"Er nannte mich einen Hund": Bushido über sein Leben mit und nach Arafat Abou-Chaker

Gegenüber dem Magazin Stern spricht Bushido zusammen mit seiner Frau ausführlich über seine Vergangenheit mit Arafat Abou-Chaker. Die Titelgeschichte erklärt die Machtverhältnisse zwischen den ehemaligen Geschäftspartnern und wirft so auch ein Licht auf die jahrelange Labelarbeit bei Ersguterjunge.

Die Arbeit mit Arafat Abou-Chaker

Bushido beschreibt ein Machtgefüge, in dem er sich ständig unterordnen musste. Das Verhältnis zu Arafat wäre "von Anfang an mit viel Kontrolle und Druck verbunden" gewesen. Eigene Enstcheidungen hätte er kaum getroffen. Emotional habe ihn diese Abhängigkeit immer stärker belastet:

"Die Beziehung machte mich düster, ich bekam Depressionen. Dennoch tat ich, was er von mir verlangte."

Anna Maria Ferchichi bezeichnet Arafat sogar als eine Art "Sektenführer". Diese Struktur mag Hinweise darauf geben, warum es bis vor kurzer Zeit, keine öffentlichen Aussagen von Bushido in diese Richtung gab. Erst seit der medialen Abgrenzung zu Arafat Abou-Chaker treten immer weitere Feinheiten der Beziehung an die Oberfläche. Eine Trennung habe es nicht zu einem früheren Zeitpunkt gegeben, da die Angst vor einer totalen Eskalation zu groß gewesen sei:

"Ich dachte immer, wenn ich aufhöre zu vermitteln, wenn ich aufhöre, Arafat gegenüber loyal zu sein, dann gibt es eine wirklich schlimme Eskalation. [...] Die Wahrheit konnte ich doch gar nicht sagen oder aufschreiben. Weil die Wahrheit nämlich so aussah, dass ich nichts zu melden hatte. Dass Arafat einfach alles entschieden hat."

Die Zusammenarbeit mit Arafat Abou-Chaker habe sich zu einer Art Automatismus entwickelt. Er sei wie "in einem Wachkoma" gewesen. Erst mit dem heutigen Abstand sieht sich Bushido in der Lage, geschäftliche Abläufe der Vergangenheit anders einzuordnen. So soll sich Arafat über die Besetzung seiner Rolle durch Moritz Bleibtreu in Bushidos Filmbiografie "Zeiten ändern dich" aufgeregt haben. Erst nach einer in der Filmbranche untypischen Zahlung von 200.000 Euro wäre er damit einverstanden gewesen. Profitiert habe Bushido von seiner Verbindung zu Arafat durch "gute Deals" und dessen Art und Weise des Verhandelns.

Der Bruch und neue Bündnisse

Ausschlaggebend bei der letztendlichen Abnabelung von Arafat Abou-Chaker waren für Bushido vor allem die zunehmenden privaten Konflikte mit seiner Frau. Arafat habe auf das Familienleben der Ferchichis massiven Einfluss genommen. Als Bushidos Ehefrau Ende 2014 Anzeige wegen Körperverletzung erlassen hat und zu Hause ausgezogen ist, sei Bushido dies bewusst geworden.

Er habe dennoch in seiner Rolle als Rapper funktionieren müssen. Durch die erneute Schwangerschaft seiner Frau haben sich die Prioritäten des mehrfachen Familienvaters endgültig verschoben.

"Zum ersten Mal seit 14 Jahren widersetzte ich mich auch seinen Forderungen. Ich ging nicht mehr Freitag mit in die Moschee, wie er das lange von mir verlangt hatte [...] Ich wollte einfach nur meine Familie wieder bei mir haben."

Bushidos Lebensführung, die sich nicht mehr komplett nach Arafat Abou-Chaker gerichtet habe, führte irgendwann zu beidseitigen Zweifeln an der bestehenden Geschäftsbeziehung. Auch Arafat soll seine Unzufriedenheit mit der Situation zum Ausdruck gebracht haben.

"Plötzlich sagt er: 'Weißt du was? Ich hab überhaupt keinen Bock mehr auf dich. Ich will nicht mehr mit dir arbeiten. Mach, was du willst'. [...] Es war, als ob dich dein Peiniger nach 14, 15 Jahren freigibt."

