Wenn nicht mit Rap, dann auf dem Catwalk: Yugo ist vielseitig

Nachdem unser Newcomer-Spotlight zunächst auf den Münchner Rapper Felly gerichtet war, dann auf den Kölner Dennis Dies Das schwenkte und anschließend den Hauptstadtrapper Fede beleuchtete, machen wir nun einen Schwenker nach Österreich - genauer gesagt nach Wien.

Aus der österreichischen Hauptstadt schwappten in der Vergangenheit immer wieder interessante Acts und Sounds in die deutschsprachige Rapszene. Meist kamen aus dem Nachbarland spannende Charaktere mit Wiedererkennungswert.Yugo, der bisher unter in Erscheinung trat, im Januar RIN auf Tour begleitete und im Feburar bei Division, dem zweiten Label-Standbein des Selfmade-Gründers Elvir Omerbegovic signte, reiht sich da auf seine ganz eigene Weise ein.

Er gilt als "schönster Rapper Österreichs", redet über Erfahrungen als Kind einer Einwandererfamilie obwohl er kein politischer Rapper sein möchte und macht bei Fotoshootings ebenso wie im Arte-Beitrag eine gute Figur.


Foto:

Brownshotta

Seinen bisherigen Output lieferte Yugo unter dem Synonym Jugo Ürdens. Seinen neuen Künstlernamen Yugo wird er erstmalig nutzen, wenn er die erste Single seines kommenden Division-Releases droppt. Wann damit zu rechnen ist, konnte Yugo uns noch nicht sagen. Er verriet lediglich, dass er dran arbeite. Eine erste Single komme "heuer auf jeden Fall". Das lässt sich ungefähr mit "in diesem Jahr" übersetzen, kann also vieles bedeuten. Doch ein gutes Release braucht eben Zeit. Sein Debütalbum erschien auch erst im Oktober. "Yugo" lieferte Qualität und macht Bock auf mehr.

Yugo rappt über Staatsbürgerschaft, will aber kein politischer Rapper sein

Aleksandar heißt Yugo mit bürgerlichem Namen. Er ist 22 Jahre alt und kommt aus dem 15. Bezirk Wiens. Seit seinem siebten Lebensjahr lebt er in der österreichischen Hauptstadt. Damals zog er mit seinen Eltern von Mazedonien nach Österreich. Sein Vater ist Mazedonier. Die Mutter kommt aus Serbien. 

Yugo ist mehrsprachig aufgewachsen, hat den größten Teil seines Lebens in Österreich verbracht. Obwohl es sicher immer noch Leute gibt, die Menschen wie ihm das Österreichersein absprechen würden, ist er es mittlerweile sogar auf dem Papier. Das zelebrierte er auf dem Track "Österreicher", der Teil seiner Debüt-EP "Ajde" ist, auf seine ganz eigene Art und Weise:

"Ich hatte wenig mit Diskriminierung zu tun"

Anders als viele andere Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte, musste Yugo laut eigener Aussage nie Erfahrungen mit Diskriminierung machen. So erzählte er es im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Splash!-Mag. Yugo führt das auf sein Aussehen zurück, mit dem er in Österreich nicht besonders auffällt.

Obwohl er keine expliziten politischen Aussagen macht, sind es solche Beobachtungen, die beweisen, wie politisch er doch denkt. Komische Bemerkungen und Ansprachen habe es immer nur von "Hipstern" oder "Pseudo-Aufgklärten" gegeben.

"Schönster Mann Österreichs": Wenn nicht mit Rap, dann auf dem Catwalk

Er wurde schon als "Pretty Boy" Jugo bezeichnet, ein Wiener Magazin zählte ihn zu den 18 schönsten Männern Wiens und die Vice nannte ihn den "schönsten Rapper Österreichs".

Folgerichtg lud ihn das Magazin Rondo zum Fotoshooting. Dass der junge Wiener eine mehr als respektable Figur abgab, wird wohl kaum jemand abstreiten können.

Yugo scheint das zu wissen. Jedenfalls rappte er auf "Ajde":

Wird das mit dem Rappen nix, werd' ich Model / Wird das mit dem Rappen was, bleib' ich weiter schwerst besoffen

Ajde

Ajde, a song by Jugo Ürdens, SLAV, Semkoo on Spotify

Es sieht so aus, als ob Jugo Ürdens aka Yugo in Zukunft eher in Richtung diverser Theken schwankt, als über Catwalks zu schreiten. Zumindest brachte er im Oktober sein Debütalbum an den Start. 

"Yugo": Persönliches & selbstproduziertes Debütalbum

"Yugo" fällt auf. Der Sound unterscheidet sich von vielem, wofür Rap 2019 hauptsählich wahrgenommen wird. Wer auf der Suche nach einem individuellen Sound ist, der wird auf „Yugo“ fündig. 

