Super Mario, Sonic & Co.: Rockstahs 5 Lieblings-Tracks mit Videospiel-Samples

Produzent*innen nehmen in der Hiphop-Welt oft eine undankbare Rolle ein. Die Arbeit der Rapper*innen wird von den Fans häufig stärker wertgeschätzt. Sie sind die Personen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen – obwohl die Producer einen erheblichen Anteil zum Gesamtkunstwerk beitragen.

Dagegen wehren sich Produzent*innen aber bereits seit Jahren. Ihr Aufstreben findet Ausdruck, indem sie sich selbst und ihren Namen zu einer Marke entwickeln. Dadurch treten sie und ihr Schaffen tiefer in das Bewusstsein der Hörer*innen. Insbesondere ein Producer Tag ist eine beliebte Methode, um auf sich aufmerksam zu machen. 

Ein individuelles Voice-Sample, meist zu Beginn eines Tracks, vermittelt relativ eindeutig, wer hier gerade am Werk ist. In den USA ist das fast schon Standard, aber auch in Deutschland benutzen immer mehr Produzent*innen ihre eigenen Tags. 

Warum Producer Tags unentbehrlich sind

Loredanas Hitsingles besitzen eines, viele der Trapbanger der Migos haben eines und auch eher klassisch orientierte Beatbastler wie The Alchemist nutzen es - das Voice Tag. Okay, strenggenommen handelt es sich um ein Producer Tag, das meist dem eigentlichen Song vorangestellt ist.

Manchmal gibt es aber auch Voice Samples, die von mehreren Producern genutzt werden. Es handelt sich nicht immer um ein Werkzeug, das den eigenen Namen etablieren soll. Manchmal sind es einfach nur kleine Stilmittel. Eines von vielen Samples ist der ikonische „Hey Listen!“-Ausruf. Der Spruch hat seinen Ursprung in dem Videospiel „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“. 

Im Track "POP, LOCK & DROPDEAD" von ITSOKAYTOCRY ist das Sample zum Beispiel direkt am Anfang zu hören.

Videospiele sind schon lange eine Inspirationsquelle für Produzent*innen aus allen möglichen Genres. Die beiden Welten sind ja auch gar nicht so weit voneinander entfernt: Jemand sitzt vor einem Bildschirm und beschäftigt sich stundenlang mit einer virtuellen Welt – nur das Programm ist ein anderes. Bei den einen ist es zum Beispiel die Spiele-Plattform Steam und bei den anderen der Sequencer FL Studio. 

So wurden schon "World of Warcraft"-Jünger zu Produzent*innen. Bei dem Rapper bbno$ ist genau dieses Phänomen eingetreten. In unserem Interview erzählt er uns seinen Werdegang vom Gamer zum Musiker.

Hype in China, WoW-Vergangenheit & Rap mit Humor: Wie der Kanadier bbno$ die Welt erobert

Der Rapper bbno$ steht schmunzelnd auf der Bühne im Club Burg Schnabel in Berlin und spielt die ersten Töne seines bisher größten Hits "Lalala", der aktuell 115 Millionen Klicks auf YouTube zählt. Sofort rastet die Crowd aus und fiebert dem Drop entgegen, um wild zu moshen und eingeklemmt zwischen Schultern und Ellbogen die eingängige Hook zu grölen.

Rockstah über seine liebsten Tracks mit Samples aus Videospielen

Doch auch in Deutschland haben wir Rapper*innen, die sich zu ihrer Liebe für Videospiele bekennen. Bei Rockstah geht diese Leidenschaft sogar soweit, dass Gaming und Nerd-Kultur oft ein zentrales Motiv in seinen Tracks sind. Auch in seinem Podcast "Radio Nukular" mit Dominik Hammes und Christian Gürnth werden diese Themen häufig angesprochen. Deswegen haben wir Rockstah nach seinen liebsten Tracks gefragt, in denen Videospiele gesamplet wurden. 

