Ego wie Ibrahimovic & Turnup im Blut: Hier kommt Felly

Wie schon im letzten Jahr stellen wir euch auch diesen März im Newcomer Spotlight einige Rapper vor, die den Großteil ihrer Karriere noch vor sich haben. Ab heute erscheint bis Sonntag jeden Tag ein Artikel, der sich mit einem noch mehr oder weniger unbekannten Künstler beschäftigt. Wir starten die Reise im Süden ...

Das Ego des schwedischen Ausnahmefußballers Zlatan Ibrahimovic spielt mit seinen teils wahnwitzigen Toren auf einem Level. Auch Rap bietet ausreichend Raum für selbstbewusste Ansagen – Auftritt Felly! Der Münchner Rapper tauchte Anfang 2018 als Trap-"Ibrahimovic" auf dem Deutschrap-Radar auf. Er arbeitet aktuell an seiner eigenen Legende. Dabei weiß er ein Team hinter sich, das die Massen regelmäßig zum Ausrasten bringt.

Felly: Vom Radio auf die große Bühne

Felly hat nicht erst gestern angefangen zu rappen. Schon mit 13 schrieb er Texte und war Mitglied einer regionalen "ziemlich coolen" Rapcrew, wie er in einem Videoporträt bei Diffus erzählt. Nach einer studiumsbedingten Pause von der Musik zog es ihn an einen Ort, wo Mucke omnipräsent ist. Beim Internetradio Radio80000 connectete er mit Gleichgesinnten. Unter anderem traf er dort Joe vom DJ-Team Drunken Masters. Aus einer gegenseitigen Sympathie entstanden erste Songs oder mit ein bisschen mehr Magie:

"Dann gabs 'nen kranken Suff mit missglücktem Stage-Dive meinerseits, und danach sind wir ins Studio. So in etwa war's, glaub' ich."

Seine Labelbosse bei Crispy Crust Records sind selbst Stars in der DJ-Szene und weit darüber hinaus. Das Duo ist so large, dass es als eigenständiger Act auf dem Lineup deines Lieblingsfestivals steht. Die Drunken Masters liefern die krachenden Produktionen, auf denen Felly sich Richtung Ekstase rappt.

REUPLOAD now with the right colors! i'm sorry! we had a great show yesterday at @openairstgallen and heading now over to @kosmonautfestival join us for some nice turnup! @drunken_masters @datboifelly #shtclq

178 Likes, 0 Comments - Dominik Wilzok (@domiwizzl) on Instagram: " REUPLOAD now with the right colors! i'm sorry! we had a great show yesterday at..."

Casper, Ahzumjot, Kraftklub: Fellys bekannter Fanclub

Felly hat in seiner bisher kurzen Karriere einige prominente Features an Land gezogen. Dank der guten Kontakte der Drunken Masters - aber sicher nicht nur deswegen - sprangen Casper und Ahzumjot auf einen Remix von "Ibrahimovic".

Es kommt einem fast wie ein Kunststück von "Ibrakadabra" vor: Als relativ unbekannter Rapper begeistert Felly sowohl Live-Monster Casper als auch den trendbewussten Alleskönner Ahzumjot für seinen Track. Es entsteht eine Kombination, die nicht jeder vor seinem ersten Release vorweisen kann. Bei Fellys energiereichem Style scheint der Funke jedoch auch zwischenmenschlich schnell überzuspringen. Für selbstverständlich hält er solche Features aber keineswegs. Hier und da mischt sich ein bisschen Demut in den Charakter des Newcomers. Den Augenblick, als er mit dem Casper-Part konfrontiert wird, beschreibt Felly bei Diffus so:

"Und dann hab ich Caspers Stimme gehört und das war für mich ein kranker Moment [...] und dass auch Alan [Ahzumjot; Anm. d. Red.] gesagt hat, er hat da Bock drauf. Dann hat ich plötzlich zwei Leute auf einem Track drauf, den ich krass gefühlt hab."

