Döll, Money Boy, The Weeknd & mehr: 7 persönliche Highlights 2020
Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um die persönliche Meinung des/der Autors/Autorin.

Ein gewaltig nerviges Virus hat 2020 total auf den Kopf gestellt. So gut wie nichts lief wie gewohnt. Dennoch gab es musikalisch auch jede Menge Lichtblicke. Bei den Hiphop.de Awards 2020 kannst du selbst entscheiden, was dich über das Jahr hinweg begeistert hat. Ohne Rücksicht auf Verluste oder Anspruch auf Objektivität folgt hier nun der ganz persönliche Blick in den Rückspiegel.

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2020 war Haiytis Jahr

"Jede B*tch macht jetzt auf DIY", rappt Haiyti auf der Single "Sweet". Haiyti hat das gefühlt immer schon so gemacht. Und nicht nur das: Haiyti ballert auch mit schöner Regelmäßigkeit eine unübersichtliche Anzahl an Tracks in die Welt. Doch nie zuvor hat das zu derart viel hochwertigem Output geführt wie 2020. Ihre Alben "Sui Sui" und "Infuencer" gehören zu dem Besten, was dieses Jahr passiert ist.

Nebenher hat sie gegen ihr Image als reine Kunstfigur angearbeitet. Haiyti machte in etlichen Interviews klar, dass ihre Musik trotz aller Widersprüche ein Ausdruck ihres Lebens sei. Der Wahnsinn, der sie zu umgeben scheint, ist offenbar ihre Realität. Sobald das erst einmal durchgedrungen ist, bietet Haiyti ihren Hörer*innen abenteuerlich viel gute Musik. Vielleicht wird es noch eine Weile dauern, bis über den Kulturteil des Spiegels hinaus die Einsicht einkehrt, wie brutal der Untergrundweltstar 2020 abgeliefert hat. Aber wer weiß: Eventuell ist der Erfolg bei der breiten Masse nur einen kleinen Hit entfernt und deine Mum sagt schon sehr bald "Burr".

Warum Haiyti im Untergrund hängt, aber für mehr bestimmt ist

Ihr Ruf eilt Haiyti voraus: "Trap Queen" oder "Untergrundweltstar" sind nur einige der Formulierungen, die sie umgeben.

Ufo361 & Sonus030 als Dreamteam

In Sachen Arbeitseifer spielte Ufo361 dieses Jahr ebenso ganz vorne mit. Was ihn außerdem mit Haiyti vereint, ist die musikalische Qualität. Der Berliner schaffte es 2020 scheinbar mühelos, dass seine Musik nicht unter dem rasanten Arbeitstempo leidet. Sowohl das straighte Trap-Album "Rich Rich" als auch die vertonte "Romeo und Julia"-Vision auf "Nur für dich" sind runde sowie in sich geschlossene Alben geworden. Einen gehörigen Anteil daran haben die Produktionen von Sonus030, der genau zu wissen scheint, was Ufo gut zu Gesicht steht. Was ebenfalls exakt gepasst hat, war die Stimmfarbe von Céline auf "Emotions 2.0" – eine mehr als würdige erste Nummer-1-Single in der Karriere des Kreuzberger Rappers.

Money Boy kocht wieder

Der Boy Know Plug steppte 2020 endlich wieder an den Herd. Die Rückkehr der Traphouse Kitchen war - wie selbstverständlich auch jedes Gericht - ein voller Erfolg. Sämtliche Folgen der Kochshow mit Money Boy landeten vollkommen zu Recht in den YouTube-Trends. Es ist einfach grenzenlos unterhaltsam, wie Mbeezy mit einer Mischung aus Catchphrases und Liebe zum Detail der amerikanischen Esskultur nacheifert.

Trotz einer wenig inspirierten Neuauflage des Rezepts für ein Philly Cheese Steak Sandwich weiß man bei jedem Video, was man vermisst hat. Der harte Kern der Notification Gang kennt sowieso alle Grundprinzipien des "Chicken Man" und ist schon weit vor der Premiere am Start. Money Boy sollte ewig weiter kochen. Deckel druff!

The Weeknds "After Hours"-Trip

The Weeknd wurde bei den kommenden Grammys nirgends nominiert. Warum? Keine Ahnung. An seinem Blockbuster "After Hours" kann es eigentlich kaum gelegen haben. Auch abseits der Übersingle "Blinding Lights" ist das nunmehr vierte Studioalbum des Kanadiers voller Songs, die viel zu gut sind, um sie links liegen zu lassen.

