Vom Skateshop zur heißesten Brand der Welt: So erzeugte Supreme den Hype

Big Ben, Buckingham Palace oder das London Eye sind Dinge, die genannt werden, wenn es um Londoner Sehenswürdigkeiten geht. Samstags mit hunderten anderen Touris Schlange stehen? "Besser nicht", dachte ich mir und machte mich auf, um mir den Londoner Supreme Store anzusehen. Immerhin gibt es davon in Europa nur zwei, während es dutzende Kirchtürme, Riesenräder und Paläste gibt. Also ab in die Peter Street im Stadtteil Soho. Ich hatte mich immer schon gefragt, wie Läden von Brands aussehen, deren Sortiment online in Sekunden vergriffen ist und anschließend zu astronomischen Reseller-Preisen gehandelt wird. Das herauszufinden war schwieriger als gedacht. Denn es gab zwei Schlangen, die passiert werden mussten, um sich in der letzten Schlange anstellen zu "dürfen". "An hour fourtyfive, i guess" sagte ein Security-Mitarbeiter auf die Frage nach der Wartezeit. Ein zweiter sprach uns ungefähr eine Minute später an, als wir vor dem Laden überlegten, wie wir nun vorgehen würden.

Zwischen Kindern, die mit Eltern warteten, jungen, fashionaffinen Touris und Menschen, die ich optisch nicht unbedingt zur Supreme-Kundschaft gezählt hätte, wurde mir klar, wie real der Hype ist. Hypes faszinieren mich. Wie schafft es eine Marke, die 1994 als Skateboard- und Skatermarke gegründet wurde, weit über die ursprüngliche Zielgruppe hinaus verehrt zu werden? Ich glaube, es geht um Marketing, die Kombination des Besten aus zwei Welten und Hiphop.

Marketing im Grenzbereich

Als James Jebbia den Laden 1994 in der New Yorker Lafayette Street eröffnete, vertrieb er Skateboards, Kleidung und Zubehör anderer Skatermarken. Eigene Designs entwickelte Jebbia, der selbst nie Skater war, erst als der Laden zum Szenetreffpunkt wurde und Strahlkraft in der New Yorker Subkultur entwickelt hatte. Das heute ikonische Boxlogo entwickelte ein Freund Jebbias. Die beiden druckten es auf T-Shirts, Hoodies und Sticker, die schon bald auf Plakaten einer Calvin Klein-Kampagne in ganz New York klebten. Bei Calvin Klein hielt sich die Begeisterung über die im Intimbereich der Models angebrachten Sticker in Grenzen und es kam zur Unterlassungsklage. Ein erster Schritt raus aus der Nische und rein in die Wahrnehmung der Indutrie war geschafft.

Es sollte nicht die einzige Klage bleiben, mit der Jebbia konfrontiert wurde. Besonders der Rechtsstreit mit Louis Vuitton erregte große Aufmerksamkeit. Im Jahr 2000 bedruckte Supreme Skatedecks, Shirts und Mützen mit einem Logo, das verdächtig nach dem Louis Vuitton-Monogramm aussah. Der französische Luxushersteller reagierte ebenfalls mit Klage und Supreme musste die Kollektion - die längst ausverkauft war - zurückrufen. Wenig überraschend, dass die meisten Kunden von diesem Rückgaberecht keinen Gebrauch machten. Skatedecks der Kollektion gehen bei grailed.com immer wieder für knapp 10.000 Dollar über die virtuelle Ladentheke.

A Supreme / Louis Vuitton deck from 2000 recently sold on eBay for $10,000 making the set worth around $30,000 This isn't an official collaboration and was taken off the shelfs due to Louis Vuitton filing a cease and desist against Supreme These decks also retailed for $60 each...

13.6k Likes, 370 Comments - Supreme Leaks News (@supreme_leaks_news) on Instagram: "A Supreme / Louis Vuitton deck from 2000 recently sold on eBay for $10,000 making the set worth..."

Es waren bei weitem nicht die einzigen Rechtsstreitigkeiten, die sich Supreme mit namhaften Brands lieferte. Vor Gericht unterlag Jebbia meist - in der Fashionwelt fasste er so Fuß.