Zwischen Meme-Rap und Hiphop-Gefühlen

Die Themen, denen Felly sich widmet, finden im Hier und Jetzt statt. Es geht um blaue Haken bei Whatsapp, saftige Hinterteile oder Egotrips. Niemandem dürfte das zu abstrakt vorkommen – dennoch dreht es sich bei Felly nicht nur um Oberfläche und Zeitgeist. Für ihn zählt bei dem ganzen Rapding auch der Community-Gedanke. Als er Casper und Marteria persönlich kennenlernte, fühlte er sich willkommen und diesen Umstand schätzt er sehr.

Über allem thront der Spaß an der Sache. Wenn er zusammen mit Carsten Chemnitz [das Alter Ego von Kraftklub-Sänger Felix Brummer, Anm. d. Red.] "Dich mag keiner" brüllt, dann bleibt kein Auge trocken. Diese Portion Alltagswut wurde selten schöner in einer Phrase verwertet.

Gewissermaßen liefert Felly punchenden Meme-Rap, ohne auch nur minimal blinzelnd auf die Konkurrenz zu schielen. Seine Message ist dabei stets positiv. Es geht um Energie und darum, sich selbst treu zu bleiben. Seine künstlerische Orientierung:

"Menschen, die 'nen Charakter mit für mich positiver Vision verkörpern und 'nen F*ck auf alles andere geben. Tyler, The Creator zum Beispiel inspiriert mich sehr."

Ein Mindstate zwischen Tyler The Creator und Zlatan Ibrahimovic – Felly mag extreme Charaktere. Sein eigener Reifeprozess ist noch im vollen Gange, die ersten Moves sind jedoch vielsprechend. Fellysaurusflex ist bereit zu zerreißen. Kürzlich erschien Fellys erste EP "Copter", die du hier streamen kannst:

COPTER

COPTER, an album by FELLY on Spotify

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Ungehypt & dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 16.10.2019 - 15:09

Der Untergrund hat, was der Mainstream vermissen lässt. Deshalb braucht man nicht jammern, sondern man kann sich auf die Suche machen nach den Artists, die nur darauf warten, gefunden zu werden. Wir präsentieren euch regelmäßig eine kleine aber feine Auswahl dieser Perlen. Einzige Regel: Die Videos müssen noch unter 25.000 Klicks liegen. Einen Überblick über die bisherigen Artikel aus dieser Reihe gibt es hier.

Lugatti & 9ine – Error 404 (prod. Traya)

Bei diesen Jungs haut die Einordnung "ungehypt" zwar nicht mehr ganz hin, aber sei's drum. Das Video zur aktuellen Single des Kölner Duos Lugatti & 9ine, natürlich produziert von Traya, liegt mit derzeit knapp 15.000 Views auf dem JUICE-Kanal bei YouTube und verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

Wie von den Jungs gewohnt gibt es humorvolle Punches, sicheren, modernen Flow und ein wunderbar sphärisches Instrumental von Traya, dessen Bassline man beim genauen Hinhören einfach lieben muss. La kölsche Vita, inszeniert mit der richtigen Portion Bounce.

"Error 404" ist die erste Single aus der kommenden EP "Man kennt sich 3.0", die am 9. November erscheint. Die Release Party am 6. Dezember in Köln ist schon jetzt ausverkauft und der kleine Hype der Jungs ist derzeit auf dem besten Weg, auch andere deutsche Großstädte zu erobern. Mit Longus Mongus von BHZ, den Hamburgern Jace und Cha Lee sowie Opti Mane und Donvtello als Gästen zeigen die beiden sich bestens connectet. Parallel dazu knacken Lugatti & 9ine (@_lugatti_ & @9inebro) mit "Salty" auf Spotify ihre erste Mio – es ist angerichtet!

