Rap Français 2017: Die größten Alben des Jahres (und 3 gute Tipps)

2017 war für französischsprachigen Rap ein extrem starkes Jahr. Viele Stars konnten mit ihren Releases überzeugen und unzählige Newcomer machten sich einen Namen in der Szene, wodurch sie nun die perfekte Basis haben, um dieses Jahr so richtig durchzustarten. Falls du völlig neu im Rap Game Frankreichs bist und direkt mit der Crème de la Crème einsteigen willst, haben wir hier fünf der wichtigsten Alben vergangenen Jahres für dich unter die Lupe genommen. Am Ende widmen wir uns noch drei Platten, die nicht von den ganz Großen kommen und unserer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen. Amusez-vous bien!

Damso - Ipséité

Wenn ein Album in dieser Liste unter keinen Umständen fehlen darf, dann ist es Damsos “Ipséité”. Karten auf den Tisch: Platin? Check! Streaming-Rekorde auf Spotify? Check! Sechs Wochen auf der Eins der französischen Albumcharts? Check!

“Ipséité” kommt mit eingängigen Ohrwurm-Hooks à la “Macarena”, aber auch harten Lyrics wie auf “Je Respecte R”, wo die fiktive Zielscheibe nicht nur von Damso selbst, sondern auch von seiner Großmutter gebattlet wird. Der Belgier hat sich spätestens mit diesem Album in die Herzen der Szene gerappt und geträllert und ein (voraussichtlich) zeitloses Meisterwerk auf die Beine gestellt, auf welchem er seinen ganz persönlichen Style perfektioniert hat.

Damso und sein Team picken aktuelle Elemente wie die omnipräsenten 808-Bässe oder Hi-Hat-Gewitter und ergänzen diese vermehrt mit akustischen und natürlichen Klängen. So gelingt es dem Sound, modern zu klingen, sich aber trotzdem vom Mainstream abzuheben. Das ist meistens sehr smooth, melodisch und kontrolliert. Aber man spürt immer die unterschwellige Gewalt, die irgendwo tief unten in Damso schlummert.

Bereits im Juni, als der Damso-Hype rund um “Ipséité” auf seinem Höhepunkt war, haben wir die bisherige Karriere des belgischen Riesen genauer beleuchtet (hier erfährst du mehr). Und dieser Hype darf gerne bald wieder überkochen, wenn es nach den Fans geht: Nachdem Damso in kürzerer Vergangenheit Features auf diversen erfolgreichen Alben (u.a. von Kalash, Booba und Lacrim) platzierte, warten wir gespannt auf den Nachfolger von “Ipséité”.

Sofiane - Bandit Saleté

Sofiane droppte zu einem früheren Zeitpunkt letzten Jahres bereits das starke Album “JesuispasséchezSo”, welches ohne Weiteres auch in dieser Liste aufgeführt werden könnte. Die Aufmerksamkeit der Szene hatte der 31-Jährige mit algerischen Wurzeln ohnehin schon auf seiner Seite. Spätestens mit der Videosingle “Toka” gab es für seine Anhänger kein Halten mehr:

Für den Videodreh blockierte Fianso zusammen mit seinen bösen Jungs kurzerhand eine französische Autobahn. Nach dieser Aktion, die einen Großeinsatz der Polizei mit sich zog, hatte der Rapper noch mehr als zuvor alle Augen auf sich gerichtet und lieferte anschließend mit “Bandit Saleté” ordentlich ab. Mit Tracks wie etwa “Mon p’tit loup” oder auch “Poto” zeigte Fianso erneut, dass er die Radio-Hits verstanden hat. Aber auch der Reibeisen-in-die-Fresse-Style wird mit “Le Cercle”, “Marion Maréchal” und eben “Toka” bedient.

Sofiane hat sich mit seinen zwei dicken Alben 2017 einen Namen bis weit über die Landesgrenze gemacht und sich wohl endgültig in der Top-Riege der französischen Szene festgebissen. Erst letzte Woche legte er schon nach und brachte auf “Affranchis” wieder alle Facetten seines Schaffens zur Geltung. Bei kaum einem anderen Rapper liegen augenscheinliche musikalische Widersprüche so nah beieinander wie bei Fianso.

Booba - Trône

Booba ruht sich nach wie vor nicht auf seinen Lorbeeren aus 20 Jahren Rap aus. Obwohl eine Ikone seines Formats niemandem etwas beweisen muss, wurde 2017 wieder in der guten alten Küche von Boobas Label Tallac Records gekocht – und zwar mit jeder Menge Hitze!

