Das sind die meist-gestreamten deutschen Rapper auf Spotify

 

Welcher deutsche Rapper wird aktuell am meisten gestreamt? Mit etwas Langeweile, ausreichend Zeit, grundlegenden Recherche-Skills und der Spotify-App kann man sich die Frage relativ easy selbst beantworten. Wenn dir einer dieser Aspekte fehlen sollte: Here you go! Wir haben eine Liste mit den meist-gestreamten Rappern (Stand: 1. August 2022) aus dem deutschsprachigen Raum erstellt. Ein paar Überraschungen sind durchaus dabei.

Das sind die meist-gestreamten Deutschrapper

Wohlgemerkt: Es handelt sich tatsächlich nur um Rapper. Rapperinnen sind nicht in dieser Liste vertreten. Seien es badmómzjay, Juju, Nura, Shirin David, Loredana – auch von der prominentesten Ladies im Rap Game schafft es derzeit keine in die Top 20. Am erfolgreichsten von denjenigen, die man grob im Rapkosmos verorten kann, ist derzeit Domiziana ("Ohne Benzin") mit 2,648 Millionen monatlichen Hörer*innen. Ihr fehlen knapp 400K, um auf Platz 20 im Ranking zu rücken.

Natürlich können wir nicht feststellen ob – und falls ja, wo – künstlich nachgeholfen wurde. Dass ein Fokus auf zählbaren Erfolgen auch Schattenseiten und Tricks begünstigt, ist längst Common Knowledge geworden. Wir gehen einfach mal optimistisch davon aus, dass niemand aus den Top 20 künstliches Zahlen-Tuning nötig hat. Und wenn doch? Naja, bei der Tour de France werden auch noch jedes Jahr Sieger gekürt.

Platz 20: Liaze (3,026 Millionen monatliche Hörer*innen)

Lia ... who? Einige werden sich die gleiche Frage stellen wie ich im ersten Moment. Liaze ist tatsächlich sehr frisch im Club. Wer aktiv auf TikTok unterwegs ist, wird zuletzt aber immer häufiger über einen Song gestolpert sein, der Coldplays Hit "Paradise" in der Hook auf einem Drill-Beat sampelt. Der Song ist grade alt genug, um ein wenig in Vergessenheit zu geraten und jung genug, um auch bei Gen Z nostalgische Feelings hervorzurufen. Die Formel geht auf für Liaze: 16,5 Millionen Aufrufe seit dem "Paradise (mit dir)"-Release Ende Mai könnten ein nachhaltiger Karriere-Kickstart sein. Labels werden längst Auge machen.

 

Platz 19: Summer Cem (3,063 Mio.)

Einen alten bekannten finden wir dafür auf Platz 19. Summer hat es wie nur wenige seiner Kollegen geschafft, in mehr als einer Deutschrap-Ära am Zahn der Zeit zu bleiben. Seit "Maximum" mit KC Rebell läuft es für den Rheydter eigentlich nur noch nice. Kombos mit Luciano ("Summer Cem"), Capital Bra ("Diamonds") oder Gringo ("Yallah Goodbye") wurden Hits, die bis heute laufen. Diese werden nur von "Tamam Tamam" und "Casanova" in den Schatten gestellt, die jeweils bei rund 140 Millionen Aufrufen rangieren.

 

Platz 18: Sierra Kidd (3,104 Mio.)

Wer zuletzt nicht mitbekommen hat, wie sehr ein alter Kidd-Track im Internet eskaliert, wird verwundert sein. Der 25-Jährige landet vor Rap-Größen wie Kool Savas, Farid Bang, Kollegah, Shindy und vielen mehr. "Living Life, In The Night" heißt der Grund. Der Song mit Cheriimoya von 2018 ist unter anderem in der Türkei, Indien und den USA über TikTok viral gegangen. 148 Millionen Aufrufe machen gut 40 % der All-Time-Streams von Kidd aus und verschaffen ihm derzeit einen unerwarteten Push. Allein das Original wurde in mehr als 80.000 Videos verwendet. Zuletzt reagierte Kidd mit dem englischsprachigen Album "No Such Thing As A Sky" auf den internationalen Erfolg.

 

Platz 17: BHZ (3,156 Mio.)

