Kollegah & die QAnon-Verschwörungstheorien: Klare Distanzierung bleibt aus

Es mag auf den ersten Blick amüsant wirken: Kollegah ist Top-Kommentar unter einem Instagram-Post des Mannes, der mit Jeff Bezos permanent um die Position des reichsten Menschen der Welt ringt. Der Alpha Music-Boss erkundigt sich bei Bill Gates scheinbar ironisch nach dessen Arztlizenz. Doch dahinter steckt mutmaßlich mehr als ein harmloser Seitenhieb – es wirkt vielmehr wie ein weiteres Indiz dafür, dass Kolle in Kauf nimmt, mit aktuellen Verschwörungstheorien assoziiert zu werden.

Kollegah wird Top-Kommentar unter Bill Gates-Post

Microsoft-Mitbegründer Bill Gates wird in Verschwörungskreisen gegenwärtig gerne dafür verantwortlich gemacht, dass das Corona-Virus überhaupt erst ausgebrochen ist. Seine Bill- und Melina-Gates-Stiftung soll ein Institut unterstützen, das Patente am Coronavirus besitzt. Weiter heißt es, dass ein dort entwickelter Impfstoff zu einem gewaltigen Geschäft für Bill Gates werden würde. Dröselt man die Spinnerei bis zum Ende auf, mündet Bill Gates Engagement in Zwangsimpfungen und führt zu einer Weltbevölkerung, die via Mikrochips kontrolliert werden kann. Das ZDF hat einmal zusammengefasst, warum Bill Gates von so einem Impfstoff finanziell nicht direkt profitiert:

Falsche Corona-Gerüchte um Gates-Stiftung

Was Sie zum Coronavirus wissen müssen Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Symptomen, Schutz und Umgang mit dem Coronavirus auf einen Blick.

Unlängst kündigte Bill Gates nun in der Tagesschau an, dass man zuversichtlich sei, in 18 Monaten einen Impfstoff gegen Corona bereitstellen zu können. Eine solche medizinische Einschätzung von jemandem, der mit einem Software-Unternehmen zu großem Reichtum gelangt ist, lockt die kritischen Geister an. Das könnte auch damit zu tun haben, dass Bill Gates mit seiner milliardenschweren Gesundheitshilfe durchaus Einfluss auf globale Entwicklungen nimmt. Die Weltgesundheitsorganisation hat er mehr oder weniger von sich abhängig gemacht.

Unabhängigkeit der Weltgesundheitsorganisation gefährdet - Was gesund ist, bestimmt Bill Gates

Von Thomas Kruchem Podcast abonnieren Bill Gates, Gründer der Firma Microsoft: Seine Bill-Gates-Stiftung gehört zu den Hauptgeldgebern der WHO - und verdient zugleich an Coca-Cola mit.

Dass Kollegah seinen Kommentar nach dieser Ansprache platziert, mutet kaum zufällig an. Der zusätzliche Verweis in seiner Story auf den Song "NWO", der eine neue Weltordnung von Eliten und geheimen Machtzirkeln beschreibt, verstärkt diesen Eindruck.


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Screenshots: instagram.com/kollegahderboss

Kollegah erkundigt sich auch bei Tom Hanks

Schon vor Kurzem schwamm Kollegah scheinbar auf der gleichen Verschwörungswelle, die bereits Xavier Naidoo zum Weinen brachte. Nicht aufgrund absurder Komik, sondern weil der Mannheimer Sänger fest daran zu glauben scheint, dass Promis Kinderblut abzapfen, um damit ein Anti-Aging-Programm fahren zu können. Unter dem Motto "Save The Children" berichteten eingefleischte Querdenker von der großen Kinderbefreiung. Vielerorts kursieren seitdem Geschichten über die angebliche Verjüngungsdroge Adrenochrome.