All die Musikvideos und Show-Auftritte setzten sich darüber hinaus zu einem verdrogten Horrorfilm zusammen. Über den düsteren Settings thront The Weeknds einzigartige Stimme, die sich einfach jeden Track zu eigen macht. Struktur und Länge der einzelnen Songs vermitteln auf "After Hours" nie den Eindruck, dass es hier ausschließlich um Hits im Streaming-Zeitalter geht. Es macht den Weltstar auf eine gewisse Weise menschlich, dass er pöbelt, sobald seine Kunst nicht die Würdigung erfährt, die er für angemessen erachtet.

Deutschrap boomt im Supermarkt

Nicht nur Travis Scott tütet aberwitzige Kollabos ein. Inzwischen ist auch Deutschrap in einen Bereich vorgedrungen, der bis zur Supermarktkasse reicht. Wenn nicht mit Rap, dann mit Lebensmitteln, ist offenbar das Gebot der Stunde. Capital Bra machte dabei den Anfang und brachte eine Pizza ins Tiefkühlsortiment. Der Eistee in verschiedenen Geschmacksrichtungen wird folgen. Außerdem steht ein Weißwein von reezy seit Kurzem bundesweit bei Aldi im Regal. Luciano arbeitet an Cornflakes und Shirin David hat ebenfalls einen eigenen Eistee in Planung.

All diese Business-Moves sind Ausdruck einer zunehmend veränderten Wahrnehmung von Rap. Statt mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln, erkennt der Markt das bisher liegengelassene Potenzial. Ganz unabhängig von der Qualität der einzelnen Produkte macht es Spaß, dabei zuzuschauen, wie Deutschrap seinen Siegeszug auch im Alltag fortsetzt.

Hanau-Kollabo als Statement gegen Rechts

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau hat Deutschrap es geschafft, sich relativ schnell auf ein gemeinsames Zeichen zu einigen. Unabhängig von Camps und irgendeiner Politik stellten Azzi Memo und viele Kolleg*innen "Bist du wach?" auf die Beine. Dass so ein Track überhaupt zustande kam, ist ein überaus positives Signal. Die Aufruf- und Streamingzahlen für dieses antirassistische Statement hätten natürlich ruhig höher ausfallen können. Doch die generelle Botschaft einer solchen Aktion ist größer als ein paar Klicks und Plays.

Döll macht es für die Kultur

Dölls Track "5 Sekunden" ist ein einzig großer Moment. Mit brutal ehrlichen Zeilen und einer unnachahmlichen Delivery kitzelt er bei Rapfans eine Gänsehaut nach der anderen hervor. Seine EP "Kultur" bietet mehr solcher tiefschürfenden Einblicke. Döll ist inzwischen "Weit entfernt" von dem bloßen Schreiben übers Schreiben. Stattdessen hat seine Musik seit seinem Album "Nie oder Jetzt." fast schon therapeutische Ausmaße angenommen. Was zunächst wie Kopff*ck klingen mag, tut einfach nur gut und ist in seiner Intensität dieses Jahr unerreicht.

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Von Kanye West bis Busta Rhymes: Wie Daft Punks Legacy im Rap weiterlebt

Von Kanye West bis Busta Rhymes: Wie Daft Punks Legacy im Rap weiterlebt

Von Michael Rubach am 23.02.2021 - 14:18

Daft Punk haben sich aufgelöst. Das legendäre französische Elektro-Duo geht nach 28 Jahren getrennte Wege. Das gaben Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo mit dem Video zu "Epilogue" bekannt. Die beiden Pariser haben vorgemacht, dass eine Weltkarriere möglich ist, ohne Gesicht zeigen zu müssen. Ohne den Einfluss der visionären Roboter-Köpfe hätte The Weeknd wohl nicht die Richtung zum "Starboy" eingeschlagen. Daft Punks Fußspuren im Rap zeugen ebenfalls von einer künstlerischen Größe, die ihresgleichen sucht.

Daft Punks Einfluss im Rap: Samples, Kollabos, Welthits

In fast drei Jahrzehnten Musikkarriere sind von Daft Punk jede Menge Songs und Sounds für die Ewigkeit erschaffen worden. Eine Sample-Kultur wie Hiphop schaut da natürlich ganz genau hin. Auch als Producer verewigten sich Bangalter und de Homem-Christo gleich mehrfach auf einer der progressivsten Rap-Platten der letzten zwanzig Jahre.

Daft Punk feiern Kanye Wests "Stronger"

Ein Track, der sich aus dem Pool der Zusammenarbeiten von Daft Punk mit anderen Musiker*innen regelrecht entgegenwirft, ist Kanye Wests "Stronger". Der 2007 releaste Song von Yeezys drittem Album "Graduation" geht auf ein Sample von Daft Punks "Harder, Better, Faster, Stronger" zurück. Das Pariser Duo erinnerte sich in einem Interview mit dem Billboard Magazin daran, wie sie "Stronger" zum ersten Mal im Radio wahrgenommen haben.