Das Beste aus zwei Welten

Ironischerweise sind es genau die Firmen, die Supreme einst vor Gericht brachten, mit denen heute gehypte Kollaborationen bestehen. Insbesondere Jebbias gemeinsame Historie mit Louis Vuitton steht exemplarisch für das erfolgreiche Marketig Supremes, das die Marke aus dem New Yorker Untergrund bis auf die Pariser Laufstege brachte. 17 Jahre nachdem Louis Vuitton gerichtlich erwirkt hatte, das Supreme die Kollektion zurückrufen musste, weil das New Yorker Label Urherrecht verletzt hatte, liefen bei der Pariser Fashionweek Männer mit Ledertaschen über den Laufsteg - nichts Ungewöhnliches. Doch die roten Taschen trugen den Supreme-Schriftzug. Sie waren Teil einer gemeinsamen Kollektion, über die seit Monaten spekuliert worden war. 

Die beiden Labels ergänzen sich - obwohl sie so verschieden sind - nahezu perfekt. Jede Marke liefert der anderen etwas, das sie vorher nicht hatte. Supreme bekommt den Zugang zu einer Käuferschicht, die die Marke sonst wohl eher abschätzig beäugt. Louis Vuitton steht für Luxus, Handwerkskunst und Tradition. Was dem Pariser Luxuslabel lange fehlte, waren Innovation und die Credibility auf der Straße - Dinge, die sich mit Geld nicht kaufen lassen. Supreme hatte all diese Dinge. 

Tyler, the Creator, die MTV Music Awards und Cro - Rap erledigt den Rest

Supremes Anerkennung in der Fashionwelt ist die eine Sache. Sie alleine ist aber noch nicht unbedingt Grund dafür, dass vor den Stores stundenlanges Anstehen angesagt ist und die Pieces im Netz in Sekunden vergriffen sind. Dass Supreme es geschafft hat, auch über absolute Fashion-Nerds hinaus, Kultstatus zu erreichen, hat auch mit Rap zu tun. Insbesondere US-Rapper erreichen weltweit täglich mehrere Millionen junge Menschen - die genau in die Zielgruppe fallen, die Mainstream-Hypes auszulösen vermag.

Da Rapper aber ebenso gerne laute Statements verbreiten, gibt es gleich mehrere US-Acts, die sich um den Titel des Early-Adopters in Sachen Supreme streiten. Anfang Januar war es Chance The Rapper, der beim Packen seines Koffers behauptete, er habe Champion und Supreme zurück gebracht. Er sei nicht der Typ, der darüber den ganzen Tag rede, aber das wisse eigentlich jeder. Auch wenn Chance nicht den ganzen Tag über seine Rolle als Trendsetter redet, tat er es ausgerechnet, als die Kamera lief:

DJ Akademiks on Twitter

Chance The Rapper says he brought Supreme and Champion back. FAXXX or fiction ? https://t.co/z4uXhPJZIt

Doch schon Jahre vorher hatte Tyler, The Creator behauptet, nur wegen ihm trügen Kids weltweit Supreme. Bereits 2010 forderte er via Twitter deswegen natürlich auch sein Hak von James Jebbia ein:

Tyler, The Creator on Twitter

When The Fuck Is Supreme Gonna Cut Me A Fucking Check. You Know How Many Black Kids Is Buying That Shit Now Because Of Me? Jebia, Stop Playn

Normales öffentliches Gepose unter Rappern. Doch wie war es wirklich? Zur finalen Klärung der Frage - die nach Chance The Rappers Statement einen von Hypekids losgetretenen Shitstorm ins Rollen gebracht hatte - gibt es eine eigene kleine Studie des thdr-Labs. Herausgekommen ist eine Visualisierung mit Hilfe der Google-Trends, die eigentlich nur den Schluss zulässt, dass Tyler, The Creator tatsächlich der Mann ist, dem Supreme dankbar sein sollte:

Tyler trug beispielsweise 2011 bei den MTV Music Awards Supreme - für viele Fashionheads im Internet eine Art Zeitenwende.

