Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Wer, wenn nicht Bushido weiß: "Zeiten ändern dich" – und so wirkt der vermeintliche Realtalk auf früheren Disstracks einige Jahre später gar nicht mehr so real. Mit "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" zog Bushido 2013 gefühlt die komplette Szene auf seine Seite. Zu hart und zu brachial ging Bushido mit Kay und seinem Abgang aus Berlin ins Gericht. Den Einfluss von Arafat Abou-Chaker hob Bushido damals noch lobend hervor. Er sei eine Art "Vater" für Kay One gewesen.

Ziemlich genau sieben Jahre später treffen sich Bushido und Arafat Abou-Chaker regelmäßig vor einem Richter. Nur sehr hartgesottene Sonny Black-Jünger dürften weiterhin bedenkenlos hinter der legendären "Ehrenmann"-Line stehen, mit der Bushido seinen Kay-Diss beendete. Auch an einer Reihe anderer Aussagen hat der Zahn der Zeit genagt.

Das Leben mit LKA-Beamten

"Früher war es 'F*ck die Polizei' oder Louis V / Heute sind es LKA-Beamte und Security"

2013 tat Bushido einiges dafür, Kay Ones Widersprüche aufzuzeigen. So lässt sich Kay One auf einem Track wie "Bis die Polizei kommt" (2010 von den Ordnungshüter*innen nicht wirklich irritierten – selbst auf der Polizeistation will er durchziehen und sagt: "Wir saufen weiter". Nach dem Bruch mit ersguterjunge nahm Kay jedoch Polizeischutz in Anspruch. Auch beim Dreh zu "Deutschland sucht den Superstar" wurde er damals von Personenschützern des Landeskriminalamtes begleitet, wie der Tagesspiegel berichtete.

Spätestens seit Bushido als Nebenkläger vorm Berliner Landgericht aussagt, ist gut dokumentiert, dass auch der 42-jährige Rapstar öffentliche Termine nicht mehr alleine wahrnehmen kann. Im Gerichtssaal sind Beamte anwesend, die für seine Sicherheit sorgen sollen. Dieser Personenschutz ist inzwischen derart zur Routine geworden, dass Bushido laut Spiegel vor Gericht lachen muss, wenn er rückblickend davon erzählt, dass Arafat Abou-Chaker ihn einst vor dem LKA beschützen sollte.

Der angebliche Sklave

"Ich bin angeblich Sklave der Familie Abou-Chaker / Schäm dich – Arafat war so was wie dein Vater"

Kay One hatte seinerzeit in Interviews mehrfach dargelegt, dass Bushido von Arafat Abou-Chaker wie ein Sklave oder Schoßhündchen behandelt worden sei. Für solche Äußerungen sollte Kay sich nach dem Geschmack von Bushido ausdrücklich schämen. Er forderte stattdessen Respekt für Arafat Abou-Chaker ein.

Inzwischen hat sich die Situation vollends ins Gegenteil verkehrt. Bushido beschreibt vor Gericht umfangreich, wie sehr Arafat Abou-Chaker von ihm finanziell profitiert habe. Er schildert ein Abhängigkeitsverhältnis und zieht als Vergleich eine "Zwangsheirat" heran. Schon 2018 auf dem Track "Mephisto" vermittelte Bushido den Eindruck, dass Kay mit seiner damaligen Einschätzung nicht so weit daneben gelegen haben könnte. Unter anderem ist dort von einem "Teufel und Diktator" die Rede, der "keinen Einwand" akzeptieren würde.

Bushido - Mephisto [Video]

Hund oder einer von uns?

"Er sagte nur: 'Der Junge ist jetzt einer von uns.' / 'Und einen von uns behandelt keiner wie 'nen Hund.' – yeah"

Um zu untermauen, wie sehr sich Arafat Abou-Chaker im Berliner Umfeld für Kay One eingesetzt habe, kramte Bushido auf "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" eine kurze Anekdote hervor. Sein ehemaliger Geschäftspartner soll mit einer Ansage dafür gesorgt haben, dass sich keiner mehr über Kay lustig macht. Wer als Teil des EGJ-Teams gilt, werde respektiert und geachtet.

