Mixtapes, Punchlines, Disstracks & teure Geschenke: Wieso Rap von "Game of Thrones" infiziert ist

Valar morghulis, meine Freunde. Die Serienjunkies wissen es sowieso: Game Of Thrones ist endlich zurück. Der Kampf um die Vorherrschaft in Westeros fasziniert nicht nur Fantasy-Liebhaber, sondern elektrisiert den ganzen Globus.

Kein Wunder, dass Handlungsstränge und Charaktere der Serie ihren Abdruck im Rapgeschäft hinterlassen. Lines, Alben oder Mixtapes greifen Szenarien aus GoT auf und bedienen sich an dem bildgewaltigen Serien-Epos. Kurz vor dem Start der siebten und damit vorletzten Staffel ist es an der Zeit, zusammenzutragen, wie stark der Einfluss der brutalen Geschichten von George R.R. Martin wirklich ist. Achtung! Spoiler-Alarm! Manche Erklärungen könnten auf Geschehnisse hinweisen, von denen man aus Spannungsgründen lieber keine Ahnung haben will.

Der eiserne Thron ist trotz seines Materials eine wacklige Angelegenheit. Intrigen und Machtkämpfe sorgen für stetige Wechsel auf dem Prestigeobjekt. Eine besonders unsympathische Figur gibt dabei Joffrey Baratheon ab, der nicht allzu lange in Amt und Würden blieb. Alles kein Grund ihm nicht einen Trap-Song auf französisch zu widmen. Als Symbol für massive Ignoranz taugt der jung gestorbene Herrscher durch und durch.

Bleiben wir gleich bei dem Kurrzeitregent. Trendsetter und Twitter-Grinder Ali As hat die kulturelle Tragweite der Serienfigur Joffrey natürlich auch begriffen. Er spittet auf Monstertruck folgenden Vergleich, der ihn selbst in majestätische Höhen katapultiert:

"King in dem Game, so wie Joffrey, die klingen zu lame und sind offbeat / Ihr wollt den Hot-Sh*t, ich mach’s wie Defjam mit Trinidad James, denn ich dropp’ ihn"

Wer schon immer wissen wollte, wie sich Cersei Lannister als wütende Punchline-Königin anhört, dem kann YouTube helfen:

Für einen quasi Gesichtslosen wie Lance Butters bietet die Romanadaption natürlich genügend Anknüpfungspunkte. Auch bei ihm hat Joffrey einen bleibenden Eindruck hinterlasen. Er ergänzt seine Bars noch mit der wohl heroischsten Figur Jon Schnee und der aktuellen Herrscherin von Königsmund. Der Maskenträger outet sich als Fan, wenn er im Titeltrack zu seinem Album Blaow rappt:

"Geb' ein Sche*ß auf die and'ren, denn die sind / Bast*rds wie Jon Schnee, B*tches wie Cersei / Lance Butters - okay, mies drauf - Joeffrey (F*ck that)"

Selbst Rap-Veteranen wie The Roots lassen sich vom GoT-Fieber anstecken. Zum Start der fünften Staffel packten sie die bisherigen Geschehnisse in Bars:

Nicht nur die Amerikaner skizzieren ganze Staffelinhalte in Rap-Parts. Der YouTuber Ras Kass fasste die fünfte Staffel in Reimform zusammen. Gib ihm!

Der Labelname König im Schatten hat bereits die epische Note einer Game of Thrones-Figur. Daher ist es nachvollziehbar, dass Manuellsen sich aus der Fantasy-Welt die Inspiration für einen Albumtitel holt. Valar Morghulis sollte das gute Stück heißen, aber dann gab es rechtliche Probleme. Letztendlich erschien die Platte unter dem Namen Gangland.

moin moin, hab ne minderschlechte nachricht, aus rechtlichen gründen, kann ich mein kommendes album leider nicht VALAR MORGHULIS nennen, es wird jedoch keinen weiteren effekt auf die musik oder erscheinungszeitpunkt haben, den neuen namen hab ich gerade mit KEZ ausgetüftelt, und werden in die tage bekannt geben #einreibungslosesmanuellsenalbumgibtesnichtwennjawirdesscheisse #königimschatten

1,214 Likes, 16 Comments - #DrecksGMBH (@manuellsen_official) on Instagram: " moin moin, hab ne minderschlechte nachricht, aus rechtlichen gründen, kann ich mein kommendes..."

