"Miesester Abschaum": Rassistischer Angriff auf Sylabil Spill macht fassungslos

Sylabil Spill setzt sich lautstark gegen Rassismus und rechte Hetze ein. Damit eckt er offenbar dort an, wo dieses Gedankengut zuhause ist. Eine widerwärtige Botschaft wurde nun in einem Auto hinterlassen, das zu Spills Sportprojekt Tracksrunner gehört.

Eingeschlagene Scheibe & rassistische Beleidigung: Sylabil Spill zeigt seine Realität

Auf Instagram teilt Sylabil Spill das Foto eines beschädigten Wagens. Zwischen den Scherben der eingeschlagenen Scheibe liegt auf der Fahrerseite ein Zettel mit einer rassistischen Beleidigung. Viele Künstler*innen der Deutschrapszene zeigen sich unter dem Post einfach nur schockiert.

Für Megaloh steckt "miesester Abschaum" dahinter und Micel O. schreibt von einem "Krieg", den Sylabil Spill da führen würde. Besonders die Feigheit einer solchen Aktion wird von Yassin sowie Farhot betont. Viele weitere Künstler*innen wie unter anderem Mine, Fatoni, Manuellsen oder Shadow030 zeigen sich ebenfalls angeekelt, entsetzt und fassungslos.

Mit dieser Aktion haben die Attacken auf Sylabil Spill eine neue Dimension erreicht. Scheinbar bleibt es nicht mehr bei Beleidigungen und Drohungen im Internet. Der Bonner Rapper muss sich mit all dem herumschlagen, weil er sich gegen Rassismus einsetzt – eine zutiefst bedrückende Erkenntnis in Deutschland 2021.

Am Dienstag hatte sich Sylabil Spill in einer von Hiphop.de organisierten Clubhouse (hier mehr zur gehypten App) Diskussionsrunde ausführlich zum Thema Rassismus und den Angriffen auf ihn und seine Tracksrunner-Gruppe geäußert. Mit dabei waren Tierstar, Gier, 257ers-Produzent Voddi, der Politiker und Rapper Ismael Hares sowie die Journalisten Malcolm Ohanwe (ARD, ZDF) und Julian Brimmers ("We Almost Lost Bochum - Die Geschichte von RAG"). Moderiert wurde die Runde von Toxik und Mascha.

"Okapi": Sylabil Spill verarbeitet den Rassismus musikalisch

In letzter Zeit trägt der Bonner Künstler seine eigenen rassistischen Erfahrungen auch vermehrt musikalisch nach außen. Die drei Singles "Sensible Inhalte", "Racial Profiling", "1+1=0" spiegeln seinen Alltag. Das dazugehörige Album "Okapi" sei für Spill ein "Verarbeitungsprozess", wie er im aktuellen Interview bei TV Strassensound offenlegt. Es sei eine schonungslose Darstellung seiner Lebensrealität.

"In der Vergangenheit ist mir sehr, sehr viel passiert. Ich rappe das nacherzählend, um das a) für mich zu verarbeiten und b) um den Menschen klarzumachen, dass Rassismus, Racial Profiling oder generell Diskriminierung – diese Dinge scheißen auf deinen Status, die scheißen auf deinen Kosmos, wo du bist. Wenn du bestimmte Eigenschaften erfüllst, wirst du geracialprofiled, dann wirst du rassistisch angegangen. Mir ist es wichtig, dass ich in erster Linie den Menschen erzähle, was passiert ist und deshalb schreib ich das. Ich erfinde nichts."

Zuletzt ist Sylabil Spills Instagram Page mal wieder durch seinen antirassistischen Kampf in Mitleidenschaft gezogen worden. Den Account habe man seiner Einschätzung nach aufgrund seines Engagements "komplett runtergefahren". Zuvor äußerte sich der Rapper dort kritisch zu Dieter Nuhr und Serdar Somuncu.

Ein erneuter Hack-Angriff vor ein paar Monaten führte dazu, dass menschenverachtende Bilder auf Spills Account zu sehen waren. Im Vorfeld habe er unfassbar viele "Hassmails" erhalten. Obwohl er seinen Konflikt mit Rechtsradikalen als "f*cked up" beschreibt, scheint er sich nicht von seinem Weg abbringen zu lassen.

Seine Athlet*innen von Tracksrunner waren nicht das erste Mal von Anfeindungen betroffen. Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr 2020 zeigte jedoch, dass Sylabil Spill auch einiges an Unterstützung hinter sich weiß. Wer Tracksrunner finanziell supporten möchte, kann hier spenden.

Sieg gegen Rassismus: Sylabil Spills Crowdfunding-Kampagne endet erfolgreich

UPDATE vom 04. März:Sylabil Spill hat es geschafft: Seine Crowdfunding-Aktion für die Förderung junger Sprint-Talente ist zu einem erfolgreichen Ende gekommen. Das Ziel von 15.000 Euro konnte erreicht werden.Explizit bedankt sich Spill bei der Moderatorin, Schauspielerin und Autorin Charlotte Roche. Sie habe das Ganze durch eine "sehr, sehr großzügige Spende" beendet, wie der Bonner Rapper auf Instagram erklärt.

