Genie im Schatten: Wie James Blake die US-Szene beeinflusst

Jay-Z, Beyoncé, Travis Scott, Kendrick Lamar, Kanye West, Frank Ocean – mittendrin ein blasser dünner Junge der Marke Jan Böhmermann. Wie passt das zusammen? Der Brite James Blake ist gewissermaßen ein Phantom in der US-Szene. Er war an einigen der prägendsten Releases der letzten Jahre beteiligt. Dennoch ist er kein schillernder Superstar. Er blitzt oft nur kurz für einen Satz, eine Melodie, ein Interlude auf – dann verschwindet er so schnell wieder, wie er gekommen ist.

Für Hits im engeren kommerziellen steht Blakes Name nicht. Seine Mitarbeit an Songs fällt teilweise kaum auf. Seine eigenen Alben sind absolute Kritikerlieblinge, aber kratzen gerade mal an den Top 30 der Billboardcharts. Warum wollen also viele der bedeutendsten Musiker unserer Zeit mit ihm zusammenarbeiten? Wohlmöglich, weil Blake ihnen etwas schenken kann, das sie selbst in dieser Intensität kaum anbieten können: Fragilität, Melancholie und Mut zur Schwäche.

Wer ist James Blake?

Um zu verstehen, wie James Blake an diese Position im Rap-Game gelangt ist, hilft es, sich seine Karriere näher anzuschauen. James Blake stammt aus London und ist Sohn eines Musikers. Er hat Popmusik studiert. Seine erste Inspiration fand er in der Clubszene von London. Der typische Blake-Sound ist unterkühlt elektronisch und gleichzeitig nahbar und menschlich. Seine Fähigkeiten am Piano, das Zerhacken von Vocal-Samples, die Verehrung von Stevie Wonder – die Musik von James Blake steckt voller Querverweise und Detailreichtum. All das hält sein klarer Falsettgesang zusammen.

Dabei surfte Blake vor ein paar Jahren ganz oben auf der Dubstep-Welle. Inzwischen ist Dubstep tot – aber James Blake so sehr dabei wie noch nie. Sein erster größerer Erfolg geht auf einen Remix zurück. Er machte "Limit To Your Love" der Sängerin Feist zu seinem Erfolgssong. Die Alben "James Blake" und "Overgrown" fanden sich jeweils auf den Listen renommierter Preise wieder (Mercury Prize, Grammys). Das öffnete Türen. Auf den Platten von James Blake schlichen sich immer mehr Rapkünstler ein. Auf "Overgrown" ist Wu-Tang-Mastermind RZA vertreten. Ein Remix des Tracks "Life Round Here" mit Chance The Rapper sorgte 2013 für Aufsehen in Blogs und Magazinen. James Blakes Talent war fortan in der Hiphop-Szene angekommen.

James Blake Feat. Chance The Rapper "Life Round Here" (Official Video)

You Should Subscribe Here Now: http://bit.ly/VErZkw ** You Need To Hear This has the official video for the new single "Life Round Here", a collaboration between James Blake and Chance The Rapper. The video, shot entirely in black and white, tracks Blake and Chance as they cruise in a lowrider through an eerie forest inhabited by stallions and Somalian pirates.

Warum gerade er?

Es gibt unzählige Artists, die ihr Handwerk verstehen und schwermütigen elektronischen Sound liefern können. Die Atmosphäre, die James Blake erzeugt, gibt es in der Form dennoch nicht. Er baut keine klassischen Beats, sondern konstruiert mehr eine Stimmung. Denen, die in den Neunzigern mit RnB und Triphop großgeworden sind, ist diese Welt nicht fremd. Blake greift Elemente auf, die irgendwo zwischen Massive Attack und Kirchenchor liegen. Dazu hat er das Talent, seine Gedanken auch in passende Worte packen zu können. Blake versteht es, einem Song auf vielen Ebenen Tiefe zu verleihen.

Ist ein Track erst einmal von oberflächlichen Ansätzen befreit, lassen sich ganz neue Akzente setzen. Rap ist größenteils ein Kampf. Ein ständiges Ringen um einen imaginären Thron. Schwäche zu zeigen, zeugt von menschlicher Größe, aber macht ebenso angreifbar. Niemand schmückt sich gern mit den eigenen Fehlern. Blake lässt solche Selbstzweifel in die Songs einfließen und dringt so in Bereiche vor, die Rapper alleine so eventuell nicht erreichen könnten. Sein Konzept von Männlichkeit ist weniger hart und roh – es ist brüchig und verletztbar. Allerdings wehrt er sich strikt dagegen, dass sein Werk als "Sad Boy"-Musik abgestempelt wird.

