Keinen Respekt vor Hiphop? Diddy setzt den Grammys ein Ultimatum

Diddy hat im Rahmen der Grammy-Verleihung eine bemerkenswerte Ansage gemacht. Bei einer Pre-Party spricht er von systematischer Diskriminierung in der Musikindustrie, die er so nicht länger hinnehmen könne. Er setzt den Verantwortlichen der Grammys daraufhin eine Frist, um etwas an den von ihm ausgemachten Missständen zu beheben: 365 Tage gewährt Diddy Aufschub.

Diddy wettert gegen die Industrie

Diddy, der kurioserweise kurz vor seinem längeren Statement selbst einen Grammy erhalten hat, wirbt vor versammelter Saal-Prominenz für einen Wandel. Bis 2021 soll der Preis diverser, transparenter und nicht zuletzt fairer gestaltet werden.

"Die Künstler müssen wieder Kontrolle erlangen, wir brauchen Transparenz, wir brauchen Diversität."

Wie so oft sitzen bei dem Musikpreis alte weiße Männer im Zentrum der Macht. Ihre Entscheidungen förderten in den letzten zehn Jahren genau einen dunkelhäutigen Sieger hervor, der in der prominentesten Kategorie bedacht wurde. Bruno Mars gewann 2018 mit "24K Magic" die Trophäe für das Album des Jahres. Ansonsten fristen schwarze Artists zumeist ein randständiges Dasein in allerlei Nischenkategorien.

Weiße Männer bestimmen größtenteils darüber, welche hellhäutigen Artists den wohl bedeutsamsten Preis der Industrie mit nach Hause nehmen dürfen. Die kurzzeitig installierte Chefin Deborah Dugan, die dem Vernehmen nach einen Wandel in der Akademie in Gang setzen wollte, ist vor den diesjährigen Awards suspendiert worden. Sie hatte unter anderem Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Eine weibliche Führungsfigur war also nur von kurzer Dauer.

Diddy wünscht sich, dass die Künstler wieder die Kontrolle erlangen und sich nicht länger den Strukturen ergeben. Strukturen, die bewusst gegen schwarze Artists arbeiten würden.

Diddy wirft den Grammys vor, keinen Respekt vor Hiphop zu haben

Obwohl Rap und RnB weltweit auf dem Siegeszug sind und kein Musikstil in den USA eine größere Zuhörerschaft erschließt, gehen die entsprechenden Künstler und Künstlerinnen in den Königskategorien der Grammys meist leer aus. Jedes Jahr werde die schwarze Community regelrecht "getötet", sagt Diddy. Hiphop und schwarzer Musik bekomme nicht den gebührenden Stellenwert eingeräumt. Deckungsgleich sei dies auch in der Filmindustrie und beim Sport festzustellen.

"Um ehrlich zu sein: Hiphop wurde noch nie von Grammys respektiert. Schwarze Musik wurde noch nie von den Grammys respektiert."

Das soll nun ein Ende haben. "Ihr habt 365 Tage, um den Kram zu regeln", mahnt der Multi-Millionär an. Zum Finale seiner Reformrede zählt er diverse schwarze Künstler auf, denen er seinen Grammy widmet. Darunter: Prince, Michael Jackson, Beyoncé, Missy Elliott, Snoop Dogg, Kanye West und Nas.

Diddy steht mit seiner Haltung nicht alleine dar. Tyler, The Creator konnte sich einerseits über die Auszeichnung für sein Album "IGOR" freuen. Andererseits kritisierte er, dass man sein Werk nicht in einer der populären Kategorien nominiert hat. Auch für ihn fühlt es sich offensichtlich so an, als dürfe er nicht im Konzert der Großen mitspielen.

Grammys 2020: Rassismusvorwürfe, Tribut für Nipsey Hussle & Gedenken an Kobe Bryant

Von Michael Rubach am 20.01.2020 - 17:18 Eminem hat sich auf seinem neuen Album " Music To Be Murdered By" zum Totengräber erklärt. In dieser Funktion ruft er zur Beerdigung - und packt dafür auch ein paar Disses aus. Em dreht dabei nicht im " Kamikaze"-Modus durch, aber weiß den einen oder anderen Langzeitkontrahenten lyrisch abzustrafen.

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Azzi Memo organisiert Charity-Song für die Opfer von Hanau

Azzi Memo organisiert Charity-Song für die Opfer von Hanau

Von Clark Senger am 22.02.2020 - 16:07

Der Schock über den rechtsextremen Terrorakt in Hanau sitzt Deutschland und ganz Europa noch tief in den Knochen. Während die Folgen in der Politik noch nicht ansatzweise abzusehen sind, stehen die Familien und Freunde der Opfer vor traurigen Fakten und müssen Abschied nehmen. Der aus Hanau stammende Azzi Memo hat Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld verloren und möchte nun für mentale und finanzielle Unterstützung sorgen.

Rapper planen Song für die Opfer von Hanau

Der 25-jährige ruft Kollegen aus der Szene per Instagram und Co dazu auf, sich per DM bei ihm zu melden, wenn sie von Herzen sechs bis acht Bars mit thematischem Bezug abliefern können. Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei von seinem Manager Aydin Kaya, der auch Capo, Milonair und Qzeng zu seinen Schützlingen bei 62 MGMT zählt.

"Wir haben mit einigen Rapper-Kollegen eine Aktion gestartet. Wir werden einen Charity-Song veröffentlichen demnächst. [...] Die gesamten Einnahmen werden an die Familien gespendet, die ihre Kinder verloren haben, ihre Ehemänner, ihre Frauen."

Unterstützung beim Projekt gibt es unter anderem von Rooz, der Memo dabei hilft, die Rapper zusammenzutrommeln. Sein Engagement gilt auch der Notwendigkeit, dass sich nicht nur wieder die üblichen Verdächtigen zum Thema äußern, die ohnehin regelmäßig mit ihrer Reichweite für den guten Zweck nutzen. Neben Azzi Memo haben bisher Manuellsen, Nate57, Rola, Soufian, Disarstar, Sierra Kidd, Olexesh, Credibil, Mois, Sinan-G und Maestro zugesagt, sich am Song zu beteiligen.

Es reicht nicht, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Das müssen alle Rapper und ihre Zuhörer jetzt verstehen, um die tiefbraunen Hintergründe dieser furchtbaren und kalkulierten Tat richtig einzuordnen. Jeder von uns muss sich fragen, was er tun kann, um die dunkle Zukunft, in die wir grade blicken, wieder in vernünftige Bahnen zu lenken.

Als im Jahr 2000 der mosambikanische Alberto Adriano in Dessau von Neonazis aufgrund seiner Hautfarbe zu Tode geprügelt wurde, schloss sich eine mächtige Rap-Koalition zusammen. Der Song "Adriano (Letzte Warnung)" der Brothers Keepers sorgt bis heute für Gänsehaut und bekommt im neuen Kontext wieder ein erschreckend hohes Maß an Aktualität. Die Erlöse wurden damals den Angehörigen der etwa 120 Opfer gespendet, die zwischen 1989 und 2001 bei rassistischen Morden ums Leben kamen.

Rap 2020 hat nicht die Chance, sondern die Pflicht, jetzt seine Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen!


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