Netflix kann einpacken: John Known liefert die aktuell heißeste Serie

Teil drei der Newcomer-Wochen: Nachdem wir euch bereits den Hamburger Kwam.E und die Berliner Crew BHZ vorgestellt haben, kümmern wir uns im dritten Teil um John Known. Bis Ende März werden wir dir im Rahmen der Newcomer-Wochen noch zwei weitere Acts präsentieren, die aus unserer Sicht neben Potential auch eine Menge Liebe für Rap an das Mic bringen. Zum krönenden Abschluss der Serie habt ihr dann die Möglichkeit, eurem favorisierten Newcomer etwas zurückzugeben und ihn an die Spitze der abschließenden Umfrage zu voten. Wie immer gilt aber: Dabeisein ist alles. Respekt haben sowieso alle Acts verdient!

"S01E03" heißt John Knowns am 29. März erscheinendes Mixtape. Es ist die dritte EP einer Reihe, in der der Hamburger bereits musikalische Wendungen hingelegt hat, mit der er seine Vielfalt bewiesen hat. Denn wer einen Act sucht, der Vielfalt auf Endstufe ist, den wird John Known glücklich machen. Er hat als Newcomer schon dermaßen viel bewiesen: Er kann freestyle battlen, Köpfe oldschool nicken lassen, Autotune zeitgemäß einsetzen und hat für eines seiner Videos bereits Props von einem Ästhetik-Experten der Rapszene bekommen. Schon ganz schön viel Welle für einen Newcomer, der zum Karriereeinstieg aber sowieso die großen Dinger gedreht hat. Zumindest was die Namen derer angeht, mit denen er zusammengearbeitet hat. Ein Episodenguide durch sein bisheriges Werk:

"Sollte kein Kompromiss werden" - "S01E01"

Denn bevor John Known eigene EPs gedroppte hatte, wurde Samy Deluxe auf ihn aufmerksam. Und so kam es, dass John Known 2014 im Rahmen des Samy-Albums "Gute alte Zeit" einen gemeinsamen Track mit der Hamburger Legende, Nico Suave und Bengio recorden durfte. Gibt schlechtere Einstiege für einen Act, der erst drei Jahre später eine eigene EP rausbrachte. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, direkt nach einer Zusammenarbeit mit Samy ein eigenes Projekt zu releasen?  "Wäre bestimmt ein cooler Marketig-Move gewesen", verrät John im Interview mit dem Magazin bb21. Letztendlich habe er aber lieber weiter an seinem Sound abreiten wollen, der noch nicht so ausgereift gewesen sei. "Die Mucke sollte [...] kein Kompromiss werden." Macht Sinn. 

Gelohnt hat es sich allemal. Denn die Zeit nutzte John Known sinnvoll. Er schraubte gemeinsam mit dem Producer seiner ersten EP Figub Brazlevic - der bereits mit Kollegah, SSIO, Chefket, Plusmacher oder MC Rene zusammenarbeitete - weiter an seinem Erstlingswerk. Die EP "S01E01" liefert feinsten Boomtschakk-Kopfnickersound. Den größten Impact hatte die Videosingle "Atmosphäre", die auf Spotify gute 100.000 und auf YouTube sogar über 150.000 Klicks sammelte:

John Known - Atmosphäre (Prod. Figub Brazlevic)

VÖ von Staffel 1 Episode 1 (Vinyl & Digital) ist der 27.06.2017 Stream & buy: https://johnknown.lnk.to/Staffel01Episode01 Social: https://facebook.com/johntheknown/ https://instagram.com/johntheknown https://soundcloud.com/johntheknown Video Production: Crack&Snack Regie&Kamera : Finn Jäger http://www.finnjaeger.de Art Direction: Fishfabrik https://fishfabrik.de/ Postprod: Kellerkinder Postproduction https://kellerkinder.rocks/ Release Produktion: Figub Brazlevic: https://facebook.com/FigubBrazlevicOfficial/ Cuts: DJ Cutrock https://soundcloud.com/dj-cutrock Photo: Finn Jäger https://finnjaeger.de Artwork: Benne Basquiat krekpek@googlemail.com Krekpek Records: https://krekpek.com / https://facebook.com/Krekpek/ Released in Kooperation mit Bamboo Management

 

Figub Brazlevic lernte der junge Hamburger im Übrigen im Rahmen einer Battle Rap-Verantstaltung kennen, die John unter dem Synonym Rekone mal eben gewann. So ganz nebenbei eine weitere Richtung des Raps, die John Known locker zu beherrschen scheint. 