Rapper neigen zu verrückten Geschenken. Jay-Z hat keine Kosten und Mühen gescheut, für seine Ehefrau Beyonce etwas ganz Besonderes aus dem Hut zu zaubern. Daenerys Tagaryen ist eine der beliebtesten Figuren von GoT. Gleichzeitig verfügt sie über gewisse Kräfte, die sie geschickt einzusetzen weiß, um ihren Herrschaftsanspruch zu untermauern. Kurzum: Sie kommt ziemlich gut mit Drachen klar und hat infolgedessen innerhalb der Serie mit Dracheneiern zu tun. Das hat Jay-Z offenbar so gut gefallen, dass er seiner Herzdame so ein kostspieliges Ei nicht vorenthalten wollte.

Durchschnittliche Serien bekommen eine Titelmelodie und vielleicht hier und da mal künstlerische Props. Game of Thrones hat seine eigene Mixtape-Reihe. Unter dem Titel Catch The Throne (Kanye West und Jay-Z finden wohl nie wieder auf ähnliche Weise zusammen) veröffentlichte HBO diverse Songs mit Bezug zu dem Kampf in den sieben Königreichen. Auf Tape Nummer eins sind unter anderem Big Boi, Wale und Common vertreten.

"Catch The Throne" mit Big Boi, Common, Snow Tha Product & Co

Stream "Catch The Throne"

Tape Nummer zwei übertrumpft das Ganze noch und bringt zum Beispiel Snoop Dogg, Talib Kweli und Method Men auf den Fantasy-Film.

Catch the Throne: The Mixtape, Volume 2 by Catch the Throne

TO HEAR THE GAME IS TO KNOW THE GAME. Get ready for the new season of HBO's Game of Thrones with Catch the Throne: The Mixtape, Volume 2. Stream and download free. #CatchtheThrone

Das Playlist-Projekt More Life von Drake bediente sich im GoT-Universum. Feature-Gast Giggs nutzt auf KMT Cersei Lannister als Synonym für Koks, sobald er folgende Line rappt:

"Whippin' that white girl (yeah?), cookin' that Cersei (dah!) / I was pushin' that dark sh*t, pushin' that charcoal (yeah)"

Der jetzt gar nicht mehr so fette Fat Joe weiß auch Bescheid, wie es um die Drachenkönigin steht. Ihr Plan den eisernen Thron zu besteigen, scheint den Amerikaner zu dieser Zeile inspiriert zu haben.

"She'll be my Khaleesi, we'll be sitting on a throne / Playing with fire, minks draggin' on the stones"

Unsere französischen Nachbarn sind augenscheinlich auch große Fans. Kaaris möchte im Track Boyz N The Hood ein zweite Chance wie dieser Jon Schnee. Schließlich wurde dieser kaltblütig umgebracht, nur um dann wiederbelebt zu werden. Auch für Lacrim war der kurzzeitige Lord Kommandant der Nachtwache Inspirationsquelle – nicht nur der Songtitel, sondern auch die Optik des Videos orientiert sich an Jon.

Damso bezieht seine Vergleiche ebenso aus dem Serienstoff. Er setzt sich selbst mit der Außenseiterrolle eines Jon Schnee gleich und wertet seine Gegner als Zwerge ab. Damit verweißt er auf den von Peter Dinklage gespielten Tyrion Lannister.

Auf dem Track Autotune nutzt Damso dann Khaleesi und ihr platinblondes Äußeres für den Hinweis auf eine ahnbare Dame.

Der Song Django von Jokewiederum bedient sich metaphorisch an der Inzenstgeschichte der Lannisters.

Zurück nach Deutschland. Mit Kollegah battlen ist generell nicht so eine schlaue Angelegenheit. Am Alpha Music-Boss ist die Kultserie selbstredend nicht vorbeigegangen. Sein ehemaliger Selfmade-Kollege Favorite konnte 2015 von Kollegahs Game Of Thrones-Kenntnissen auf der Kollabo Selfmade Legenden profitieren. Dort wird der Werdegang des Labels thematisiert.

"Vor neun Jahren ging's mit Selfmade los / Ein Imperium, das aufsteigt wie im Vorspann von Game Of Thrones"


Auf Legacy holt Kollegah sein Wissen über den Tod von Khaleesis Bruder hervor. Der stirbt recht unsanft durch eine Portion heißen Goldes.

"Journalistensn*tch, ich p*ss' auf dich, wenn ich dich in die Knie zwing' / Kriegst du P*çkind G*ldenshower wie der Bruder von Khaleesi"

Ruhrpott-Rapper Pillath lässt es sich auch nicht nehmen, in unnachahmlicher Art und Weise eine Punchline mit GoT-Bezug zu bauen. Ein Lannister bezahlt seine Schuld nämlich ausnahmslos immer.