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Deutschrap reagiert auf Rassismus-Eklat nach EM-Finale

Deutschrap reagiert auf Rassismus-Eklat nach EM-Finale

Von Michael Rubach am 13.07.2021 - 18:46

England hat am Sonntag das Finale der Europameisterschaft gegen Italien verloren. Drei englische Nationalspieler scheiterten dabei nacheinander im Elfmeterschießen: Marcus Rashford, Jaden Sancho und Bukayo Saka.

Im Internet schlug bei manchen sogenannten Fans der englischen Mannschaft der Frust über die Niederlage schnell in Hass um. Vor allem die Fehlschützen sahen sich mit einer Flut an rassistischen Beleidigungen konfrontiert. Sie wurden für die Niederlage des Nationalteams verantwortlich gemacht. Wir haben geschaut, welche Reaktionen diese menschenverachtenden Angriffe in der Deutschrapszene hervorgerufen haben.

Luciano, Manuellsen & Dú Maroc verurteilen Rassismus

Luciano, Manuellsen oder auch Dú Maroc posten eine Collage. Darauf sind Marcus Rashford, Jaden Sancho und Bukayo Saka zu sehen. Auf ihren Köpfen sitzt eine Krone. Manuellsen versieht das Bild mit der Caption "Young Kings" und dem Hashstag "fckracism". Luciano nutzt in seiner Story den Hashtag #notoracism. Azzlackz-Signing Dú Maroc schließt sich dem an und findet zudem aufmunternde Worte: "Kopf Hoch Männer".


Foto:

Screenshots: via instagram.com/luciano_loco030 | via instagram.com/dumaroc

Jalil & Hanybal mit unterschiedlichen Vorschlägen

Jalil stellt ein Szenario in den Raum, in dem "alle BIPOC [Black, Indigenous, People of Color] Spieler weltweit den Sport boykottieren und ein Jahr nicht mehr spielen." So könne man erleben, "wie spannend Fußball dann noch wäre."


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via twitter.com/JalilOfficial

Hanybal wünscht sich ein Statement von der Basis. Seiner Meinung nach könnte bereits der Amateurfußball ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzen.


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Screenshot via twitter.com/HanybalHanybal

Sylabil Spill: "Rassismus tötet"

Sylabil Spill zeigt auf seiner Instagram-Seite, was nach dem EM-Finale im Netz kursierte. So rief jemand den 12. Juli zum "Punish a n**** day aus". Anbei gab es eine Tabelle, die rassistische Übergriffe mit einer Punktzahl verbindet. Für einen Mord wird dabei die Höchstpunkzahl aufgerufen. Auch beruft sich der Bonner Rapper unter anderem auf einen Twitter-Post, der besagt, dass Schwarze Menschen nach dem Spiel mit dem Messer attackiert und in die Londoner Themse gestoßen worden seien.

Enemy wundert sich in seiner Insta-Story über den Ursprung dieser ausufernden Anfeindungen.

"Drei Menschen verfehlen den Elfmeter beim Fußball und schon meldet sich der Rassismus. Ich wundere mich, wie klein und lächerlich die Gründe für immer größeren Hass werden können ... Diese Welt ist ein Witz."

badmómzjay & Rua über fehlende Akzeptanz

Life Is Pain-Rapperin Rua und badmómzjay sprechen noch einen weiteren Aspekt an. Gesellschaftliche Akzeptanz funktioniere demnach für Menschen mit einer Migrationsgeschichte vor allem über Erfolg. Bei Misserfolgen sei diese Akzeptanz hingegen schnell dahin.


Foto:

Screenshots via instagram.com/badmomzjay | instagram.com/rua089

Auch die Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages Aminata Touré verweist auf diesen Punkt.

Marcus Rashford mit emotionalem Statement

Die rassistischen Angriffe auf die Spieler fanden nicht nur online statt. An einer Hauswand in Manchester schlug einem der Hass entgegen. Ein Mural mit dem Gesicht von Marcus Rashford wurde beschmiert. Inzwischen haben Menschen dort etliche Solidaritätsbekundungen hinterlassen. Die rassistische Botschaft ist nicht mehr erkennbar.

Der englische Nationalspieler setzt sich für kostenfreies Schulessen für benachteiligte Kinder ein – das Piece war ein Dankeschön für sein Engagement. Der Stürmer von Manchester United meldete sich einem längeren Statement auf Social Media zu Wort. Darin heißt es:

"Ich kann mir Kritik an meiner Leistung den ganzen Tag lang anhören, mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen sollen, aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und wo ich herkomme."

Auch die UEFA sowie der englische Fußballverband verurteilen die rassistischen Angriffe.

Die englische Nationalmannschaft kniet seit einiger Zeit vor dem Anpfiff eines Spiels, um damit ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Bereits diese Aktion wurde von vermeintlichen Fans teilweise von Pfiffen und Buhrufen begleitet.


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