Schenkt man Bushidos Aussagen in einem Stern-Interview von vor zwei Jahren glauben, ließ Arafat Abou-Chaker ausgerechnet seinen Geschäftspartner Bushido jedoch sehr wohl spüren, wenn er mit Entscheidungen nicht einverstanden war. Dieser sei damals zu seiner Ehefrau zurückgekehrt. Laut Bushido beleidigte ihn Arafat daraufhin: "Er nannte mich einen Hund".

Schwindende Freiheit

"Wenn ich will, geh' ich spazieren am Alexanderplatz / Eine Freiheit, die du als ein Informant nicht hast"

In "LuTdKG" schaute Bushido auch auf die möglichen Konsequenzen, die Kay Ones Verhalten im Alltag mit sich bringen könnte. So sei ein einfacher Spaziergang nicht mehr drin. Schließlich habe Kay mit der Polizei zusammengearbeitet. Als Informant sei die Freiheit eingeschränkt.

In diesem Jahr agiert Bushido selbst wie eine Art Kronzeuge. Er sagte bereits an etlichen Prozesstagen gegen Mitglieder der Familie Abou-Chaker aus – zusätzliche Gerichtstermine werden folgen. Vom einstigen Gangstermythos ist nichts mehr übrig. Dass sich Bushido im Herbst 2020 allein und ohne Weiteres über den Alexanderplatz bewegen kann, ist ziemlich schwer vorstellbar.

Der "31er" kommt ins Spiel

"31er, hör zu, eine Line macht dich nicht cool / Deine Techno-Junkie-Fans seh'n so scheiße aus wie du"

Bushido trat mit seinem Kay One-Diss wohl das gesamte 31er-Ding los. Wenngleich Xatar die Thematik bereits 2008 in einem Song verarbeitete ("Paragraph 31"), wurde die Formulierung erst mit Bushidos Diss zum Standard im Rap-Jargon. Die Bezeichnung "31er" ist seither gleichbedeutend mit Verräter*in. Dabei geht es in dem entsprechenden Paragraphen eigentlich um die Möglichkeit von Strafminderung, insofern gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen wurde. Und das eint Bushido und Kay One: Es ist nicht bekannt, dass sie wegen solcher Delikte je strafrechtlich aufgefallen wären. Das juckt jedoch kaum jemanden und so begegnen wir einem "31er" immer wieder in Deutschraptracks.

Der sogenannte "Judas-Paragraf" flog Bushido im Januar 2019 musikalisch um die Ohren. Capital Bra und Samra machten mit "F*ck 31er" deutlich, dass sie sich nicht mehr als Teil des EGJ-Camps begreifen und Kooperationen mit der Polizei ablehnen. Das Blatt hat sich gewendet. Was Bushido einst an Kay One verachtete, wirft die Szene ihm nun vor.

Joker Bra ft. Samra - fick 31er [Video]

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PewDiePie disst 6ix9ine in Kinderlied-Parodie

PewDiePie disst 6ix9ine in Kinderlied-Parodie

Von Michael Rubach am 18.02.2021 - 16:07

Der wohl berühmteste YouTuber der Welt PewDiePie (109 Millionen Abos) hat 6ix9ine gleich mehrfach in seinem neuen Track "Coco" gedisst. Dabei hat es der 31-Jährige mit dem Song eigentlich hauptsächlich auf den Kinderlieder-Kanal Cocomelon abgesehen. Dieser könnte mit seinen Abozahlen demnächst an dem Schweden vorbeiziehen.

PewDiePie teilt auf "Coco" gegen 6ix9ine aus

PewDiePie hat sich für das Video zu "Coco" mit einem jungen Publikum umgeben. In verschiedenen Kostümen macht er durchgehend fluchende Ansagen an Cocomelon. Ohne auf den Text zu achten, klingt der Song wie ein fröhliches Kinderlied. Wirklicher Beef steckt hinter dem Move nicht. Diese Dissstrategie gegen andere Kanäle fährt der YouTuber nicht zum ersten Mal. Mit "B*tch Lasagna" und "Congratulations" hat er bereits zwei Tracks herausgebracht, die sich mit der direkten Konkurrenz beschäftigen.

