Rap Radar: 5 Erkenntnisse aus Drakes XXL-Interview

Drake ist zweifellos einer der größten Stars auf diesem Planeten. Interviews mit Drizzy sind rar gesät. Für den Podcast Rap Radar mit B. Dot und Elliot Willson hat sich der Kanadier nun reichlich Zeit genommen. Wir haben uns fünf der prägnantesten Punkte aus dem über zweistündigen Gespräch herausgegriffen.

Album of the Year: Drake hat zwei Favoriten

Mit welchen Alben hatte Hitmaschine Drake 2019 den meisten Spaß. Offenkundig mit einem Künstler, der die Freude an der Musik über den Albumtitel transportiert. Young Thugs "So Much Fun" hat Drake vollends überzeugt. Neben dem Thugger führt der kanadische Superstar noch Baby Keem mit seiner Platte "Die For My B*tch" an. Drizzy hat schon oft bewiesen, dass er ein gutes Gespür für aufstrebende Artists besitzt.

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Drake says Young Thug & Baby Keem have the best albums of 2019 https://t.co/fn9UspFIyD

Drakes Haltung zu Ghostwriting

Ghostwriting-Vorwürfe brachten einst den - inzwischen geklärten - Beef zwischen Meek Mill und Drake ins Rollen. Seitdem hängen dem Kanadier dennoch Gerüchte nach, er würde sich lyrisch zuarbeiten lassen.

Drake bezeichnet Musik im Allgemeinen als eine "kollaborative Sache". So auch bei "If You're Reading This It's Too Late" – dem Tape, bei dem ein gewisser Quentin Miller mitgewirkt hat. Drake sei an der Platte nichts peinlich. Man habe schlichtweg zusammengearbeitet. Schlussendlich gehe es um den Song. Die Regeln im Rapgame seien einfach schärfer als in der restlichen Musiklandschaft. Daher sei dieses Thema so groß geworden. Dabei zeigt sich Drake von seinen eigenen Schreibfähigkeiten vollends überzeugt. Jeder, der ihn kenne, wisse, dass die lyrische Komponente seine größte Stärke sei.

"Mein größtes Talent ist Schreiben."

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Drake Addresses The Ghost Writing Claims For The First Time w/ @ElliottWilson & @BdottM https://t.co/5lN9Dzxsvx

Drake kann Pusha T nicht vergeben

Pusha Ts Disstrack "Story auf Adidon" hat 2018 ordentlich Staub aufgewirbelt. In dem Song enthüllte Pusha unter anderem, dass Drizzy einen Sohn hat. Drake erklärt, dass er den Song als seine erste Niederlage im Rap-Sport ansehe. Dies führe er jedoch nicht auf einen unfassbaren Track zurück, der mit hervorragenden Bars besticht, sondern auf den Umstand, dass die Information über die Existenz seines Kindes "zu schockierend" gewesen sei. Drake vergleicht es mit einem "genialen Schach-Move", der ihn lahmgelegt habe. Mit der Musik von Pusha könne er hingegen nichts mehr anfangen und er habe zudem kein Interesse daran, etwas "mit dieser Person zu klären."

"Einige Leute mögen seine Musik. Ich persönlich nicht, weil ich nichts davon glaube. Und ich mag es Leuten zuzuhören, denen ich glaube."

("Some people like his music, I personally don’t ’cause I don’t believe any of it. And I like to listen to guys I believe.")

Als Drake 16 Jahre alt gewesen sei, habe er Pusha T noch für den "größten Dope Dealer der Welt" gehalten. Jetzt, wo er erwachsen sei und die Wahrheit kenne, sei Pushas Rap nicht mehr ansprechend.

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Drake will never Forgive Pusha T For Exposing him For Having a Son https://t.co/EljIqNqRvq

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@ElliottWilson @Drake Drake on Pusha-T: "Some people like his music. I personally don't 'cuz I don't believe any of it." [via @ElliottWilson's #RapRadarPodcast] https://t.co/loJjbndTrO

Drake sieht Kanye West in der Bringschuld

Die Beziehung von Kanye West und Drake ist allein durch den Pusha-Beef ziemlich vorbelastet. So war es Kanye, der Pushas Album "Daytona" produzierte, das auf dem Track "Infrared" bereits erste Lines in Richtung Drake enthielt.

