Grammy-Nominierungen 2021: Beyoncé ragt heraus, The Weeknd wütet

Die Anwärter*innen auf die Grammys 2021 stehen fest. Beyoncé startet dabei aus der Pole Position: Sie wurde mit insgesamt neun Nominierungen bedacht. Die Grammys wären aber nicht die Grammys, wenn nicht direkt eine Kontroverse folgen würde. Einige Künstler*innen und Fans machen deutlich, dass sie nicht nachvollziehen können, was die Akademie bei ihrer Auswahl geritten hat. Vor allem Supporter*innen von The Weeknd switchten auf Twitter in den Rage-Modus. Auch der RnB-Star selbst wetterte auf Social Media gegen die Grammys. Er ist in keiner einzigen Kategorie berücksichtigt worden.

The Weeknd nennt die Grammys "korrupt"

Mit "Blinding Lights" hat The Weeknd einen Welthit abgeliefert. Auch sein Album "After Hours" gehört zu den Top-Sellern 2020. Der durchschlagende Erfolg des Kanadiers spiegelt sich in den Nominierungen nirgends wider. Auf Social Media geht The Weeknd daraufhin die Offensive. Er will wissen, wie die Entscheidungsfindung abgelaufen ist – und bezeichnet die Verantwortlichen als "korrupt".

"Ihr schuldet mir, den Fans und der Industrie Transparenz."

Neben The Weeknd haben auch Lil Baby und Pop Smoke mit ihren jeweiligen Alben das Jahr 2020 verkaufstechnisch dominiert. Keiner von ihnen landete zum Beispiel in einer Königskategorie wie Album of the Year.

Schon im Zuge der letzten Grammys machte sich Diddy für mehr Transparenz stark. Der Hiphop-Mogul setzte dem Musikpreis eine Frist, um Änderungen einzuleiten. Außerdem sagte er, dass die Grammys keinen Respekt vor Schwarzer Musik hätten.

Keinen Respekt vor Hiphop? Diddy setzt den Grammys ein Ultimatum

Diddy hat im Rahmen der Grammy-Verleihung eine bemerkenswerte Ansage gemacht.

Nicki Minaj stichelt, Justin Bieber ist irritiert

Nicki Minaj und die Grammys finden wohl nie mehr zueinander. Die frischgebackene Mutter konnte die diesjährigen Nominierungen nicht unkommentiert stehen lassen. Sie glaubt, vor Jahren übergangen worden zu sein. Die damalige Entscheidung für Bon Iver in der Kategorie Best New Artist wühlt sie weiterhin auf.


Foto:

Screenshot via twitter.com/nickiminaj

Justin Bieber muss sich über ausbleibende Nominierungen nicht beklagen. Doch der Sänger zeigt sich mit der Einordnung seiner Musik nicht einverstanden. Laut seiner Ansicht hat er mit "Changes" ein lupenreines RnB-Album produziert. Sein Name steht jedoch ausschließlich in Popkategorien. Genau dort sah sich 2020 wohl Tyler, The Creator mit "IGOR". Er hatte bei der letztjährigen Verleihung den Grammys Rassismus vorgeworfen.

Auswahl der Nominierungen – Beyoncé sticht heraus

Über die meisten Nominierungen kann sich wie erwähnt Beyoncé freuen. Allein ihr Track "Black Parade" taucht in vier Kategorien auf. Für das beste Rapalbum des Jahres gehen vor allem Veteranen ins Rennen: Nas, Eminem-Homie Royce Da 5'9'', Jay Electronica und Freddie Gibbs zusammen mit Producer-Legende The Alchemist. Dazu kommt D Smoke, der aus der Castingshow "Rhythm + Flow" als Gewinner vorgegangen ist.

Wie bei Variety zu lesen ist, erklärt der aktuelle Chef des wichtigsten Musikpreises der Welt, dass es ein besonders "wettbewerbsintensives Jahr" gewesen sei. Dies habe unter anderem dafür gesorgt, dass für The Weeknds Output kein Platz war.