Props aus Berlin - "S01E02"

Dass progressive Künstler nicht immer das machen, was von ihnen erwartet wird, ist bekannt. Könnt ihr Fler fragen. Dass ein Newcomer nach einem gelungenen EP-Debüt gleich eine Kehrtwende in Sachen Sound hinlegt, ist aber definitiv ungewöhnlich und mutig.

Für den zweiten Teil seiner Serie holte sich John Known den Hamburger Producer Yunis an den Start. Auf "S1E02" lieferte er eine Abkehr vom Kopfnicker-Sound des ersten Teils. Doch der künstlerische Mut hat sich in unseren Augen ausgezahlt. Statt ein Konzept zu wiederholen, bewies John, dass er auf Autotune mindestens ebenso fresh klingt. Die Videoauskopplung "Vorstadtkids" ist einer von fünf Tracks, in denen John eine neue Facette zeigt:

John Known - Vorstadtkids (Prod. yunis) (Video)

"S01E02" | http://www.S01E02.de | Stream & buy: https://johnknown.lnk.to/S01E02 Social: https://facebook.com/johntheknown/ https://instagram.com/johntheknown https://soundcloud.com/johntheknown Video Production: Crack&Snack Regie/DoP: Finn Jäger http://www.finnjaeger.de Kamera: Phil Galas Release Produktion/Mix/Master: YUNIS: www.yunis.me Photo: Finn Jäger https://finnjaeger.de Artwork: Benne Basquiat krekpek@googlemail.com Released via Bamboo Management

Prinz Pi - ausgewiesener Ästhetik-Nerd - lobte das Video dann gleich ausdrücklich auf Twitter. Und auch wenn das Lob natürlich vor allem Crack&Snack, Finn Jäger und Phil Galas gebührt, die den Vibe des Songs in ein Video gepackt haben, ist es ein Beweis für die gute Arbeit des Künstlers und seines gesamten Teams:

Prinz Pi on Twitter

Vielleicht das beste deutsche Video 2017: https://t.co/BRQipdnsUW

Namhafte Feature-Gäste und popkulturelle Verweise: "S01E03"

John Known bleibt sich treu: dritte EP, dritter Producer. Insofern sind die Hoffnungen berechtigt, dass auch der dritte Teil soundtechnisch erneut weitere Stärken des Künstlers ausspielt. Gemeinsam mit SugaBoy hat er bereits zwei von sieben Tracks rausgehauen.

Dieses Mal gibt es keinen soundtechnischen U-Turn. Dennoch sind deutliche Unterschiede in den Einflüssen erkennbar. Auf dem ersten Track "Felsenfest (Super Seyajin)" würdigt John Known die Manga- und Anime-Serie Dragonball Z. Ein popkultureller Querverweis, mit der sich in eine prominente Liste von Rap-Acts einreiht, die ihre Verbundenheit zur Serie bereits auf verschiedene Art und Weisen geäußert haben:

Felsenfest (Super-Saiyajin)

Felsenfest (Super-Saiyajin), a song by John Known, SugaBoy on Spotify

Drei Feature-Gäste hat John Known auf der neuen Platte zusammengetrommelt. Chima Ede und Morten werden auf dem Track "Adé" am Start sein und OG Keemo hat einen Part für das Stück "Non Moriar" geliefert. Wir durften in die EP bereits reinhören und sind nun nicht minder hyped.

