MoTrip, Kontra K, Chefket: 3Plusss kritisiert Xavier Naidoos Feature-Gäste

3Plusss ist für seine gesellschaftskritischen Aussagen bekannt und legt im Deutschrapkosmos gerne mal den Finger in die Wunde. Auch zur Veröffentlichung des neuen Albums von Xavier Naidoo "Hin und weg" hat der Rapper etwas zu sagen:

Die ironischen Shout-Outs gehen an den Mannheimer Newcomer-Rapper Klotz, MoTrip, Kontra K sowie Chefket, die allesamt auf dem Album des Sängers vertreten sind. Auch Juju arbeite für ihr Album "Bling Bling" erst vor Kurzem mit Xavier Naidoo zusammen. Sie wird durch den Tweet nicht direkt angesprochen, da sie nicht auf "Hin und weg" vertreten ist. Dennoch meint der Kern des Tweets sicher auch Features außerhalb des aktuellen Albums des Mannheimers.

Xavier Naidoo als rechter Verschwörungstheoretiker?

Warum kritisiert 3Plusss ein Feature mit dem erfolgreichen Künstler so vehement? Seit Jahren wird Xavier Naidoo mit der rechten Szene in Verbindung gebracht. Ein Auftritt vor einer rechtspopulistischen Gruppe, die sich "Reichsbürger" nennt, sorgte für erste Spekulationen. Des Weiteren verbreitet er die Theorie, dass Deutschland kein freies Land sei, da es geheime Vereinbarungen mit den USA gebe und diese Deutschland überwachen dürften.

Die Vorwürfe, rechtspopulistisch zu sein sowie auch weitere Vermutungen, Xavier Naidoo sei homophob, weist der Sänger stets von sich. Auch befreundete Künstler des Sängers wie Kool Savas entkräften die Kritik an Xavier Naidoo regelmäßig. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich die beiden Künstler nach 2012 noch einmal für ein gemeinsames Album ins Studio begeben.

Kool Savas mit Infowelle: "Gespaltene Persönlichkeit 2", neues Signing, Track mit Money Boy, Kollabopläne & US-Feature

Kool Savas läutet die Promophase für sein neues Album "KKS" mit einer satten Portion Infos ein. In seiner Instagram-Story hat Savas auf viele Fanfragen mit klaren Ansagen anstatt mit leeren Phrasen reagiert. Ob Features für 2019, mögliche Signings oder Kollabopläne - Savas liefert relativ unmissverständliche Antworten.

Das neue Album des Mannheimers verzichtet auf kontroverse Themen. Es bleiben dennoch deutliche Zweifel durch seine Songtexte, die Rede vor offensichtlich rechtsgesinnten Menschen am Tag der Deutschen Einheit und weitere Aussagen in Interviews. 

3Plusss' Aussage wird kontrovers diskutiert

Die Reaktionen unter dem Tweet sind zwiegespalten. Neben vollkommener Zustimmung, sind auch User*innen unter dem Tweet zu finden, die die Haltung des Rappers ablehnen.

Es wird auch über die Beweggründe der Rapper spekuliert. Unwissen wird da zum Beispiel als Argument genannt. Und das scheint gar nicht so abwegig zu sein, denn auch in den Kommentaren waren sich einige User*innen nicht darüber bewusst, mit welchen Aussagen Xavier Naidoo in Verbindung gebracht wird.

Zuletzt übte 3Plusss Kritik an Gabalier, Naidoo & Meuthen

Schon vor einigen Tagen teilte der Rapper einen Tweet von Jörg Meuthen, der für die AfD in das Europaparlament eingezogen ist. In diesem bedankte sich der Politiker bei dem Gesangsduo aus Xavier Naidoo und Andreas Gabalier und lobte die Künstler als "phantastische Kombination aus herrlicher Musik und so kraftvoller wie wichtiger Botschaft".

Wer sich den Songtext des Tracks "A Meinung haben" anhört, wundert sich nicht, dass sowohl Xavier Naidoo als auch der selbsternannte "Volksrock'n'Roller" Andreas Gabalier bereits mit rechten Ansichten und Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht wurden. 3Plusss teilt die Begeisterung des AfD-Politikers nicht und ergänzt seinen Tweet mit der sarkatischen Anmerkung, sich sehr auf "Xavas 2" zu freuen.