"Leider passen jedes Jahr die Anzahl der Nominierungen und die Anzahl von Künstler*innen, die es verdient haben, nicht zueinander. Aber als einziger von Experten gewählter Musikpreis werden wir weiterhin herausragende Leistungen in der Musik anerkennen und feiern, während wir gleichzeitig ein Licht auf die vielen erstaunlichen Künstler werfen, aus denen unsere globale Gemeinschaft besteht."

("Unfortunately, every year, there are fewer nominations than the number of deserving artists.  But as the only peer-voted music award, we will continue to recognize and celebrate excellence in music while shining a light on the many amazing artists that make up our global community.")

Sämtliche Nominierungen in den über 80 Kategorien kannst du auf der Website der Grammys nachvollziehen. Am 31. Januar werden die Preise in Los Angeles verliehen.

Record of the Year

Beyoncé - Black Parade
Black Pumas - Colors
DaBaby ft. Roddy Ricch - Rockstar
Doja Cat - Say So
Billie Eilish - Everything I Wanted
Dua Lipa - Don’t Start Now
Post Malone - Circles
Megan Thee Stallion ft. Beyoncé - Savage

Album of the Year

Jhené Aiko - Chilombo
Black Pumas - Black Pumas (Deluxe Edition)
Coldplay - Everyday Life
Jacob Collier - Djesse Vol. 3
Haim - Women in Music Pt. III
Dua Lipa - Future Nostalgia
Post Malone - Hollywood’s Bleeding
Taylor Swift - Folklore

Song of the Year

Beyoncé - Black Parade
Roddy Ricch - The Box
Taylor Swift - Cardigan
Post Malone - Circles
Dua Lipa - Don’t Start Now
Billie Eilish - Everything I Wanted
H.E.R. - I Can't Breathe
JP Saxe ft. Julia Michaels - If the World Was Ending

Best New Artist

Ingrid Andress
Phoebe Bridgers
Chika
Noah Cyrus
D Smoke
Doja Cat
Kaytranada
Megan Thee Stallion

Best R&B Song

Robert Glasper ft. H.E.R. & Meshell Ndegeocello - Better Than I Imagine
Beyoncé - Black Parade
Tiana Major9 & EARTHGANG - Collide
Chloe x Halle - Do It
Skip Marley & H.E.R. - Slow Down

Best Progressive R&B Album

Jhené Aiko - Chilombo
Chloe X Halle - Ungodly Hour
Free Nationals - Free Nationals
Robert Glasper - F*** Yo Feelings
Thundercat - It Is What It Is

Best R&B Album

Ant Clemons - Happy 2 Be Here
Giveon - Take Time
Luke James - To Feel Love/d
John Legend - Bigger Love
Gregory Porter - All Rise

Best Rap Performance

Big Sean ft. Nipsey Hussle - Deep Reverence
DaBaby - Bop
Jack Harlow - What’s Poppin
Lil Baby - The Bigger Picture
Megan Thee Stallion ft. Beyoncé - Savage
Pop Smoke - Dior

Best Melodic Rap Performance

DaBaby ft Roddy Ricch - Rockstar
Drake ft. Lil Durk - Laugh Now, Cry Later
Anderson .Paak - Lockdown
Roddy Ricch - The Box
Travis Scott - Highest in the Room

Best Rap Song

Lil Baby - The Bigger Picture
Roddy Ricch - The Box
Drake ft. Lil Durk - Laugh Now, Cry Later
DaBaby ft. Roddy Ricch - Rockstar
Megan Thee Stallion ft. Beyoncé - Savage

Best Rap Album

D SMOKE - Black Habits
Freddie Gibbs & The Alchemist - Alfredo
Jay Electronica - A Written Testimony
Nas - King’s Disease
Royce Da 5’9” - The Allegory

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Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Von Leon Schäfers am 23.07.2021 - 17:01

Am vergangenen Wochenende haben gleich zwei neue posthume Releases das Licht der Welt erblickt. Auf der einen Seite wurde mit "Faith" das zweite posthume Album von Drill-Rapper Pop Smoke veröffentlicht. Am Tag darauf erschien "Archiv", das erste Projekt des deutschen Hiphop-Duos SAM nach dem Tod von Samson Wieland, der der Rapper des Duos war. Die bis dato unveröffentlichte Musik des jeweils verstorbenen Künstlers wurde bei den beiden Alben jedoch grundverschieden behandelt und aufgearbeitet. Das lässt eine in der Musikwelt – in den vergangenen Jahren vor allem im Hiphop – anhaltende Debatte über das moralische Grunddilemma posthumer Musik wieder aufflammen: Wie sollte man mit unreleaster, oftmals auch unfertiger Musik verstorbener Artists umgehen? Und wo verläuft die schmale Grenze zwischen ehrenvoller Würdigung und dreistem Cash Grab?

