MoTrip äußert sich zu Xavier Naidoo: "Bauchgefühl Alarm geschlagen"

MoTrip hat sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau zu dem sonderbaren Weg von Xavier Naidoo geäußert. Der Sänger, den Trip als einen seiner "Lieblingskünstler in Deutschland" beschreibt, scheint gegenwärtig im Netz von krudesten Verschwörungstheorien gefangen. Er schreckt dabei auch nicht davor zurück, den Schulterschluss mit Nazi-Rappern zu suchen.

MoTrip hört bei Xavier Naidoo auf sein Bauchgefühl

MoTrip ist nicht der erste Kollabo-Partner von Xavier Naidoo, der mit ein wenig Abstand all die Schlagzeilen um den Sänger einordnet. Kool Savas musste die verstörende Situation auch ein paar Wochen für sich aufarbeiten, bevor er sich in einem längeren Statement von den Ansichten seines vermeintlichen Freundes klar distanzierte.

Im besagten Interview wird MoTrip gefragt, ob er an dem Vox-Format "Sing meinen Song" teilgenommen hätte, wenn Xavier Naidoo unter den aktuellen Eindrücken als Host der Show aufgetreten wäre. Daraufhin entgegnet der Aachener Rapper, dass er vermutlich seinen Anwalt zur Beratung herbeigezogen hätte. Er betont dabei, dass er eine "andere Meinung" vertrete als die Menschen, die sich in dubiosen Telegram-Gruppen für den Widerstand zusammenrotten.

Unsere demokratischen Grundwerte bilden für MoTrip eine wichtige Säule der Gesellschaft. Dies könne er jedoch nicht als Rechtfertigung für Rassismus und Diskriminierung gelten lassen. Sein "sensibles Bauchgefühl" habe nach all den Videos und Ausführungen von Xavier Naidoo "Alarm geschlagen".

"Fernab von den von ihm getroffenen Aussagen kann ich sagen, dass ich sehr für Meinungsfreiheit bin. Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut, genau wie Kunstfreiheit. Dieses Gut rechtfertigt allerdings in keiner Weise Rassismus und die Diskriminierung von Menschengruppen. Ob er das getan hat oder nicht, möchte ich nicht bewerten. Ich bin kein Anwalt und kein Menschenrechtler, ich habe nur mein sensibles Bauchgefühl, und das hat zuletzt Alarm geschlagen. Ich muss wahrscheinlich nicht sagen, wie es für mich war, als ich von einem meiner Lieblingskünstler in Deutschland solche Sachen gehört habe."

MoTrips letzte Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo ist noch relativ frisch. Sie datiert aus dem Jahr 2019. Auf dem Album "Hin und weg" taucht MoTrip als Feature-Gast auf dem Song "Gute Zeiten" neben Xavier Naidoo auf. Schon damals wurde Kritik aus der Szene laut, da Xavier Naidoo bereits zu diesem Zeitpunkt mehrfach mit der Reichsbürger-Bewegung kokettiert hatte.

Gute Features, böse Features: Deutschrap in der Zwickmühle

"Stellt euch vor: Über einen alten Freund kommt raus, er hat eine Frau geschlagen, die Mutter seiner Kinder. Er und seine Freunde haben sich nachher noch online drüber lustig gemacht. Er hat sich mehrfach missbräuchlich gegenüber Frauen verhalten. Würdet ihr mit ihm chillen? Frage für Rapper."

Als sich mehrere Deutschrapper Mitte März nach der Veröffentlichung eines rassistischen Videos von ihrer Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo lossagten, war MoTrip zunächst nicht darunter. Dass er nichts mit ausländerfeindlicher Hetze oder im Kern antisemitischer Verschwörungsideologie anfangen kann, hat er nun unterstrichen. Das ist in letzter Zeit nicht jedem seiner Kollegen gelungen.

