Kollegah verlangt "objektive" Berichterstattung über "Pizzagate" und startet fragwürdigen Aufruf

 

Kollegahs persönlich ausgerufener Kampf gegen die Medien geht weiter. In seiner Instagram-Story startete er gestern einen Aufruf, in dem es diesmal um das Thema "Pizzagate" geht.

"Jetzt, wo diese ganze Mediendebatte schon mal ins Rollen gekommen ist, habe ich eine Aufforderung an alle Medien in Deutschland, an jeden Redakteur, der noch ein Gewissen hat", startet Kollegah seine Story. Da das ganze Thema rund um die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihn und Farid Bang sowie die infrage gestellte Echo-Nominierung der beiden langweilig geworden sei, werde es Zeit für etwas Neues:

"Ihr Medien schreibt euch auf die Fahne, die Leute aufklären zu wollen. Dann packt auch andere Themen an! Berichtet mal zum Beispiel über 'Pizzagate'. Wie wär das denn? Und da mach' ich sogar noch einen Anreiz für euch, an die großen Medien jetzt."

Im Anschluss bietet Kollegah demjenigen 25.000 Euro, der "objektiv" über "Pizzagate" berichtet. Es handele sich nicht um Bestechungsgeld, sondern um einen Anreiz und eine Wiedergutmachung für die dann bevorstehenden Konsequenzen, "denn das wollen natürlich gewisse Leute nicht". Schließlich wisse Kollegah, dass Redakteure kaum Freiheiten hätten und sie das schreiben müssten, was ihnen "von oben" gesagt würde. Der Aufruf richte sich an alle Redaktionen und Formate, die ein Gewissen und "die Eier" dafür hätten.

Außerdem appelliert er an seine Follower, sich bei Google und YouTube über "Pizzagate" zu informieren.

Bei der Thematik handelt es sich um eine im Dezember 2016 verbreitete News, die während des Wahlkampfes zwischen dem jetzigen US-Präsidenten Donald Trump und der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton in den sozialen Netzwerken kursierte und sich unter anderem laut FAZ als Falschmeldung entpuppte. Clinton wurde dabei vorgeworfen, dass sie und ihr Wahlkampfmanager John Podesta in einen Kinderp*rnoring verstrickt seien, dessen Sitz sich in einer Pizzeria in Washington befinde. 

Die Verschwörungstheorie basierte auf von WikiLeaks veröffentlichten E-Mails zwischen Podesta und James Alefantis, dem Besitzer der Pizzeria. In den Mails sollen Codewörter von Pädophilen enthalten sein. Des Weiteren wurden Logos auf Speisekarten und Fotos von Alefantis' Instagram-Profil ins Spiel gebracht. Verbreitet wurde die Meldung ursprünglich über einen rechtspopulistischen Twitter-Account und zog schnell Kreise in diversen Verschwörungsforen, sozialen Netzwerken und YouTube. Das Ganze spitzte sich derart zu, dass ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Mann die betroffene Pizzeria stürmte und Schüsse abgab, um die angeblich dort festgehaltenen Kinder zu befreien. Nachdem er nichts fand, ließ er sich festnehmen. Verletzt wurde niemand.

Beweise oder Zeugen für die Vermutungen gibt es bis heute nicht, weshalb Kollegahs Aktion angesichts seiner Reichweite und seines enormen Einflusses auf seine teilweise sehr junge Follower- und Hörerschaft extrem fragwürdig ist. Das zeigen auch die von Kollegah kurz darauf veröffentlichten Screenshots von Fan-Nachrichten, in denen sich Supporter bedanken, dass Kolle die "Wahrheit" ans Licht bringe und es wichtig sei, dass er solche Themen anspreche, da die Medien dies "totschweigen" würden. Tun sie übrigens nicht:

Verleumdungsaktion „Pizzagate": In Amerika herrscht die Lüge

Als vergangene Woche ein bewaffneter junger Mann die Pizzeria „Comet Ping Pong" in Washington D.C. betrat und um sich schoss, markierte das die bislang haarsträubendste Zuspitzung der Fake-News-Epidemie in Amerika. Edgar Maddison Welch war aus North Carolina nach Washington gereist, um einer Geschichte „auf den Grund zu gehen", die seit Ende Oktober in sozialen Netzwerken und in den Medien kursiert.

Bewaffneter Mann stürmt Pizzeria, um Verschwörungstheorie zu "untersuchen"

Im US-Wahlkampf machte eine Verschwörungstheorie die Runde: Eine Pizzeria in Washington sei in Wahrheit gar kein harmloser Treff zum Verspeisen von belegten Teigwaren. Nein, von hieraus würden die Demokratin Hillary Clinton und ihr Wahlkampfmanager John Podesta einen Kinderpornoring betreiben.

Zudem stellt sich die Frage, wie objektiv eine durch 25.000 Euro begünstigte Berichterstattung aussehen soll oder ob Kollegah nicht viel mehr eine Berichterstattung lesen möchte, die seinen Vorstellungen und denen der "Pizzagate"-Theorie-Befürwortern entspricht, was aus Kollegahs Sicht wohl nichts anderes als die Wahrheit wäre. Die subtil Druck ausübenden Aussagen wie "Erinnert euch daran, warum ihr Journalisten geworden seid" tun ihr Übriges.

Auch in der Rapwelt zog die Aktion einige Reaktionen nach sich. Während Juse Ju, selbst gelernter Journalist, eine kritische Stellungnahme verfasste, reagierten 3Plusss und Fatoni vor allem mit ironischen Tweets. Offenbar sendete wiederum RTL daraufhin ein ebenso fragwürdiges, unmoralisches Angebot an 3Plusss (siehe unten).

Juse Ju

Feiert irgendwer von euch Kollegah? Ich hatte da gerade eine Diskussion in meinem Freundeskreis, ob ich darauf hinweisen sollte, dass er jetzt anscheinend eine "journalistisch unabhängige Aufklärung"...

3Plusss on Twitter

hallo @SPIEGELONLINE @faznet habe grade das 25.000 euro angebot vom bo$$ gesehen falls ihr OBJEKTIV über #pizzagate berichtet, ich leg noch objektive 10 euro drauf wenn ihr im artikel alex jones, dirk müller, axel stoll und kollegah OBJEKTIV in eine reihe stellt

3Plusss on Twitter

freie presse hierzulande wird nur noch durch kollegah aufrechterhalten der geld bietet für seiner subjektiven meinung nach objektive artikel über verschwörungstheorien aus schlecht ausgeleuchteten youtube news und videos mit pics von prominenten kommentiert von computer stimmen

3Plusss on Twitter

was wird kollegah als nächstes thematisieren

3Plusss on Twitter

@antilopengang @Fatonimusik @janboehm vielleicht sind sogar noch 25.000 euro vom boss aus halbkanadien drin wenn #pizzagate o b j e k t i v erwähnt wird

3Plusss on Twitter

mein twittergrind der letzten tage war eine täuschung.. wollte die lügenpres äh mainstream medien anlocken. hat geklappt

Artist

Groove Attack by Hiphop.de