Was ihr denkt, wie es mit Capital Bra, Bushido & Samra weitergeht

Seit Capital Bras Trennung von EGJ kennt Deutschrap kaum ein anderes Thema. Capital Bra ist der aktuell heißeste Deutschrapper. Insofern hat sein Move Auswirkungen auf die gesamte Szene. Wir wollten vor ein paar Tagen daher wissen, wie die Community die Trennung und ihre Auswirkungen einschätzt und haben fünf Fragen gestellt. Hier gibt es die Ergebnisse im Detail.

"Ist diese Trennung das Ende von EGJ?"

Bushidos Label EGJ verliert nicht nur das Zugpferd der letzten Monate. Auch Samra, der den Hiphop.de-Award für den besten Newcomer 2018 holte, gab seinen Abschied vom Label bekannt. Ob sich das Label, das in den letzten Monaten extrem von den beiden profitierte, von diesem Schlag nochmal erholen wird, steht aktuell noch in den Sternen. Drei Viertel der abgegebenen Stimmen tippen darauf, dass es das Ende des Berliner Labels sein wird.

Ja - 75,2 %

Nein - 24,8 %

"Was bedeutet die Trennung für Bushidos Karriere?"

Ähnlich pessimistisch zeigte sich unsere Community in Bezug auf Bushidos zukünftige Karriere. Gute 39 % der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Option "Das ist Bushidos Karriereende". Knappe 37 % raten ihm, eine Pause vom Rap-Game zu nehmen. Nicht einmal 2 % gehen davon aus, dass er in Zukunft erfolgreicher sein wird als je zuvor. Etwas gelassener sehen es gute 20 % der Teilnehmenden. Knappe 12 % glauben, dass Business und Ruf kaum Schaden nehmen werden. Dass er sofort weitermacht, sein Image allerdings wechselt, glaubten gute 10 % unserer Community.

"Er wird erfolgreicher als je zuvor" - 1,9 %

"Sein Business und sein Ruf werden kaum Schaden nehmen" - 11,8 %

"Er macht weiter, aber mit Imagewechsel" - 10,3 %

"Zeit für eine Pause vom Rap-Game" - 36,9 %

"Das ist Bushidos Karriereende" - 39,1 %

"Wo wird Capital Bra landen?"

Capital Bra hat in den vergangenen Monaten Rekorde um Rekorde gebrochen. Es ist also davon auszugehen, dass nahezu jeder in der Szene und der Industrie mit Capital zusammenarbeiten möchte. Wohin wird es ihn ziehen? Über 47 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer raten Capital, ein eigenes Label hochzuziehen. Auf Platz zwei landete - deutlich abgeschlagen - mit knap 22 % die Option, bei einem Major zu signen. Von den in der Szene bestehenden Labels war es Banger Musik, von dem die meisten Leute dachten, es sei das für Capital Bra geeignetste Label. Dicht gefolgt von seinem alten Label Team Kuku. Alle anderen Labels bewegten sich im niedrigen einstelligen Bereich.

"Neues, eigenes Label" - 47,4 %

"Major Label" - 21,7 %

"Banger Musik" - 9,7 %

"Team Kuku" - 8 %

"In welches Camp würde Capi am besten passen?"

Natürlich leben Camps in der Szene auch davon, wie die jeweiligen Charaktere zusammenpassen und miteinander interagieren. Es könnte also für Capitals Erfolg eine Rolle spielen, in welchem Umfeld er sich in Zukunft bewegen wird.

Auch hier liegt Banger Musik weit vorne. Über 19 % der Stimmen entfielen auf das Banger-Camp. Diese Leute meinen, Capital Bra würde dorthin passen. Deutlicher Sieger in dieser Kategorie ist allerdings - nicht unbedingt überraschend - Capital Bras altes Team Kuku. Auf Platz 3 landete 385idéal mit knappen 13 % der abgegebenen Stimmen. Alle anderen Labels bewegen sich im einstelligen Bereich.