Ein Blick auf Deutschland zeigt recht schnell, dass spätestens seit dem letzten Jahr - als RIN extrem durch die Decke ging - Supreme eigentlich zum Rapgame dazu gehört wie ein anständiger Tweef oder Realtalk in Interviews. Pionier in Sachen Supreme ist aber ein ganz anderer, der das New Yorker Label bereits 2011 in den Mainstream und die Kinderzimmer einer Generation spülte, die heute mit Mitte zwanzig genau die Generation der Trendmultiplikatoren in den urbanen Hotspots ist. Die Rede ist von Cro und seinem Debüt-Hit "Easy", der ihn Ende 2011 wie aus dem Nichts in den Mainstrem katapultierte. Im Interview mit der Juice beschreibt Cro 2012 wenige Monate später, wie er Supreme-Pieces zusammenkratzte, um die Ästhetik des Videos nach dem eigenen Lifestyle auszurichten. Aus heutiger Sicht haben sich einige Trends zwar wieder deutlich erneuert, die Supreme-Klamotten sind aber geblieben:

Letztendlich ergänzen sich die beschriebenen Ereignisse, Moves und Einflüsse wechselseitig und machen Supreme so zu der Brand, die sie heute ist. Solche popkulturellen Phänomene lassen sich vermutlich sowieso nie absolut greifen. Es ist sicher auch einfach ein menschliches Verhalten, sich immer auf die Dinge zu stürzen, die besonders limitiert sind. Als "limitiert" würde James Jebbia die Auflagen seiner Pieces im Übrigen nie beschreiben. Sie erscheinen nur in geringen Stückzahlen, um überflüssige Produktionen zu vermeiden. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass Jebbia und sein Team seit 1994 verdammt viel richtig gemacht haben, ohne die konventionellen Wege der Branche zu gehen. Auch das wird immer Teil des Erfolgrezepts bleiben. Wie lange der Hype noch anhält, vermag niemand zu sagen.

Ich habe mich im Übrigen keine zwei Stunden in die Schlange gestellt, sondern bin weitergezogen. Bei aller Faszination für die Brand und die ausgelösten Hypes, war mir das doch ein wenig viel Schlange stehen. Gekauft hätte ich am Ende sowieso nichts. Das New Yorker Skaterlabel wird es verkaften. 

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Kommentare

Ein paradebeispiel für die dummheit der menschen, ein 0815 pulli mit nem standard logo kostet halt mal n paar hundert eus, why not?

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Splash! 2019: Viel Kritik statt Feuerwerk

Splash! 2019: Viel Kritik statt Feuerwerk

Von Anna Siegmund am 18.07.2019 - 12:28

Das Splash! Festival ist vorbei. Im Normalfall ist das der Moment, in dem man wehmütig auf das vergangene Wochenende zurückschaut und sich schon auf das nächste Jahr freut. Dieses Jahr sieht das alles ein bisschen anders aus. Die Verantwortlichen resümieren auf Twitter:

"Wenn man das #splashfestival rückwärts abspielt, ist es ein Festival dass mittellose, schmutzige und kraftlose Jugendliche mit der Macht von Hip Hop, wieder gestärkt, sauber und motiviert zurück in die Gesellschaft integriert. [sic]"

Die Besucher*innen scheinen jedoch ein anderes Fazit zu ziehen. Die Kritik am Einlassprinzip, Personal mit rechtsradikaler Gesinnung und an vielen weiteren Aspekten ist laut, wütend und vielfältig. Jetzt sehen sich die Veranstalter*innen des Festivals sogar gezwungen, ein Statement zu veröffentlichen. Zusätzlich haben wir beim Splash! um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Tolle Konzerte, aber schlechte Organisation

Die Kritik bezieht sich hauptsächlich auf Aspekte organisatorischer Art. Auf Nachfrage bei einem der vielen Besucher*innen, die sich beschwerten, erhielten wir beispielsweise die Aussage:

"Das Splash an sich war super, die Partys gingen ab und die Auftritte waren legendär."

An dieses Lob reihte sich allerdings eine Liste an Problemen mit der Organisation, die die ersten Eindrücke unter den Social-Media-Posts bestätigte.

Schlechter Einlass und fehlendes Feuerwerk

Die ersten Schwierigkeiten hatten die Besucher*innen schon beim Einlass auf das Festivalgelände sowie auf den Zeltplatz. Dieser sei überfüllt gewesen. Des Weiteren habe es keine eigene Reihe für Besucher*innen gegeben, die bereits ein Band hatten. Das führte dazu, dass man sich immer wieder anstellen musste, um für den Aufbau etwas aus dem Auto zu holen.

Das Splash! erklärt in seinem Statement, dass das System dieses Jahr eigentlich zum Vorteil der Besucher*innen geändert werden sollte. Mit dem Ergebnis seien sie allerdings "alles andere als zufrieden". Nächstes Jahr soll das allerdings wieder besser klappen:

"Wir haben es versucht und verkackt, bitte entschuldigt die entstandenen Wartezeiten. Für nächstes Jahr ziehen wir daraus unsere Lehren und überlegen und etwas Besseres!"

