Fler & Bild-Reporter im Streit: Worum es geht & was bisher geschah

In den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse, rund um den Prozess gegen Arafat Abou-Chaker, in welchem Bushido Nebenkläger ist. Nach einer Hausdurchsuchung bei Arafat, welcher auch Vertreter der Presse beiwohnten, droht der Prozess nun zu platzen. Währenddessen legt sich Fler auf Twitter mit den anwesend gewesenen Journalisten an. Laut ihm hätten sich Reporter der Bild und des Spiegels mit Bushidos Anwalt verschworen.

Gerichtsverfahren gegen Arafat könnte wegen Hausdurchsuchung gefährdet sein

Ende letzten Monats gab es eine Razzia in Arafat Abou-Chakers Wohnräumen. Bei dieser wurden unter anderem Dokumente fotografiert und beschlagnahmt, die laut der Verteidigung wichtig für die Verhandlung seien. Unter diesen Umständen könne der Prozess nicht weitergeführt werden. Der zuständige Richter gab bekannt, auch er habe nach der Razzia "ein paar Bauchschmerzen" im Bezug auf die Weiterführung des Verfahrens.

Neben der Handhabung von verfahrensrelevanten Dokumenten sorgte auch die Anwesenheit von Pressevertretern für Probleme bei der Staatsanwaltschaft. Es könne sein, dass Informationen über die Razzia unrechtmäßig an die Presse weitergegeben wurden. Die zuständige Staatsanwaltschaft leitete "von selbst" ein Verfahren ein wegen "Verrats von Dienstgeheimnissen".

Bushido vs. Arafat Abou-Chaker: Prozess womöglich gefährdet

Von Till Hesterbrink am 27.09.2020 - 13:13 Ali Bumaye hielt sich lange aus dem ganzen Trubel um Bushido und Arafat Abou-Chaker raus, doch nachdem das SEK letzte Woche die Wohnung seiner Mutter stürmte, sei für ihn eine Grenze überschritten worden. Nun veröffentlichte er ein elfminütiges Statement zum Beef mit Bushido auf Youtube.

Fler: "Ein kleiner Club an Journalisten mit ihrer eigenen Agenda"

Fler postete ein Video auf Twitter, welches Bild-Journalist Peter Rossberg, Spiegel-Reporter Claas Meyer Heuer und Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe zeigt. Diese scheinen sich laut Fler vor Beginn der Razzia bereits zu begrüßen und unterhalten.

Rossberg behauptete daraufhin, dass alle Bilder und Videos von Fler erst nach Beginn der Razzia gemacht worden seien. Fler würde lügen, wenn er behaupte, die Presse und Bushidos Anwalt hätten sich vor der Razzia getroffen. Lediglich er selbst sei vor der Durchsuchung anwesend gewesen. Bushidos Anwalt sei erst später dazugestoßen. Auf die Frage, warum er von der Razzia gewusst hätte, entgegnete er lediglich, dass Fler gelogen habe.

Fler veröffentlichte dann den Screenshot eines Tweets von Peter Rossberg, welcher offenbaren soll, dass Rossberg von Anfang an von der Razzia wusste und bereits im Dunkeln auf den Beginn der Durchsuchung gewartet habe.

Peter Rossberg hingegen behauptet, dass es einen Unterschied gäbe, ob man mitgenommen wird oder lediglich die Infos über eine anstehende Untersuchung erhalten würde. So lange man nicht mitgenommen würde, gäbe es schließlich auch keine Agenda. Außerdem habe er nie bestritten, von Beginn an der Razzia beigewohnt zu haben. Die Aussage, Bushidos Anwalt und er hätten sich vor dem Beginn getroffen, wäre allerdings eine Lüge.

Die Frage, die Fler in den Raum stellt und auch zum selbst-eingeleiteten Verfahren der Staatsanwaltschaft geführt hat, ist, woher die Bild und der Spiegel von der Razzia wussten.

Bushido bestritt im Verfahren "energisch", dass er es war, der die Infos an die Pressevertreter weitergegeben habe.

Auch sein Anwalt behauptet, alles sei rechtens gewesen. Er wäre auf Wunsch von Bushdio bei der Razzia gewesen. Fler würde hingegen nur von Arafat benutzt, "um Dinge zu verbreiten".

Fler weist außerdem darauf hin, dass Bushido im Zeugenstand ausgesagt haben soll, er und Peter Rossberg seien gute Freunde.

Für ihn sei klar, dass Rossberg und Claas Meyer Heuer eine Agenda verfolgen würden. Dazu veröffentlichte er ein Bild von Rossberg, Heuer und dem Bild-Journalisten Alex Lier, welches die drei scheinabr bei einer Podcast-Aufnahme zeigt. Das Bild ist schon mehrere Jahre alt, damals war Heuer Gast im Podcast von Rossberg und Lier "Sicherheit für die Ohren".