"Archiv" von SAM: Das Musterbeispiel eines posthumen Releases

Das Duo SAM setzte sich aus den beiden Brüdern Samson und Chelo Wieland zusammen. Am 9. November 2018 ist Samson Wieland jedoch überraschend im jungen Alter von 28 Jahren verstorben. Im letzten Jahr wäre er 30 Jahre alt geworden. Pünktlich zu seinem Geburtstag am 17. Juli wurde damals ein Remix des Tracks "Da wo du herkommst" mit Künstlerinnen und Künstlern aus seinem engeren Kreis veröffentlicht.

Auch in diesem Jahr hat Chelo seinem verstorbenen Bruder zum Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht: "Archiv", ein posthumes Album mit bis dato unveröffentlichter Musik der beiden.

Chelo, der in dem Duo für die Beats und die Produktion zuständig war, kündigte das Projekt relativ kurzfristig via Instagram an. Dort widmete er Samson ein paar Zeilen und schrieb auch etwas über den Entstehungsprozess des Albums:

"Ich habe deine alten Kopfhörer aufgesetzt und dann ging über mir die Sonne auf. Leider kannst du nicht mehr miterleben, wie dieses Album veröffentlicht wird. Wir haben alles roh und unverstellt gelassen: Den Sound, deine Aufnahmen, damit die HörerInnen nochmal nachempfinden können, wie es für mich war, mit dir arbeiten zu dürfen, dein Feuer, deinen Spaß mitzuerleben. Danke für alles."

Chelo war vor Kurzem außerdem zum Interview mit Aria bei HYPED Radio zu Gast, wo er einen noch tieferen Einblick in die Arbeiten an dem Projekt gegeben hat. Bei einem Blick auf die Tracklist fällt schnell auf, dass viele Songs noch mitsamt ihrer Versionsnummer releast wurden. Das deutet an, dass die Tracks zwar noch nicht in ihrer finalen Fassung waren, deswegen aber auch noch genauso klingen, wie die beiden es sich damals zusammen ausgemalt hatten. Lediglich Mix und Master wurden im Nachhinein von Chelo erledigt.

Damit zeigt "Archiv", wie posthume Alben in ihrer ehrwürdigsten Form möglich sind: Angefertigt mit dem Wissen, dass der verstorbene Künstler es genauso gewollt hätte. Zwischen Samsons Tod und Albumrelease liegen nun mehr als zweieinhalb Jahre; eine vorschnelle Veröffentlichung im Sinne des Kommerzes kann hier niemandem vorgeworfen werden. Hinter dem Projekt stecken eine Menge Gedanken und Emotionen. Das Album erhält entsprechend viel Liebe – nicht nur von Fans, auch von nahestehenden Leuten aus der Szene.


Foto:

Screenshot - Instagram (https://www.instagram.com/samswelt/)

Neues Pop Smoke-Album sorgt für gemischte Gefühle

Im direkten Vergleich dazu fällt das Feedback zu "Faith" von Pop Smoke eher negativer aus. Der Nachfolger von "Shoot for the Stars, Aim for the Moon", das im letzten Sommer releast wurde und einen riesigen kommerziellen Erfolg erzielte, ist am vergangenen Freitag erschienen. In dieser Woche wurde sogar die Deluxe-Version mit vier weiteren Tracks nachgeliefert. Das komplette Album ist nun also insgesamt 24 Songs stark.

Ende Juni wurde der Ankündigungstrailer zum neuen Pop Smoke-Album ins Internet gestellt. Steven Victor und Rico Beats, die für das Management von Pop Smoke zuständig waren (und sind), bestätigten in dem Zeitraum ebenfalls die aufkommenden Gerüchte um das neue Projekt und produzierten unter Fans einen gewissen Hype. Schaut man sich auf Twitter um, macht es aber den Anschein, als würde das Album dem Hype nicht gerecht werden.

