Fler & PA Sports: Was ist an Xavier Naidoos Videos rassistisch?

Xavier Naidoo ist in der Vergangenheit bereits mehrfach durch dubiose Texte, Aktionen und Aussagen aufgefallen. Letzte Woche hat er es mit einigen rassistischen Videos dann aber so weit getrieben, dass viele Ex-Fans nicht mehr drumherum kommen, sich von ihm zu distanzieren. Xavier Naidoo hat deswegen sogar seinen Job als DSDS-Juror verloren. Aber Rapper wie Fler oder PA Sports wollen offenbar immer noch nicht wahr haben, dass der Sänger schon seit einer ganzen Weile mit dem extrem rechten Rand flirtet – beziehungsweise bis zum Hals im braunen Verschwörungs-Sumpf zu stecken scheint.

Fler, PA Sports & Co wollen offenbar unbedingt Xavier Naidoo-Fans bleiben

Aus Prinzip? Fler stellt sich in einem Instagram-Post klar auf die Seite von Xavier Naidoo. Seine Denkweise offenbart er mit der Frage danach, ob das nun der Dank für Xavier Naidoos Engagement gegen rechte Gewalt sei. Dabei setzt er rechte Gewalt auch noch in Anführungszeichen, als wäre er sich nicht ganz sicher, ob es das wirklich gibt – ein Jahr nach Christchurch und nicht mal einen Monat nach Hanau.

Rappern gefällt das: Es fällt aber offensichtlich nicht nur Fler schwer, der Realität ins Auge zu blicken: Sein Instagram-Post wurde unter anderem von Specter, Sido, Azad, Karen Firlej, MC Bomber und Ali Bumaye gelikt. Sie alle deuten damit offenbar an, Xavier Naidoo auch weiterhin treu bleiben zu wollen. Und zwar völlig unabhängig davon, dass er rechte Narrative verbreitet sowie Angst und Hass schürt.

Menschen ändern sich: All diese Xavier Naidoo-Fans scheinen zu glauben, dass Menschen sich nicht ändern können. Nur weil jemand früher mal im Knast war, weil er Scheiße gebaut hat, heißt das nicht, dass wir ihm sein ganzes Leben lang nicht vertrauen sollten. Nur weil jemand mal etwas Dummes gesagt hat, heißt das nicht, dass er nicht dazu lernen kann. Und nur weil jemand sich einmal vor vielen Jahren gegen Rechts engagiert hat, heißt das nicht, dass er sein Leben lang strammer Antifaschist bleibt.

Xavier Naidoo erntet Shitstorm nach rassistischem Gesangsvideo

Mehr und mehr Kollabopartner und Kollegen distanzieren sich klar von Xavier Naidoo: UPDATE vom 11. März: Mit einem schriftlichen Statement auf Instagram hat Xavier Naidoo auf die kursierenden Videos reagiert. Diese sollen aus dem Jahr 2018 stammen. Laut der einleitenden Passage der Erklärung sei Xavier Naidoo jemand, der sich "zuweilen emotional künstlerisch äußert".

Migrationshintergrund schützt nicht vor Rassismus

Mittlerweile hat er das mehr oder weniger relativiert und sich sehr viel reflektierter geäußert, aber PA Sports hat in einem Instagram-Statement vor einigen Tagen noch für Xavier Naidoo argumentiert. Dabei ging es ihm vor allem wohl darum, dass Xavier Naidoo kein Rassist sein könne, weil er selbst einen Migrationshintergrund hat. Aber leider stimmt das nicht, auch wenn es schön wäre, immerhin haben fast alle Menschen einen.

Dieses Argument tragen viele Leute immer wieder vor, aber es ist eigentlich gar kein Argument. Zumindest ergibt es keinen Sinn. Vielleicht lässt es sich mit diesem Beispiel schnell und einfach veranschaulichen: Adolf Hitler stammte eigentlich aus Österreich.