Spiegel TV: "Die Macht der Clans"

Spiegel TV veröffentlichte nun sowohl ein Buch als auch eine Dokumentation unter dem Namen "Die Macht der Clans". Teil der Dokumentation sind auch Aufnahmen von der Beerdigung der Mutter Arafat Abou-Chakers. Fler war bei dieser ebenfalls anwesend. Spiegel TV-Reporter Thomas Heise soll hier einer der beiden Redakteure vor Ort gewesen sein, die Fler befragen wollten. Dieser wollte aber offenkundig im Rahmen der Beerdigung keine Fragen beantworten.

Fler zeigte sich im Nachhinein enttäuscht über das Verhalten von Heise. Eigentlich hätten die beiden sich zuvor wohl ganz gut verstanden.

Nach einer Aufforderung von Fler an seine Fans, das Buch bei Amazon zu bewerten, steht dieses aktuell bei einer durchschnittlichen Rezension von einem Stern.

Wir haben bei Fler und Peter Rossberg nachgefragt, ob sie uns ihren Blickwinkel auf den Konflikt und die Sachlage näher erläutern können. Morgen soll ein Update folgen, in welchem beide Seiten ihre Sicht auf die Sachlage präsentieren.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Von Michael Rubach am 05.05.2021 - 11:43

Vor mehr als 15 Jahren wird Bushido bei einem Gig in Linz ein Demotape in die Hand gedrückt. Die kurze Aufforderung: "Hier, hör dir das mal an!" Diese Ansage kommt von Stickle. Heute produziert der Österreicher unter anderem für Yung Hurn, Apache 207, Bausa und Pashanim. Mit dem neu gegründeten Label November Eleven hält er inzwischen selbst nach Talenten Ausschau. Zeit für einen Blick auf einen der vielseitigsten Producer in der deutschen Raplandschaft, der trotz aller Gold- und Platinplatten wohl weiterhin ohne übermäßig viele Selfie-Anfragen zum Einkaufen spazieren kann.

Beatlefield: Stickle landet in Berlin & bei Bushido

Bei ersguterjunge starten und bei den angesagtesten Acts der Gegenwart rauskommen: Das ist nicht jedem vergönnt. Stickle hat diesen wilden Ritt durch die Szene erfolgreich hinter sich gebracht. Gemeinsam mit Chakuza verschlägt es ihn 2005 zu Bushidos Label ersguterjunge. Der EGJ-Chef stellt das österreicherische Gespann auf dem Song 2006 "Nemesis" noch so vor:

"D-Bo ist mein bester Freund / Saad ist wie mein Bruder / Seit heute in Berlin: Stickle und Chakuza"

Beide Berliner Neuankömmlinge bilden das Produzententeam Beatlefield. Alben wie "Staatsfeind Nr.1", "Das Leben ist Saad" oder diverse ersguterjunge-Sampler entstehen in jener Zeit. Die Juice schreibt damals, dass "Beatlefield fast allen EGJ-Releases ihren charakteristischen Soundstempel aufgedrückt" hätten. Auch Chakuzas Rapsolokarriere ist eng mit Stickle verwoben. Sein bis heute erfolgreichster Track "Eure Kinder" aus dem Album "City Cobra" geht beispielsweise auf die Arbeit mit Stickle zurück.

Dennoch werden die Verträge nicht verlängert. Stickles und Chakuzas EGJ-Engagement endet 2010. Auch von Künstlerseite gibt es offenbar keine Bestrebungen die Zusammenarbeit fortzusetzen. Es sei "irgendwo eine logische Konsequenz" gewesen, dass man getrennte Wege geht, erklärt Chakuza bei uns zu jener Zeit in einem Kurz-Interview. Zwischenzeitlich ist übrigens ebenso ein gewisser RAF Camora Teil der Beatlefield-Crew, zu deren festem Kern darüber hinaus PR-Berater Hamadi gehört.

Übermäßige Nebengeräusche, wie sie in der jüngeren Vergangenheit zum Standard wurden, sind beim damaligen Abschied aus dem EGJ-Lager nicht zu vernehmen. Das wirkt geradezu stellvertretend für Stickles Karriere im Allgemeinen. Er scheint immer dort zu sein, wo etwas Großes entsteht, aber macht sich nicht viel aus dem einsetzenden Rampenlicht. Gelegenheiten zum Abheben liefert sein Werdegang im Überfluss.

Prägender Sound: Stickles Arbeit mit Casper & Yung Hurn

Nach der EGJ-Phase ist Stickle an einer Platte beteiligt, die im Nachhinein als Game-Changer für Deutschrap eingeordnet werden kann. Caspers "XOXO" vereint Indie-Gitarren und große Gesten, ohne an die Holzhammer-Crossover-Welle um die 2000er zu erinnern. Stickle ist Teil des Producer-Teams des Albums, welches Rapfans und das Feuilleton gleichermaßen für sich vereinnahmt. Die Magie entsteht im Beatlefield Studio in Kreuzberg, das als die Krabbe in Erinnerung bleiben sollte. Stickle und Casper finden zusammen, da sich Letzterer nach seinem Berlin-Umzug neu ausrichtet. Bei einem Studioreport sagt Casper:

"Und dann hab ich halt Stickle kennengelernt, weil ich 'nen DJ gesucht hab für meine Live-Show, als wir auf Band umgestellt haben."