Wiz Khalifa - Ms. Rightfernow (Sonic the Hedgehog)

"Ich hab Wiz Khalifa samt dem Flight School Tape erst 2011 für mich entdeckt. Als ich mit Cro und Ahzumjot gemeinsam auf Tour war, wurde ich das erste Mal auf Wiz aufmerksam. Als riesiger Sonic-Fan, löste das „Green Hill Zone“-Sample natürlich große Sympathie bei mir aus. Da war die Connection direkt da. Das Sample ist geil eingesetzt und Wiz rappt gut darauf. Der Track passte voll in diese ignorante Poprap-Zeit. Sich vor Sonic zu verneigen, find ich außerdem immer eine gute Sache."

Cocoa Brovaz - Super Brooklyn (Super Mario Bros.)

"Das Super Mario Theme zu samplen, ist ungefähr so kreativ wie ein Sample von Tetris zu benutzen oder als Einstieg in einen Song "Yo Yo Yo" zu sagen. Im Falle der Cocoa Brovaz bei "Cocoa Brovaz" war es aber trotzdem großartig und damals vielleicht sogar noch sowas wie innovativ. Der Track war auf einem Mixtape, dass mir ein Kumpel geschenkt hat. Ich habe das Tape sehr gefeiert und solange gehört, bis das Band riss."

Jay Z ft. DMX - Money, Cash, Hoes (Golden Axe)

"Den Song hab ich meiner Jay-Z-Hochphase rauf und runter gehört. Dass es sich bei dem Sample um eine sehr quere Variante vom Golden-Axe-Soundtrack handelt, habe ich erst viele Jahre später erfahren. "Money, Cash, Hoes" ist immer noch ein geiler, treibender Song und Golden Axe ist weiterhin ein absurd-schöner Titel aus der Mega Drive Era."

Childish Gambino - Eat your vegatables (Donkey Kong Country)

 

"Der Track "Aquatic Ambiance" war einer der ersten Songs aus einem Videospiel, der mich wirklich berührt hat und bei dem ich dachte: "Den Track will ich auch einfach so mal zu Hause hören". Es gibt bestimmt viele Produzenten, die dieses Sample benutzt haben. Aber Childish Gambino hat das Ding perfekt eingesetzt.

Mein Lieblingskünstler trifft auf einen meiner liebsten Gaming-Songs aus einem meiner Lieblings-Plattformer. Was will ich eigentlich mehr? Lieben wir!"

Lil Flip - Game Over (Pac Man)

 

"Das Instrumental von "Game Over" ist einer der Beats, auf denen ich 2004/2005 lernte zu rappen und zu freestylen. Ich habe den Track bis vor der Recherche noch nie mit Lil Flips Stimme gehört. Das Sample aus Pac Man wird kombiniert mit einem Beat, der für den Anfang der 2000er typisch war. Das war für mich ein absoluter Meilenstein.

Ich glaube, dass die aus Pac Man gezogenen Samples auch zu einem Rechtsstreit geführt haben. Außerdem hat es die Frage angestoßen, was Produzenten mit Samples machen dürfen und was nicht. Da verstand der Spieleentwickler Tōru Iwatani wohl keinen Spaß mit seiner Marke."

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Sample ist aus Donkey Kong Country 3 für SNES, bestes Sample, bester Beat, bester Rap

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Skepta erklärt, wieso Rap für ihn "eine Verschwendung von Talent" ist

Skepta erklärt, wieso Rap für ihn "eine Verschwendung von Talent" ist

Von Djamila Chastukhina am 04.08.2021 - 14:01

Skepta ist für viele in und außerhalb der UK eine Raplegende. Der 38-Jährige lässt seine Karriere als Rapper jedoch vorerst ruhen, um sich auf seine Fähigkeiten als Producer zu fokussieren. In einem Interview für das BBC Radio Xtra nennt er nun seine Beweggründe: Er würde laut eigener Aussage sein Potenzial einschränken, wenn er sich ausschließlich auf Rap konzentrieren würde.