James Blake on Twitter

Please read. I've wanted to say this for a long time, and now seemed as good a time as any.

Männer, die offen über ihre Gefühle sprechen, bekämen dieses Verhalten gerne als Schwäche ausgelegt. Blakes Kunst landet so auch bei jenen in der Szene, die mit einer klassischen Macho-Attitude eher wenig gemein haben.

Hoffen auf Kendrick Lamar, Abfuhr für Drake, Therapie für The Carters

Oft sind es nur Nuancen, die einen Song aus der gleichförmigen Masse herausheben. Wenn Travis Scott mit "Stop Trying To Be God" einen Track über die Risiken eines zu mächtigen Künstleregos macht, dann ist das per se schon bemerkenswert. La Flame gilt doch nicht gerade als introvertierter Storyteller. Der kurze Einsatz von James Blake, der fast predigend Fragen nach dem Gottkomplex aufwirft, hievt den Track dennoch auf ein noch emotionaleres Level.

Ähnlich ist es bevor Kendrick Lamar auf "King's Dead" fragt, warum der Mensch ein derart sündenvolles Leben führt. Dort ist James Blake kurz zu hören, wie er in den Song haucht. Es fällt kaum auf, aber es ist wertvoll. In einem Interview mit dem Magazin Fader beschreibt James Blake, wie er Kendrick Lamar mit seinen Produktionen beliefert hat. Er habe ihm viel Musik zugesandt und einfach gehofft, dass sich der Compton-Rapper etwas rauspickt. Letztendlich ist der Track "Element" aus diesem Move entstanden. Auf der "The Damn. Tour 2018“ macht Blake gar den Opener für Kendrick Lamar.

Instagram post by James Blake * Oct 2, 2017 at 8:48am UTC

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Drake hatte weniger Glück. James Blake gab ein Sample für "0 to 100 / The Catch Up" nicht frei, weil er sich überrumpelt fühlte. In der Nachbesprechung mit seinem Verleger wurde ihm klar, was er da für einen Deal ausgeschlagen hatte. Um Geld scheint es James Blake aber schlichtweg nicht zu gehen:

"Ich fragte, wie viel Geld ich genau mit meiner Entscheidung abgelehnt hätte. Ich spuckte meinen Drink aus. Aber ich hätte immer schon weitaus mehr Geld machen können, wenn ich gewisse Gelegenheiten wahrgenommen oder zu den richtigen Parties gegangen wäre."

Auch sein Mitwirken an "Forward" von Beyoncés Album "Lemonade" ist eher eine kürzere Sequenz als ein wirklicher Track. Das Interlude ist fast zufällig auf der Platte gelandet. Blake ignorierte die Lyrics, die ihm übermittelt worden sind. Er sang einfach seinen eigenen Text ins Telefon. Verwendung hat seine Aufnahme trotzdem gefunden. Für Beyoncés Gatten Jay-Z arrangierte er "MaNyfaCedGod". Die Aufarbeitung der Ehekrise der Familie Carter trägt die Handschrift von James Blake.

JAY-Z - MaNyfaCedGod ft. James Blake

Watch "MaNyfaCedGod" From JAY-Z's new album, '4:44' Streaming now on TIDAL - https://JAY-Z.co/444 Follow JAY-Z: Facebook: https://www.facebook.com/JayZ Twitter: https://twitter.com/s_c_ Directed by Francesco Carrozzini Music video by JAY-Z performing MaNyfaCedGod. (C) 2017 S. Carter Enterprises, LLC. Marketed by Roc Nation & Distributed by Roc Nation/UMG Recordings, Inc. http://vevo.ly/28rMyW

Alles ist letztendlich "OK"

Selbst bei Querdenkern wie Frank Ocean und Kanye West kommt diese Art und Weise an. Frank Ocean und Blake arbeiteten für die Tracks "My willing Heart" und "Godspeed" zusammen. Blakes Geschichte mit Kanye West demonstriert zudem, wie sehr er im Karussell der Superstars mit einer kindlichen Aufregung unterwegs ist. Im Gespräch mit dem Magazin Pitchfork berichtet er von den "Hidden Hills", in denen er sich mit Kanye West treffen sollte. Blake hatte noch nie von diesem Ort gehört.