Team Kuku - 31,2 %

Banger Musik - 19,4 %

385idéal - 12,9 %

"Was denkst du über Samras Zukunft?"

Kurz nach Capital gab auch Samra seinen Abschied von EGJ bekannt. Dass er eine Zukunft im Game hat, ist einigermaßen unbestritten. Wo er in Zukunft Musik releast, ist allerdings ebenso unklar wie bei Capital Bra. Über 60 % der Leute, die abgestimmt haben, gehen davon aus, dass er gemeinsam mit Capital bei einem Label signen wird. Dass er seinen eigenen Weg geht, glauben immerhin knappe 39 %. Dass die beiden gemeinsam funktionieren, bewiesen sie erst vor wenigen Tagen auf dem Track "F*ck 31er".

"Er und Capi signen gemeinsam bei einem Label" - 61,1 %

"Samra geht seinen eigenen Weg" - 38,9 %

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16 "Fight Club"-Referenzen aus der Deutschrap-Welt

16 "Fight Club"-Referenzen aus der Deutschrap-Welt

Von Clark Senger am 15.10.2019 - 18:45

David Finchers "Fight Club" mit Brad Pitt und Edward Norton von 1999 ist einer dieser Filme, die nicht nach wenigen Tagen oder gar Stunden schon wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Der Thriller ist brutal, dreckig, roh, gesellschaftskritisch und philosophisch extrem vielschichtig. Heute wird er 20 Jahre alt und das feiern wir!

David Finchers "Fight Club" als Kultfilm

"Fight Club" ist ein Kultfilm und ein Klassiker. Einen ziemlich zuverlässigen Hinweis auf einen solchen Status liefern bei Filmen, Songs, Alben, Büchern und anderen popkulturellen Gütern stets die Referenzen auf das Original. Das gilt für Phrasen wie "Stress ohne Grund" ebenso wie für diesen Movie.

Legendär ist Tyler Durdens (Brad Pitt) Ansprache an den Fight Club, in der er die Regeln des Fight Clubs erläutert. Und jeder von uns hat schon mal selbst eine Anspielung darauf gebracht, sie von einem Freund gehört oder irgendwo anders mitbekommen. Die Welt der Popkultur ist voll von Clubs, über die man nicht sprechen sollte.

Edward Norton, Brad Pitt, illegale Kämpfe in einem Keller, Langeweile im Angesicht der konsumfixierten Gesellschaft, in der andere Werte verloren gehen, sowie die Kritik an ebendiesem Weltbild und jede Menge Kippen, die weggeschnipst werden – natürlich lieben auch Rapper diesen Film. Ihre Anspielungen kommen mal etwas smarter und mal deutlich simpler daher. Wir werfen einen Blick auf Hiphops Liebe für "Fight Club".

Die große Depression & Schlaflosigkeit: Direkte Zitate

Eindrucksvolle Filmzitate sind für viele Rapper ein beliebtes Werkzeug. Selbstverständlich wurden auch Tyler Durdens teils inspirierenden Ansagen in Werken deutscher Artists eingebaut. Ein prominentes Beispiel ist Mikis Fontagniers Musikvideo zum Manuellsen-Song "Der Löwe" (2017), das auch visuell mit Anspielungen auf die frühen Kampfszenen des Fight Clubs arbeitet.

"Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben kein'n großen Krieg, keine große Depression. Unser große Krieg ist ein spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Und das wird uns langsam klar. Und wir sind kurz, ganz kurz, vorm Ausrasten!"

Mit noch etwas mehr Vorlauf hat Joey Bargeld das Zitat in seinem Track "Betrüger" als Intro genutzt. Bei PTK ändert sich der Spieß, denn der Berliner breitet in "Wut zur Veränderung" zuerst auf mehr als vier Minuten seinen eigenen Blickwinkel auf die moderne Gesellschaft aus und schiebt Tylers Zitat als pointierte Ergänzung hinten ins Outro des Tracks

Ebenfalls von Mikis Fontagnier stammt das Video zu Credibils "Molokopf"-Outro "Schlaflos", das 2015 erschienen ist. Wieder eröffnet der Videograf seinen Clip mit einem "Fight Club"-Zitat, das bei den Streaming-Portalen nicht zum Song gehört.

