CSU-Politiker Dobrindt fordert strengere Gesetze gegen Raptexte

Alexander Dobrindt von der CSU verdanken wir unter anderem den Running Gag "Pkw-Maut für Ausländer". Jetzt hat die Partei, die gerade dabei ist, Bayern in einen Polizei- und Gottesstaat zu verwandeln, offenbar Raptexte als neues Projekt entdeckt. Der ehemalige Verkehrsminister nimmt aber nicht 'nur' Rap ins Visier, sondern gleich die gesamte Kunstfreiheit. Er überlegt, ob das sogenannte Hate Speech-Gesetz auch auf Rap angewendet werden sollte.

Zumindest gibt Alexander Dobrindt gegenüber der Welt an, er habe sich im Zuge der Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang mit nicht näher spezifizierten Raptexten beschäftigt. Dabei sei er zu dem Schluss gekommen, dass nicht alles Kunst sei. Bei einigen Texten habe er sich gewundert, "dass sie nicht schon längst jemanden aufgeregt hätten". Kunstfreiheit rechtfertige keine Hetze.

Nur um das klarzustellen: Wir wissen zwar nicht, welche speziellen Texte Alexander Dobrindt hier meint, aber es ist trotzdem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich schon mal jemand über sie aufgeregt hat, bevor der CSU-Politiker dazu gekommen ist.

Dobrindt hat eine gute & eine sehr schlechte Idee

Die gute Idee: Alexander Dobrindt bittet Menschen um Hilfe, die sich damit auskennen. Zumindest sollen sich seine Kollegen, "die sich schwerpunktmäßig den Bereichen Kunst und Kultur widmen" doch bitte "überlegen, was dagegen getan werden könne". Auch wenn wir eigentlich glauben, dass es "dagegen" bereits genug Gesetze gibt.

Die schlechte Idee: Alexander Dobrindt fordert, dass die Regeln, die beim sogenannten Facebook-Gesetz zum Tragen kommen, auch auf Raptexte angewandt werden sollen. Abgesehen davon, dass das praktisch schlicht unmöglich ist, greift er damit indirekt die Kunstfreiheit an.

"Wir müssen überlegen, ob wir die Regeln, die wir beim Hate-Speech-Gesetz angewendet haben, in anderen Bereichen ähnlich strukturieren können."

Antisemitismus-Skandal um Kollegah: Dobrindt will Facebook-Gesetz auf Rap anwenden - WELT

Deutschland CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt will es im Antisemitismus-Skandal um Kollegah und Farid Bang nicht bei leeren Appellen bewenden lassen. Er erwägt, dem Battle-Rap Regeln zu geben: „Nicht alles, was Mist ist, ist auch Kunst."

Das Gesetz lässt sich kaum auf Musik anwenden

Diese Regeln des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes besagen, dass die Betreiber von sozialen Medien wie Facebook oder Twitter offensichtlich rechtswidrige Inhalte innerhalb von 24 Stunden löschen müssen. Das Gesetz steht nicht erst seit seiner Einführung Mitte 2017 massiv in der Kritik. Unter anderem, weil strafrechtlich relevante Inhalte vorher sowieso schon verfolgt wurden.

Die durch das Gesetz forcierte Löschung und Sperrung von Inhalten will der CSU-Politiker jetzt also irgendwie auch auf Musik anwenden. Eine Erklärung dazu, wie er sich das vorstellt, bleibt Alexander Dobrindt allerdings schuldig. Es ist auch ziemlich rätselhaft, wie er einen Song wieder zurückholen will, der einmal in Umlauf gebracht worden ist.

Alternativ: Die Musikindustrie zensiert sich selbst?!

Die Welt weist darauf hin, dass hinsichtlich der Forderungen Dobrindts ansonsten nur noch eine Selbstzensur der Musikindustrie in Frage käme. Ob das mit der Kunstfreiheit vereinbar wäre, müssten dann die Gerichte entscheiden. Trotz unzähliger Urteile zur Kunst- und Meinungsfreiheit bleibt Alexander Dobrindt dabei: Es gebe eine Grenze zwischen Müll und Kunst, die irgendwo gezogen werden müsse.

Sicher, es gibt eine Grenze zwischen Kunst und Müll. Es gibt auch Institutionen wie die BPjM samt Index und jede Menge bestehende Gesetze, die sich mit solchen Dingen beschäftigen.

Wollen wir hoffen, dass Alexander Dobrindt nicht irgendwann derjenige ist, der entscheidet, was Kunst ist und was nicht. Offenbar hat er von den immer wiederkehrenden, öffentlichen Debatten zu dem Thema bisher nichts mitbekommen.