"Cash machen wie ein Tennisstar / Du zahlst stets deine Schulden ab wie'n Lannister"

Ahzumjot lebt den Zeitgeist und manifestiert diesen Umstand mit lockeren Game of Thrones-Referenzen:

"Früher ging es nur darum, dass ich einfach überleben will / Heute sitze ich daheim und gucke irgendeine Serie / Alle draußen kämpfen um den Thron, Lannister / Ich relaxe grad, lässig wie der Gnom"

Und nun ziehet fort und ergebet euch dem süchtig machenden Gemetzel! Valar dohaeris!

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Eminem, 2Pac, 50 Cent: Hat ein Brand Musikgeschichte vernichtet?

Eminem, 2Pac, 50 Cent: Hat ein Brand Musikgeschichte vernichtet?

Von Michael Rubach am 12.06.2019 - 15:50

Vor über 10 Jahren wütete ein Brand in den Universal-Studios in Hollywood. Die umfangreiche Story "The Day the Music burned" im The New York Times Magazine legt nun nahe, dass dabei ein erheblicher Schaden entstanden ist, der bisher weitestgehend vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wurde.

Eminem, 2Pac, 50 Cent & mehr: Hat das Feuer Musikgeschichte ausgelöscht?

Der Artikel der New York Times nennt das Feuer das "größte Disaster in der Geschichte der Musikindustrie". Warum die Journalisten Jody Rosen zu dieser Einschätzung gelangt, wird deutlich, wenn man auf die im Text aufgerufenen Zahlen schaut. Die Rede ist dort von 500.000 zerstörten Songaufnahmen.

Dabei handelt es sich um Recordings aus allen möglichen Genres und von dutzenden legendären Künstlern, deren Werk für immer aus der Musikhistorie ausradiert sein soll. Darunter fallen auch Master-Aufnahmen von 2Pac, Eminem, Snoop Dogg, 50 Cent, Nirvana und vielen weiteren Artists dieser Größenordnung.

Weiterhin führt der Artikel aus, dass es wahrscheinlich sei, dass viele Musiker gar nichts von diesen Ausmaßen wissen würden. Gegenüber Billboard gab Universal nach dem Brand zunächst an, dass "keine Verluste" dieser Art zu verzeichnen gewesen seien. Es hieß, dass ausschließlich Kulissen und Besucherattraktionen der Universal-Studios im Feuer Schaden genommen haben.

Vertrauliche Berichte von Universal, auf die sich Jody Rosen beruft, kommen offenbar zu einem anderen Ergebnis. Falls die Recherche der Journalisten so zutreffend sein sollte, sind ganze Diskografien von Künstlern von dem Großbrand betroffen gewesen. Es gäbe dann schlichtweg kein gemastertes Material mehr von 2Pac, auf das jemand heutzutage zurückgreifen könnte. Diese Musik wäre verloren.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Universal tritt in dem Artikel als eine Art Kronzeuge auf. Er erzählt, dass Universal bewusst über die Ausmaße des Feuers hinweggetäuscht habe:

"Das Unternehmen [Universal] wusste, dass es schockierte Reaktionen und Empörung hervorrufen würde, wenn die Leute die wahre Geschichte kennen [...] Es ist ein Geheimnis, bei dem ich mich schäme, ein Teil davon gewesen zu sein."

"Irreführend": Universal wehrt sich gegen die Berichterstattung

In einem Statement gegenüber der Branchenseite Variety kritisiert Universal den Artikel des New York Times Magazine. Konkret wirft man der Journalisten vor, nicht sauber genug recherchiert und eine fehlerhafte Story abgeliefert zu haben.

"Die Story enthält zahlreiche Ungenauigkeiten, irreführende Aussagen, Widersprüche und grundsätzliche Missverständnisse über den Umfang des Vorfalls und die betroffenen Vermögenswerte."

Weiter wirft Universal Jody Rosen eine selektive Berichterstattung vor. Sie sei auf Maßnahmen, die Universal zur Sicherung von Musik eingeleitet habe, schlichtweg nicht eingegangen.

"Tatsächlich werden zehntausende von Backing-Katalogen, die wir in den letzten Jahren bereits veröffentlicht haben, praktisch ignoriert – einschließlich [...] Master-Aufnahmen, von denen der Artikel behauptet, dass sie 'zerstört' wurden."

Inwiefern das Feuer tatsächlich einen gravierenden Einschnitt in die Musikgeschichte bedeutet, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Verschiedene Künstler sind schon auf den Artikel aufmerksam geworden und sorgen sich nun um ihr Songmaterial. Questlove von The Roots sieht in dem Brand bereits den Grund, warum er bisher nicht weiter an einem Projekt arbeiten konnte:

Questlove De La Rose on Twitter

For everyone asking why Do You Want More & Illdelph Halflife wont get reissue treatment https://t.co/Vs0ykRcyAK


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!