"Schlaflosigkeit vernebelt die Realität. Alles ist weit weg. Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie."

Ein Zitat, auf das auch Casper und Prinz Pi sich anscheinend in ihren Songs "Jambalaya" beziehungsweise "Bestandsaufnahme" beziehen. Bei von Kopien kopierten Kopien sind Doppelschöpfungen jedoch nicht auszuschließen.

Der erfolgreichste deutschsprachige Rapsong, der sich auf den Film bezieht, kommt definitiv von Capital Bra. Der Bratan veröffentlichte 2018 mit Samra und AK Ausserkontrolle einen Song namens "Fight Club". Dieser liefert zwar weder in der Hook noch in den Parts erkennbare Bezüge zum Film – doch ohne David Fincher, Brad Pitt und Edward Norton hätte es den Track in dieser Form sicher nicht gegeben.

Favorite hat sich 2011 für "Obama" – damals noch nahe am Höhepunkt seines Schaffens – eine etwas weniger poetische Stelle aus dem Film herausgepickt.

"Gegen wen würdest du am liebsten kämpfen? - Gegen meinen Boss vermutlich."

Außerdem darf Alpa Gun nicht fehlen. Er hatte auf "Geladen & entsichert" (2007) gleich einen kompletten Song namens "Fight Club", der mit den ersten beiden Regeln eröffnet wird:

Deutschrap-Lines mit "Fight Club"-Referenzen

Andere gehen etwas subtiler vor und droppen Lines, die man nur verstehen kann, wenn man den Film bis zum Ende gesehen hat. So etwa Young Kira, der im Song "Ready 2 Die" seiner (unterschätzten) EP "Six Feet Thunder" 2018 folgende Zeile droppt:

"Deutsche Rapper, alles leicht Gestörte / Alle so real, wie Tyler Durden"

Brad Pitts Charakter Tyler Durden, dem sogar im großartigen "Witcher 3" ein Easter Egg gewidmet wurde, wird von anderen Rappern aber eher als positive Identifikationsfigur herangezogen. Die mangelnde "Realness" ist wohl nur Kira aufgefallen. Face vergleicht auf Vegas Mixtape "Dreggisch & roh" im Song "Geh meinen Weg" seine zwei Gesichter mit denen der Hauptfigur aus dem Film, auch wenn seine Zeile einen inhaltlichen Fehler hat: Tyler ist nicht derjenige, der morgens im Büro ackert.

"Und während du diese Scheibe hörst in dei'm iPod / Sitz' ich morgens mit nem Feilchen im Büro so wie Tyler Durden in Fight Club"

Der Hamburger Jace kratzt mit seiner Line in "Zahnfleisch" zwar nur an der Oberfläche des Films, aber immerhin teilt er die revolutionäre Ambition:

"JarJar Durden schickt A&Rs in den Fight Club / Bin live stark, Flavour Gang in den Reichstag" 

Vor über einem Jahrzehnt brachte Prinz Pi in seinem Song "Monarchie" mit "25 Stunden" noch einen zweiten Film mit Edward Norton in diesen Zeilen unter:

"Dieser Song ist für die Fans, für jeden Einzelnen / Ich mach ein Club auf, ihr dürft mich Tyler Durden nennen / Ich bin nicht Edward Norton / Doch kann in 25 Stunden ein paar Texte horten / Und sie perfekt recorden"

Und wenn wir Fav schon erwähnen, dann darf sein alter Gefährte Hollywood Hank auch nicht fehlen, der "Fight Club" im Song "Toter Winkel" aufgegriffen hat:

"Ich sorg' für Gewalt wie Tyler Durden / Denn Rap hat leider keine Zeit für solche Weicheier wie Curse"