Wo ein Mensch geboren wurde, sagt leider überhaupt nichts darüber aus, was er denkt. Eine Migrationsgeschichte, Fluchterfahrungen oder ähnliches schützen nicht davor, rassistische Denkweisen anzunehmen und weiter zu verbreiten. Wieso sollte das auch so sein?

Wegen rassistischer Äußerungen: RTL schmeißt Xavier Naidoo aus DSDS-Jury

Von Michael Rubach am 12.03.2020 - 11:45 Xavier Naidoos gestern aufgetauchte fremdenfeindliche Videobotschaften rufen vermehrt Reaktionen aus der Rapszene hervor. Kollegen und Kollabopartner wie Chefket, Credibil oder Megaloh distanzieren sich mit Nachdruck von dem Sänger. Auch das Musikerkollektiv Söhne Mannheims erklärt sich via Facebook. Chefket hat auf Instagram zu den verstörenden Äußerungen Xavier Naidoos Stellung bezogen.

Nochmal im Klartext: Was ist so schlimm an diesen Xavier Naidoo-Videos?

Immer wieder argumentieren Xavier Naidoo-Fans oder straight up Nazis, die aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo seien nicht rassistisch oder fremdenfeindlich. Wer das behauptet, hat sich damit ganz offensichtlich nicht eingehend auseinandergesetzt – oder weiß nicht, was Rassismus bedeutet. Aber wir wollen mal nicht so sein und dröseln das Ganze nochmal kurz auf.

  • Die Videos sind rassistisch: Xavier Naidoo fantasiert in seinem Songtext über angeblichen "Rassenhass". Also geht er offensichtlich davon aus, dass es "Rassen" gibt, die sich hassen. Genau das ist Rassimus: Zu glauben, dass es verschiedene "Menschen-Rassen" gibt, was wissenschaftlich betrachtet und nachgewiesenermaßen einfach völliger Quatsch ist
  • Klar rechte Argumente: Xavier Naidoo bedient sich in diesen Songs eindeutig rechter Strategien. Er erzählt genau denselben Unfug, den stramme Nazis und Terroristen verbreiten. Nicht nur bei Xavier Naidoo geht es um den angeblichen Volkstod oder die Behauptung einer mystischen Umvolkung, sondern auch bei den Terroristen, die zum Beispiel in Christchurch oder Halle getötet haben
  • Falsche Behauptungen: Xavier Naidoo geht den rechten Behauptungen offenbar selbst auf den Leim und – schlimmer noch – verbreitet sie einfach weiter. Es stimmt schlicht nicht, dass angebliche Migranten täglich Menschen ermorden. Das ist eine unglaublich böswillige Unterstellung beziehungsweise eine dreiste Lüge. Die schürt wiederum Angst und Hass, was extrem verantwortungslos ist

Xavier Naidoos Reichweite: Sie bedeutet Verantwortung. Genau dieser Verantwortung wird Xavier Naidoo (genau wie Fler) aber leider in keinster Weise gerecht. Ganz im Gegenteil. Statt für Aufklärung zu sorgen, für Solidarität, für Nächstenliebe und Fakten einzutreten, gießt er lieber Öl ins (Bücherverbrennungs-)Feuer der Rechten. Er spielt damit nicht nur den harmlosen Verschwörungstheoretikern in die Karten, sondern stimmt in genau denselben Chor ein, den der parlamentarische Arm des Rechtsterrorismus aka die AfD singt. Das heißt, wenn wir es zu Ende denken, dass sich Xavier Naidoo durch solche Videos an zukünftigen Wiederholungen von Terror-Anschlägen wie denen in Hanau, Halle oder Christchurch mitschuldig macht, statt dabei hilft, sie zu verhindern. Wissentlich, absichtlich.

Die Lage ist eindeutig: Die Gründe für Xavier Naidoos aktuelles Verhalten bleiben unklar, aber die Texte und darin enthaltenen Ideen lassen sich einfach nicht wegdiskutieren. Schon gar nicht mit dem Argument, dass Xavier Naidoo irgendwann mal irgendetwas anderes gesagt oder getan hat. Es sieht vielmehr schon seit einigen Jahren danach aus, dass sich Xavier Naidoo in diese rechte Richtung entwickelt hat. Es gibt genug Menschen und Artikel, die das angekreidet und bemängelt haben.

