Darum sind Memes das wichtigste Marketing-Tool in der Musikindustrie

Ob es Fler bewusst war, dass sein Ausraster gegen die Berliner Polizei dafür sorgte, dass kurze Zeit später (mal wieder) alle über ihn redeten, weiß wohl nur der Rapper selbst. Manche haben sich über seine Beleidigungen echauffiert, viele fanden die Auseinandersetzung zwischen dem Maskulin-Rapper und der Staatsgewalt einfach nur witzig.

Berliner Polizei reagiert auf Flers Ausraster bei einer Kontrolle

Es ist 2019, Dinge verbreiten sich im Internet wie ein Lauffeuer. So ist es nicht nur bei den WhatsApp-Nachrichten aus einer internen Alpha-Gruppe geschehen, sondern nun auch bei einem Video, das Flers Partnerin aufgenommen hat, während der Rapper von der Polizei festgenommen wurde.

Zwar waren die Meinungen über sein Handeln geteilt, aber hier greift ein Spruch, der schon so alt ist, wie das Showbusiness selber: Es gibt keine schlechte Publicity. Lange dauerte es nicht, bis sich das Video wie ein Lauffeuer im Internet verbreitete und sich zu einem der größten Deutschrap-Memes 2019 entwickelte.

Die 13 besten Rap-Memes 2019

Memes machen viele Dinge einfach besser. Nicht nur "Fanboy"-Talk sorgten dieses Jahr für amüsante Momente in der Timeline deines Vertrauens. Auch andere Rapacts fütterten das Internet mit Kuriositäten. Hier kommen (unter Vorbehalt) die besten Memes 2019. Baba Haft hat es sich in den letzten Jahren sichtlich gut gehen lassen.

Mit seinem Track "Fanboy" hat er die Aktion hinterher auch bewusst dafür genutzt, seinen persönlichen Profit aus der Angelegenheit zu schlagen. Anschließend entschuldigte er sich für sein Benehmen.

Der Wirbel rund um den Fanboy-Moment ist nur eines von unzähligen Beispielen dafür, dass Memes ein effektives Mittel sind, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wer es geschickt anstellt, kann mit der gewonnenen Beachtung bares Geld verdienen. Im Internetzeitalter bedeuten Klicks nämlich nichts Anderes als Cash. Eine sehr einfache Gleichung, von der alle profitieren, die im Jahr 20XX Content erstellen.

Wirklich alle benutzen Memes

Jeder kennt Memes, jeder liebt sie und wirklich jeder verschickt sie regelmäßig. Sogar Menschen, für die das Internet meist nicht tiefer geht als Quizduell oder Facebook benutzen sie: Unsere Eltern verschicken sie über Whatsapp. Kürzlich tauchten wahrscheinlich tausende Weihnachts-Memes in Familiengruppen auf.

Nur die wenigsten unserer Generation schmunzeln über Dad-Jokes, aber natürlich ist Humor genauso subjektiv wie Musikgeschmack. Nicht alle finden einen besoffenen Weihnachtsmann lustig und nicht jeder Rap-Fan glaubt, dass nach "Blauer Samt" von Torch kein gutes Album mehr veröffentlicht wurde.

So verlassen manche Memes nie ihre eigene Bubble. Meistens sind sie dafür auch zu spezifisch an die eigene Fangruppe angepasst, sodass Leute von außerhalb den Witz erst gar nicht verstehen. Funktionieren die Memes jedoch auch für Menschen, die mit der Thematik eigentlich gar nichts anfangen können, ist eine noch größere Reichweite fast sicher.

Das Marketing-Potential von Memes

Selbst die die Berliner Verkehrsgesellschaft hat das Potenzial von Memes erkannt und bespielt seine Social Media Kanäle damit. Über die Qualität der Witze kann gestritten werden, aber die BVG hat ihr Image zeitgemäß aufpoliert.