Als Xavier Naidoo seine Emotionen nicht mehr in Griff hatte, postete auch Kollegah in seiner Insta-Story kryptisch etwas davon, dass man unsere Kinder retten müsse. Dabei blieb es nicht: Der selbsternannte Boss erkundigte sich - quasi deckungsgleich zu seiner Nachfrage bei Bill Gates - bei Hollywood-Star Tom Hanks nach dessen Aufenthaltsort.


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Screenshot: instagram.com/tomhanks

Der US-Schauspieler ist zu einer Art Symbolfigur der Anhänger der Adrenochrome-Verschwörung geworden. Diese besagt nämlich, dass Tom Hanks festgenommen worden sei. Das Corona-Virus habe die Funktion eines Ablenkungsmanövers. Zum einen könne man so die von Adrenochrome abhängige Elite unbemerkt festnehmen. Zum anderen sei es möglich, die Kinder aus unterirdischen Folterkellern zu befreien, ohne dass die Weltöffentlichkeit davon Notiz nehme. Selbst in ein Filmskript scheint dieser Wahnsinn nicht hineinzupassen. Dennoch verbreitet er sich stark – und hat sich womöglich auch bis zu Kollegah durchgesetzt.

Michael Butter, ein Experte für Verschwörungstheorien, stellt im Interview mit der Zeit heraus, dass die Corona-Pandemie wie ein zusätzlicher Baustein in diesen Gedankenwelten passt.

"Egal, ob der Feind die Pharmaindustrie, das internationale Finanzkapital oder der Staat ist, der Hysterie erzeugt, um seine Macht auszubauen: Das Coronavirus dient als neues Klötzchen eines bestehenden Baukastens."

Jede Verschwörungstheorie zu Corona ist eine zu viel

Was haben der 11. September, der Tod von Nipsey Hussle und das Coronavirus gemeinsam?

Ein weiteres Indiz für eine Überschneidung von Kollegahs Gedankenwelt und diesen Theorien: In seiner Nachfrage auf Instagram übernimmt er die Schreibweise "HanX". Er teilt somit die Codes der Anhänger der QAnon-Theorie, unter deren Dach viele dieser blutigen Märchen zusammenlaufen. Das QAnon-Camp ist zudem Sammelpunkt von Rechtspopulisten und rechten Ideologien. Die Person oder die Gruppe, die hinter der Bewegung steckt, behauptet unter anderem über geheimes Wissen bezüglich Donald Trumps Präsidentschaft zu verfügen.

Auch auf YouTube waren zeitweise Äußerungen zu sehen, die zumindest dem Umfeld von Kollegah zuzuschreiben sind und an diese Konstrukte anknüpften. In einem Kommentar riet Kolles Label Alpha Music Empire, sich näher mit der Story von Adrenochrome zu befassen. Ein angeblicher Experte zum Thema wurde ebenfalls vorgeschlagen: Oliver Janich. Dieser Herr ist seineszeichens rechter Blogger und Verschwörungstheoretiker. Er interviewte zum Beispiel Xavier Naidoo nach dem Rausschmiss bei DSDS. Für einen seriösen Austausch steht er mitnichten.

Kollegah mit exklusivem Statement

Wir haben bei Kollegah nachgefragt, inwiefern er die Sichtweisen auf die aktuell kursierenden Verschwörungstheorien teilt. Die Möglichkeit, sich deutlich von den abstrusen Fantasien über Kinderblut trinkende Eliten zu distanzieren, hat er dabei leider nicht wahrgenommen. Konkrete Antworten auf unsere Fragen zu Bill Gates, Tom Hanks und QAnon bleibt er weitestgehend schuldig.