Also erzählt er, wie er die Adresse ins Navi eintippt und aufgeregt durch Amerika fährt, ohne zu wissen, dass es sich um ein Luxusressort handelt. Mit mehreren Stunden Verspätung landet er auf einer Farm bei Kanye. Ein Track kommt nie zu Stande. Das ist für James Blake "Ok".  Er erzwingt nichts, sondern lässt sich von seinen Gefühlen leiten. Es geht darum, mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Er sei ohne Selbstbewusstsein gewesen. Ein schüchterner Typ. Nun wolle jeder, dass er singt. Zur Zeit seines letzten Studioalbums "The Colour in Anything" fasst er seinen Zustand gegenüber dem britischen The Guardian so zusammen:

"Ich bin dieser Zone, wo sich alles, was ich tue, OK anfühlt."

Das ist irgendwie pragmatisch und zeugt von einem gesunden Umgang mit all den gewonnenen Kontakten. James Blake macht einfach sein Ding. Wenn es mal nicht klappt, dann ist es in Ordnung. Falls es weiter so läuft, wird der unscheinbare Brite aber auch in den nächsten Jahren in einem Atemzug mit den ganz Großen genannt werden – zumindest in den Credits der releasten Alben.

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Was wir über Travis Scotts neues Album "Utopia" wissen

Was wir über Travis Scotts neues Album "Utopia" wissen

Von Michael Rubach am 24.02.2021 - 11:56

UPDATE vom 24. Februar:

In einem brandneuen Interview mit dem i-D Magazine hat Travis Scott einige Updates zu "Utopia" gegeben. Das Gespräch mit La Flame führte niemand Geringeres als Kult-Regisseur Robert Rodriguez ("From Dusk Till Dawn"). Zum Fotoshooting gab sich mit Spike Jonze eine weitere Regie-Koryphäe ("Beastie Boys – Sabotage", "Kanye West & Jay-Z – Otis") die Ehre.

"Utopia" als nächste Saga: Travis Scott will neuen Sound kreieren

Im Gespräch offenbart der US-Star, dass er sich für "Utopia" mit neuen Artists connectet habe. Auch sei er selbst als Beatmaker aktiv. All das tue er, um sein Sound-Universum auszuweiten.

"Ich erzähle sowas den Leuten nie und ich werde es wahrscheinlich weiterhin geheim halten, aber ich arbeite mit einigen neuen Leuten zusammen und ich versuche, den Sound zu erweitern. Ich habe wieder Beats gemacht, rappe auf meine eigenen Beats, einfach alles zusammengefügt und versucht, es wirklich wachsen zu lassen. Das war eines der spaßigsten Dinge bei der Arbeit an diesem Album. Ich entwickle mich weiter, arbeite mit neuen Leuten zusammen und liefere einen ganz neuen Sound, eine ganz neue Palette."

("I never tell people this, and I’m probably going to keep it a secret still, but I’m working with some new people and I’m just trying to expand the sound. I’ve been making beats again, rapping on my own beats, just putting everything together and trying to grow it really. That’s been one of the most fun things about working on this album. I’m evolving, collaborating with new people, delivering a whole new sound, a whole new range.")

Beim Nachfolger von "Astroworld" verfolgt Travis den Anspruch, sich nicht zu wiederholen. "Jedes Album ist wie eine Saga", fügt er an. Übermäßigen Druck verspüre er nach dem riesigen Erfolg seines letzten Werks nicht.

"Ich spüre keinen Druck, außer die Fans zufriedenzustellen. Es gibt so viele Bereiche, die ich abdecken kann, und ich möchte sie abdecken, und ich liebe die Herausforderung daran. Ich möchte einen verdammt neuen Sound machen. Ich könnte Tage damit verbringen, meinen Kopf gegen eine Wand zu schlagen, um es herauszufinden, aber wenn ich es einmal schaffe, ist es wie der ultimative Rausch."

("I don’t feel no pressure, except to keep the fans alive. There’s so much more ground I can cover, and I want to cover it, and I love the challenge of it. I want to make a f*cking new sound. I might spend days banging my head against a wall trying to figure it out, but once I do it, it’s like ultimate ecstasy.")