"Unser Song hatte einen guten Sound, aber als er Kanyes Platte auflegte, war der Sound wirklich fett. Es klingt wirklich groß. Es ist keine Zusammenarbeit im Studio, aber der Vibe der Musik, die wir separat machen, verbindet sich in dem, was er damit angestellt hat."

Daft Punks Original-Version basiert wiederum auf einem Sample von "Cola Bottle Baby" – einem Funksong von Edwin Birdsong (1979). Kanyes kreativer Ausbruch auf "Yeezus" (2013) ist ebenfalls eng mit Daft Punk verknüpft. Bei den ersten drei Tracks des Albums "On Sight", "Black Sinkhead" und "I Am A God" gehen Production Credits an Daft Punk.

Daft Punks Pharrell-Kollabos

Ein anderer Welthit von und mit Daft Punk ist "Get Lucky". Hier arbeiteten die Franzosen mit Pharrell Williams und Nile Rodgers zusammen. In gefühlt jedem Land der Erde stand dieser Track an der Spitze der Charts. Die weitere Pharrell-Kollabo "Lose Yourself To Dance" konnte daran nicht anknüpfen. Beide Singles landeten auf dem 2013 releasten Album "Random Access Memories".

Der mysteriöse Track mit Jay-Z

Der Daft Punk-Track "Computerized" fährt niemand Geringeren als Jay-Z für ein Feature auf. Das Ganze war als Single für den Disney-Film "Tron: Legacy" gedacht. Die Musik zum Science-Fiction-Movie kam dabei zwar vollends von Daft Punk – doch der Track mit Hova gelang nie auf offiziellem Weg an die Öffentlichkeit.

Der Chef für Soundtrack-Fragen bei Disney erklärte Jahre später, dass Daft Punk sich bei der Produktion dieser einzelnen Single regelrecht "gefoltert" gefühlt hätten. Als der Song irgendwann stand, wurde er als unpassend bewertet. Auf lyrischer Ebene sei dieser "zu verwurzelt im echten Leben" gewesen. Als Lead-Single für den Film erschien 2010 schließlich "Derezzed". Der Leak von "Computerized" erfolgte 2014.

Daft Punk erzählen "Something About Us" – 50 Cent & Cro fühlen es

Anteile von Daft Punks "Something About Us" aus dem Album "Discovery" (2001) finden sich in diversen Rap-Tracks wieder. 50 Cents "Detox"-artiges und bis heute nicht veröffentlichtes Album "Street King Immortal" wurde einst mit einer einer Single inklusive Kendrick Lamar-Part angeteast. 2013 droppten die beiden US-Rapstars "We Up". Später schob Fiddy in einem Interview hinterher, dass er den Track doch nicht auf "Street King Immortal" platziere.

Auch ein Deutschrap-Star hat sich näher mit "Something About Us" beschäftigt. Cros Platin-Single "Du" ist hörbar an die Nummer angelehnt. Die Liebe für Daft Punk hat sich Cro offenbar bis in die Gegenwart bewahrt. Beim Cover Artwork zu seinem kommenden Album "trip" werden Daft Punk-Einflüsse deutlich. Es sind diese "Random Access Memories"-Vibes.

Busta Rhymes präsentiert seine Technik auf "Technologic"-Sample

Mit "Touch It" hat ebenfalls eine der bekanntesten Nummern von Flow-Monster Busta Rhymes seine Wurzeln bei Daft Punk. Die Swizz Beatz-Produktion vom Album "The Big Bang" (2006) nutzt ein Sample von "Technologic". Der Song ist ursprünglich auf der Daft Punk-Platte "Human After All" (2005) zu finden. Für das Live-Album "Alive 2007" führten Daft Punk beide Versionen zusammen.

Nach dem Release von Busta Rhymes "Touch It" gingen direkt mehrere Remixe des Tracks Rennen. Auf einem versammelten sich diverse Big Names der damaligen Zeit. Mary J. Blige aktivierte sogar ihr Alter Ego Brooke Lynn. Weitere Parts kamen von Missy Elliott, Rah Digga, Lloyd Banks, Papoose und DMX.

Es ließen sich noch viele weitere Beispiele für den Impact von Daft Punk in der Popkultur finden. Wie kaum ein anderes Duo führte die Elektro-Formation Künstler*innen über Genregrenzen hinweg zusammen. Wenn die Welt irgendwann wieder ohne Beschränkungen tanzen darf, dann wird auch zu Daft Punk getanzt werden. Nun ziehen die Roboter-Ikonen einen Schlussstrich. Die eine Hälfte des Duos verschwindet am Horizont. Die andere Hälfte sprengt sich in die Luft. Daft Punk war einmal und ist dennoch für immer.


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