Im persönlichen Gespräch wurde uns erklärt, dass "etwas Besseres" die Übernahme des Einlassprinzips aus den letzten Jahren sei.

Auch mit dem Shuttle-Service gab es Probleme. Die Festivalgäste berichten von einer Überforderung der Verantwortlichen und von leeren Shuttlebussen, die an ihnen vorbeigefahren seien.

Das traditionelle Feuerwerk ist ebenfalls ausgefallen. Das Splash! probierte es dieses Jahr mit regelmäßigen Lasershows über die drei Tage, was bei den Festivalgästen nicht gerade auf Begeisterung stieß. Die Anzahl der Kommentare bezüglich des fehlenden Feuerwerks zeigt, wie wichtig dieser Moment für die Besucher*innen jedes Jahr ist. Geplant ist ein Feuerwerk allerdings auch für die folgenden Jahre nicht, wie uns ein Verantwortlicher des Festivals mitteilte, der davon ausging, dass es einfach ein bisschen dauern würde, bis sich die Leute daran gewöhnen.

Timetable und Booking in der Kritik

Auch die Planung einiger Auftritte kritisieren die Fans.

"Künstler wie BHZ kann man nicht in den Playground packen."

Ein Besucher schildert uns Szenen, in denen Frauen in der Crowd umkippen und Panik ausbricht. Der Befragte habe sich gefühlt "wie auf der Loveparade". Die Halle sei schlichtweg überfüllt gewesen.

Auch die parallele Buchung einiger Acts fiel negativ auf. So spielten Young Thug und die $uicideBoy$ zur selben Uhrzeit, obwohl ein großer Teil des Publikums vermutlich gerne beide amerikanischen Acts gesehen hätte.

Kaum Platz und verdreckte Sanitäranlagen trotz VIP-Ticket

Die sanitären Einrichtungen werden ebenfalls kritisiert. Die wenigen Duschen und Toiletten seien schon morgens dreckig und mit Fäkalien beschmiert gewesen. Diesen Vorwurf kann man allerdings nicht nur den Festivalverantwortlichen machen. Rücksichtnahme sollte für die meisten Gäste kein völliges Fremdwort sein.

Natürlich erwartet niemand eine 5-Sterne-Sanitäranlage auf einem Festival. Allerdings stand diesbezüglich vor allem der VIP-Platz in der Kritik. Eine Besucherin schilderte uns, dass man im VIP-Bereich für mehrere 100 Euro in einem kleinen VIP-Zelt ohne Blick auf die Bühne sitze. Wenigstens die sanitären Anlagen könnten dann entsprechend sauber gehalten werden.

Kein WLAN, keine Informationen

Ein weiterer Kritikpunkt war die Ankündigung von Änderungen auf der App. Während bei anderen Festivals die Veranstalter für Netz sorgten, fehlte auf dem Splash!-Gelände dafür einfach das W-LAN. Auf Instagram findet man unter anderem diesen Kommentar zu der Problematik:

"Ach ja am meisten hat Spaß gemacht wenn die stages geändert worden sind von Künstlern und man dank schlechtem Empfang nichts von der Änderung mitbekommen hat." [sic]

Die Idee eine Art Google Maps für das Festivalgelände mit der App zu verknüpfen, klingt auf dem Papier erstmal gut. Doch da für die Umsetzung Internet benötigt worden wäre und sich bei der Beschilderung des Geländes wohl auf die App verlassen wurde, fehlte viele Besuchern die notwendige Orientierung.

Schlechte Wahl der Security

Auch die "absolut respektlose Sicherheitsfirma" kritisieren einige Besucher*innen im Nachhinein. 

Uns wird davon berichtet, dass vor allem Schwarze nachts immer wieder spontane Drogenkontrollen ertragen mussten.

Auf unsere Nachfrage haben die Besucher*innen die Firma "JaPo Security" als verantwortliches Personal ausmachen können. Diese Beobachtung überrascht wenig, denn diese Firma kümmerte sich auch im letzten Jahr um die Sicherheit der Fans und Künstler*innen auf dem Splash!. Die Schilderungen der Besucher*innen werfen allerdings ein schlechtes Licht auf die Angestellten der Firma. Auf ihren Anziehsachen habe man "Nazicodes" gesehen. Weiter hätten sie auch Kleidung der Marke "Thor Steinar" getragen, die sich bezüglich ihrer nationalistischen Aufdrucke in einer rechtlichen Grauzone bewegt und dennoch ganz klar der rechten Szene zugeordnet werden kann.

