Bushido vs. Arafat Abou-Chaker: Prozess womöglich gefährdet

Die Großrazzia bei Arafat Abou-Chaker schlägt sich nun auch im Prozess nieder, bei dem sein langjähriger Wegbegleiter Bushido bekanntermaßen als Zeuge und Nebenkläger auftritt. Nach einer mehrwöchigen Verhandlungspause beantragten die Anwälte von Arafat Abou-Chaker laut Darstellung des Focus das Verfahren einzustellen oder auszusetzen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob der Prozess nun vollständig platzen könnte.

Bushido vs. Arafat Abou-Chaker: Warum wird über Prozess-Aus spekuliert?

Die Verteidigung von Arafat Abou-Chaker führt wohl vor allem zwei Argumente ins Feld: Die Steuerfahndung hätte bei den Dursuchungen Unterlagen beschlagnahmt, die für den aktuellen Prozess von Relevanz seien. Unter diesen Umständen sei eine "effektive Verteidigung" nicht darstellbar. So sollen die Ermittler Fotos von persönlichen Notizen mit "verteidigungsrelevanten Details" gemacht haben. Wem diese Informationen bereits zugänglich waren, sei nicht mehr nachvollziehbar.

Auch bezweifeln die Anwälte des ehemaligen Geschäftspartners von Bushido offenbar, dass ihr Mandant ein faires Verfahren erhalte. Steuerfahnder und Staatsanwaltschaft ließen mit ihrem Vorgehen Arafat Abou-Chaker "kriminell" erscheinen, ohne dass dieser sich vor Gericht hätte dazu äußern können. Der Antrag zur Verfahrenseinstellung fußt auf Paragraf 260(3) der Strafprozessordnung.

Darüber hinaus soll die Verteidigung den Verdacht geäußert haben, dass jemand Informationen zur Razzia "gezielt durchgestochen" habe. Schließlich seien noch vor dem Eintreffen der Polizei Pressevertreter vor Ort gewesen. Die daraus resultierende Forderung der Anwälte: eine strafrechtliche Ermittlung wegen des "Verrats von Dienstgeheimnissen".

Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin einen Fehler eingeräumt. Unterlagen zum aktuellen Prozess hätten nicht beschlagnahmt werden dürfen. Die wiederum mit diesem Fall betraute Staatsanwaltschaft (hier steht der Vorwurf der Geldwäsche gegen Arafat Abou-Chaker im Raum) leite außerdem nun "von selbst" ein Verfahren wegen des "Verrats von Dienstgeheimnissen" ein.

Ein Problem für den gegenwärtigen Prozess erkenne die Staatsanwaltschaft jedoch nicht. Als "sehr unglücklich" ordnet sie den Zeitpunkt der Razzia laut Spiegel dennoch ein. Der vorsitzende Richter wird dort mit der folgenden Aussage zitiert: "Ich habe hier in der Tat ein paar Bauchschmerzen."

Bushido händigt der Steuerfahndung seine Haustürschlüssel aus

Auch Nebenkläger Bushido kam am gestrigen Prozesstag zu Wort. Bei seiner Vernehmung ging es wohl hauptsächlich um eine Schlüsselübergabe. Es soll sich dabei um die Schlüssel zu einer Villa in Kleinmachnow gehandelt haben. Jener Immobilie, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Anwesen von Arafat Abou-Chaker befindet.

Bushido gegenüber soll schon neun Tage vor der Razzia bei seinem ehemaligen Geschäftspartner eine kommende Durchsuchung angedeutet worden sein. Ein Steuerfahnder habe ihn laut eigener Aussage per Mail angefragt, ob er freiwillig seine Schlüssel aushändigen würde. Der Bitte sei er nachgekommen, da er "nichts zu verbergen" habe und den betreffenden Fahnder bereits "persönlich aus Vernehmungen in einem Steuerstrafverfahren" kenne – eines, das gegen ihn selbst laufe.