Diese Einstellung sei jedoch nur von kurzer Dauer gewesen. Als Bushido zu seiner Ehefrau zurückkehrte, kam es laut dem Berliner Rapper zu Beleidigungen: "Er nannte mich einen
Hund, weil ich sie zurücknehme." Auch das Angebot einer Ablösesumme, die mit 2,5 Millionen Euro beziffert wird, habe zu keinem Umdenken bei Arafat geführt. Stattdessen habe er gefordert, Bushido 15 weitere Jahre geschäftlich an sich zu binden. Auf einen Deal ließ er sich nicht ein:

"Er nahm den Vertrag, zerknüllte ihn und schlug ihn mir ins Gesicht. Ich stand auf, lief zur Tür, und er schrie mir hinterher: 'Verpiss dich, renn doch zu deiner Frau, renn zum LKA! Ich werde euch alle f*cken, scheißegal.'"

Durch hinterlegte Informationen beim Anwalt und ein Gespräch mit einem Bruder Arafats sei es Anna Maria Ferchichi gelungen, ein tatsächliches Ende der Beziehung zu Arafat Abou-Chaker herbeizuführen. Der Stern bringt an diesem Punkt eine weitere Person ins Spiel, die mit der aktuellen Situation in Verbindung steht.

Das Berliner Großfamilien-Oberhaupt Ashraf Rammo und Bushido sind seit kurzem Geschäftspartner. Dies sei allerdings nichts so zu bewerten, dass Bushido sich nun einer anderen Großfamilie angeschlossen habe. Bushido stellt Rammo als Musikmanager vor, der auch maßgeblich am Coup mit Capital Bra beteiligt gewesen ist.

"Ashraf ist schon lange im Musikbusiness, ich war mit ihm schon vor Ewigkeiten auf der Bravo-Supershow. Er hat früher zum Beispiel den Rapper Massiv gemanagt. Er hat Capital Bra zum Label Ersguterjunge geholt."

Ashraf Rammo habe zudem in drei Monaten mehr geleistet als Arafat Abou-Chaker während der gesamten Partnerschaft. Ohne das " bisschen Rückhalt" durch die Rammo-Familie wäre auch Auswandern eine Option gewesen. Kanada und die USA nennt Anna Maria-Ferchichi hier als bevorzugte Ziele.

Das ganze Interview ist seit Donnerstag im Stern zu finden (hier kannst du die aktuelle Ausgabe digital erwerben).

Bushido hat heute sein neues Album "Mythos" veröffentlicht:

Bushido - Mythos

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Bushido vs. Arafat Abou-Chaker: Ermittlungsakten & Zeugenaussagen geleakt

Bushido vs. Arafat Abou-Chaker: Ermittlungsakten & Zeugenaussagen geleakt

Von HHRedaktion am 12.08.2019 - 16:38

Der fortwährende Konflikt zwischen Bushido und Arafat Abou-Chaker ist um viele Details reicher. Die FAZ hatte exklusiven Zugriff auf über 200 Seiten Ermittlungsakten der Berliner Polizei – darunter seien Protokolle von abgehörten Telefonaten und Gesprächen sowie Zeugenaussagen von unter anderem Shindy, Ali Bumaye oder Bushido selbst.

Hiphop.de liegen Dokumente vor, die durch eine Internetseite schon vor der Veröffentlichung des FAZ-Artikels in die Öffentlichkeit gelangt waren. Die Inhalte der Dokumente decken sich mit den von der FAZ dargestellten Sachverhalten. Hiphop.de hat bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin um Auskunft zu diesen geleakten Dokumenten gebeten.

Bushido & Arafat Abou-Chakers Streit startet wohl beim Gartenzaun

Aus den Ermittlungsakten geht wohl hervor, dass sich das Verhältnis von Arafat Abou-Chaker und Bushido bei einer angedachten Baumaßnahme verschlechtert hat. Genau genommen soll es um den Bau eines Gartenzauns auf dem gemeinsamen Grundstück in Kleinmachnow gegangen sein. Bushido und seine Ehefrau Anna-Maria planten 2017 offenbar, einen solchen Zaun errichten zu lassen. Über dessen Verlauf auf dem Grundstück sei ein Streit entbrannt. Es heißt im Artikel der FAZ, dass Bushido daraufhin erstmalig eine Auflösung der Geschäftsbeziehung zu Arafat Abou-Chaker in den Raum gestellt habe. Zeugenaussagen ehemaliger EGJ-Künstler würden dies bestätigen.

Im Frühjahr 2018 distanzierte sich Bushido öffentlich von Arafat Abou-Chaker und gab das Ende der langen Partnerschaft bekannt.

Hat Bushido Arafat Abou-Chaker eine Generalvollmacht erteilt?