Die Erfahrungen überraschen kaum. Es bedarf nur weniger Klicks im Internet, um herauszufinden, wie oft die "JaPo Security" bereits mit rechtsradikalem Personal und gewalttätigen sowie von der rechten Ideologie motivierten Aktionen aufgefallen sind.

Nazis haben an keinem Platz dieser Welt etwas zu suchen. Aber nationalistisches Gedankengut ist vermutlich nirgendwo so schlecht aufgehoben wie auf einem Hiphop-Festival. Wer so denkt, hat unsere Kultur nicht verstanden.

Auch den Splash Guards werden im Internet schwerwiegende Vorwürfe von Diebstahl über Gewalt bis hin zu Erpressung gemacht.

Das Splash! Festival distanziert sich in seinem Statement deutlich von einer derartigen Gesinnung:

"Das geht überhaupt nicht klar! Für Rassismus, Sexismus, Homophobie, kriminelle Energie und alles, was damit zu tun, ist kein Platz auf dem splash! Weder für Besucher und noch viel weniger für Mitarbeiter!! [sic]

Den geschilderten Vorkommnissen werde nachgegangen, auch wenn die Verantwortung hauptsächlich bei den Dienstleistern liege, bei denen die Mitarbeiter*innen angestellt seien. Im Gespräch mit uns räumt der Befragte zumindest ein, von den vergangenen Vorkommnissen um die JaPo-Security und ihren Hang zu faschistischen Mitarbeiter*innen gewusst zu haben:

"Es mag sein, dass es in der Vergangenheit bei dem ein oder anderen Mitarbeiter rassistische Bewegungen gab. Gab es sicherlich. Diese Mitarbeiter sind aber unserer Kenntnis nach in den letzten Jahren nach und nach aussortiert worden, weil JaPo das natürlich auch nicht fördert."

Es wird weiter ausgeführt, dass ein Großteil des Personals von "JaPo" keinen deutschen Hintergrund habe. Aus diesem Grund sei es "komisch", ihnen Rassismus vorzuwerfen. Jedoch schützt eine Herkunftsgeschichte leider nicht vor einer rassistischen Einstellung. Die Verantwortlichen erklären auch, dass die Firma zudem Veranstaltungen gegen rechtsradikale Gesinnungen mit organisieren würden. Auch dieses Argument kann den faden Beigeschmack der Verpflichtung eines Security-Betriebs, von dem bekannt ist, dass er mit rechtsgesinnten Menschen zusammengearbeitet hat, nicht ganz vergessen machen.  

Ausfall von A$AP Rocky

Für die Absage des amerikanischen Headliners des Festivals können die Verantwortlichen auf dem Splash! Festival natürlich nichts. Wir berichteten bereits über die Verhaftung des Rappers.

Nach Festnahme in Schweden: US-Stars solidarisieren sich mit A$AP Rocky

Die Verhaftung von A$AP Rocky in Stockholm hat das #FreeRocky-Movement losgetreten. Einige US-Stars haben zudem bereits ihre Konsequenzen aus dem Umgang mit Rocky gezogen: Tyler, The Creator, Lil Yachty und ScHoolboy Q werden wohl demnächst keine Reise ins skandinavische Land antreten.

Leider sagte auch Chance the Rapper das Festival sehr kurzfristig ab. Mit dem Ersatz für A$AP Rocky und der Kommunikation waren die meisten Besucher*innen nicht zufrieden. Alleine die Verwirrung der Fans in den sozialen Medien sagt einiges über den Erfolg der Verständigung mit den Festivalgästen aus. Wer war denn nun Ersatz für die beiden amerikanischen Rapper? Und wo und wann hat der Ersatz gespielt?

Als Ersatz für Chance the Rapper kamen Skepta und Schoolboy Q auf die Bühne. Für A$AP Rocky hat das Splash! Action Bronson verpflichten können. Hier kann man dem Festival keinen Vorwurf machen. So spontan einen gleichwertigen Ersatz zu bekommen, ist kaum möglich. Jedoch müssen die Festivalbesucher*innen auch dementsprechend benachrichtigt und informiert werden.