Maxmustermann069 – Mit Links (prod. Khronos Beats)

069 kann auch anders. Maxmustermann (@maxmustermann069_original) bringt in seinen Songs selbstironische Punchlines direkt aus dem Leben auf Kopfnicker-Beats von Khronos. Dazu gibt's oft auch starke Reimtechnik, die den Hörer in Kombination mit den kuriosen Lines immer wieder zum Schmunzeln bringt. Die Hooks, die Beats, der Humor und die teils amtlichen Reimketten erinnern teils stark an SSIO. Nur eben als Alman-Version, wie Max schon mit seinem Künstlernamen klarstellt.

Erst vor zwei Wochen hat der Frankfurter sein Debütalbum mit dem Titel "Normal" (Stream) veröffentlicht und sich damit quasi für's Camp von Audio88 und Yassin beworben. "Mit Links" ist zugegebenermaßen nicht der stärkste Track der Platte, aber die drei anderen Auskopplungen liegen alle zwischen 25.000 und 30.000 Views auf YouTube.

Olson – Altstadt (prod. AgaJon & knd)

Olson hatte vor Jahren mal so etwas wie einen Hype, von dem er sich bis heute einige treue Hörer bewahrt hat. Seine gefühlvolle Mischung aus Rap und Gesang hat ihr Potenzial für Ohrwürmer nicht verloren und lyrisch hat er ebenfalls einiges anzubieten.

Auf Spotify nehmen auch heute noch 100.000 Leute im Monat dieses Angebot wahr. Die 10.800 Views für "Altstadt" auf YouTube nach anderthalb Monaten sind aber ein klarer Indikator dafür, dass der unfassbar smoothe Track längst nicht alle erreicht hat, die ihn feiern können.

In dem Song erinnert Olson (@olsonofficial) sich an seine wilden Partyzeiten in der Düsseldorfer Altstadt, die er passenderweise im Video von der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee bis zum Rhein durchstreift. Der Musiker demonstriert dabei sowohl seine Skills als Reimer als auch als Songwriter. Vor knapp zwei Wochen erschien mit "LA Lights" eine weitere hörenswerte Single.

Binho – Für den Mobb (prod. Funkvater Frank & ZNKMO)

Es ist kaum überraschend, dass der Zonkeymobb mehr als einen talentierten MC in seinen Reihen hat. Binho (@langfingerbinho) teilt mit seinem Homie OG Keemo ein Faible für durchdachte Patterns, bei denen sich nach dem vermeintlichen Vorbild MF Doom nicht nur die letzten Silben jeder Zeile reimen. Die Texte sind voll von Assonanzen, die seinen Rap von der Masse abheben.

Bei "Für den Mobb" gibt's außerdem ein Breitband-Video sowie unverkennbaren Sound von Funkvater Frank und ZNKMO. Das Ergebnis ist einfach doper Rap, der auch visuell passend in Szene gesetzt wurde und von mehr Leuten gehört werden sollte.

Der Track stammt aus der aktuellen EP "Segen oder Fluch", die letzten Freitag erschienen ist (Stream).

Blvth x Ahzumjot – Tunnel Life (prod. Blvth)

Dieses Video sollte mit größter Vorsicht konsumiert werden. Konzertszenen werden hier mit Aufnahmen aus "Need for Speed Underground 2" zu einer mächtigen Provokation für Epileptiker verschnitten. Deutlich genießbarer ist der Song, den die beiden äußerst talentierten Produzenten gemeinsam auf die Beine gestellt haben.

Blvth (@_blvth_), der als Executive Producer für das frisch erschienene Kummer-Album "Kiox" verantwortlich ist, überzeugt Fans ausgefallenen Sounds schon seit vielen Monaten mit Produktionen für diverse Rapper. Außerdem liefert er immer wieder eigenes Material, das oft Gesang und vor allem viel progressives Elektronisches beinhaltet, aber in keine Schublade passen will. Dermaßen böse und düster wie in "Tunnel Life" geht es jedoch selten zu. Brutaaale Nummer!

Dazu feiert Ahzumjot (@ahzumjot) seinen Lifestyle, der nur eine Richtung kennt: Nämlich pausenlos nach vorne. Machen, machen, machen. Und er macht es gut.


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