In den Protokollen, auf die sich die FAZ bezieht, gibt Bushido an, dass er Arafat Abou-Chaker eine Generalvollmacht ausgestellt habe. Darüber berichtete der Stern 2013 in der Story "Bushido und die Mafia". Allerdings habe Bushido diese Vollmacht nur erteilt, weil er zum Zeitpunkt einiger Immobilienkäufe nicht in Deutschland gewesen sei. Bei seiner Rückkehr habe er die Vollmacht widerrufen, die Arafat Abou-Chaker erlauben würde, den EGJ-Boss uneingeschränkt in allen Rechtsgeschäften zu vertreten.

Streit um ein Album von Kay One

Die FAZ berichtet zudem von weiteren Konfliktfeldern. So soll Arafat Abou-Chaker 2018 einen sechsstelligen Betrag für ein Album von Kay One aus dem Jahr 2012 bei Bushido in Rechnung gestellt haben. Dabei dürfte es sich um "Prince of Belvedair" handeln, das im Frühjahr des besagten Jahres erschien und über ersguterjunge releast wurde. Bushido bezeichnet die Ansprüche Arafats laut Gesprächsprotoll als verjährt.

Ein unterirdischer Pool- und Wellnessbereich vertieft den Konflikt

Medien berichteten im Juni übereinstimmend, dass die Bauaufsicht samt Polizeiaufgebot (und Bushido) bei Arafat Abou-Chaker anrückte. Der Auslöser für diesen Besuch liegt gemäß der FAZ im Verborgenen der Villa. Unterirdisch habe Arafat ohne die erforderlichen Genehmigungen einen Pool- und Wellnessbereich errichten lassen. Aus den Gesprächsprotokollen gehe hervor, dass Bushido von diesem Vorhaben wusste. Er sei über die Baupläne seines ehemaligen Geschäftspartners informiert gewesen.

Im Januar 2018 soll Arafat Abou-Chaker von Bushido Geld für den Bau des Pools gefordert haben. Die FAZ skizziert Bushidos Situation wie folgt: Der Rapper sei in einem Raum eingesperrt, bedroht und angegriffen worden. Neben Arafat Abou-Chaker seien nach Angaben von Bushido auch weitere Mitglieder der Familie Abou-Chaker vor Ort gewesen sein.

Um deutlich zu machen, dass eine geschäftliche Trennung nicht in Frage kommen werde, habe Arafat Abou-Chaker nach Informationen der FAZ Bushido "mit einer Flasche oder einem Stuhl geschlagen oder beworfen". Bushido erkläre darüber hinaus, dass zu diesem Szenario noch Veysel K. hinzugerufen wurde, damit dieser miterlebe, wie Arafat Abou-Chaker Bushido als seinen "Hund" bezeichne. In einem Stern-Interview aus dem September 2018 erzählte Bushido von ähnlichen Ausbrüchen Arafats.

Nach diesem Treffen habe Bushidos Ehefrau die Polizei eingeschaltet. In einem abgehörten Telefonat von Fußballstar Mesut Özil und Anna-Maria Ferchichi soll zudem deutlich geworden sein, dass Bushidos Ehefrau die "treibende Kraft" bei der Abkehr von Arafat Abou-Chaker sei. Mesut Özil und Anna-Maria Ferchichi waren in der Vergangenheit ein Paar. Sie habe den Spieler von Arsenal London um finanzielle Hilfe gebeten, da sie durch die Entwicklungen zwischen Bushido und Arafat Abou-Chaker, nicht auf eine funktionierende Kreditkarte zurückgreifen könne.

Trennungsgespräche von Bushido & Arafat Abou-Chaker wurden wohl von der Polizei abgehört

Die FAZ führt aus, dass die Polizei Arafat Abou-Chaker unter anderem verdächtigt, Verabredungen zur schweren räuberischen Erpressung und zum Totschlag getroffen zu haben. Daher seien die Trennungsverhandlungen mit Bushido abgehört worden. Laut den Ermittlern standen mögliche Gewalttaten gegen Veysel K., Farid Bang, Kollegah und Bushido selbst im Raum. Letzterer sollte gemäß den Vorwürfen gewaltsam dazu gebracht werden, die Geschäftsbeziehung zu Arafat Abou-Chaker nicht zu beenden. Wegen des Verdachts auf Anstiftung zur Entführung und Verabredung eines Verbrechens wurde Arafat Abou-Chaker im Januar in Berlin verhaftet – kurze Zeit später jedoch freigelassen.