BHZ stehen wie kaum ein zweiter Act in Deutschland für den Siegeszug der New Wave in den letzten Jahren. Sound, Themen, die Dynamik und die Vibes der ganzen Crew stehen symbolisch für so viele junge Acts, die seit etwa 2016 ein neues Bild der Szene prägen. Der Sprung aus dem Untergrund gelingt längst auch messbar in Zahlen. Irgendwo zwischen Berliner Partynächten und den serotonin-entleerten Tagen danach springen immer wieder Hits wie "Flasche Luft", "Drink ist kalt" oder "Powerade" heraus. Kleiner Trick für saftige Zahlen: Auch alle Solo-Release der einzelnen Jungs (Ion Miles, Monk, Longus Mongus, Big Pat & Dead Dawg) zahlen auf das gemeinsame BHZ-Konto bei Spotify ein. Nicht nur der Pfeffi wird brüderlich geteilt.

Platz 16: Gzuz (3,316 Mio.)

Kein Wunder, dass einer von Deutschraps MVPs der letzten Dekade bis heute amtliche Streams generiert. Ob mit seinen Soloalbum, der "High & Hungrig"-Reihe mit Bonez oder als prominenter Feature-Gast bei KitschKrieg, Trettmann, den Beginnern, Ufo, Veysel oder zuletzt cakal: Wenn Gzuz mit an Board ist, dann haben Songs beste Erfolgsaussichten. Außerdem hat Gzuz erst dieses Jahr sein neuestes Album veröffentlicht, das noch ordentlich gestreamt wird.

 

Platz 15: Ufo361 (3,369 Mio.)

Sein letztes Album ist hingegen schon fast ein Jahr alt. Nichtsdestotrotz kann Ufo sich auf einem gemütlichen Backkatalog Zeit für Verschnaufpausen gönnen: 8 Studioalben (davon 1 mit Ezhel), 3 Mixtapes und 2 EPs hat der Berliner Trap-Vorreiter seit 2016 veröffentlicht. Kaum jemand war in dieser Zeitspanne derart produktiv. Diese Arbeitsmoral dürfte einer der Gründe für sein Standing unter jüngeren Rapperinnen und Rappern sein. So entstanden zuletzt Songs mit gehypten Acts wie t-low ("Airbnb"), Pashanim ("allein allein) oder Lucio101 ("Hier"), die auch ohne Ufo-Album neue Streams auf sein Konto spülen.

Platz 14: SDP (3,463 Mio.)

Nein, SDP sind nicht ausschließlich Rapper. Vincent Stein, der als Beatzarre Songs für die halbe Szene produziert hat (Bushido, Fler, Sido, Capital Bra, Samra), und Dag-Alexis Kopplin schmeißen wild durcheinander, was ihnen in den Sinn kommt. Aktuell auf "Die schönsten Tag" mit Clueso ist das beispielsweise astreiner Singer-Songwriter-Mainstream-Sound mit unbeschwerten Sommer-Vibes. Aber über all die Jahre entstanden auch Songs mit einem ganz eigenen Humor und Features wie Sido, Capital Bra, Weekend, Montez und den 257ers. Dass das Bindeglied zwischen Deutschrap und Ballermann gestreamt wird wie blöd, sollte bei nüchterner Betrachtung keine Überraschung sein.

 

Platz 13: Pashanim (3,448 Mio.)

Dass Pasha es mit seinen doch immer noch spärlichen Releases in diese Liste schafft, zeugt von seiner Treffsicherheit. Was auch immer der Junge droppt, ist heiß. Aktuell versüßt "Kleiner Prinz" so manchen Sommer da draußen. 2021 war es "Sommergewitter" (mittlerweile 118 Millionen Aufrufe), 2020 war es "Airwaves" (136 Millionen Aufrufe). Das minimale Level an Output wird beeindruckend konsequent durchgezogen, Pashanim hält sich auch drei Jahre nach dem Durchbruch mit "Shababs botten" weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Warum auch ein funktionierendes System kippen?

 

Platz 12: Mero (3,475 Mio.)

Hach ja, wir erinnern uns doch alle nur zu gut an 2018 und 2019, als Mero auf einmal da war. Klickrekorde über Klickrekorde, Klickkauf-Vorwürfe und trotzdem ein Erfolg nach dem nächsten. Den Hype konnte man damals nicht nur in Zahlen sehen. Wo immer der damals nicht einmal 20-jährige Mero auftauchte, wurde es laut. Und fast vier Jahre später ist er immer noch hier und einer der meist-gestreamten Acts der Szene. Da liegt sicher zum Teil an "Baller los", "Olabilir" und Co. Auch wenn der größte Hype abgeklungen ist, brachte Mero dieses Jahr mit "Konum Gizli" (mit Murda) oder "Rapstars" (mit Jamule) wieder Erfolge zustande.

 

Platz 11: Kontra K (3,515 Mio.)