50 Cent, der als Co-Executive Producer maßgeblich am Erfolg des ersten posthumen Albums beteiligt war, hatte vor Albumrelease bereits angekündigt, nicht an "Faith" mitzuarbeiten. Wieder mal zeigt der Blick auf die Tracklist, warum er sich gegen die Arbeit an dem zweiten posthumen Album entschieden haben könnte. 

Wie Fans schon kritisierten, ist die Featureliste sehr lang ausgefallen. Das war bei "Shoot for the Stars, Aim for the Moon" zwar auch der Fall, jedoch wirkten die Songs dort weitaus fertiger und ausgefeilter. Auf dem neuen Album beinhaltet jeder Track maximal eine Hook und einen Verse von Pop Smoke, in den meisten Fällen wird die restliche Laufzeit des Tracks mit anderen Artists aufgefüllt, nicht wie beim Vorgänger erweitert. Die Featureliste liest sich dadurch zwar ziemlich stark, hinterlässt aber trotzdem einen faden Beigeschmack. Denn selbst wenn das Album mit besten Intentionen produziert worden ist – es ist fraglich, ob Pop Smoke dieses Feature-Fest so gedroppt und für gut befunden hätte. Und genau ab dem Zeitpunkt, wo man dies nicht hundertprozentig beantworten kann, sollten die Verantwortlichen und Nahestehenden darüber nachdenken, ob die Musik unter diesen Umständen überhaupt veröffentlicht werden sollte.

Viele Fans beziehen sich nun außerdem auf ein älteres Interview von Pop Smoke, in dem er begründet, warum er auf seinen Projekten nicht viele Featuregäste haben wollen würde. Ein Projekt wie "Faith" würde damit im Kontrast zu seinen Werten als Musiker stehen. Der Ausschnitt ist hier etwa ab 9:20 zu sehen:

Das erste posthume Album von Pop Smoke, an dem auch 50 Cent mitwirkte, wurde von Fans noch deutlich besser aufgenommen.

Unterschiedliche Herangehensweisen für posthume Rap-Alben

Der Vorwurf der "Resteverwertung" gegenüber dem Team von Pop Smoke ist leider kein Einzelfall im Hiphop. Gerade in den letzten Jahren sind viele Rapper in oftmals sehr jungem Alter von uns gegangen. Lil Peep, XXXTentacion, Mac Miller, Juice WRLD, Nipsey Hussle, DMX – die Liste hört hier bedauerlicherweise nicht auf. Die Frage nach der Legacy des Künstlers müssen sich die Hinterbliebenen aber in jedem Fall stellen. Oftmals werden die Herangehensweisen jedoch kritisch beäugt.

In der teils hörbaren Unfertigkeit der Tracks erinnert das neue Pop Smoke-Album an die beiden posthumen Alben von XXXTentacion: "Skins", das noch in seinem Todesjahr 2018 erschienen ist und "Bad Vibes Forever", das 2019 als sein letztes Album erschienen ist. Zu letzterem wird in den sozialen Medien gerade auch der Vergleich mit "Faith" gezogen.

Generell verlief das Wahren der Legacy des umstrittenen Künstlers ziemlich problematisch: Neben den eher skizzenartigen posthumen Releases wurde beispielsweise das Auto, in dem er erschossen wurde, in einem Museum ausgestellt. Eine ziemlich makabere Aktion. Des weiteren steht Cleopatra Bernard, die Mutter von X, in starker Kritik. Nicht nur verhielt sie sich fragwürdig, als sie auf dem Instagram-Account ihres toten Sohnes live ging, um einen neuen Song zu promoten – sie musste auch gegen ihre eigene Familie vor Gericht gehen, da ihr vorgeworfen wurde, das Erbe ihres Sohnes unrechtmäßig zu verteilen.

Die reine Quantität von Releases kann ebenso den Anschein erwecken, Geldmacherei auf Kosten eines verstorbenen Künstlers zu betreiben. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Westcoast-Legende 2Pac, von dem es mittlerweile weitaus mehr Output gibt, der nach seinem Tod herausgekommen ist.