Die Beats gehen nochmal in eine andere Richtung, die Liebe für Details hören wir an diversen Stellen durch. Glücklicherweise dauert es nicht mehr lange, bis das Gesamtwerk erscheint. Ein dritter Teil der Serie, der abermals beweist, was in dem Jungen aus Hamburg, den erst die Begeisterung für Figub Brazlevics Beats vor einigen Jahren wieder in die Welt des Hiphops zurückholte, steckt.

John Known ist einer, der für die Kunst, die Vielfalt und diverse musikalische Experimente steht. Er könnte Teil einer Generation sein, die Rap breiter aufstellen wird als Afrotrap-Sounds und Lines über Batzen in den Streets verteilen. Was nicht heißt, das er das nicht auch könnte. Wir hoffen, dass eine der aktuell besten Serien nicht mit Folge drei endet. 

 

 

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Wenn nicht mit Rap, dann auf dem Catwalk: Yugo ist vielseitig

Wenn nicht mit Rap, dann auf dem Catwalk: Yugo ist vielseitig

Von David Büchler am 29.03.2019 - 16:39

Nachdem unser Newcomer-Spotlight zunächst auf den Münchner Rapper Felly gerichtet war, dann auf den Kölner Dennis Dies Das schwenkte und anschließend den Hauptstadtrapper Fede beleuchtete, machen wir nun einen Schwenker nach Österreich - genauer gesagt nach Wien.

Aus der österreichischen Hauptstadt schwappten in der Vergangenheit immer wieder interessante Acts und Sounds in die deutschsprachige Rapszene. Meist kamen aus dem Nachbarland spannende Charaktere mit Wiedererkennungswert.Yugo, der bisher unter in Erscheinung trat, im Januar RIN auf Tour begleitete und im Feburar bei Division, dem zweiten Label-Standbein des Selfmade-Gründers Elvir Omerbegovic signte, reiht sich da auf seine ganz eigene Weise ein.

Er gilt als "schönster Rapper Österreichs", redet über Erfahrungen als Kind einer Einwandererfamilie obwohl er kein politischer Rapper sein möchte und macht bei Fotoshootings ebenso wie im Arte-Beitrag eine gute Figur.


Foto:

Brownshotta

Seinen bisherigen Output lieferte Yugo unter dem Synonym Jugo Ürdens. Seinen neuen Künstlernamen Yugo wird er erstmalig nutzen, wenn er die erste Single seines kommenden Division-Releases droppt. Wann damit zu rechnen ist, konnte Yugo uns noch nicht sagen. Er verriet lediglich, dass er dran arbeite. Eine erste Single komme "heuer auf jeden Fall". Das lässt sich ungefähr mit "in diesem Jahr" übersetzen, kann also vieles bedeuten. Doch ein gutes Release braucht eben Zeit. Sein Debütalbum erschien auch erst im Oktober. "Yugo" lieferte Qualität und macht Bock auf mehr.

Yugo rappt über Staatsbürgerschaft, will aber kein politischer Rapper sein

Aleksandar heißt Yugo mit bürgerlichem Namen. Er ist 22 Jahre alt und kommt aus dem 15. Bezirk Wiens. Seit seinem siebten Lebensjahr lebt er in der österreichischen Hauptstadt. Damals zog er mit seinen Eltern von Mazedonien nach Österreich. Sein Vater ist Mazedonier. Die Mutter kommt aus Serbien. 

Yugo ist mehrsprachig aufgewachsen, hat den größten Teil seines Lebens in Österreich verbracht. Obwohl es sicher immer noch Leute gibt, die Menschen wie ihm das Österreichersein absprechen würden, ist er es mittlerweile sogar auf dem Papier. Das zelebrierte er auf dem Track "Österreicher", der Teil seiner Debüt-EP "Ajde" ist, auf seine ganz eigene Art und Weise:

"Ich hatte wenig mit Diskriminierung zu tun"

Anders als viele andere Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte, musste Yugo laut eigener Aussage nie Erfahrungen mit Diskriminierung machen. So erzählte er es im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Splash!-Mag. Yugo führt das auf sein Aussehen zurück, mit dem er in Österreich nicht besonders auffällt.

