Abseits der Trends: 5 Musiktipps unter 25.000 Klicks

Was sich bei YouTube auf den ersten Plätzen der Trends tummelt, ist nicht zwangsläufig das Beste. Gekaufte Klicks, viel Glück und eine Masse an Kontakten verhelfen vielen Künstlern zum Erfolg. Das soll nicht heißen, dass ihnen dieser nicht gegönnt sei. Es kann aber passieren, dass die wahren Perlen nicht an die Oberfläche gelangen und an potentiellen Zuhörern vorbeischwimmen können. Ich habe daher meine Kescher aufgespannt und mich in die Tiefen des Untergrunds begeben, um dir fünf Tracks zu liefern, die nicht weiterhin unten gehalten werden sollten. Achtung, Spoiler: Es gibt kein Rückgaberecht für deine Hörminuten. Alles basiert auf persönlichem Geschmack. Wenn nichts für dich dabei ist, kannst du gerne hier vorbeischauen. Ansonsten freuen sich die aufgelisteten Rapper und Rapperinnen ganz bestimmt über Liebe, Likes und Kommentare. 

Shrimp Cake – Beamer 

Wer sich beim Hören des Tracks nicht 15 Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlt, als Beenie Mans "Sim Simma" durch die Kopfhörer des Walkmans dröhnte, hatte keine Kindheit. Shrimp Cake transformiert die Oldschool Vibes mit "Beamer" in zeitgenössischen Sound. Er begeistert mich vor allem mit seinen abwechslungsreichen Flowvariationen und dem Wiedererkennungswert seiner Stimme. Da stimmt von Betonung über Rhythmik bis hin zum hohen Ohrwurmfaktor und Optik einfach alles. Wen man bei den Lobeshymnen allerdings auch nicht vergessen sollte: den Produzenten Abija. Beide Jungs haben sich gesucht und gefunden. Die wechselseitige Verbundenheit spiegelt sich auch in der gemeinsamen Musik wider. 

SHRIMP CAKE - BEAMER // PROD. BY ABIJA

Spotify: https://open.spotify.com/track/1Dkr5iZY5OcO1pbwciJfa4?si=_mJuPiHzQYSTiV_... iTunes: https://itunes.apple.com/de/album/beamer-single/1388323269 Deezer: ...

ODMGDIA - 6IG 6LACK 6OX

Nach der "Eat Shit Or Try Dying"-EP überzeugen Dollar John und Duzoe mit neuem düsteren Sound. Abgef*ckter Psychorap trifft auf ein Video, das genauso gut in einer Nervenklinik hätte gedreht worden sein. Mit ihrem Shadow Rap und nahezu verstörenden Screamo-Passagen sorgen ODMGDIA für erfrischende Abwechslung in diesem ach so autotunelastigen Deutschrap-Kosmos. Da bekommt "sick" gleich eine ganz andere Bedeutung. Zum Stolzmachen eurer Eltern beim sonntäglichen Familienbrunch greift ihr besser auf softere Tracks aus den VBT-Zeiten des Hamburger Duos zurück.

ODMGDIA - 6IG 6LACK 6OX prod. by John (OFFICIAL VIDEO)

ODMGDIA live sehen: YOUR LAST JAM x 18.05.2018 u.a. mit Shocky, Private Paul, MXP x Ikarus etc.

Ebhoni - Opps

Die erst 18-Jährige Ebhoni aus Toronto lässt arglistige Sticheleien gegen ihre hinterhältige ehemalige Freundin auf "Opps" durch helle Synthies und Wohlfühlmelodien klingen wie einen herrlichen Liebesbrief. Mit distanzierter Gleichgültigkeit statt Wut liefert sie entschlossen jede Zeile und symbolisiert damit eine Unabhängigkeit und ein Selbstwertgefühl, von dem sich viele Frauen eine Scheibe abschneiden sollten. Mit Bezug zu Frauenpower und gegenseitiger Unterstützung macht Ebhoni auf wahre Freunde aufmerksam und zeigt sich dankbar für jeden einzelnen. "Live for your real b*tches" ist die Message!

Ebhoni - Opps (Official Music Video)

I'm so excited to share the music video for Opps, it feels like I've been waiting so long to finally release... I feel so much love around this video from the director Chris, another female doing her fucking thing. From Toronto (Weston) gang gang...

Yael & Leam – Schreibtisch

Die beiden Wahlberliner Yael und Leam stammen ursprünglich aus Rheinland-Pfalz und sind gekommen, um mit ihrer Crew Fifty Fifty die Musikszene ordentlich aufzumischen. Was in alkoholreichen Partynächten mit wenig Schlaf entstanden ist, zeigt uns Yaels "Real_Fantasy"-EP, von der "Schreibtisch" ein musikalischer Teil ist. Das Ganze wird unter dem Namen des Labels von Symbiz, Yeeruh, veröffentlicht. "Schreibtisch" klingt nach entspannten Vibes, souliger Atmosphäre und versetzt beim Hören in tranceartige Zustände.  