Nicht nur optisch eine Maschine. Kontra K liefert ab, Jahr für Jahr. Seit 2015 gibt es zuverlässig immer ein neues Studioalbum, während die Hörerschaft immer weiter wächst. Zu den motivierenden Lyrics und dem punktgenauen Flow gesellen sich immer wieder auch andere Töne. "Follow" mit Leony und Sido schickt sich grade an, ein großer Erfolg zu werden. Nach nur wenigen Wochen stehen 12 Millionen Streams auf Spotify zu Buche. Ob der Track jedoch an DEN Kontra-K-Song schlechthin herankommen wird? "Erfolg ist kein Glück" hat sogar die 100-Millionen-Schallmauer durchbrochen.

Platz 10: t-low (3,726 Mio.)

Dem Erfolg schadet es nicht, eine der kontroversesten Persönlichkeiten der Szene zu sein. Kalkül kann man t-low dabei kaum vorwerfen. Der Junge ist halt, wer er ist. Er tut, was er tut. Fler feiert und damit ist der Drops sowieso gelutscht. Aber ein missglücktes Splash-Debüt und Drogenprobleme sorgen natürlich nicht für Millionen Hörer*innen bei Spotify. t-low spricht vielen Leuten da draußen aus der Seele. Dabei beweist er immer wieder, was für ein intuitives Verständnis für Melodien sowohl in Parts als auch Hooks hat. Mit "Sehnsucht" und "We Made It" hat er dieses Jahr bereits zwei Nummer-1-Hits gelandet – beide mit Misku und Macloud, zu denen wir gleich noch kommen.


Platz 9: Capital Bra (3,919 Mio.)

Capi könnte es eigentlich auch längst entspannter angehen lassen. Hits wie "Wieder lila" oder "Neymar" im Katalog werden dem Bratan auch in einigen Jahren noch zuverlässige Einkünfte garantieren. Zwischen all dem Output, der in atemberaubender Geschwindigkeit veröffentlicht wird, finden sich eben auch immer wieder Tracks, die ihr Kalenderjahr überdauern. Hinzu kommt stetiger Nachschub. Nachdem erst im März in Form des Albums "8" stolze 27 Tracks erschienen waren, droppte Capi kürzlich mit keinem Geringeren als Farid Bang ein Kollaboalbum. 

 

Platz 8: Capo (3,965 Mio.)

Von Capi zu Capo. Der Offenbacher schafft es, eine gänzlich andere Nische zu besetzen als sein älterer Bruder Haftbefehl (2,038 Mio.). Straße, aber dennoch gefühlvoll, teils sehnsüchtig. So hat C-A-P-O schon so manchen Erfolg feiern können. Er hat Melodien im Blut und trifft damit immer wieder ins Schwarze. "Lambo Diablo GT" kommt auf fast 140 Millionen Streams, wenn man das Original und den Remix mit Juju zusammenzählt. Beeindruckend sind auch die Zahlen des damals sehr durchwachsen aufgenommenen Albums "Capimo" mit Nimo: über die Hälfte der Songs liegt über 15 Millionen, vier davon sogar über 25 Millionen.

 

Platz 7: Miksu / Macloud (4,359 Mio.)

They made it. Aber sowas von. Miksu und Macloud sind einen beispiellosen Weg in der Szene gegangen. Seit Jahren prägt der Sound des Duos die Hits der deutschsprachigen Rapwelt. Früher hauptsächlich für MCs aus NRW im Einsatz, stehen den beiden heute alle Türen offen. Sogar so sehr, dass sie mit ihren Beats und ihren Namen neue Künstler*innen mitziehen können. Gut, makko und t-low sind lange keine Unbekannten mehr, als man zum ersten Mal die bekannten Producer Tags auf ihren Songs hört. Dennoch heben die gemeinsamen Singles die beiden jungen Musiker in neue Sphären. Zur Feature-Liste gesellt sich auch sonst das Who-is-Who der Szene. Die Frage ist eigentlich immer nur: Mit wem wird der nächste Hit gedroppt?

Platz 6: Bonez (4,692 Mio.)

Dieser junge Herr nimmt gerade erst wieder Anlauf. Ein letztes Mal will er es gemeinsam mit RAF Camora wissen, Palmen zu Plastik und Schallplatten zu Diamant werden lassen. Irgendwelche neuen Output hat Bonez immer in der Pipeline. Ohrwürmer, tanzbares Material mit karibischem Einschlag, brutale Brecher für die Straße. Er tut, was er kann und er kann einiges. Es ist schwer, Deutschrap-Songs zu finden, die mehr als 200 Millionen Aufrufe bei Spotify haben. RAF und Bonez haben mit "Ohne mein Team" und "500 PS" gleich zwei solcher Kaliber im Rücken. Wenn "Palmen aus Plastik 3" droppt, wird es hier nicht bei Platz 6 bleiben.