Für eine Punchline mit eine klassischen Doppeldeutigkeit sorgt Mess auf dem 2017er-Album von Witten Untouchable im Song "Handy hoch":

"Geh besser fort, wen willst du mit dein‘ Kleffer fronten / Ich geh mit Pit in den Fightclub, als wär ich Edward Norten"

RAF Camora, Testo & Goldroger mit spezielleren Anspielungen

Etwas mehr Spielraum zum Nachdenken und Analysieren lassen RAF Camora und Testo von Zugezogen Maskulin. RAF spricht auf dem Song "Strom" (2014) seines damaligen Signings Sierra Kidd von Playlists als Fight Clubs. Der Vergleich wäre zwar heute noch viel spannender, aber damals fügte er sich wunderbar in RAFs Part ein. Man bekommt das Gefühl, die Referenz ist nicht zufällig hier gelandet, denn seine Lyrics im Song behandeln ebenso wie David Finchers Film eine gewisse Entmenschlichung in der Postmoderne.

"Sie vergessen, dass du Mensch bist / Denn sie kenn' dich / Nur noch aus dem iPod, so wie Kendrick / Die Playlist, ein digitaler Fightclub — Brad Pitt"

Testo lässt in "Keine Ahnung wo" Fragezeichen über Köpfen aufploppen. Er lehnt sich gegen das System auf, indem er seine Verpflichtungen in den Wind schießt, aber trifft anschließend auf Tyler Durden, der offenbar nicht mehr kämpft, sondern seine Wampe in der Sonne braten lässt. Eure Erklärungen für diese Metapher dürft ihr gerne mit uns teilen!

"Sag' Arbeit, Auftritt ab, alle sind sauer, setz' das Haus in Brand / Treffe Tyler Durden fett und braun am Strand"

Eine besondere Rolle dürfte der Film zudem für Goldroger gespielt haben. Auf seinem Debütalbum "Avrakadavra" (2016) lässt sich fast der komplette erste Part von "Wir sind da" auf "Fight Club" beziehen. Er verknüpft grandios das mit "Where Is My Mind?" von den Pixies inszenierte Ende des Films mit anderen Szenen und seinen eigenen Gedanken, die er kaum geordnet bekommt. 

"Und wenn die Welt untergeht, geb ich kein F*ck / Hocke knutschend aufm Dach und hör die Pixies / Singe 'Where is my mind' - nein - 'Wer ist in my mind?' / Hör 'ne Stimme wär doch cool wenn es Brad Pitt ist / Hallo Tyler? Hallo Tyler? Sag mir was geschieht? Sag mir was geschieht? / Du meintest, alles wird ganz einfach / Komm schon ratter meine Alte, du sahst Hammer aus in Fightclub! / Wir wurden von der Glotze konditioniert - zu viel Songs konsumiert / Die sagten eines Tages wird etwas Besonderes passieren / Doch im Westen nix Neues, stehen restlos enttäuscht vor der Tür und sind gekommen um zu spielen"

Um den ganzen Part zu verstehen, muss man auch dieses Zitat aus "Fight Club" kennen:

"We've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires, and movie gods, and rock stars, but we won't. We're slowly learning that fact. And we're very, very pissed off."

Das sind lange nicht alle Referenzen deutschsprachiger Rapper auf den Film und auch im Ausland haben etliche Künstler sich auf David Finchers Klassiker bezogen und somit dabei geholfen, seinen Kultstatus zu festigen. Die Beispiele aus diesem Artikel zeigen bereits, dass der Movie generationsübergreifend ganz unterschiedliche Menschen fesseln kann und es auch in Zukunft tun wird.

Weitere Filme, die sich unter Rappern größter Beliebtheit erfreuen, haben wir hier zusammengestellt:

7 Blockbuster: Woher die Filmzitate deiner Lieblingsrapper stammen

Rapper wie Gzuz, Veysel, Massiv und Eko Fresh erobern Kino und Fernsehen. Auch in Deutschland übernimmt Hiphop also langsam das Filmgeschäft.


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