Schreibtisch

Schreibtisch, a song by YAEL, Leam on Spotify

Abby Jasmine - Who Told You

Die selbsternannte "Trap Mom" könnte sich auf sämtlichen Social Media-Kanälen als lebendiges "Did You Die Tho"-Meme einen Namen machen. Seitdem warteten die Fans sehnsüchtig auf "echte" Musik. Im November letzten Jahres war es endlich soweit – Abby Jasmine releaste ihre Debütsingle "Long Live". Mit "Who Told You" ballert die 19-Jährige einen neuen Track hinterher, der sich ebenso hören lassen kann. Die Audio veröffentlichte Abby bereits Ende März. Vor einer Woche lud sie eine Vorschau zu dem passendend Video hoch, das höchstwahrscheinlich bald erscheinen wird. Hype iz da!

Abby Jasmine - Who Told You (Official Audio)

Abby Jasmine's "Who Told You" OUT NOW https://abbyjasmine.lnk.to/WhoToldYou Follow Abby: https://www.instagram.com/abbyjasminexo/ https://twitter.com/abbn0rmal_ https://www.facebook.com/TrapMomAbby/ https://soundcloud.com/abbn0rmal https://www.musical.ly/h5/share/usr/80815920729731073.html

Abby Jasmine - "Who Told You"

Abby Jasmine's "Who Told You" OUT NOW Shot by David Wept Edited by @killdbykill https://abbyjasmine.lnk.to/WhoToldYou Follow Abby: https://www.instagram.com/abbyjasminexo/ https://twitter.com/abbn0rmal_ https://www.facebook.com/TrapMomAbby/ https://soundcloud.com/abbn0rmal https://www.musical.ly/h5/share/usr/80815920729731073.html

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Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & Dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Jesse Schumacher am 29.10.2019 - 18:08

Wer sich vom aktuellen Hiphop-Mainstream ermüdet fühlt, sollte das Genre nicht aufgeben, sondern da suchen, wo sich Rap am wohlsten fühlt: Im Untergrund.

In dieser Reihe präsentieren wir euch regelmäßig eine kleine Anzahl an Untergrund-Künstler*innen, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren einen gewissen Reiz ausüben und mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Deswegen konzentrieren wir uns auf Musiker*innen, die mit ihren Videos noch unter 25.000 Klicks liegen.

Ind1go & Tym – Bean (prod. Alecto)

Während sich einerseits Leute die Köpfe einschlagen, weil sie sich uneinig sind, ob Animus der richtige Partner für Bushidos CCN4 ist, scheint andererseits die Harmonie eines anderen Duos wesentlich offensichtlicher.

Ind1go (@ind1go089) und Tym (@tym.btm) passen gleich auf mehreren Ebenen perfekt zueinander. Die beiden Herzensbrecher teilen eine Ästhetik, die sich in ihrem Sound, ihren Videos und in ihren Cover-Artworks widerspiegelt. Dabei fangen sie den aktuellen Zeitgeist eines Stils ein, der vor vier Jahren wahrscheinlich noch Cloud-Rap genannt worden wäre.  

So auch auf "Bean", eine Videoauskopplung aus ihrer gemeinsamen EP "Azur", die bereits im März dieses Jahr erschien. Der Track beweist die Stilsicherheit der beiden Künstler und fängt eine sphärische und leicht melancholische Stimmung ein.

"Herzen, sie brechen wie iPhone Displays/ Leben so süß und sie will einen Taste/ Ich drück' Record und ihr drückt Copy-Paste/ No Love für euch, get the f*ck out my Face"

Alecto (@alectobeats) hat den Beat gebaut und produzierte auch schon Tracks für US-Superstars wie Lil Baby. Als Teil der Saucier Squad (@sauciersquad) gehört er zu einem der aktuell aufstrebendsten Producer-Kollektiven in Deutschland.

Auch solo haben Ind1go und Tym schon einige Hits releast. Während Ind1go sich in letzter Zeit auf mystische Weise zurückhält und seine Fans auf Instagram immer wieder mit Snippets zu neuer Musik heiß macht, kündigte Tym seine kommende "Me"-EP für den 1.11 dieses Jahr an.

Blokkboy$ ft. Blanco Panther – BBB (prod. déjà vu)

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die kölschen Jungs von Blokkboy$ (@blokkboys0221) ihre Stadt im Moment so hart representen wie niemand anderes. Zur Crew gehören die Künstler Cgoon (@cgoon0221), Bada Dinero (@bada_dinero) und Leon Lucci (@lucci0221).

Auf ihrer letzten Single "BBB" mit Blanco Panther (@blancopantherofficial) rappen sie auf einem modernen Trap-Beat über ihren Grind, ihre Verbundenheit zu ihren Brudis und natürlich über ihre Hometown. Produziert ist der Track von déjà vu.

"Ich bin Kölner, das ist 'min jung' und nicht 'mein dicker'"

Ihr letztes Full-Length-Project "Blokkworld" bildet einen Sound, der die Hustler-Mentalität der Straße mit der symphatischen kölschen Grundstimmung auf knallenden Trap-Beats verbindet. Diese Kombination macht die Jungs aktuell einzigartig und spannend.