Der Wiener hat das Album in weiten Teilen in Eigenregie produziert – unter dem Synonym Jue. Ein weiteres Alter Ego als durchdachter Kunstgriff oder um sich eine Option als Producer offenzuhalten? Absolut nicht. „Rein ästhetische Gründe“ habe das, erklärte er dem Splash!-Mag. Und doch legt der junge Wiener auf „Yugo“ auch textlich ein gutes Werk vor. Er reflektiert allerdings eher das eigene Leben als sich den großen politischen oder gesellschaftlichen Fragen zu nähern.

Am deutlichsten wird das auf dem Track „Vater“, auf der Yugo die Beziehung zum eigenen Vater thematisiert. Seine Eltern sind offenbar getrennt. Das Verhältnis zum Vater ist emotional:

Vater

Vater, a song by Jugo Ürdens on Spotify

„Yugo“ ist ein vielseitiges Album. Emotionale Tracks wie „Vater“ stehen neben dem Titeltrack, auf dem es um das Auto des Wieners geht. Das ist zwar keine für Rapper typische fette Karre, aber dennoch hat Yugo eben nicht nur emotionale selbstreflexive Gedanken in sich. Er hat ganz normale Träume der Generation Y:

Du willst den Frieden auf Erden? / Ich will entweder reich oder zumindest ein Meme im Internet werden

Ob er zum Meme aufsteigen kann, wird sich zeigen. Wir hoffen, dass ihm Artikel 13 keinen Strich durch die Rechnung macht. An seinem musikalischen und künstlerischen Talent sollte er nicht scheitern. Alles andere wird sich zeigen. Wer Bock auf guten Sound, einen spannenden Dude und ein breites musikalisches sowie textliches Spektrum hat, der sollte sich dem Wiener Pretty Boy widmen. 

Mit Udo Jürgens hatte sein ehemaliger Künstlername übrigens nichts zu tun. Den Namen hatte ihm ein Homie gegeben und er machte ihn einfach zu seinem Rappernamen. Keine verkopften Erklärungen, kein tieferer Sinn – einfach gute Musik, die so recht in keine Schublade passt. Jetzt eben als Yugo aus Wien.  

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RIN, Karate Andi & Co: Elvir Omerbegovic geht neue Vertriebswege

RIN, Karate Andi & Co: Elvir Omerbegovic geht neue Vertriebswege

Von Michael Rubach am 29.05.2019 - 13:04

Bewegung auf der Businessebene bei Selfmade Records und Division: Beide Labels arbeiten zukünftig mit Sony Music zusammen, wie die Musikwoche berichtet. Zuvor war Universal für den Vertrieb der Musik von Selfmade- und Division-Artists zuständig.

Von RIN bis Karate Andi: Sony übernimmt großen Künstler-Katalog

Im Zuge der Kooperation sichert sich Sony sowohl den zukünftigen Output aller Künstler von Selfmade und Division als auch den Katalog mit älteren Veröffentlichungen. Die nächsten Releases von Division-Künstlern wie RIN, Kynda Gray oder Yugo erscheinen nun über diesen Vertriebsweg. Das gilt ebenso für die verbliebenen Selfmade-Artists Karate Andi sowie die 257ers. Sony plant, die "wegweisende, visionäre Label-Arbeit von Selfmade und Division weiterzuführen" und die gemeinsamen Kräfte bündeln.

Elvir Omerbegovic kann sich durch diesen Move, zukünftig als "President of Urban Sony Music Germany" bezeichnen lassen. Der Mitbegründer von Selfmade Records und Division wechselt damit seinen Titel – bei Universal agierte er als "President of Rap".

Das frisch gegründete Sony-Label Gold League betreut dabei sämtliche Veröffentlichungen. Auch was Signings angeht, zeigte sich Gold League in jüngerer Vergangenheit aktiv. Bei dem Vertriebslabel unterschrieben vor Kurzem Rapper wie Jalil und Joshi Mizu Verträge. Elvir Omerbegovic schaut positiv in die Zukunft und freut sich auf die Kooperation mit dem neuen Major-Partner.

"Sony Music ist sehr ambitioniert unterwegs und wir freuen uns auf eine produktive Zusammenarbeit unserer Teams."

Die ersten Ergebnisse der Geschäftsbeziehung sind schon zu sehen und zu hören. Das letzte 257ers Album "Alpaka" sowie die RIN-Single "Vintage" erschienen bereits in der aktuellen Vertriebskonstellation.

RIN - Vintage [Video]

RIN ist auf dem "Vintage"-Film. Der Hit-Garant aus Bietigheim-Bissingen liefert mal wieder Styles und Sound mit einem vollkommen eigenen Vibe. Dazu gibt es natürlich jede Menge Mode-Referenzen und den "Lagerfeld-Flow". Darüber hinaus äußert sich RIN selbstbewusst und betrachtet seinen jüngsten Output als "frei von gebiteten Beats und peinlichen Rhymes".


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