Auf Nachfrage stritt Bushido angeblich "energisch" ab, Informationen über eine bevorstehende Razzia an die Presse weitergegeben zu haben. Ebenso sei ihm nicht bekannt gewesen, dass neben seiner eigenen Villa auch die Räumlichkeiten von Arafat Abou-Chaker durchsucht werden könnten. Er habe schließlich "aus der Presse" von der Aktion erfahren. Der Focus mutmaßt, dass frühestens am 5. Oktober eine Entscheidung über eine mögliche Aussetzung oder Einstellung des Prozesses fällt. Hier stehe eine Aussage des Steuerfahnders an, der Bushido vor der Razzia bei Arafat Abou-Chaker kontaktiert haben soll.

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"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

Von Till Hesterbrink am 18.10.2020 - 13:37

Der YouTube-Kanal History of Berlin macht seinem Namen alle Ehre und hat ein Interview mit Maxim aus dem Jahre 2001 veröffentlicht. Attila Murat Aydın, wie Maxim mit bürgerlichem Namen hieß, war einer der Hiphop-Pioniere der Hauptstadt. Er gründete zahlreiche Breaker-, Sprayer- und MC-Crews und war einer der ersten, die Hiphop in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verstanden hatten.

Maxim nimmt HoB mit auf eine Zeitreise

In dem Interview erzählt Maxim von seinen Anfängen und wie er zum Breaken und Beatboxen gekommen ist und wie sich die Hiphop-Szene in Berlin mit den Jahren veränderte. Die Faszination begann für Aydın mit 12 Jahren, als ein bodenturnender Cousin aus Manchester ihn besuchte und ihm die ersten Moves zeigte. Nachdem er dann den Film "Wildstyle" gesehen hatte, war er endgültig begeistert. Neben dem Breaken entdeckte Maxim schnell auch das Beatboxen und Malen für sich und begann, sich einen Namen in Berlin zu machen.

Mit den Jahren galt Maxim als einer der Ersten, der den West-Berlin-Hiphop-Style etabliert hat und wurde so zu einer der bekanntesten Figuren in der Hauptstadt. Er war zwar Breaker, Sprayer, Beatboxer und Rapper, doch sein größtes Talent scheint das connecten von Leuten gewesen zu sein. So schreibt History of Berlin über ihn:

"Das wahre Talent von Maxim, war allerdings das vernetzen und verknüpfen von Leuten aus der Hip Hop Szene, denn er kannte wirklich jeden aktiven Tänzer und jeden relevanten Berliner Sprüher persönlich."

Aydın gründete Ende der 80er Jahre die legendäre Berliner Crew 36 Boys, welcher unter anderem auch der heutige Starkoch Tim Raue angehörte. Wie vieles, was Maxim machte, gelten die 36 Boys mittlerweile als Vorreiter für Crews und Gangs der nachfolgenden Generationen.

Auch die Glorious Five Artists wurden von Maxim gegründet, welche von der Backspin als eine der besten Writer Crews Europas bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel nannte die GFA mal "die bekannteste deutsche Writer Verbindung".

Maxim: Viel zu früh gestorben

Wohl am Tag dieser Videoaufnahmen, seinem 33. Geburtstag, starb Maxim, als er einen Streit zwischen seiner Ehefrau und einem Rentner klären wollte. Der 76-Jährige zog jedoch ein Messer und erstach Aydın. Maxim hatte sich zeit seines Lebens gegen Gewalt eingesetzt und war ein berühmter Streitschlichter.

Auf der Aggro Ansage Nr.4 widmeten Fler, Sido und B-Tight der Straßen-Legende mit "Maxim ist King" einen ganzen Song.

"Der erste Beatboxer, erste Writer, erste B-Boy, er war die erste Eins" (Fler auf "Maxim ist King")

Des Weiteren wurde der "Maxim Memorial Day" ins Leben gerufen, bei welchem viele Berliner Künstler dem Verstorbenen ihren Respekt zollten. Außerdem erschien der "Maxim Memorial Sampler", auf dem unter anderem Kool Savas, Eko Fresh, Fler, Sido, Taktloss und B-Tight vertreten waren.

Bis heute findet Maxim immer wieder Erwähnungen in deutschen Raptexten:

"Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)/
Hoff', ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)" (Fler auf "Vermächtnis")


Maxim (Zeitreise 1982-2001) Hip Hop Legende, Graffiti, Break Dance, Beatbox - HISTORY OF BERLIN

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