In einem Twitter-Rant Ende 2018 regte sich Kanye gewaltig über Drake auf. Unter anderem ging es dabei um Lines auf "Sicko Mode", die Kanye als "Sneak Disses" wertete. Und ja – genau das waren sie. Drake gesteht im Interview, dass er auf dem Track von Travis Scott zum verbalen Angriff übergangen ist. Allerdings sei das am Ende des Tages alles ein Sport. Mit Kanye wolle er gegenwärtig nichts zu tun haben. Ein Gespräch zwischen den beiden lehnt er ab:

"Nein, nicht wirklich, weil es nicht an mir liegt. Ich hatte kein Problem mit irgendjemanden dieser Leute. Ich kenn diese Typen nicht einmal so."

("No, not really, because it's not on my end. I had no problem with any of these guys. I don't even know these guys like that."

Hat Drake Klassiker vorzuweisen?

Bei all den Hits, die Drake in seiner Karriere schon geliefert hat, mag die Frage einigermaßen provokant wirken. Doch Drake liefert einige gut nachvollziehbare Antworten dafür, warum seine Alben oftmals nicht in den oberen Plätzen von Jahresbestenlisten auftauchen. Bei seinem letzten Studioalbum "Scorpion" sei er beispielsweise von Biggies "Life After Death" geradezu besessen gewesen. Ein Album, das ebenfalls über 20 Songs aufweist. Er werde wohl nie eine Platte mit 12 oder 13 Songs machen, die Kritiker als Klassiker wertschätzen würden.

Er sei nunmal der Einzige, der zwei Dinge auf seinen Alben erfüllen müsse: Singen und Rappen. Dies sei eine "Verpflichtung" seiner Hörerschaft gegenüber. Das sei auf so wenigen Anspielstationen nicht auf befriedigende Weise unterzubringen. Drake selbst verfügt über genügend Selbstbewusstsein um zwei seiner Werke als Klassiker einzustufen. Die entscheidende Sache sei, ob die Musik, die man gemacht habe auch Jahre später noch Einfluss auf die Kultur nehmen würde. Dies sei bei seinen Releases "So Far Gone" und "Take Care" der Fall.

"Ein Klassiker wäre für mich ein Werk, das das Jahr und die Jahre danach prägte und einen massiven Einfluss auf die Musikkultur hatte. Also in dieser Hinsicht bin ich mir sicher, dass ich Klassiker habe."

("To me, a classic would be a body of work that shaped that year and the years afterward and had a massive impact on the music being made, the culture. So, in that regard, yeah for sure I think I have classic albums.")

Drizzys neuesten Track "War", der vollständig auf Gesang verzichtet, kannst du hier hören:

Drake - War [Video]

Drake grüßt von der Piste. Allerdings entspannt er nicht nur, sondern ruft den "War" aus. Der Song verzichtet dafür auf eine Hook. Drizzy liefert einfach Bars und packt dabei Flows aus, die an Drill Musik aus dem UK erinnern. In dem Track widmet sich Drizzy mutmaßlich auch seinem Verhältnis zu The Weeknd.

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50 Cent mit Rundumschlag: Diss gegen Meek Mill, Rick Ross & Roc Nation CEO

50 Cent mit Rundumschlag: Diss gegen Meek Mill, Rick Ross & Roc Nation CEO

Von Michael Rubach am 06.07.2020 - 19:58

50 Cent wird einfach nicht müde, seine Rolle als Provokateur zu spielen. In einer weiteren Episode des Young Money Radio mit Lil Wayne ist es Fifty nun gelungen, mit ein paar knappen Ausführungen gleichzeitig gegen Meek Mill, Rick Ross und die First Lady von Roc Nation auszuteilen. Zumindest lässt die Art und Weise der Formulierung kaum eine andere Interpretation zu.