Wenn selbst eine Verkehrsgesellschaft die Fähigkeit von Memes erkannt hat, ist es nicht verwunderlich, dass die Marketing-Verantwortlichen in der Musikindustrie schon länger dahintergekommen sind.

Michael Epstein vom New Yorker Label Cinematic Music Group erklärt den Erfolg von Memes als Promotion-Werkzeuge gegenüber edm.com:

"Wir lieben großartige Musik für ihre Kraft, einen Moment einzufangen und uns zu erlauben, diesen Moment mit anderen zu teilen. Memes erreichen etwas Ähnliches, indem sie kulturelle Momente festhalten und uns erlauben, sie sofort und weltweit zu teilen. Wenn das Gefühl eines Songs perfekt mit einem hochgradig verwandten und teilbaren Moment koordiniert wird, erhält man eine virale Musik- & Meme-Sensation."

("We love great music for its power to capture a moment and allow us to share that moment with others. Memes accomplish something similar by capturing cultural moments and allowing us to share them instantly and globally. When the sentiment of a song coordinates perfectly with a highly relatable and shareable moment, you get a viral music & meme sensation.")

Die Verbindung zwischen Musik und Memes ist sogar so stark, dass sich in den letzten Jahren eine Symbiose entwickelt hat: Memes können aus Songs entstehen und damit die Reichweite der Tracks erheblich vergrößern.

Soulja Boy war der erste Rapper der Viralität verstanden hat

Schon lange bevor Fanboy kursierten Memes in der Hiphop-Welt. Soulja Boy war der erste Rapper, der verstanden hat, wie Viralität im Internet dazu genutzt werden kann, der eigenen Karriere einen ordentlichen Schub zu geben.

Zwar waren Memes damals nicht so klar definiert wie heute und genau genommen handelt es sich um einen Tanz, aber sein Song "Crank That" sorgte dafür, dass tausende Kids auf der ganzen Welt die berühmten Moves nachahmten, sich dabei filmten und die Videos teilten. Selbst wer noch nie von dem Song gehört hat, kannte spätestens durch den Hype um den Tanz die Hook auswendig: "Then Superman dat oh!".

Fast genau das gleiche Phänomen ist heute beim Track "Futsal Shuffle 2020" von Lil Uzi Vert zu beobachten. Noch bevor der Song Ende des Jahres 2019 releast wurde, reichte ein Snippet, um tausende Menschen zu motivieren, den Tanz auf der Plattform Triller nachzuahmen. Auch Yung Hurn ließ sich den Spaß nicht nehmen.



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Niemand hat letztes Jahr das Potenzial von Memes so sehr ausgeschöpft wie Lil Nas X. Mit "Oldtown Road" lieferte der Künstler den erfolgreichsten Rap-Song des letzten Jahres. Mithilfe zahlreicher Memes schaffte Lil Nas X, den Song in das Bewusstsein von Menschen auf der ganzen Welt zu rufen. Bevor der Rapper seine Karriere als Musiker antrat, verwendete er die meiste seiner Zeit damit, Memes zu kreieren. Kein Wunder also, dass er diese auch genutzt hat, um seine Musik zu promoten.

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Bhad Bhabies Karriere baut auf einem Meme auf

Manche Karrieren von Rapper*innen sind sogar direkt auf Memes aufgebaut. Der wohl bekannteste Ableger ist Danielle "catch me outside" Bregoli aka Bhad Bhabie. Nach einem viralen Ausschnitt aus einer Talkshow, köderte sie eine der größten Plattenfirmen der USA Atlantic Records mit einem saftigen Plattendeal. Features mit Rap-Größen wie Lil Yachty, Kodak Black oder Lil Baby folgten und mittlerweile zählt die Künstlerin 3,5 Millionen Hörer auf Spotify.

Heute wird die Fähigkeit virale Memes erstellen zu können sogar in manchen Stellenausschreibungen für Social Media- oder PR-Manager gewünscht. Außerdem gibt es schon länger professionelle Meme-Creator, die den ganzen Tag nichts Anderes machen, als Memes für Künstler*innen zu kreieren.