Rapper nicht gerade bekannt für rechte Gesinnung

Die Features auf "Hin und weg" möchten gar nicht zu den Vorwürfen passen, die Xavier Naidoo um seine Gesinnung gemacht werden und aufgrund derer er auch darauf verzichten musste, Deutschland beim Eurovision Songcontest zu vertreten.

Chefket setzt sich beispielsweise aktiv gegen Rassismus ein und sorgte erst vor ein paar Wochen für Aufsehen, als er den Verantwortlichen von "Fridays for Future" vorwarf, ihn aufgrund einer rassistischen Einstellung nicht auftreten zu lassen.

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Von Anna Siegmund am 01.07.2019 - 14:40 Wir leben im 21. Jahrhundert und die Gesellschaft diskutiert darüber, ob es legal sein sollte, ertrinkende Menschen aus dem Mittelmeer zu retten. Die Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" hat diese Frage mit einem klaren "Ja" beantwortet und rettete über 50 Geflüchtete, die ohne ihre Hilfe vermutlich im Mittelmeer ertrunken wären.

Wen darf man featuren, wen nicht?

Eine ähnliche Diskussion wie Xavier Naidoo entfachte auch Shirin David, als sie mit dem offen homofeindlichen YouTuber Mert vor der Kamera stand. Verhilft sie damit nicht einem Mann zu Reichweite, der sich in Raptexten und YouTube-Videos gegen trans- sowie homosexuelle Menschen äußert? Für ihr neuestes Feature "On off" steht mit Gims ebenfalls ein Rapper an ihrer Seite, der in der Vergangenheit durch Homofeindlichkeit auffiel. Hier blieb der große Protest bisher aus, aber es stellt sich dennoch die Frage, ob ein*e Künstler*in ein Recht darauf verwirken kann, ein akzeptables Feature zu sein. Wie lange muss eine Aussage her sein? Was darf gesagt worden sein? Gibt es auch "unverzeihliche" Ansichten? Eine Diskussion, die 3Plusss mit seinem Tweet auslösen kann und die wichtig ist – egal, was man von seiner Aussage halten mag.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Kommentare

Der Text hat mehr Sterne als das Universum. Da bekommt man Augenkrebs. Ansonsten ist der Artikel recht gut geschrieben und überlässt den Lesern selbst ein Urteil zu fällen.

Xavier ist kein Rechter, aber ist (wie die halbe Rapszene) auf Verschwörungstheorien hängengeblieben, was ihn aber nicht zur Persona non grata macht.

Mord, Vergewaltigung und offener Rassismus sind für mich unverzeihliche Dinge. Bei allem anderen kann ich Kunst und Künstler trennen.

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Rassismus in Berliner Taxen? Chefket wird Mitfahrt verweigert

Rassismus in Berliner Taxen? Chefket wird Mitfahrt verweigert

Von Anna Siegmund am 21.08.2019 - 11:30

Chefket gehört zu den Rapper*innen, die am lautesten auf Rassismus aufmerksam machen und gegen ihn einstehen. Zuletzt kritisierte er die Absage seines Auftrittes für Fridays for Future und unterstellte den Verantwortlichen fremdenfeindliche Gründe für ihre Meinungsänderung bezüglich seines geplanten Gigs.

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Update: Mittlerweile haben Fridays for Future zu dem Konflikt mit Chefket Stellung bezogen. Was genau sie geschrieben haben, könnt ihr hier nachlesen. Chefket kritisiert die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future nach einem abgesagten Gig, mit dem er sich nach eigenen Angaben unentgeltlich an einer Demonstration beteiligen wollte.

Jetzt macht der Rapper auf einen Taxifahrer aufmerksam, der ihn nicht zu seinem Ziel bringen wollte und dafür eine wundersame Begründung fand.

"Weil wir nicht zusammenpassen": Chefket teilt die Situation auf seinen Social Media Kanälen

Chefket steigt zu einem Taxifahrer ins Auto. Als dieser sich weigert, ihn zum Görlitzer Park zu fahren, geht er live auf Instagram und teilt das Gespräch zwischen den beiden. Der Taxifahrer entgegnet den bohrenden Nachfragen des Rappers, warum er nicht einfach losfahre, immer wieder:

"Weil wir nicht zusammenpassen."