Kollegah & die QAnon-Verschwörungstheorien: Klare Distanzierung bleibt aus

Es mag auf den ersten Blick amüsant wirken: Kollegah ist Top-Kommentar unter einem Instagram-Post des Mannes, der mit Jeff Bezos permanent um die Position des reichsten Menschen der Welt ringt. Der Alpha Music-Boss erkundigt sich bei Bill Gates scheinbar ironisch nach dessen Arztlizenz.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Instagram drosselt Sylabil Spill nach antirassistischem Einsatz

Instagram drosselt Sylabil Spill nach antirassistischem Einsatz

Von Clark Senger am 14.01.2021 - 16:42

Neues Jahr, neues Glück lautet insbesondere nach dem Krisenjahr 2021 die Devise für viele. Für Sylabil Spill und Millionen andere BPoC (Black and People of Colour) heißt ein neues Jahr, auch weiterhin alte, ermüdende Kämpfe auszutragen, weil die Gesellschaft ihnen keine Wahl lässt.

Dabei kann es sich zum einen um Racial Profiling handeln, wie der Bonner es in seiner aktuellen Single (hier zum Video) thematisiert. Oder um Alltagsrassismus, den man grade ganz frisch beim Kölner Rapper Telson auf Instagram miterleben konnte. Während er eine Story für IG aufnehmen wollte, wurde er von einer Frau aus dem Nichts rassistisch beleidigt und stellte sie anschließend zur Rede:

Sylabil Spill wird von Instagram eingeschränkt

Untergrund-Veteran Sylabil Spill aka Der Radira geriet in der Vergangenheit immer wieder ins Visier rechter Hetze. Letztes Jahr wurde sein Insta Account mehrfach gehackt und Fremde verbreiteten dort Parolen der stumpfesten und zurückgebliebensten Art. Nun wird ihm aus seinem antirassistischen Engagement erneut ein Strick gedreht.

Nachdem er kürzlich kritische Beiträge über Dieter Nuhr und Serdar Somuncu teilte, ist sein Profil nun schwerer zu finden. In der Profilsuche rutscht sein verifizierter Account mit 24.000 Abos unter diverse Fanpages ohne blauen Haken und mit sehr wenigen Follower*innen. Supporter*innen können seine Inhalte nicht wie normal liken und sharen. Warum? Vermutlich weil Rechte mittlerweile die Spielregeln der sozialen Medien und des Internets verstanden haben.

"@instagram schränkt von Rassismus Betroffene ein statt die Rassisten, die diese melden[,] um sie zu schikanieren", schreibt beispielsweise Yassin in seiner Story und macht so auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, die wohl auf den Algorithmus zurückzuführen ist. Spill erklärt uns gegenüber:

"Ich werde gerade komplett runtergefahren, weil ich mich kritisch zu sich rassistisch äußernden Menschen wie Dieter Nuhr oder Serdar Somuncu positioniere und allgemein der Polizei. Und alle schauen zu, als wäre das 'ne coole Netflix-Serie."

Er sei von Instagram dazu aufgefordert worden, keine "sensiblen Inhalte" mehr zu posten – so heißt übrigens sein Track, der vor "Racial Profiling" erschienen ist. Genau diese Inhalte braucht es aber, um aufzuklären und die weiße Mehrheitsgesellschaft zu erreichen, die eben nicht aufgrund ihrer Hautfarbe dauernd dazu gezwungen ist, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen. Der Fall von George Floyd hat letztes Jahr eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Spitze des Eisbergs sichtbar gemacht wird.

Was kann ich jetzt tun? Im konkreten Fall von Spill aktuell ist das relativ einfach: supporten, damit auch IG checkt, wer tatsächlich gesperrt werden sollte beziehungsweise wer nicht. Indem ihr Beiträge bei IG speichert, supportet ihr Spill (und ganz generell eure Lieblingsseiten) am meisten, Shares und Kommentare mit mindestens vier Wörter sind ebenfalls wertvoll und ein Like schadet sowieso nicht. Da hört antirassistischer Einsatz natürlich lange nicht auf, aber so kann er zumindest anfangen.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)