Memes als Promo-Tool sind schon lange in der Musikindustrie etabliert und kein neues Phänomen mehr. Vielleicht sind sie mittlerweile sogar wichtiger als Interviews oder Snippets. Künstler*innen wie Fler wissen das schon lange und nutzen die magische Kraft von Memes regelmäßig.

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Fler kündigt Karriereende mit "CCN3" an
Ccn

Fler kündigt Karriereende mit "CCN3" an

Von Renée Diehl am 01.05.2021 - 14:54

Fler gibt im Twitch-Livestream mit Rooz bekannt, dass er seine Karriere mit einem letzten Kollabo-Album mit Bass Sultan Hengzt beenden will. Es soll als drittes und letztes Album der "CCN"-Reihe nicht nur unter diese musikalische Ära einen Schlusstrich ziehen, sondern auch unter seine Laufbahn als Rapper.

Fler gibt beiläufig Karriereende bekannt

Bereits Mitte April hatte Fler die Info, zusammen mit Bass Sultan Hengzt an "CCN3" zu arbeiten, in einem Interview mit 16 Bars gedroppt. Von einem Karriere-Aus aber war damals noch nicht die Rede – vielmehr sprach er zu dem Zeitpunkt noch von neuen Projekten. Seine Meinung scheint er inzwischen geändert zu haben. Im Telefongespräche mit Rooz, das live auf dessen Twitch-Account ausgestrahlt wurde, sagt er:

"Ich mache jetzt noch ein Album. CCN3 mit Bass Sultan Hengzt Ende des Jahres, danach bin ich fertig mit Deutschrap. Bass Sultan Hengzt und Frank White. Ich geb euch noch einmal dieses Album. Und es wird keine Musik sein, es wird einfach nur Krieg sein. Ich mach das nicht, weil ich im Studio sitze und sage, 'Boah, das ist ja geile Musik'. Nein, ich bin mit CCN gekommen, ich werd mit CCN gehen. Ihr habt alle immer gesagt 'Fler, bring wieder, bring wieder'. Den paar Fans, die es sich so sehr wünschen da draußen, sozusagen der Hardcore-Fanbase, gebe ich das noch. Danach bin ich weg, Alter."

Fler ist Rapper – aber was kommt danach?

Wie ernst es Fler mit seinem Karriereende wirklich ist, weiß nur er selbst. Was er danach vorhaben könnte, verrät er aber schon mal:

 "Ihr bekommt euer 'Carlo Cokxx N*tten', danach ist Feierabend. Danach mach ich Champagner." 

Auch das könnte nur eine Anspielung darauf sein, was seine US-Rapper-Kollegen, unter anderem Jay-Z, sich an Businesses neben oder nach dem Rap aufgebaut haben. Wobei bekanntlich kaum ein Rapper jemals die Finger komplett von der Musik lassen kann. Wie das Ganze bei Fler ausgeht, bleibt abzuwarten. 

Claim auf Titel „CCN“ umstritten 

Falls Fler das Album mit Bass Sultan Hengzt tatsächlich mit dem Titel "CCN3" rausbringen möchte, wird dies natürlich ein weiteres Kapitel im Konflikt mit Busido werden. Bisher hatte Bushido nämlich unter dem Trademark weitere Kollabo-Alben mit anderen Rappern releast. Mehr zu dem Thema findet ihr hier:

"CCN" im Streaming: Fler will Bushido stoppen

Bushido will nach und nach sein Frühwerk auf den Streaming-Markt bringen. Ob die Gangstarap-Blaupause "CCN" auch bald auf Apple, Spotify und Co zur Verfügung steht, ist jedoch zumindest fragwürdig. Bushidos damaliger Kollabopartner Fler hat in einem neuen Interview bei 16 Bars erklärt, dass er das nicht zulassen werde.


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