Humorvoll entgegnet der Rapper auf die wiederholten Beteuerungen des Fahrers, dass die beiden Männer nicht zusammenpassen würden, dass sie ja auch nicht heiraten müssten. Er fragt auch:

"Inwiefern? Was ist das Kriterium für Sie, nicht zusammenzupassen?"

Wenn der Mann ihn einen Grund für die Ablehnung der Fahrt nennen könne, würde Chefket auch sofort aussteigen. Final nennt der Taxifahrer ihm dann schließlich auch einen Grund. Mit der Bitte, ihm nicht böse zu sein, erklärt er:

"Sie waren mir zu schmalzig. Wenn Sie schon einsteigen und sagen: 'Wie geht's Ihnen?'.

Der Taxifahrer habe sich nicht nett sondern viel eher "von oben herab" behandelt gefühlt. Chefket führt die Diskussion weiter und erklärt, die Floskel zu Beginn der Fahrt sei eine Art der Höflichkeit. Er fragt, wie er sich in den Augen des Taxifahrer anders hätte verhalten können.

"Wäre es besser gewesen, wenn ich eingestiegen wäre und direkt nur das Ziel gesagt hätte?"

Auf die Frage, ob er wisse, dass gerade die Nettigkeit des Rappers dafür sorge, dass er ihn nicht in den Görlitzer Park fahre, entgegnet der Taxifahrer, dass Chefket "diskret ausgedrückt schwierig" sei. Chefket steigt schließlich aus und macht den Taxifahrer darauf aufmerksam, die Situation veröffentlichen zu wollen.

Chefket sieht Rassismus als Begründung für die Weigerung des Taxifahrers

Die Worte, mit denen Chefket sein Video teilt, machen deutlich, was er hinter dem Verhalten des Taxifahrers vermutet. Er schreibt "Achtung Rassismus Keule" und ist sich somit sicher, dass der Mann den Schwaben mit türkischen Migrationshintergrund aufgrund seines Aussehens nicht mitgenommen hat. Zudem fragt er seiner Follower, wie sie an seiner Stelle reagiert hätten.

In der Kommentarspalte ist man sich nicht einig

Die Reaktionen auf die Frage des Rappers sind unterschiedlich. Es gibt viel Support für Chefket und einige Menschen, die das Video zum Anlass nehmen, ihre eigene Geschichte zu teilen. Auf der anderen Seite gibt es auch Kommentare, in denen der Taxifahrer in Schutz genommen wird.

Lob wird besonders für die ruhige Argumentationsweise des Rappers gefunden.

Einige Stimmen können keinen Rassimus in den Aussagen des Taxifahrers erkennen und machen die Interpretation Chefket zum Vorwurf.

Einige positive Reaktionen teilt der Rapper in seiner Story.

Es meldete sich auch ein Kölner Taxiunternehmen zu Wort, das Chefket und "jeden anderen auch" in seinen Autos willkommen hieß.

Was der Rapper mit der Veröffenlichung des Videos auf jeden Fall erreicht hat, ist Aufmerksamkeit für ein wichtiges und aktuelles Thema. Menschen, die Rassismus erfahren haben, fühlten sich ermutigt, ihre Erlebnisse zu teilen. Zudem wird auch zu Zivilcourage aufgerufen. In seiner Story teilt Chefket den Kommentar, nicht den Mund zu halten, wenn man einen derartigen Vorfall bezeugen kann.

Interessanterweise machte zuletzt der chinesische Künstler und Kritiker des chinesischen Regimes Ai Weiwei Schlagzeilen mit seinem Vorhaben, Deutschland verlassen zu wollen. Auch er nannte im Interview mit der Welt, Situationen in deutschen Taxis, aus denen er aufgrund seines Aussehens rausgeschmissen wurde.

Natürlich geht es nicht nur um einen einzelnen Taxifahrer, den Chefket an den Pranger stellen möchte. Es geht auch nicht darum, alle Weißen zu Rassisten zu verurteilen. Aber Chefket macht auf fremdenfeindliche Strukturen unserer Gesellschaft aufmerksam.. Es ist ein Privileg weißer Menschen, von rassistischen Ausgrenzungen nicht betroffen zu sein. Und es ist ihre Pflicht, diese Strukturen zu erkennen und bewusst gegen sie einzutreten.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)