Hildmann aufgestoßen": Ben Salomo kritisiert Xavier Naidoo

"Tür für Hildmann aufgestoßen": Ben Salomo kritisiert Xavier Naidoo

Von HHRedaktion am 01.08.2020 - 14:45

2018 verkündete Ben Salomo die Einstellung des Battle-Formats "Rap am Mittwoch". Als Grund führte er vor allem den aus seiner Sicht vorherrschenden Antisemitismus an. Seit dem Ende dieses Karriereabschnitts hat sich Ben Salomo der Aufklärung über dieses wichtige Thema verschrieben. Die "Narrenfreiheit", die prominenten Verschwörungs-Ideologen wie Xavier Naidoo zugestanden werde, kritisiert der jüdische Rapper in einem aktuellen Interview bei der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv.

Ben Salomo sieht Xavier Naidoo als Wegbereiter für Antisemitismus

Kaum ein Werdegang ist in den letzten Monaten mehr diskutiert worden als der von Xavier Naidoo. Der Soul-Sänger hat sich dem rechten Lager zugeordnet, eine rassistische Weltsicht besungen und steckt Tief im Sumpf der Erzählungen derer, die beispielsweise hinter COVID-19 einen tückischen Masterplan von Bill Gates vermuten. In diesen Fantasien ist es oftmals das jüdische Volk, das die Verantwortung für so ziemlich alles trägt, was schief läuft. Menschen jüdischen Glaubens gelten schlicht gesagt als das Böse.

Dennoch ist es nicht erlaubt, Xavier Naidoo, der in Liedtexten auch mal in Anspielung auf die Familie Rothschild von einem "Baron Totschild" schwadroniert, Antisemit zu nennen. Ben Salomo betrachtet Xavier Naidoo daher als Vorbild für ideologische Nachahmer.

"Wenn wir Xavier Naidoo nehmen: Der hat schon eine Tür aufgestoßen für Attila Hildmann, indem im Oktober letzten Jahres entschieden worden ist, dass Xavier Naidoo nicht als Antisemit bezeichnet werden darf."

Ben Salomo bezieht sich mit seiner Aussage auf ein Urteil, welches das Amtsgericht Regensburg im Juli 2018 gefällt hatte und das im Oktober 2019 noch einmal vom Nürnberger Landesgericht bestätigt worden war. Demnach ist es nicht gestattet, Xavier Naidoo als Antisemit zu betiteln. Diese Rechtssprechung hätte laut Ben Salomo zur Folge, dass sich Figuren wie der vegane Kochbuch-Autor Attila Hildmann ebenfalls ungebremst in antisemitischen Wahnvorstellungen verlieren. Bei Hildmann ermitteln die Behörden aktuell wegen Volksverhetzung.

Geht es nach Ben Salomo müsste die Justiz in solchen Fällen "konsequent durchgreifen". Andernfalls entstehe der Eindruck, dass das Schüren von antisemitischen Vorurteilen in irgendeiner Form gesellschaftlich akzeptabel wäre.

"Die Grundlagen müssen geschaffen werden, dass solche Aussagen wie von Attila Hildmann oder Xavier Naidoo wirklich strafrechtlich verfolgt werden."

Darüber hinaus prangert der "Rap am Mittwoch"-Gründer eine fehlende Sensibilität im Umgang mit Antisemitismus an. Trotz eines deutlich erkennbaren Problems (Anschlag von Halle) widme man sich auf verschiedenen Ebenen nicht mit der nötigen Dringlichkeit diesem Thema.

"Ich habe in den letzten Jahren leider immer wieder das Gefühl gehabt, dass in Bezug auf Antisemitismus eine sehr laxe Haltung existiert. Sei es in Teilen der Justiz, in Teilen der polizeilichen Behörden, auch in Teilen der Politik. Das wird so ein bisschen als ein kleines Problem am Rande wahrgenommen, was es aber für Jüdinnen und Juden in diesem Land bedeutet, was es aber für die betroffenen Menschen bedeutet, das wird nicht richtig beachtet."

Was für Folgen es hat, wenn solche Ansichten auf Akzeptanz in der Bevölkerung treffen, ging vor Kurzem wieder breit durch die Medien. In München wurde ein Rabbiner verfolgt und bedroht – einfach nur, weil er als Jude erkennbar gewesen ist. Zu beobachten, wie der Judenhass ausgerechnet in Deutschland zurück in den Alltag kriecht, ist besorgniserregend und verstörend. Dazu trage auch Deutschrap bei, wie Ben Salomo weiter ausführt.

Kollegah & die QAnon-Verschwörungstheorien: Klare Distanzierung bleibt aus

Es mag auf den ersten Blick amüsant wirken: Kollegah ist Top-Kommentar unter einem Instagram-Post des Mannes, der mit Jeff Bezos permanent um die Position des reichsten Menschen der Welt ringt. Der Alpha Music-Boss erkundigt sich bei Bill Gates scheinbar ironisch nach dessen Arztlizenz.

Antisemitismus als Geschäftsmodell im Rap?

Dass Ben Salomo scharf mit der Deutschrapzene ins Gericht geht und mitunter steile Thesen aufstellt, ist nichts Neues. Kurz nach seiner Abkehr von "Rap am Mittoch" stellte er in Interviews Rap auf eine Stufe mit der üblichen rechtsradikalen Propagandamusik. "Deutscher Rap ist so antisemitisch wie Rechtsrock", sagte er.

In der Szene seien antisemitische Verschwörungsgeschichten weit verbreitet. Manche Artists würden das Aufgreifen dieser Mythen sogar als Mission begreifen.

"Viele Rapper sehen sich dann mit der Zeit auch als so eine Art Aufklärer. Sie fangen an, diese Dinge zu glauben und sind der Ansicht, sie müssten ihr 'Geheimwissen' auch an ihre Fanbase weitertragen, um sie auch zu erwecken."

Dass sich diese Erzählungen in einem "bestimmten Teil" der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen würden, hätten Rapper*innen registriert. Es sei demnach lohnenswert, den Antisemitismus unter die Leute zu bringen. Ben Salomo erkennt darin eine "Art Geschäftsmodell". Sowohl im Deutschrap als auch auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene müsse eine "Kultur des Wegsehens" überwunden werden.

Drüben in Großbritannien konnte kürzlich kaum jemand wegsehen, als Grime-Star Wiley auf Twitter vollkommen austickte. Sein Geschäft dürfte durch die antisemitischen Postings eher Schaden genommen haben. Sein Manager trennte sich umgehend und auch Twitter belegte ihn mit einem permanenten Bann.

Antisemitischer Twitter-Rant: Gegen Grime-Star Wiley wird ermittelt

Grime-Star Wiley muss sich ein neues Management suchen.


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