"Platin war gestern": Wie Farid Bang & Kollegah auf den Echo zurückblicken

"Platin war gestern" erschien am vergangenen Freitag und bildet für Farid Bang und Kollegah so etwas wie den Abschluss der einer besonderen Historie mit drei Buchstaben. Einige Monate nach den Diskussionen, die rund um den Echo und eine aus der Sicht vieler Kritikerinnen und Kritiker antisemitischen Line entstanden waren, tauchten auf "Platin war gestern" einige Lines auf, die sich mit den Geschehnissen auf die typische "JBG"-Weise auseinandersetzten.

Insbesondere Kollegah war im Zuge der Kritik an Farid Bang und ihm durch die Verbreitung kruder Verschwörungstheorien aufgefallen. Dennoch setzten sich die beiden mit der Kritik auseinander und besuchten schließlich die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz. Auf "Platin war gestern" gibt es nun einige Lines, in denen die Farid Bang und Kollegah erneut klar machen, dass sie mit der vorgebrachten Kritik nicht immer einverstanden waren - dabei ging es insbesondere um die Art und Weise der Vorwürfe. Wir haben fünf Lines herausgesucht, die sich mit dem zurückliegenden Echo und der medialen Diskussion beschäftigen:

Wir zwei sind ein Bündnis for life, der Körper klar definiert / Im Gegensatz zu eurem Verständnis von Künstlerfreiheit 

Spätestens bei den Worten "Körper" und "definiert" werden viele Hörerinnen und Hörer an die bis ins Letzte diskutierte Line gedacht haben. Doch Kollegah gibt der Zeile auf "All Eyez on Us" diesmal einen anderen Rahmen und kritisiert das aus seiner Sicht mangelnde Verständnis von Kunstfreiheit, das in der Diskussion sichtbar wurde. Konservative Kreise nutzten die Echo-Debatte sogar, um härtere Gesetze gegen Raptexte zu forden.

All Eyez on Us

All Eyez on Us, a song by Kollegah, Farid Bang on Spotify

Guck dir Carmen an, uns zu dissen war ein Riesenfehler / Ab jetzt geht es mit der Geiss bergab wie der Ziegen-Peter

Wie man möglicherweise berechtigte Kritik an einer Line am Rande der Kunstfreiheit mit rassistischer Stimmungsmache verwechseln kann, haben die Geissens bewiesen. Auf "Mitternacht 2" keilt Kollegah nun zurück. 

Mitternacht 2

Mitternacht 2, a song by Kollegah, Farid Bang on Spotify

Machte Hammercurls, bevor ich den Echo entgegennahm (ey) / Beim Echo wollten sie, dass ich bald hinter Gittern rhyme / 60-Jährige, die mir Mittelfinger zeigten / 60-Jährige wollen uns abschieben, Bitch / Und hören erst auf, wenn zwischen uns ein Knastriegel ist

Auf "Nuklearer Winter" macht Farid Bang klar, dass sich für ihn beim Echo auch ein Generationenkonflikt offenbarte. Wieder geht es gegen die Geissens, deren Statements vor mal mehr, mal weniger verdecktem Rassismus nur so trieften. Zugegebenermaßen ist Alice Weidel, die offensiv die Abschiebung Farid Bangs forderte, etwas jünger als 60 Jahre - ihr verkrustetes Weltbild lässt jedoch oft genug Anderes vermuten.

'Nen Tag, nachdem beim Echo Millonäre buhrufen / Traf ich meine Brüder, die mir in Spielotheken zujubeln

Offenbar hatte Farid auch unabhängig vom Alter das Gefühl, in der Welt des Echos nicht willkommen zu sein. Anders lässt sich eine weitere Line auf "Nuklearer Winter" kaum deuten. Obwohl er sonst so gerne von gewissen Reichtümern prahlt, fühlt er sich so richtig heimisch immer noch in den Spielotheken. 

Nuklearer Winter

(null)

Helene meint, dass wir für Rap kein'n Respekt verdienen / Eine Frage, hast du schon mal einen Text geschrieben?

Auf "G-Modelle" attackiert Farid die Königin deutscher Mallorca-Touristen: Helene Fischer. Diese hatte sich in einem Statement nach dem Echo extrem kritisch zu der Kunst Farid Bangs und Kollegahs geäußert. Das Statement empfanden viele als ein leuchtendes Beispiel der Doppelmoral der deutschen Popbranche. Farid Bang will einfach nur wissen, ob die Schlagerikone ihre lyrischen Ergüsse selbst produziert.

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Morten, Plusmacher, Sinan-G, Booz & mehr im Deutschrap-Update

Morten, Plusmacher, Sinan-G, Booz & mehr im Deutschrap-Update

Von HHRedaktion am 07.02.2020 - 13:58

Wie jeden Freitag findet ihr auch heute wieder eine bunte Palette an Neuzugängen, die heute in der deutschsprachigen Rapwelt gelandet sind. Mit dabei sind unter anderem der Plusmacher, Morten (3x), Money Boy, Farid Bang mit Kollegah und Fler, Greeny mit OG Keemo, Sero El Mero und viele mehr:

Allen voran steht natürlich das Trio im Fokus, das vor ein paar Jahren noch undenkbar war: Farid Bang versammelt erstmals Kollegah und Fler auf einem Song. Der Beat von Kyree und Deats lässt allen drei Rappern Platz, ihre eigene Note in den Song zu bringen und geht ordentlich nach vorne.

Die gleiche Marschrichtung – allerdings in einem ganz anderen Sound-Gewand – gibt es heute beim Hamburger Booz mit "Drip Check". Material, zu dem man bestens durch den Moshpit bouncen kann. Unser Tipp des Tages. Zeitgemäßen Abriss machen außerdem Greeny und OG Keemo mit ihrer neuen Nummer "Schwör ma" möglich.

Bei Sinan-G und dem jungen Künstler Milano gibt es währenddessen eine Mischung aus Rap und Pop, aus Deutsch und Französisch, die mit modernem Westcoast-Vibe von Rocks inszeniert wird. In eine ähnliche Kerbe schlägt der neue Plusmacher-Song "Wo sind meine Fische", der auf französische und poppige Einflüsse verzichtet, aber dafür umso mehr die Nackenmuskulatur stimuliert.

Der Wochenbeste ist Morten, aus dessen neuem Tape "Escape The City (Level 1)" wir gleich drei Songs in unserer Playlist platziert haben. Bei "Frio" hat er den Kölner Lugatti an Bord, mit "Violett" liefert er solo tanzbar-verträumten Sound und in "Hartz V" mit Opti Mane trifft 90er Dirty South auf Berlin 2020.

Apropos 90er: Bei Benyo51 von der Schälsick gibt es heute Boombap auf EP-Länge mit jeder Menge kölschem Humor. Für authentischen Rap von der Straße sorgen aber auch Bangs von der Army Of Brothers mit Ulysse ("Das Selbe"), Jaill ("24 Tanquerays") oder Erabi und Jam ("Unter Druck").

Soweit der wöchentliche Sneak Peek in unser Playlist-Update. Neben den genannten gibt es noch einige andere Songs zu entdecken, also pickt hier euren Streaming-Anbieter und checkt die gesamt "Groove Attack" ab!


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