Weiterführendes zum Thema findest du unter anderem hier:

Echo-"Debatte" um Kollegah & Farid Bang: Kunstfreiheit oder struktureller Antisemitismus? - On Point

Gefühlt hat schon jeder seine Meinung zur vermeintlichen Antisemitismus-Debatte rund um den gewonnen Echo für "JBG 3" geäußert. Für Arias Geschmack haben aber entschieden zu viele Leute den eigentlich wichtigsten Punkt in der Diskussion um Farid Bang und Kollegah vollkommen verpasst.

Kollegah, Farid Bang & BMG offenbar wegen Volksverhetzung angezeigt

Die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang beziehungsweise deren Texte auf "JBG 3" haben bereits unzählige Reaktionen hervorgerufen. Jetzt hat offenbar sogar jemand Anzeige gegen die beiden Rapper erstattet, und zwar wegen Volksverhetzung. Anscheinend prüft jetzt der Staatsschutz die Anzeige, die sich nicht nur gegen Kollegah und Farid Bang richten soll, sondern auch gegen den BMG-Vorstand.

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Kommentare

Na immerhin gibts schonmal die Erkenntnis, dass man Fachleute dazu braucht. Und mit dem Argument, dass es viel Müll gibt, der eben nicht auf Metaebenen funktioniert, stimmt eigentlich auch.
So gaaanz falsch liegt der Heini leider nicht.

Wird sich sowieso nicht durchsetzen. Ist doch wieder nur das Spiel mit der öffentlichen Meinung: Das Echo-Thema ist gerade brandaktuell, da kommt wieder einer mit irgendnem Geschwafel um die Ecke, damit man in der Kneipe am Wochenende wieder ein Gesprächsthema hat. Nächste Woche kommt wieder was neues und alle Medien tragen die Verantwortung dafür, dass dieses Thema immer noch so groß ist.

Als ich Toxics letzten großen Antisemitismus Beitrag kommentierte und dort die Gefahr des Endes der Meinungs- und Kunstfreiheit erwähnte, gingen die Kommentare dazu in Richtung "mimimi, passiert sowieso nie". Und jetzt haben wir den Salat. Bin schon gespannt wie Rap wird, sobald 187 nur noch Tracks über kleine süsse Kätzchen machen, weil die anderen Themen wie Btiches Drogenkriminalität und Gewalt VERBOTEN sind. Seid ihr jetzt zufrieden ihr sowas-darf-man-aber-nicht-sagen-******s ? Bist du jetzt zufrieden Mainstream-(wannabe)Atlantikbrücke-Toxic?

Hab den *****nartikel nur überflogen. (Alleine schon zum Selbstschutz, die Dummheit macht mich immer so aggressiv, dass ich kurz davor bin nach Düdo zu fahren...)

Der Fehler beginnt schon bei der Ausgangslage. Wenn Dürer ein Selbstpoträt als Jesus malt, dann ist das Kunst. Wenn Thomas Mann den "Zauberberg" schreibt, ist das Kunst. Wenn Nas ein Album wie "Illmatic" rausbringt, dann ist das Kunst. Wenn irgendwelchen Holzkopfkanax mit einem IQ von deutlich unter 90 ihre Gehirnfürze einrappen und auf die Jugend loslassen, ist das KEINE Kunst. Ergo keine Kunstfreiheit!

Der Artikel positioniert sich nicht mal annähernd wie das nötig wäre!!! Hier will jemand die schrittweise Gleichschaltung erreichen!!! Ja, die Line wäre Antisemitismus pur - nur kommt sie eben nicht aus dem Maul eines satten Privilegierten und das ändert die Lage absolut!!! Und nun will genau so eine vollgefressene Bleichgesichtkartoffel den nicht privilegierten Nichtdeutschen wieder das Maul verbieten!!! Wie kann man das nicht sehen??? Wie kann man so einen Wischiwaschiartikel schreiben? Fast könnte man meinen, der Autor mit biodeutschem Namen betreibt Appea*****t!!!

Nie wieder D!!! Rotfront!!!

Dieser Antifa Uhrensohn ist schon ein lustiger Vogel. Tippe mal auf Fake, wobei so dumm wie die sind...Anifa********bande. In der Gruppe stark, und alleine ängstlich auf den Boden gucken...

Fake ist höchstens deine Maske, die du (noch) täglich tragen musst, um nicht als Braunhemd enttarnt zu werden, Adolf. lol Faschos werden wohl im Hiphop geduldet, aber da draußen sieht das bald ganz anders aus!

Rotfront!!! Nie wieder D!!!