 

Platz 5: RAF Camora (4,867 Mio.)

Bei RAF sieht es ganz ähnlich aus wie bei seinem "PaP"-Partner. Da er als Solo-Act aber in den letzten Jahren etwas fleißiger war als Bonez, kann er diesen trotz mehrer 187-Releases hinter sich lassen. Zum einen kann er sich darauf verlassen, Hits der 80er-, 90er- und 00er-Jahre so stilsicher wie kein anderer Act hier in die Gegenwart zu holen. Zum anderen hat niemand hier dermaßen die Essenz der partytauglichen Sounds aus Frankreich verinnerlicht, mit denen Jul und Co seit Jahren Erfolge feiern. Das alles verbindet RAF mit einem akribischem Ohr für Beats und einer Stimme, die man unter Tausenden wiedererkennen würde. Seit Jahren nicht mehr aus den most-streamed Top 10 wegzudenken.

Platz 4: Cro (4,997 Mio.)

Dass Cro viel gestreamt wird – geschenkt. "Traum", "Bad Chick", "Easy", "Einmal um die Welt" sind für viele heute Erwachsene der Soundtrack ihrer Jugend gewesen. Cro hat mit seiner unbekümmerten Art, Musik zu machen, eine neue Ära im deutschsprachigen Rap gestartet. Noch beeindruckender ist jedoch die Entwicklung. Von den augenscheinlich einfachen Hits hin zu artsy Genre-Experimenten, Einflüssen von Daft Punk und Tame Impala. Kombinierte Cro zu Beginn seiner Karriere Rap mit Pop, so fehlen einem heute die Vokabeln. Auf einem Cro-Album findet man alles. Trotzdem schafft er es noch immer, Erfolge zu feiern, die auch im Mainstream ankommen. Ein Spagat, der nur selten die angemessene Anerkennung bekommt.

 

Platz 3: Dardan (5,172 Mio.)

Als ich damals "Wer macht Para?" in der YouTube Suggestions entdeckt und es anschließend über Hiphop.de auf Facebook geteilt habe, hätte ich mir das nicht träumen lassen. Klar, Dardan hatte schon damals einen wilden Flow und Interesse, mit neuen Einflüssen zu arbeiten. Aber dass er der Sparte so sehr entwächst, internationale Connections aufbaut, auch im Ausland Hits landet und in Shisha-Bars sowie Clubs rauf und runter läuft, hatte ich nicht erwartet. Aber er zieht unbeirrt sein Ding durch, liefert Hit nach Hit und entwickelt sich weiter. Der Bre macht Para und zwar nicht zu knapp.

Platz 2: Sido (5,529 Mio.)

"Mein Block" ist mittlerweile volljährig. Lasst das erstmal sacken. 18 Jahre danach ist Siggi immer noch an der Spitze des Games. Er kam in der CD-Ära an den Start, hat die MP3-Ära überlebt und lässt fast alle Jungspunde sogar in der Straming-Ära hinter sich. Aber aus welcher Zeit stammen seine Wahnsinnszahlen? Tatsächlich aus allen. "Schlechtes Vorbild" und "Augen auf" spielen natürlich eine große Rolle. Aber wichtiger sind aktuellere Tracks. Immer wieder kommen neue Hits dazu, die nicht nur in der Rapwelt, sondern weit über ihre Grenzen hinaus auf offene Ohren treffen. 

Platz 1: Luciano (6,105 Mio.)

Hätte man Luciano vor sechs Jahren gesagt, dass er mal streaming-technisch vor Sido und Cro liegen würde, hätte er wahrscheinlich bescheiden gelächelt und abgewunken. Aber hier sind wir nun. Mehr als jeder andere deutschsprachige Rapper wird Luciano auf Spotify gepumpt. Hier zahlt sich zum einen seine konsequente Release-Dichte aus: Seit 2017 erscheint jedes Jahr mindestens ein Solo-Release. Zum anderen fallen eigentlich nie Tracks nach unten ab. Auf Qualität - besonders beim Sound - kann man beim Berliner blind wetten. So finden sich auf jedem Luciano-Release etliche Songs mit achtstelligen Aufrufzahlen. Auch aktuell. Mit Sean-Kingston-Sample in der Hook ist "Beautiful Girl" Lucianos erste Nummer-1-Single als Lead Artist geworden. Der Track von Ende April ist auch heute noch sein meistgestreamter Song.

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