Auch Chakuzas Soloalbum "Magnolia", das musikalisch einen ähnlichen Spagat versucht, ist mit Stickles Sound-Vision verknüpft. Bei der Auftaktsingle "Ascheregen" zum folgenden Casper-Album "Hinterland" hat Stickle neben Konstantin Gropper und Markus Ganter ebenfalls seine Finger im Spiel. Doch dieser Übergang von allerlei ersguterjunge-Produktionen zu Caspers Indie-Boombast ist für den Linzer nicht das Ende einer musikalischen Reise. Er scheint sich einfach treiben zu lassen. Dabei landet er auch mal mit Schauspielstar Matthias Schweighöfer im Tonstudio. Das Resultat ist der Popsong "Fliegen", der im Zusammenhang mit dem Kinofilm "Der Nanny" veröffentlicht wird.

In den folgenden Jahren taucht Stickle permanent an der Seite von Yung Hurn (diesen Artist auf Apple Music streamen) auf. Das komplette Album "1220" des Wiener Süßgotts ist von Stickle produziert. Wie er am Rande eines Konzerts die Fertigstellung der Platte beschreibt, stellt man sich die Arbeit mit Yung Hurn ungefähr auch vor:

"Es hat tatsächlich eine gewisse Zeit gedauert, bis wir in Fahrt gekommen sind. Am Anfang war es ein wenig undefiniert und wir wussten nicht, ob wir schon am richtigen Weg zum Album sind und ob es was wird. Dann ging es aber auf einmal ziemlich schnell und das Ding war fertig."

Sogar House im Retro-Stil zählt zu Stickles Repertoire. Den Track "Popo" produziert er zusammen mit Yung Hurn. Die Vibes mit dem Landsmann stimmen augenscheinlich. Auch dessen Alter Ego K. Ronaldo wird für Rave-Ausflüge von Stickle versorgt. Es erklärt sich fast von selbst, dass Stickle zu den Mitbegründern der Love Hotel Band gehört.

Dass der Linzer gewissermaßen als Verbindungsglied zwischen Bushido und Yung Hurn funktioniert, wirkt im Nachhinein regelrecht absurd. Sein Faible für experimentelle Sounds und Elektro lässt sich jedoch schon früh erahnen. In einem alten Interview auf Rap-As.com auf seine musikalischen Vorlieben angesprochen, sagt er: "Durch die Bank. Ich höre sehr viele Elektro-Sachen in letzter Zeit. Sachen, wo Rapmucke kombiniert ist, mit Elektrosachen."

Apache 207, Pashanim & Co: Stickle macht die Hits

Auf der Erfolgsleiter geht es in der jüngsten Vergangenheit weiter steil bergauf. Mindestens mit "200 km/h" – kannste Apache 207 fragen. Mit dem Überflieger der letzten Jahre connectet Stickle gleich mehrfach für gemeinsame Tracks. Auf "Boot" oder "Nicht wie du" bedient er dabei ganz unterschiedliche künstlerische Facetten des Hitgiganten. Hier gilt erneut: Der so vielseitige Producer ist bereits vor dem großen Hype am Start.

Der Song des Jahres 2020 bei den Hiphop.de Awards geht ebenfalls mit einem Stickle-Beat einher. "Airwaves" sowie der kaum weniger populäre Pashanim-Track "Hauseingang" gehen aufs Konto des österreichischen Producers. Er scheint immer dort aktiv zu sein, wo sich gerade etwas zusammenbraut. Nebenher schüttelt er stilsicheren Rap-Pop aus Ärmel. "2012" von Bausa und Juju: ein Stickle-Beat. Der Werdegang des Musikers ist von jeder Menge richtigen Entscheidungen und einem ausgeprägten Gespür für das nächste große Ding gepflastert.

Es wirkt folgerichtig, dass Stickle nun von sich aus aufstrebenden Künstler*innen die Möglichkeit eröffnet, mit ihm am Sound der Zukunft zu arbeiten. Zur Gründung des Label Joint Ventures November Eleven mit Four Music erklärt er:

"Ich freue mich sehr darauf, zusätzlich zu meiner bisherigen Rolle als Produzent spannende Newcomer ab sofort auch als Creative Director gemeinsam mit dem Team von Four Music beim Aufbau ihrer Karriere unterstützen und fördern zu können."

Mit Nikan hat Stickle bereits den ersten Artist unter seine Fittiche genommen. Ob dieser Stickle eigenhändig ein Demotape übergeben hat oder einen ganz anderen Weg wählte, ist nicht überliefert.

nikan - Northface [Video]

Der Düsseldorfer Newcomer nikan ahnt "Northface". Dazu droppt er locker Ansagen: "Ich will Schmuck auf meinem Zahn und ne Baddie nachts im Arm". Der hypnotische Beat wurde von Stickle und Andrewextendo produziert. nikans ""All In / Plan A""-EP soll im Frühjahr erscheinen.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!