Zuerst überraschte er mit “Autopsie 0”, dem fünften Teil seiner Mixtape-Reihe, welche vor allem langjährige Fans schon seit einiger Zeit begleitet. Anschließend wurde mit “Trône” der Löwe der Leine gelassen, um seinen Anspruch auf den Thron zu untermauern. Der König komprimierte dafür seinen state of mind auf schmalen 13 Anspielstationen ohne überdeutliche Ausreißer nach oben oder unten. Einzig die Hits “DKR” und “E.L.E.P.H.A.N.T”, die schon 2016 erschienen sind und als Bonus Tracks obendrauf gepackt wurden, stechen etwas heraus.

Mit “Trône” erfindet Booba das Rad nicht neu, aber das hat er in der Vergangenheit ja bereits genug oft getan. Wie man es sich von ihm gewohnt ist, flowt Booba mit dieser mysteriös-überlegenen Aura über die bis ins letzte Eck ausgefeilten Beats. Auch Boobas charakteristischer Gebrauch von Autotune kommt auf “Trône” nicht zu kurz. Eine sehr überzeugende und runde Platte von dem Rapper, der im Stile des Paten stets über die gesamte französische Szene zu wachen scheint.

Niska - Commando

Niska hatte 2015 und dann 2016 mit seinem erfolgreichen Debütalbum “Zifukoro” (mittlerweile Platin) eine unwiderrufliche Duftmarke in der Szene hinterlassen. Eine einzigartige Delivery und unbändige Energie treffen in dem Shooting Star aus Evry auf großes musikalisches Talent. Die Frage 2017 war, was Niska den immer weiter steigenden Erwartungen entgegenzusetzen haben würde.

Er antwortete mit Hits und noch mehr Hype. Sein Song “Réseaux” stand nach nur zwei Monaten bei 87 Millionen Views. Miami Yacines "Kokaina" war zu diesem Zeitpunkt grade ein Jahr alt und geworden und hatte diese Marke noch nicht erreicht. Nur um die Dimensionen deutlich zu machen. Wie auch für Damso und Sofiane war 2017 das Jahr, in dem er sich endgültig unverzichtbar für französischsprachigen Rap machen konnte.

Der Style des Debütalbums wird dabei grundsätzlich beibehalten. Mit sehr viel Energie in der Stimme spittet Niska seine 16er und in der Hook darf es dann teilweise auch etwas melodiöser werden. Harte Schale, weicher Kern – sowas in der Art. Das Soundbild wird oft von relaxt atmosphärischen Beats geprägt und genau dann ist Niskas druckvoller Rap die perfekte Ergänzung. “Réseaux” oder auch “Story X” sind ideale Beispiele für Niskas sehr eigenen Stil. Natürlich gibt es auch straighte Banger auf dem Album, wo dann auch der Beat gut nach vorne geht. Kostprobe gefällig?

Mit “Commando” ist Niska ein Geniestreich gelungen, was man auch an den Verkaufszahlen erkennen kann: Das Ding ging Dreifach-Platin. Auch Gäste wie Booba und MHD zeigen, dass Niska der Durchbruch vom Newcomer zum Superstar innerhalb von weniger als drei Jahren eindrucksvoll gelungen ist. Charo c'est la Champions League, paw paw paw paw!

Jul - Je ne me vois pas briller

Jul bleibt auch bei beispielloser Output-Frequenz ein Qualitätsgarant – keine sonderlich häufige Kombination. Seit 2014 droppte der Marseille-Rapper acht Studioalben. Darunter sind jeweils eine Gold- und Diamantplatte, fünfmal Platin auf den Levels 1-3 und sein jüngster Streich “La tête dans les nuages” wird sich höchstwahrscheinlich auch bald eine Medaille an die Brust heften können.

Auf “Je ne me vois pas briller” spielt Jul seine offensichtlichen Stärken aus. Er setzt wie schon so oft auf tanzbare Uptempo-Beats, während seine Strophen meist melodiös und extrem catchy daherkommen. Ein Großteil der Tracks versprüht einen sehr fröhlichen Vibe, wobei immer wieder auch eine Anspielstation eingestreut wird, auf der man Jul eher melancholisch erlebt (z.B. “Mon tiek ti amo”). Diese kurzen Cuts in der sonst ausufernden Euphorie und Lebensfreude sind für den Hörgenuss des Albums enorm wichtig, da sie die nötige Abwechslung schaffen.