Wenn sich aber ein posthumes Release als Positivbeispiel herauskristallisiert hat, dann ist das wohl "Circles" von Mac Miller. Das Album diente als Komplementärwerk zu "Swimming", das im August 2018 und damit noch kurz vor Mac Millers Tod erschienen ist. An beiden Alben hatte der Rapper zu seinen Lebzeiten zusammen mit Producer Jon Brion gearbeitet. Leider konnte er nur den Release des ersten Albums mitbekommen. In einem Interview mit Vulture erzählt Jon Brion unter anderem davon, wie ihn die Familie von Mac Miller bat, die übrigen Songs durchzuhören und "Circles" fertigzustellen.

"Ganz ehrlich, während ich daran gearbeitet habe, habe ich sie [die Familie] genauso stark im Hinterkopf behalten wie Mac. Ich habe auf das Studio gewartet, in dem ich arbeiten wollte, um alle extra Songs durchzuhören und alle Dateien zu bekommen. Das dauerte ein paar Monate. [...] Ich habe schrecklich langsam gearbeitet. Es klingt vielleicht komisch, aber die einzelnen Arbeiten an jedem Song dauerten länger als sonst, da ich versucht habe, einen Weg zu finden, so wenig wie möglich an den Songs verändern zu müssen."

("It's quite honestly them as much as Mac that I kept in my mind while I was working. I waited for the studio I wanted to work in to become available to listen through the extra songs and to get all their files. That took a few months. [...] I worked painfully slowly. It may sound odd that this took longer on some individual jobs for each song than it normally would, because I was trying to figure out the way to change it as little as possible.")

Ähnlich wie bei "Archiv" von SAM wurde hier also die oberste Priorität darauf gelegt, dass das Album so klingt, wie es sich der Künstler vorgestellt hätte. Die Familie von Mac Miller geht ohnehin sehr behutsam mit dem Vermächtnis ihres verstorbenen Sohnes um: So haben sie sich zuletzt gegen eine Biographie über ihren Sohn ausgesprochen und den Titel eines Films mit Machine Gun Kelly kritisiert, der nach dem Mac Miller-Song "Good News" benannt werden sollte.

Posthume Alben: Ein Fazit

Ja, es klingt absurd: Viele Musikerinnen und Musiker, nicht nur im Hiphop, erlangen ihren großen Hype erst nach ihrem Tod. Doch auch wenn so vielleicht ein paar Parts, Verses und Melodien nie die Welt erblickt hätten: Wenn die Situation es erfordert, bedeutet weniger manchmal eben mehr. Nicht unbedingt mehr Geld, dafür aber mehr Respekt und Würde. Posthume Releases mussten in der Vergangenheit, müssen in der Gegenwart und auch in der Zukunft immer eine gute Balance zwischen Fanservice und Ehre finden. Dass diese Gratwanderung auch gut und würdevoll geschehen kann, zeigen nun etwa die hier positiv erwähnten Releases von Mac Miller und SAM.

Je nach Situation sollte man den Hinterbliebenen manche Fehltritte dennoch nicht zu stark verübeln. Sie haben nicht nur mit Trauer zu kämpfen, es lastet auch eine Menge Druck auf ihnen. Während sich die Öffentlichkeit fragt, wie die unveröffentlichte Musik verwertet wird, gibt es für die Familien auch in Bezug auf das Erbe rechtlich eine ganze Menge zu klären. Wie dies in einzelnen Familien geschieht, hatten wir bereits in einem früheren Artikel thematisiert:

Wie das Erbe von Mac Miller, Michael Jackson, Nipsey Hussle & mehr geregelt wird

Mac Miller hat zu Lebzeiten offenbar ziemlich exakt darüber nachgedacht, was nach seinem Tod geschieht. Das ging aus einem Artikel von TMZ hervor. Der im September 2018 verstorbene Rapper ließ Vermögenswerte von insgesamt 11 Millionen Dollar an seine Freunden sowie seine Familie verteilen. So soll ein Homie fast alle elektronischen Geräte aus Mac Millers Besitz geerbt haben.


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