Stattdessen hält er sich durch vage Formulierungen (Stichwort: "skeptisch") im Rennen um die prominentesten QAnon-Sympathisanten Deutschlands. Folgendes Statement geben wir an dieser Stelle ungekürzt wieder:

"Ich stehe jedem skeptisch gegenüber, der mir etwas aufzwingen will, was in mein Recht auf körperliche Unversehrtheit eingreifen könnte. Die einzige Nadel, die den Bosskörper durchdringen darf, ist und bleibt die der Anabolikaspritze! Bezüglich Q bin ich, wie allem gegenüber, ebenfalls grundsätzlich skeptisch. Ich begrüsse es, dass zum Beispiel Themen wie organisierte Kindesmisshandlung und -entführung mehr und mehr ihren Weg ins öffentliche Bewusstsein finden. Gleichzeitig warne ich aber auch grundsätzlich davor, auf einen Retter oder Erlöser zu warten, denn dies erzeugt einen Zustand der Passivität und gefühlten Hilflosigkeit und kann am Ende böse ins Auge gehen. Wir sollten unser Leben und unser Glück selbst in die Hand nehmen und zumindest immer wachsame, skeptische Beobachter sein!"

Was sich in den letzten Wochen und Tagen über Kollegahs Kanäle ansammelt, bleibt auch nach dem Statement vorerst ein Indizienbündel. Kollegah hat sich nie eindeutig zu diesen Theorien bekannt oder sie unterstützt. Sich allerdings nicht ausdrücklich von der Idee Kinderblut schlürfender Promis distanzieren zu können, spricht für sich. Lediglich zum Messias-Gedanken, den die QAnon-Anhänger für Donald Trump hegen, geht ihm eine vorsichtige Distanzierung über die Lippen.

Der Rapstar spielt mit den Codes und mit den Verweisen und bedient damit eine Zielgruppe, die sich klar zu den Verschwörungsfantasien bekennt.

Der Hang zu diesen dubiosen Themenwelten ist bei Kollegah kein Einzelfall und auch bei Weitem nicht neu. 2018 forderte er schon einmal lautstark eine "objektive" Berichterstattung über "Pizzagate" – eine nicht weniger wahnsinnige Theorie, welche die ehemalige US-Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton mit einem Kinderp*rnoring in Beziehung setzt.

Kollegah verlangt "objektive" Berichterstattung über "Pizzagate" und startet fragwürdigen Aufruf

Kollegahs persönlich ausgerufener Kampf gegen die Medien geht weiter.

Verlässliche sowie hilfreiche Informationen zu Corona und COVID-19 stellen zum Beispiel die WHO oder die Webseite der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung. Aktuelle Entwicklungen und Daten finden sich zudem auf der Page vom Robert Koch Institut.

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Mois führt Asche-Beef mit weiterem Video fort

Mois führt Asche-Beef mit weiterem Video fort

Von Michael Rubach am 11.01.2021 - 20:33

Mois hat mit einem halbstündigen Statement auf den kaum kürzeren Asche-Song "HIStory" geantwortet. In dem neuen YouTube-Video mit dem Titel "Ach Aschenberg Ach betont er, die Aussagen des Disstracks "auseinandernehmen" zu wollen. Mit dieser Herangehensweise hat er es offenkundig weiterhin auf die Glaubwürdigkeit von Asche abgesehen. Mois hatte Asche vor einigen Tagen in einem Video dafür kritisiert, sein Image als vom Krieg gebeutelter Tschetschene hauptsächlich erfunden zu haben. An dieser Kritik hält Mois fest. Dass Asche seine "Herkunft verleugnet", sei für Mois "armselig". Auch Bushidos Reaktion auf den Track "HIStory" hat man im Lager von Mois registriert.

Angebliche Erpressung, Studio-Schlägerei & Kollegah: Mois bezieht Stellung

Bevor Mois die für ihn relevanten Passagen des Tracks durchgeht, unterstellt er Asche zum wiederholten Mal bei seinem Äußeren kosmetisch nachgeholfen zu haben. Ebenso stellt er die Behauptung auf, dass sich Asche selbst und absichtlich die Narbe in seinem Gesicht zugefügt habe. Offenbar möchte Mois so noch einmal unterstreichen, für wie fake er Asche hält.