Wer vor oft sommerlichem Pop-Appeal bei Rappern nicht zurückschreckt, findet in Jul den Kerl, der regelmäßig und zuverlässig neues Material zum Tanzen und Feiern liefert.

3 kleinere Tipps

Das waren fünf der relevantesten, grössten und erfolgreichsten Platten 2017. Für Kenner der Szene keine Überraschungen, aber sicher dennoch Grundlage für Diskussionen: Wer hätte noch dazugehört? Wo sind die Alben von Lacrim, Kalash Criminel, Hornet La Frappe oder SCH? Auf wen könnte man in den Top 5 verzichten?

Zumindest auf die Frage, was abseits des ganz hellen Spotlights noch dope war, haben drei Antworten für dich. "Geheimtipps" können wir das nicht nennen, da die Artists alle auch schon in siebenstelligen Klickbereichen mitspielen. Dennoch: Die Rapper weiter oben waren die deutlich offensichtlicheren Kandidaten.

MMZ - N’DA

Nach dem erfolgreichen Erstlingswerk “Tout pour le gang” aus dem Mini Mafia Zoo zweifelten Kritiker an der Langlebigkeit der Gruppe. Diese Stimmen verstummten aber nach “N’DA”, dem zweiten Streich von MMZ. Cloudeske Klänge und verträumte Melodien mit einer Prise Autotune erwarten dich, wenn der Zoo seine Pforten öffnet.

Lomepal - Flip

Lomepal releaste seit 2011 mehrere EPs und im letzten Jahr war die Zeit reif für sein erstes Studioalbum. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit “Flip” ist dem 26-jährigen Artist eine grandiose Platte gelungen. Lomepals Style zu beschreiben, ist aufgrund seiner unorthodoxen Art extrem schwierig. Prägend ist gechillte Atmosphäre, welche durch die Instrumentals und den Rap gleichermaßen entsteht. Gerade in einer Zeit, in der Trap und Autotune Gang und Gäbe sind, ist Lomepals “Flip” ein erfrischendes Album:

Caballero & JeanJass - Double Hélice 2

Der erste Teil der “Double Hélice”-Reihe generierte nicht den Hype, den sich Caballero und sein Kollege JeanJass erhofft und auch verdient haben. Mit dem zweiten Teil konnten die beiden Belgier bereits mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Durch moderne Instrumentals, die wie der Flow teilweise trotzdem einen gewissen Oldschool-Flair mit sich bringen, ist das Soundbild von “Double Hélice 2” alles andere als Standard. Liebevoll gepickte Samples, Ohrwurm-Melodien, druckvolle Brecher-Beats, tonnenweise ungehörte Flow-Variationen – alles dabei!

“Double Hélice 3” wird für 2018 erwartet und du kannst gespannt sein, wie die Entwicklung von Caballero und JeanJass sowohl musikalisch als auch bezüglich ihres Standings weitergeht – die Jungs sind einfach dope AF!

In unserer Playlist auf Spotify findest du immer eine Auswahl aktueller Songs aus der Szene:

Eine kurze Umfrage zum Schluss

Wir würden uns riesig freuen, wenn du uns ein paar Fragen beantworten könntest. Die Umfrage kann in wenigen Minuten ausgefüllt werden und all deine Angaben werden uns anonym übertragen.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Rekordjagd in Frankreich: Superstar Damso releast neues Album "QALF"

Rekordjagd in Frankreich: Superstar Damso releast neues Album "QALF"

Von Clark Senger am 20.09.2020 - 16:42

Seit einigen Jahren zählt Damso zur absoluten Champions League der französischsprachigen Rapwelt. Knapp zwei Jahre nach "Lithopédion" (2018, Dreifachplatin) ist er diese Woche Freitag mit der Platte "QALF" ("Qui Aime Like Follow") zurückgekehrt.

Musikvideos oder auch nur ein Streaming-Release? Fehlanzeige. Das Artwork der Platte zeigt lediglich Künstlernamen, Albumtitel und Spieldauer in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund – ein ähnlicher Minimalismus wie bei der quasi nicht vorhandenen Promophase. Dennoch oder gerade deswegen knackt der belgische Riese, der im Kongo geboren wurde, schon wieder Rekorde und macht international auf sich aufmerksam.