Meek Mill, Rick Ross & Roc Nation CEO: 50 Cent disst wild herum

Lil Wayne ist sichtlich amüsiert, als Fifty einige rhetorische Fragen in den Raum wirft. Im Vorfeld erklärt er noch, keine Namen nennen zu wollen. Auch ohne Namedropping ist es jedoch ziemlich offensichtlich, an welchen Vertretern des US-Raps sich der New Yorker auslässt.

"Ich sage nur, wenn du für eine Gefängnisreform stehst, wie kannst du bei einem Justizvollzugsbeamten unterschreiben und von einer Snitch gemanagt werden? Hilf mir, Hilf mir. Ich schaue mir nur bestimmte Dinge an und denke: 'Warte, was ist das?'"

("I'm just gonna say, if you represent prison reform, how do you sign to a correctional officer and you managed by a snitch? Help me, help me with this man. I just look at certain sh*t and I go, 'Wait, how is that?'")

Unter anderem zusammen mit Jay-Z bildet Meek Mill ein Teil der Reform Alliance. Das Ziel der Organisation ist es, die geltende Gesetzeslage in Amerika zu ändern. Eine Gesetzeslage, die Meek Mill schon mehrfach wegen kleinerer Delikte in den Knast brachte und dafür sorgte, dass er eine extrem lange Zeit auf Bewährung unterwegs war.

Wenn 50 Cent also über jemanden spricht, der für eine Gefängnisreform einsteht, dann meint er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Meek Mill. Jay-Z zeigt in dieser Angelegenheit nicht so viel Gesicht wie sein jüngerer Mitstreiter.

Jay-Z & Meek Mill kämpfen mit 50 Millionen Dollar für Justizreform

Meek Mill und Jay-Z machen ernst: Zusammen mit Partnern aus der Sport- und Business-Welt planen sie nicht weniger, als das amerikanische Justiz-System zu reformieren. Dafür haben sie die Initiative "Reform Alliance" ins Leben gerufen, wie auf einer Pressekonferenz in New York bekanntgegeben wurde.

Beim "Justizvollzugsbeamten" bezieht sich der New Yorker offensichtlich auf Rick Ross. Officer Ricky war schließlich vor seiner Rapkarriere im Gefängnis angestellt. Er ist zugleich einer der Lieblingsfeinde von Fifty. Wie es der Zufall so will, ist Meek Mill ein Künstler auf Rick Ross' Label Maybach Music Group.

Bliebe noch die Snitch, von der Meek Mill angeblich gemanagt werden soll. Hierbei dürfte es sich um Diseree Perez handeln, die Ende 2019 zum CEO von Roc Nation ernannt wurde. Das von Jay-Z gegründete Unternehmen ist für das Management von Meek Mill zuständig.

Desiree Perez soll laut US-Presse in den Neunzigern mit über 30 Kilo Kokain erwischt worden sein. Anschließend sei sie als Informantin für die DEA (Drug Enforcement Administration) tätig gewesen. Diese eher kuriose Verbindung von Meek Mill und Frau Perez ist auch schon 6ix9ine aufgefallen.

Das gesamte Konstrukt, in dem sich Meek Mill bewegt, findet Fifty offenkundig ziemlich lächerlich. Es ist für ihn augenscheinlich komplett paradox, dass sein Kollege aus Philadelphia wie kaum ein Zweiter für Veränderungen im amerikanischen Justizsystem wirbt. Meek Mill lässt sich von Fiddy jedoch nicht aus der Reserve locken und beurteilt das Getöse als eher "corny", wie er auf Twitter schreibt. Zuletzt war er dafür an einer anderen Beef-Front aktiver:

Freddie Gibbs & Akademiks Beef eskaliert: "Ich foltere dich, bis du das Game verlässt"

In der US-Rap-Szene brennt's: Freddie Gibbs und der Blogger DJ Akademiks tragen aktuell einen Rap-Beef aus, wie er im Bilderbuch steht. Von den klassischen Schwanzvergleichen bis hin zu genialen Memes und natürlich einer Prise 6ix9ine (wie auch sonst?) ist alles dabei.


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