Bestätigt haben sich die Vorwürfe und Verdachtsmomente gegen Arafat Abou-Chaker auch nach dem Abhören des Gesprächs mit Bushido indes nicht. Die FAZ schreibt, dass Arafat Abou-Chaker und Bushido sich nicht gestritten, sondern sich stattdessen "entspannt" über "Autowäschespezialisten" ausgetauscht haben sollen.

Shindy sagt gegen Arafat Abou-Chaker aus

Die Zeugenaussage von Shindy liefert eine weitere Sichtweise auf diese komplexe Angelegenheit. Der nun ehemalige EGJ-Künstler stand nach dem Bruch bei ersguterjunge zwischen den Stühlen und sah sich eine lange Zeit mit einer unklaren Vertragssituation konfrontiert. Es schien so, als würden sowohl Arafat Abou-Chaker als auch Bushido um den Künstler Shindy ringen. In "Road2Goat" rappt er:

"Als die beiden mit dem Streit in jeder Zeitung sind / Kämpfen sie ums Recht auf Shindy, als wär' ich ein Scheidungskind"

Der Bietigheim-Bissinger beschreibt gemäß des FAZ-Artikels gegenüber der Polizei, dass Arafat Abou-Chaker eines Tages in seiner Heimatstadt aufgetaucht sei, um eine Million Euro von ihm zu fordern. Shindys sagte wohl zudem aus, dass er von Arafat "ausgebremst, angeschrien, bedroht" worden sei. Hierbei könnte sich Shindy auf einen Vorfall beziehen, der im Mai 2018 für Schlagzeilen sorgte.

Laut Bild-Zeitung: Auf Shindy soll ein Angriff verübt worden sein

Die Wege von Bushido und seinem langjährigen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker haben sich bekanntlich getrennt. Wie es mit den Künstlern neben Bushido auf dem Label ersguterjunge weitergehen würde, blieb zum Teil unklar. Shindy hat sich beispielsweise bisher öffentlich nicht zu der aufgelösten Beziehung geäußert. Trotzdem rückt er nun in den Fokus der Presse.

Arafat Abou-Chaker soll von Bushido einen Diss gegen Kollegah & Farid Bang gefordert haben

Des Weiteren bezieht sich die FAZ auf Aussagen Bushidos, die auf den Beef mit Kollegah und Farid Bang eingehen. Arafat Abou-Chaker habe demnach eine Reaktion von Bushido auf die Provokationen und Disses der "JBG 3"-Rapper eingefordert. Bushido soll in den Vernehmungen erklärt haben, dass er von Arafat Abou-Chaker zu einem Disstrack samt Video gedrängt worden sei. Bushido habe jedoch "keine Lust" auf eine solche musikalische Antwort verspürt. Ali Bumaye - der auf "JBG 3" gedisst wird - habe sich durch dieses Verhalten im Stich gelassen gefühlt.

Ein Album voller Deutschrap-Historie: "JBG 3"-Lines unter der Lupe

Ey Yo - wir wollen hier sicherlich keine ausufernden Geschichtsstunden abhalten, aber JBG 3 geizt nicht gerade mit Lines, die sich nur mit dem entsprechenden Hintergrundwissen vollkommen erschließen. Da niemand allwissend sein kann und wir unseren Bildungsauftrag sehr ernst nehmen, erklären wir kurz, was es mit diversen Zeilen auf sich hat.

Die Vertragssituation soll für EGJ-Signings oft unklar gewesen sein

In den Verhören wird wohl auch ein wenig Licht auf die geschäftliche Seite bei EGJ geworfen. Wie die FAZ schreibt, sei es für die einzelnen Artists teilweise unklar gewesen, ob sie nun einen Vertrag mit Arafat Abou-Chaker oder mit Bushido abgeschlossen haben. Mündliche Absprachen, zerrissene Dokumente und Unterschriften bei Arafat und Bushido haben demzufolge zu einer generell undurchsichtigen Gesamtsituation beigetragen.

Aus weiteren Protokollen gehe hervor, dass sich auch Personen auf die Seite von Arafat Abou-Chaker gestellt hätten. Laut ihren Aussagen sei Bushidos Verhalten eine Art Inszenierung, um aus einer Opferrolle heraus bessere Karten in möglichen Folgeprozessen zu besitzen. Außerdem spiele Bushido mit der Dämonisierung Arafats seine eigene Position in einem "Unterdrückungssystem" herunter.

Die FAZ spekuliert abschließend, dass die Auswertung von Arafat Abou-Chakers beschlagnahmtem Handy zu strafrechlicht relevanten Erkenntnissen geführt haben könnte. Hierbei stünden aber keine Gewalttaten im Fokus – möglicherweise jedoch Steuerverbrechen.


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