Allgemein bietet die Kölner Rapszene zur Zeit einen sehr abwechslungsreichen Sound, der von einigen aufstrebenden Künstler*innen getragen wird. Darunter zum Beispiel die Rapper Lugatti & 9ine oder Dennis Dies Das, die auch im Video zu "BBB" zu sehen sind.

Hugo Nameless - Paradies (prod. btgrin)

Hugo Nameless (@hugonameless030) als Newcomer darzustellen, würde auf einer falschen Annahme beruhen. Der Rapper schlug spätestens 2016 Wellen und prägte damals gemeinsam mit Fruchtmax das Sprachbild vieler Kids auf "WKMSNSHG" (Wie kann man sich nur so hart gönnen).

Was viele anscheinend nicht mitbekommen haben: Hugo Nameless ist immer noch am Start und hat sich in den letzten Jahren fest im Berliner Untergrund etabliert. Dabei hat er sich als Rapper weiterentwickelt und auf unterschiedlichen Projekten eine Vielzahl an musikalischen Brettern geliefert. So zum Beispiel auf seinem Kollabo-Mixtape mit $oho Bani "Nase voll, Taschen leer" auf dem viele grimey Banger schlummern, die euch eure Boxen zerscheppern können.

Mit "Paradies" veröffentlichte Hugo Nameless eine Liebeserklärung an das grüne Gold auf einem Beat mit bouncigen Swing, produziert von btgrin. Der Track ist von seinem letzten Album "Frank", das im Juli dieses Jahr erschien. Hier greift er unterschiedliche Stimmungen auf und beweist, dass er seinen Sinn für Humor nicht verloren hat. Insbesondere auf seinem Instagram-Account postet er häufig Content, der regelmäßig ein breites Grinsen hervorruft – Zumindest wenn man auf die Gags steht.

"Meine Mama macht sich Sorgen wegen Weed/ Nur mein Shawty sieht mich gerne, wenn ich zieh'/ Rauche Gorilla Glue, die Augen hängen tief/ Zünd' den Joint an und ich bin direkt im Paradies"

Die P – Alle Reden (prod. Big Roo)

Die P (@mach.platz) hält die Golden-Era-Fahne hoch und zelebriert die Kunst, Boombap-Beats zu zerlegen, wie zurzeit keine andere Rapperin. Auf "Alle Reden" belebt sie den Spirit der 90er mit ihrer woken Einstellung wieder und zweifelt unter anderem die Realness von anderen Rappern an. Das klassische Hiphop-Instrumental ist produziert von Big Roo.

"So viel harte Kerle, doch es fehlen die Beweise/ Fake-Support ist schädlich also mach ich es alleine"

Mit "Alle reden" meldet sie sich nach ihrer 2017 erschienen EP "Bonnität" zurück und wir dürfen auf weiteren kommenden Output der Rapperin hoffen.

Iloveakim – Fenster stehen (prod. Iloveakim)

Iloveakim (@iloveakim) kehrt auf "Fenster stehen" seinen Hiphop-Roots fürs Erste den Rücken zu und bezeichnet den Track selbst als "Bedroom Pop". Auf dem funkigen und tanzbaren Beat, produziert von ihm selbst, rappt und singt der junge Österreicher über einen unerreichbaren Schwarm und spielt mit alten Clichés aus Liebesfilmen der 80er.

"Ich bleib' am Fenster stehen, ich trau mich nicht zu dir/Ich schau von draußen zu wie du dich amüsierst/Du bist so wunderschön, wie du dich bewegst/Dein Schatten tanzt mit mir, doch etwas trennt uns hier"

Während er auf dem Song scheinbar eine neue musikalische Ausrichtung findet, waren seine vorherigen Veröffentlichungen vom trappigen US-Sound inspiriert. So auch sein Album "Freak", auf dem er sich aber auch experimentell zeigt und in großen Teilen an die frühen Songs von Tyler, the Creator erinnert. Die Tracks lebten vor allem aus dem Spaß an der Sache, den er auch in Videos mit seiner Dumbkoif-Crew authentisch rüberbringen konnte.

In einem Interview mit der Juice bezeichnet er diese Songs mittlerweile allerdings als trashy. So wie sein größtes Vorbild Tyler, the Creator wolle er sich regelmäßig weiterentwickeln und neue Stile ausprobieren.

Das Video produzierte unter anderem der talentierte Videograf Chefboicani, der Teil der Dumbkoif-Crew ist und den wir vor Kurzem in einem exklusivem Interview vorgestellt haben.

Kunst statt Kommerz: Chefboicani über sein Video für Yung Hurn, US-Connections & die Faszination für Tyler, the Creator

Rap ist allerspätestens dieses Jahr endgültig im Mainstream angekommen. Anfang des Jahres überholte Capital Bra einen Rekord der Beatles, Hiphop gehört zu den meist gestreamten Genres in Deutschland und in den aktuellen Top 10 der deutschen Single-Charts sind neun Hiphop-Tracks platziert. Wer im musikalischen Mainstream unterwegs ist, will meistens vor allem eines: ordentlich Scheine kassieren.


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