Aber viele Fans wollen das offenbar einfach immer noch nicht wahr haben. Sie haben sich aus Xavier Naidoos Rassimus-Interview von 1999 nichts gemacht, fanden seine Aktionen 2011 oder 2017 auch nicht schlimm, wollen nicht einsehen, was an diesen neuen Entgleisungen das Problem ist und werden wohl auch in Zukunft leider einfach stur bleiben, so traurig das ist.

Xavier Naidoo: Weitere Deutschrapper distanzieren sich deutlich

Xavier Naidoos gestern aufgetauchte fremdenfeindliche Videobotschaften rufen vermehrt Reaktionen aus der Rapszene hervor. Kollegen und Kollabopartner wie Chefket, Credibil oder Megaloh distanzieren sich mit Nachdruck von dem Sänger. Auch das Musikerkollektiv Söhne Mannheims erklärt sich via Facebook. Chefket hat auf Instagram zu den verstörenden Äußerungen Xavier Naidoos Stellung bezogen.

Meinungsfreiheit bedeutet nicht, keine Kritik aushalten zu müssen

Viele Xavier Naidoo-Fans argumentieren (genau wie Nazis) auch immer wieder besonders gern mit der Meinungsfreiheit. DaS wIrD mAn Ja WoHl NoCh SaGeN dÜrFeN und so. Klar, das bleibt auch so. Darum geht es hier ja aber auch gar nicht.

Schließlich hat niemand Xavier Naidoo davon abgehalten, diese Songs aufzunehmen und zu verbreiten. Er muss jetzt einfach nur mit den Konsequenzen klar kommen, die sein Handeln nach sich zieht. Genau so wie alle anderen Menschen auch.

Soll heißen: Klar hast du das Recht, deine Meinung zu äußern. Genau wie Xavier. Aber ihr müsst es dann genauso auch aushalten, dass euch andere Menschen widersprechen, die eine andere Meinung haben und euch für eure kritisieren.

Aber es gibt auch Hoffnung: PA Sports erklärt gestern Abend in einem Gespräch mit Leon Lovelock live auf Instagram (mehr zu den ganzen Corona-Verschwörungstheorien findest du hier) zunächst, er habe die Xavier Naidoo-Videos nicht einmal gesehen. Aber auch ihm fällt auf, dass Xavier nicht zum ersten Mal kritisiert wird.

"Trotzdem sage ich auch unter Vorbehalt: Das ist schon zwei-, dreimal hintereinander passiert. Man weiß auch nicht, Leon. Vielleicht hat der sich auch gedanklich in eine andere Richtung entwickelt."

Auch wenn PA Sports teilweise selbst bereits sehr krude Ideen verbreitet hat, gebührt ihm für diese Aussagen Respekt. Er erscheint im Vergleich zu Leon Lovelock geradezu als Stimme der Vernunft. PA erklärt sogar die Grenzen der Meinungsfreiheit:

"Es gibt auch gewisse Dinge, die in Beleidigung reingehen. Dann ist das keine Meinung mehr. Rassistische Aussagen. Dinge, die die Menschenwürde ankratzen."

Dieter Bohlens Statement zu Xavier Naidoo ist eine Enttäuschung (Meinung)

Xavier Naidoo ist unter der Woche bei DSDS rausgeflogen. Dem vorausgegangen sind verstörende Aufnahmen, die den Mannheimer beim Singen von hetzerischen Zeilen zeigen. Wie positioniert sich nun ein Unterhaltungsformat wie DSDS zu einem Künstler, der nicht erst seit gestern der rechten Szene in die Hände spielt? Unsouverän, unzureichend und letztendlich enttäuschend.

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Kommentare

Liebes HIP HOP.de,

ihr lebt auch getreu dem Motto: Doppelmoral ist besser als gar keine Moral.