Zum Schluss des Interviews geht La Flame auf einen möglichen Veröffentlichungszeitraum ein. Er lässt verlauten, dass "Utopia" schon bald komme. Darauf könne man wetten.

Original-Artikel vom 14. Januar:

Im Herbst 2020 schickte Travis Scott in einer handgeschriebenen Notiz voraus, dass wir uns 2021 alle in "Utopia" sehen würden. Schon im Sommer sendete La Flame bereits eine ähnliche Botschaft zum zweijährigen Jubiläum seines Albums "Astroworld".

Seitdem ist der Name für das nächste Release von Travis so gut wie gesetzt. Als musikalische Vorboten für den Sound des neuen Großprojekts aus dem Hause Cactus Jack gelten bisher die lose veröffentlichten Singles "Franchise" und "Highest In The Room". Weitere Eindrücke aus "Utopia" könnten kürzlich auf Spotify zu hören gewesen sein. Auf der Streaming-Plattform wurden gleich zwei neue Songs von Travis Scott geleakt.

"Utopia"-Leaks? 2 Travis Scott-Songs auf Spotify aufgetaucht

Fans von Travis Scott dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Auf dem offiziellen Spotify-Profil des Superstars standen am 12. Januar ohne Vorwarnung auf einmal ein Solotrack mit dem Titel "Vision" und die 21 Savage-Kollabo "Niagara Falls" zum Streaming bereit. Letzterer Song wurde im Oktober 2020 von Chase B in Travis' Apple-Show ".WAV Radio" angeteast.

Auch "Vision" gab es schon 2020 zu hören. Der Track wurde auszugsweise in eine Werbekampagne von Kylie Jenners Kosmetik-Linie eingebunden. Wie die beiden Songs jedoch nun für alle Welt hörbar auf das Spotify-Profil von Travis Scott gelangt sind, bleibt vorerst ungeklärt. Es ist vermehrt von einem Hack zu lesen, der hinter der plötzlichen Veröffentlichung gestanden haben soll. Ob die Tracks unter diesen Umständen tatsächlich auf "Utopia" landen, ist zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen.

Travis Scott teast "Utopia": Welche Infos noch im Umlauf sind

Wie auf Genius zu sehen ist, klebte auf den Promo-CDs zur Single "Franchise" ein Sticker, auf dem "Live from Utopia" steht. Dass der Track, der in einer Remix-Version mit einem Future-Part ausgestattet wurde, auf dem neuen Album von Travis Scott zu finden sein wird, scheint demnach sehr wahrscheinlich.

Aus der Twitter-Bubble lässt sich noch ableiten, dass Travis in Mexiko an seinem neuen Werk gearbeitet hat. Auch sind in den entsprechenden Postings reichlich andere Größen der US-Szene präsent. So seien Roddy Ricch, Don Toliver, Future, Tame Impala-Frontmann Kevin Parker sowie die Produzenten Hit-Boy, Wheezy und WondaGurl in die Arbeiten an dem Projekt involviert.

Mit Blick auf die Gerüchteküche ist der Übertritt nach "Utopia" wohl für den März 2021 vorgesehen. Zu dieser Mutmaßung trägt offenbar die offizielle Ankündigung des Drinks "Cacti" bei. Die passenden Dosen präsentierte Travis Scott im Video zu "Franchise". Er rappt dort auch über die Brand: "Cacti, not no iced tea". Der Launch des alkoholischen Getränks steht für März 2021 bevor.

Ein neues Produkt gleichzeitig mit einem neuen Album auf den Markt zu bringen, wirkt nicht wie die schlechteste Idee. Handfeste Infos zu "Utopia" bleiben jedoch eher Mangelware. Die Indizien, dass der Sprung aus der "Astroworld" nach "Utopia" in nicht allzu weiter Ferne liegt, häufen sich dennoch. Auf Instagram teilte Travis in seiner Story ein Artwork des länger eingestampften Science-Fiction-Magazins "Omni". Ergänzt wird der Post um ein kurzes "bald".


Foto:

Screenshot via instagram/travisscott

Ein Zitat aus der GQ Coverstory aus dem August 2020 untermauert den Fahrplan. Auf die Frage hin, welcher Anlaufpunkt nach "Astroworld" komme, antwortete Travis:

"You go to utopia. That’s where we go."

Das Outfit für den Trip steht auch bereits seit längerem fest:


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