Von so einem Level ist 6ix9ine mit seinem Channel weit entfernt. Er kommt dort auf knapp über 19 Millionen Abos. Dennoch hat es PewDiePie auf den Rapper abgesehen. Trotz der Einbettung in ein Kinderlied fallen die Disses hart aus. So gibt er den Kids sehr direkt auf den Weg, "keine verdammte Snitch" zu sein. Am Set des Videos soll übrigens eine zensierte und somit kindgerechte Version des Songs gelaufen sein.

"Don't tell your mama, don't be a f*cking snitch / Don't be likе 6ix9ine, that rainbow f*ckin' b*tch"

Auch weist der Schwede die Kinder daraufhin, bloß keine Farbe zu essen. Sonst würde das Gehirn ähnlich viel Schaden nehmen wie bei 6ix9ine. Außerdem könne der New Yorker Rapper nicht kämpfen. Erst neulich suchte Tekashi die öffentliche Auseinandersetzung mit Meek Mill. Zum Fight kam es nicht.

"Rainbow b*tch, hair too bright / He a dumb-dumb who can't fight, fight, fight / Don't eat lead paint or you'll cry, cry, cry / Then your brain will end up like 6ix9ine-9ine-9ine"

Im Track geht es mit einer kurzen Waschanleitung für die Kleinen weiter. Wichtig sei, beim Verlassen der Badewanne aufzupassen, ob 6ix9ine in der Nähe ist. Damit spielt PewDiePie auf die Strafakte des Rappers an. Eine Klage wegen Kindesmissbrauchs läuft wohl aktuell noch.

"Scrub behind your ears, then you rinse your eyes  / And when you leave the tub, watch out for 6ix9ine"

Dem Kanal Cocomel teilt der YouTube-Star abschließend mit, dass Liebe rausginge. Das gelte nicht für 6ix9ine, an den PewDiePie wohl eher spaßeshalber eine Kampfherausforderung richtet. Die Beleidigung "ankle-monitor-wearing c*nt" lässt er sich dabei auch nicht nehmen.

PewDiePie verrät, warum er 6ix9ine gedisst hat

Für viele Fans des YouTubers stellte sich im Nachgang natürlich die Frage, aus welcher Motivation heraus die 6ix9ine-Fronts entstanden sind. Auf einer persönlichen Vorgeschichte basiert PewDiePies Diss nicht. Wie er in einem Minecraft-Stream erklärt, liegen die Dinge recht simpel:

"Eine Menge Leute sind verwirrt, warum ich 6ix9ine gedisst habe. [...] Ich mag ihn einfach nicht."

Nach der Veröffentlichung seines Tracks hielt der Schwede zudem fest, dass er bisher keine Reaktion aus Übersee erhalten habe. Auch nennt er 6ix9ine dabei einen "Feigling" und betont die angebliche Ernsthaftigkeit seiner Kampherausforderung.

"6ix9ine war schrecklich still, nicht wahr? Verdammter Feigling! Er hat Angst, du weißt, er hat Angst, ich mache darüber nicht einmal Witze. Stell dir vor, du wirst von einem schwedischen Mann fertig gemacht, davon kannst du dich nicht erholen. Dafür gibt es keine Entschuldigung und das weiß er."

6ix9ine bekommt in letzter Zeit so einige Angebote in dieser Richtung. Riff Raff möchte ebenfalls einen Fight mit dem New Yorker.

Riff Raff fordert 6ix9ine zu einem epischen Boxkampf um zwei Millionen Dollar heraus

Kampf der bunten Rapper: Riff Raff reagierte kürzlich via Instagram auf die Auseinandersetzung zwischen 6ix9ine und Meek Mill. Er warf 6ix9ine dabei vor, sich nur mit Leuten anzulegen, die nicht adäquat reagieren könnten. Um das zu ändern, schlug Riff Raff vor, einen fairen Boxkampf abzuhalten.


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