Der typ hat nix mit antifa zu tun wette ich. Redet von "da draußen" aber kennt nur das internet. Schon krass wenn man überall nur ausgelacht wird...wahrscheinlich irgendein rechter troll der auf internethero macht, jeden der nunmal deutsch ist als kartoffel oder braunhemd, fascho, bleichgesicht usw. Beleidigt und hier wahre antifaschisten in den dreck ziehen will...richtiger uhrensohn

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Warum Farid Bang Bushido nicht mehr dissen will

Warum Farid Bang Bushido nicht mehr dissen will

Von Paul Kruppa am 27.07.2021 - 13:08

Farid Bang hat in seinem neuen Interview mit den Kollegen von Deutschrap ideal erklärt, warum auf seinem neuen Album "Asozialer Marokkaner" keine Disses gegen Bushdio drauf waren. Viele Fans hatten erwartet, dass der Banger möglicherweise gegen den Berliner feuern würde, doch nun erklärte Farid, dass er davon nicht viel halten würde.

"Das ist nicht mein Stil": Farid Bang über Bushido-Disses

Hatte es noch auf "JBG 3" ordentlich Disses gegen das egj-Oberhaupt gehagelt, kam Bushido auf "Asozialer Marokkaner", wie zuvor angekündigt, glimpflich davon. Farid Bang (jetzt auf Apple Music streamen) erklärte nun im Interview, dass dies daran liege, dass es er kein Problem mehr mit Bushido habe.

Er habe irgendwo auch Verständnis für ihn. Der größte Angriffspunkt wäre schließlich der Polizeischutz, unter welchem der Rapper aktuell steht. Das sei allerdings für Farid kein Grund Bushido anzugehen. Er verstehe, dass es für Bushido die einzige Möglichkeit gewesen sei.

"Was soll ich jetzt für einen Grund nehmen für den? 'Ey du bist jetzt unter Polizeischutz' – das interessiert mich gar nicht. Diese Thematik auch, er ist unter Polizeischutz. Hör mal, ich bin nicht Pablo Escobar oder der bekämpft nicht mich oder irgendwas. In einer Sache muss ich ihm immerhin recht geben. Der hat doch keine andere Wahl, was soll der denn machen? In der Hinsicht. Er will aus einem Vertrag raus, die haben es nicht geschafft es so zu klären. Was soll der Typ jetzt machen?"

Er wolle Bushido gar nicht als den Guten in der Geschichte darstellen oder Ähnliches. Aber er habe ihm immer das Unterdrücken anderer Künstler vorgehalten. Kämen nun Disses von Farid, sähe er sich in der gleichen Position.

"Was ich ihm immer vorgeworfen habe, war diese Unterdrückung. Und wenn ich den jetzt angreife, wäre das genau derselbe Vorwurf."

Einem sportlichen Rap-Battle in der Zukunft, wenn Bushido seine ganzen aktuellen Probleme irgendwann mal hinter sich lassen konnte, stehe dem Banger-Oberhaupt offen gegenüber.

"Wenn der irgendwann Mal die ganze Sch*iße hinter sich gebracht hat und ihr ein Rapbattle wollt, können wir das gerne machen. So auf sportlicher Ebene, sage ich mal."

Farid Bang über aktuelle Labelsituation bei Banger Musik

Auch auf die Fragen nach der aktuellen Situation bei Banger Musik geht Farid ein. So hatten sich viele über einige Zeilen auf dem Track "Thanos" gewundert, die nahelegten, dass Farid sich von seinen Signings getrennt habe. Damit räumt er nun auf.

So sei er mit keinem seiner Künstler zerstritten oder habe ein Problem. Allerdings habe das Gefühl, Banger Musik sei nicht mehr das Team, das seiner Vision entspreche. Aus diesem Grund habe er sich entschieden, den Fokus in den nächsten Jahren auf sich selber und nicht die Labelarbeit legen zu wollen.

"Als Allererstes: Ich bin mit keinem da verstritten oder sonst irgendwas. Nur, ich will den Fokus in den nächsten Jahren auf mich setzen und nicht auf Label oder andere Künstler oder sonst irgendwas, sondern ich will mich nur auf mich fokussieren. Die Vision, oder warum ich Banger Musik mal gemacht habe, war als Team. Und das sehe ich nicht mehr so bei uns."

Er sei aber auch niemand der den Leuten hinterherlaufe oder versuche sie zurückzuhalten. Er und Summer Cem seien immerhin seit vielen Jahren gute Freunde und da gäbe es dann keinen Streit, wenn einer irgendwann sein eigenes Ding machen wolle.

Zieht euch hier das ganze Interview rein:


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