Wer berichtet über eine Musikrichtung, die vorwiegend Kinder und Jugendliche hören und supportet dabei auch Künstler, die 24/7 Drogenkonsum, sinnlose Gewalt und Kriminalität verherrlichen?

Ob ihr wollt oder nicht habt auch ihr Anteil daran, dass in deutsche Kinderzimmer akustischer Sondermüll gespült wird und sich kleine Köpfe und Herzen mit Gift füllen!

Kann man Xavier für sein Verhalten kritisieren? Klar. Unfair ist es jedoch, seinen Einsatz gegen Rechts (z.B. "Adriano") unter den Teppich fallen zu lassen. Und dieser fand in einer Zeit statt, in der es mit Sicherheit noch nicht so angenehm war, so etwas zu sagen.

Wer frei von Schuld ist werfe den ersten Stein und wer diesen Kommentar löscht, hört heimlich Helene Fischer.

Love.

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Bonez MC, Fler, Celo & Abdi, Kalim, Tua & mehr im Deutschrap-Update

Bonez MC, Fler, Celo & Abdi, Kalim, Tua & mehr im Deutschrap-Update

Von Till Hesterbrink am 23.10.2020 - 13:37

Die "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist bringt euch heiße Songs für die kalte Jahreszeit. Jede Woche sammeln wir für euch die neusten Tracks der Woche in einer Playlist. Diese Woche ist Loredana mit "Rockstar" auf unserem Playlistcover.

Neue Alben & EPs: Azzi Memo, Ace Tee & Binho

Azzi Memo hat mit "Gelato" sein bereits drittes Album veröffentlicht. Auf den insgesamt 13 Songs sind unter anderem die beiden Shootingstars Yung Kafa & Kücük Efendi vertreten und auch Labelboss Haftbefehl. Auf "Traphouse Freestyle" bekommt der Hanauer Unterstützung von Kalim. Der Song ist ein absolutes Brett.

Die Hamburgerin Ace Tee hat eine EP mit dem Namen "ACE X" rausgebracht. Der Sound ist erstaunlich modern, sodass es gut passt, dass Lucio101 und Nizi die einzigen Features sind. "Also Bitte" mal reinhören.

Binho wirft sein "Liveset" in den Ring. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich hierbei allerdings nicht auf Liveaufnahmen seiner Tracks. Auf sieben Tracks zeigt der Mannheimer, warum er aktuell zu den vielversprechendsten Newcomern zählt. In unsere Playlist hat er es mit "Jogga" geschafft.

Neue Singles: Bonez MC, Fler, Tua

Mit dem Release seines "Hollywood-Uncut"-Albums direkt vor der Tür, haut Bonez MC diese Woche noch eine Single raus. "Angeklagt" ist ein äußerst reflektierter Track darüber, welchen Einfluss Kriminalität auf das Leben der 187-Jungs hat. Im Video sind natürlich alle am Start – auch der frisch verurteilte Gzuz.

Fler und Katja Krasavice haben den möglicherweise kontroversesten Song des Jahres rausgebracht. "Million Dollar A$$" zeigt in jedem Fall mal wieder, dass Fler immer noch ein feines Gespür für Marketing-Moves hat. Zum Erstaunen vieler macht der Song wirklich Spaß und kommt auch bei den Fans besser an als erwartet.

Der Szeneliebling Tua verabschiedet sich mit "Sayonara". Zum Glück aber nur von seinem lyrischen Gegenüber, der "Bardame". Produziert hat der Chimperator-Artist den Track selber.

Celo & Abdi droppen weiter Singles für ihr "Mietwagentape II", als wäre es nichts. Diese Woche haben sie sich für "Zero Zero" den äußerst talentierten Newcomer NGEE rangeholt.

Außerdem sind diese Woche neu in der "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist: Mu$a386, Savvy, Pablokk, Undacava, morten, Lugatti, AK 33, Nate57 und viele mehr.

Hier kannst du die Playlist abonnieren!


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