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Freunde und Freundinnen, leider mussten wir in diesem Jahr mit den Absagen von Chance The Rapper und A$AP Rocky sehr kurzfristige Ausfälle hinnehmen. Wir sind froh, dass wir Euch bereits am 21. Juni mit Skepta und Schoolboy Q zusätzlich zwei absolute Hochkaräter präsentieren konnten. Wir freuen uns auch, dass wir Euch heute mitteilen können, dass Action Bronson seinen Gig, der im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen ausfallen musste, ebenfalls in diesem Jahr nachrückt. Zu guter Letzt haben wir heute Nacht noch eine riesige Überraschung für euch: es wird ein Secret Act auf dem #splashfestival performen! Die aktualisierte Running Order findet ihr ab sofort in der App und auf unserer Webseite.

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Die Meinungen über Shindy als Secretact sind geteilt. Während einige ihre Enttäuschung über das Booking kundtun, konnten wiederum andere den Auftritt dennoch genießen. Der Rapper passt nicht unbedingt zum restlichen Lineup. Gerade das machte jedoch auch die Überraschung aus. Nicht umsonst wird das Splash! als das größte "Hiphop-Klassentreffen" in Deutschland bezeichnet. Jahr für Jahr treffen sich hier größtenteils die gleichen Künstler*innen. Ein Shindy stellt dann tatsächlich eine ziemliche Abwechslung dar.

Auch hier bekamen einige den Secret Act jedoch nicht mit und bereuen im Nachhinein, Shindy verpasst zu haben. Die Antwort des Festivals auf die Aussage, dass es schwierig sei, den Rapper auf einem Gelände ohne W-LAN nur bei Instagram anzusagen, erscheint im Angesicht der Menge an Kritik frech:

Als wir die Verantwortlichen im Gespräch auf das Problem ansprachen, wiederholte sich die Aussage mit einer ähnlichen Wirkung:

"Also wenn du Glück hast, bist du da. Wenn nicht, dann nicht."

Es lief nicht alles schlecht

Wenn man sich die erläuterten Kritikpunkte so anguckt, kann man jetzt eigentlich nur noch zu dem Fazit "Sie haben sich stets bemüht" kommen. Und ja, die Verantwortlichen bemühen sich tatsächlich, Krisenmanagement zu betreiben. Das Splash! ist in den Kommentaren sehr aktiv, bittet um Entschuldigung und fragt nach weiterem Feedback. Nach dem Organisationsakt, den ein solches Festival bedeutet, ist ihnen die Enttäuschung über die Kritik durchaus anzumerken:

Auch der Versuch, das Festival ein wenig umweltfreundlicher zu gestalten, sollte positiv herausgehoben werden. Im Green Camp wurden unter anderem Komposttoiletten angeboten sowie Diskussionsrunden geführt. Das Splash! rief auch eine Challenge rund um den Hashtag #cleancamp ins Leben, bei der es um die Dokumentation eines möglichst müllfreien und sauberen Campings ging. Während dieser Hashtag international und bei anderen Festivals erfolgversprechend ist, nutzte das Splash!-Publikum ihn mehr zum Trollen als zum Anlass, tatsächlich ein bisschen Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen.

Die Kritik ist lauter als die positiven Stimmen

Das Gesamtbild ist nicht so furchtbar, wie es die kritischen Kommentare zunächst vermuten lassen. Dennoch stellt sich die Frage, wie lange ein gutes Lineup und eine langjährige Tradition die Fans noch vom Splash! überzeugen können. Andere Festivals konnten dieses Jahr zeigen, wie ein überzeugendes Lineup mit einer erfolgreichen Organisation kombiniert werden kann.

Im Gespräch erklärte man, sich über die Kritik, die man seinem eigenen Publikum neben den gewohnten "einsilbigen Sätzen" der "Splash! Kids" gar nicht zugetraut hat, sogar zu freuen. Der Dialog würde aktuell aktiv gesucht, um aus den Erfahrungen dieses Jahres lernen zu können.

Sicher wünschen sich einige Verantwortliche aktuell trotzdem, das Festival rückwärts abspielen zu können und noch einmal von vorne zu planen. Denn wenn man das Splash! 19 vorwärts abspielt, ist es ein Festival, das saubere, gestärkte und motivierte Jugendliche trotz der Macht von Hiphop teils genervt und demotiviert zurück in die Gesellschaft integriert und ihren Ticketkauf nächstes Jahr vielleicht zweimal überdenken lässt.


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