Danach hangelt er sich am Inhalt des Disstracks entlang. So erzählt Asche in "HIStory" von angeblichen Erpressungsversuchen seitens Mois. 100.000 Euro sollen gefordert worden sein. Diesen Punkt streitet Mois ab: "Falls ich dich erpresst haben soll, zeig mir, wo ich dich erpresst haben soll."

Asche-Track "HIStory" zusammengefasst: Tschetschenien, richtiger Name & Mois-Disses

Eine weitere Behauptung auf "HIStory": Mois sei in Asches Studio in eine Schlägerei verwickelt gewesen. Laut Mois entspricht auch diese Darstellung nicht der Wahrheit. Er erinnere sich generell nur an einen einzigen Tag in Asches Studio. Durch seine ständige YouTube-Präsenz sei es zudem extrem unwahrscheinlich, dass er vollkommen unbemerkt Spuren einer Prügelei davongetragen hätte.

"Ich weiß nicht genau, was er meint. Fakt ist: Ich dreh jeden Tag ein Video und man sieht mein Gesicht jeden Tag."

Asche wirft Mois in seinem Track außerdem vor, sich nicht aus eigener Kraft zu einem derart reichweitenstarker YouTuber entwickelt zu haben. "Sunny und Kolle hab'n dich gemacht", rappt das Alpha Music-Signing und benennt so Kollegah und Sun Diego als Ursprung für den Erfolg von Mois.

Hierauf entgegnet Mois, dass diese Argumentation höchstens von neunjährigen Kindern kommen würde. Er sei durch Arbeit und Fleiß auf dieses Erfolgslevel gekommen.

"Alim hat Mois erschaffen. Alim hat Mois mit drei Videos am Tag seit vier Jahren erschaffen."

Mois über Bushido & die Sentino-Line

Mois hat offenbar wahrgenommen, dass Bushido via Insta-Story zum Hören des Asche-Tracks ermutigt hat. Dieser Move sei aus der Perspektive des Anführers der Keller GmbH "sehr wild". Mois rät Bushido, sich aus solchen Angelegenheiten rauszuhalten. Ein paar freundliche Grußworte spricht Mois hingegen in Richtung von Sentino aus. Der Track "Yayo", an dem Sentino laut Credit-Angaben zusammen mit Kollegah und Asche gearbeitet hat, sei "heftig geschrieben".

Asches "HIStory": Reaktionen von Bushido, Mois, Sentino & mehr

Schlussendlich nimmt sich Mois noch ausgiebiger Zeit, um über die wohl umstrittenste Stelle auf Asches Track zu sprechen. Dieser rappt, dass in der Mutter einer nicht eindeutig benannten Person der "halbe Ostblock" gesteckt habe. Mois erklärt, dass er aufgrund des Kontextes zunächst davon ausgehen musste, dass dabei der Name seines Sohnes unkenntlich gemacht wurde. Dass dem womöglich nicht so ist, offenbart Asche in seiner Insta-Story. Er zeigt dabei eine Sequenz, aus welcher hervorzugehen scheint, dass er an der entsprechenden Stelle über Sentino rappt. Ob dessen Name schon immer dort platziert war, zieht Mois bereits in Zweifel.

Zudem wertet Mois die vorherige Zensur des Namens als absichtliche Doppeldeutigkeit, die er als "ehrenlos" bezeichnet. Die Klarstellung, dass sich die Line ausdrücklich gegen Sentino richten würde, sei ganz bewusst so kurz vor dem angekündigten Video gekommen. Asche wolle die aktuelle Aufmerksamkeit um seine Person möglichst lange ausnutzen. Damit ist das Thema für Mois auch noch nicht gegessen. Bereits morgen um 18 Uhr soll ein neues Video über Asche erscheinen. Mois schickt auf Instagram vorweg: "Morgen drehen wir richtig durch."

Hier kannst du das aktuelle Statement von Mois in voller Länge sehen:


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