"Rap ist eine Verschwendung von Talent", so Skepta

Gemeinsam mit der Journalistin Tiffany Calver spricht Skepta (jetzt auf Apple Music streamen) über den weiteren Verlauf seiner musikalischen Karriere. Zwar möchte er der Musik nicht den Rücken kehren, jedoch möchte der Londoner sich auch außerhalb des Rap-Games einen Namen machen. Er möchte sein volles Potential ausschöpfen und sein Talent nicht länger "verschwenden":

"Es war einfach ein Gedanke in meinem Kopf, ich dachte mir: Ich will mehr machen, als nur ein Rapper zu sein, denn das ist eine Verschwendung von Talent. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mehr in der Produktion arbeiten will. Ich will Alben für Leute produzieren."

("It was just a thought in my head where I was like 'I just wanna do more than just being a rapper, because that's a waste of talent'. I feel like right now, I wanna become more behind the production. I wanna produce albums for people.")

Skepta möchte andere Artists nun in ihrer Rapkarriere unterstützen

Für viele Rapper sei das Rappen wie eine Art Therapie. Laut Skepta sei er jedoch mittlerweile an einem Punkt in seiner Karriere angelangt, an dem er alles gesagt habe. Das sei der Grund, aus dem er nun nicht mehr hinter dem Mic stehen möchte, sondern für die Beats sorgen will, auf die andere Artists rappen:

"Ich habe das Gefühl, dass rappen für Künstler eine Art Therapie ist. Sie gehen irgendwohin und sagen jemandem, dass er sie aufnehmen soll, und sie drücken ihren Schmerz in dem Song aus. Aber nach einer Weile ist es, als hätte ich alles gesagt, vom verwirrten afrikanischen Kind zum Anführer im Dorf meines Vaters. Ich habe mich in mein Nirvana gerappt, weißt du, was ich meine? Ich habe mich irgendwie hineingerappt. Jetzt möchte ich anderen Menschen helfen, ihres zu sehen."

("I feel like rapping for artists is some sort of therapy. They go somewhere and they tell someone to record them and they say their pain in the song. But after a while, it’s like I’ve said everything from being a confused African child to being a chief in my dad’s village. I’ve rapped myself to my nirvana, you know what I'm saying? I’ve rapped myself into it, somehow. Now, I wanna help other people see theirs.")

Der 38-Jährige hat im Laufe seiner Karriere fünf Studioalben, ein Kollabo-Album, sowie zahlreiche Mixtapes und EPs releast. Für Features hat er sich auch gerne mal mit Künstlern wie Asap Rocky, Slowthai, Kid Cudi oder AJ Tracey zusammengetan. Seine EP "All In", die erst vor wenigen Tagen erschien, ist nun sein Abschlussprojekt.

Auf Instagram schrieb er einen Tag nach dem Release:

"ALL IN ist alles an Musik, das ich zu geben habe. Ich habe keine unveröffentlichte Musik, es fühlt sich gut an, die Outbox zu leeren. Sicher wisst ihr alle, dass ich ich im Herzen Produzent bin und ich habe so viele Ideen, an denen ich mit anderen Künstlern arbeiten möchte. Aufstrebend und etabliert, jung und OG."

Zudem wolle er ein "All Female Album" produzieren, da es seiner Meinung nach viele krasse Rapperinnen und Sängerinnen gibt. In seinem Interview mit BBC Radio droppte er bereits eine Künstlerin, mit der er gern zusammenarbeiten würde: Laut Skeppy wäre es "ein Traum", eines Tages ein Album für Rihanna zu produzieren. "Ich würde wahrscheinlich das härteste Rihanna Album machen", so Skepta.

Es bleibt spannend zu sehen, für welche Artists der nun Ex-Rapper in Zukunft produzieren wird und vor allem, ob die Zusammenarbeit mit Riri zustandekommt.


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