Obwohl er keine expliziten politischen Aussagen macht, sind es solche Beobachtungen, die beweisen, wie politisch er doch denkt. Komische Bemerkungen und Ansprachen habe es immer nur von "Hipstern" oder "Pseudo-Aufgklärten" gegeben.

"Schönster Mann Österreichs": Wenn nicht mit Rap, dann auf dem Catwalk

Er wurde schon als "Pretty Boy" Jugo bezeichnet, ein Wiener Magazin zählte ihn zu den 18 schönsten Männern Wiens und die Vice nannte ihn den "schönsten Rapper Österreichs".

Folgerichtg lud ihn das Magazin Rondo zum Fotoshooting. Dass der junge Wiener eine mehr als respektable Figur abgab, wird wohl kaum jemand abstreiten können.

Yugo scheint das zu wissen. Jedenfalls rappte er auf "Ajde":

Wird das mit dem Rappen nix, werd' ich Model / Wird das mit dem Rappen was, bleib' ich weiter schwerst besoffen

Ajde

Ajde, a song by Jugo Ürdens, SLAV, Semkoo on Spotify

Es sieht so aus, als ob Jugo Ürdens aka Yugo in Zukunft eher in Richtung diverser Theken schwankt, als über Catwalks zu schreiten. Zumindest brachte er im Oktober sein Debütalbum an den Start. 

"Yugo": Persönliches & selbstproduziertes Debütalbum

"Yugo" fällt auf. Der Sound unterscheidet sich von vielem, wofür Rap 2019 hauptsählich wahrgenommen wird. Wer auf der Suche nach einem individuellen Sound ist, der wird auf „Yugo“ fündig. 

Der Wiener hat das Album in weiten Teilen in Eigenregie produziert – unter dem Synonym Jue. Ein weiteres Alter Ego als durchdachter Kunstgriff oder um sich eine Option als Producer offenzuhalten? Absolut nicht. „Rein ästhetische Gründe“ habe das, erklärte er dem Splash!-Mag. Und doch legt der junge Wiener auf „Yugo“ auch textlich ein gutes Werk vor. Er reflektiert allerdings eher das eigene Leben als sich den großen politischen oder gesellschaftlichen Fragen zu nähern.

Am deutlichsten wird das auf dem Track „Vater“, auf der Yugo die Beziehung zum eigenen Vater thematisiert. Seine Eltern sind offenbar getrennt. Das Verhältnis zum Vater ist emotional:

Vater

Vater, a song by Jugo Ürdens on Spotify

„Yugo“ ist ein vielseitiges Album. Emotionale Tracks wie „Vater“ stehen neben dem Titeltrack, auf dem es um das Auto des Wieners geht. Das ist zwar keine für Rapper typische fette Karre, aber dennoch hat Yugo eben nicht nur emotionale selbstreflexive Gedanken in sich. Er hat ganz normale Träume der Generation Y:

Du willst den Frieden auf Erden? / Ich will entweder reich oder zumindest ein Meme im Internet werden

Ob er zum Meme aufsteigen kann, wird sich zeigen. Wir hoffen, dass ihm Artikel 13 keinen Strich durch die Rechnung macht. An seinem musikalischen und künstlerischen Talent sollte er nicht scheitern. Alles andere wird sich zeigen. Wer Bock auf guten Sound, einen spannenden Dude und ein breites musikalisches sowie textliches Spektrum hat, der sollte sich dem Wiener Pretty Boy widmen. 

Mit Udo Jürgens hatte sein ehemaliger Künstlername übrigens nichts zu tun. Den Namen hatte ihm ein Homie gegeben und er machte ihn einfach zu seinem Rappernamen. Keine verkopften Erklärungen, kein tieferer Sinn – einfach gute Musik, die so recht in keine Schublade passt. Jetzt eben als Yugo aus Wien.  


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