Damso rasiert Spotify & Genius mit seinem Album "QALF"

Wie auch in Deutschland und den USA ist einer der besten Indikatoren für Hype ein Blick auf die Spotify-Zahlen. Dort konnte "QALF" nach 24 Stunden bereits mehr als 11,3 Millionen Streams verzeichnen. Damit steckt Damso die beiden erfolgreichsten Rapalben des Jahres in Frankreich von Maes ("Les derniers salopards" mit 8,2 Millionen im gleichen Zeitraum) sowie Ninho ("MILS 3" mit 6,5 Millionen) in die Tasche.

In Frankreichs Spotify-Charts liegen alle 13 Songs des Albums aktuell in den Top 17. Das Interlude "Thevie Radio" schafft es immerhin auf Platz 22. Gestern sollen die 13 Songs der Platte allesamt in den globalen Top 200 von Spotify vertreten gewesen sein, wie das französische Portal Booska-P berichtet. Heute sind "BXL Zoo" (#151) mit Hamza sowie "Deux Toiles de Mer" (#154) noch in der Liste zu finden und kristallisieren sich für den Moment als die größten Hits heraus.

Einen weiteren Beweis für die Größenordnung, in der Damso spielt, findet man auf Genius. In den Top 10 der am häufigsten aufgerufenen Songs stehen derzeit mit den beiden oben genannten und dem Titel "Life Life" gleich drei "QALF"-Songs.

Damsos Engagement im Kongo

Es ist Damsos erstes Album, das er ohne die Hilfe und das Label seines ehemaligen Mentors Booba veröffentlicht. Seit der Trennung gab es – man ist es von Booba nicht anders gewohnt – kleinere und größere Seitenhiebe auf Instagram. Die melancholische Gelassenheit aus Damsos Musik findet sich aber auch in seinem Krisenmanagement wieder. Offenbar unbeeindruckt hat er sich auf das Album und Arbeit jenseits der Musik konzentriert.

Unter anderem gründete er die Vie Sur Nous Fondation. Mit der Stiuftung hat er es sich zum Ziel gemacht, die menschenunwürdigen und teils lebensgefährlichen Zustände beim Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo zu bekämpfen. Unter anderem beim Abbau des Rohstoffes Kobalt, der beispielsweise für die Akkus von Handys und E-Autos elementar ist, sterben täglich Menschen, während sie für einen Hungerlohn schuften. Außerdem hat er dort den Bau eines Waisenhauses vorangetrieben.

Kobaltabbau im Kongo - Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones

In der Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und neuerdings auch Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo wird der Rohstoff unter katastrophalen Bedingungen abgebaut - häufig von Kindern.

So klingt "QALF": Erster Eindruck & eine Kritikerstimme

Schon auf den ersten Metern von "QALF" merkt man den afrikanischen Einfluss deutlicher als auf den bisherigen Alben. Kurios: Das Album hat zwar ein "Intro", es ist allerdings der letzte Song in der Tracklist. Das tatsächliche Intro heißt "Mevtr" und switcht nach knapp 40 Sekunden mit afrikanischem Gesang und Percussions zu sphärischem 808-Sound.

Auf den folgenden Anspielstationen gibt es Damsos Stimmgewalt erneut sowohl in sanfter als auch härterer Ausführung zu hören. Zu den potenziellen Hits und den gefühlvollen Momenten gesellen sich dieses Mal auch sehr tanzbare Uptempo-Nummern (zum Beispiel "Pour l'argent"), 80s-Nostalgie ("911") und afrikanischer Rumba ("Fais ca bien" ft. Fally Ipupa).

Brice Miclet schreibt bei Les Inrockuptibles, "QALF" erreiche weder die Härte des Debüts "Batterie faible" (2016) noch die Intensität von "Ipséité" (2017), zeichne sich aber durch seine Vielfältigkeit aus. Außerdem vermutet er, wie viele Fans, dass "QALF" ein Teil eines größeren, release-übergreifenden Plans des Musikers sein könnte. Dass das "Intro" als letzter Song auftaucht und Damso an dessen Ende laut brüllt, woraufhin eine Computerstimme "Batterie aufgeladen" sagt, würde diese Theorie stützen. Miclet erwartet auf dem vermeintlichen Nachfolger einen deutlich härteren Damso.

Damso gibt seinen Anhängern und Kritikern ein einzigartiges Stück Musik, das zum Diskutieren animieren möchte und sich nur selten dem Fast-Food-Spirit der Streaming-Ära beugt. Hört die Platte und macht euch selbst einen Eindruck!



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


Bonne écoute

Ein von @ thedamso geteilter Beitrag am


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!