Direkt aus dem Untergrund: 5 Musiktipps unter 25.000 Klicks

Es braucht keine wissenschaftlichen Studien, um festzustellen: In Deutschland wird so viel gerappt und releast wie wohl noch nie. Irgendwie logisch, dass dabei nicht jeder Song Klickrekorde brechen kann. Die Qualität von Musik steht und fällt zum Glück nicht mit Zahlen.

Schon öfter haben wir an dieser Stelle Tracks vorgestellt, die bisher nicht den Pausenhof oder die YouTube-Trends dominieren. Alle folgenden Songs liegen unter 25.000 Klicks und abseits dessen, was als Mainstream durchgeht.

Der Benman – KKK

Aus dem Saarland stammt Der Benman und hegt trotz des Songtitels "KKK" natürlich keinerlei Sympathien für rassistische Kapuzenträger aus dem Süden der USA. Stattdessen spuckt Der Benman liebend gerne Bars auf Beats von HawkOne.

"Der Kingkiller killt Kingkillers forever" – das sind keine losen Versprechungen, sondern mündet demnächst in einem gemeinsamen Album des Berliner Producers und des MCs aus Saarbrooklyn. "Hawkkking" kommt am 6. September und dürfte scheppern. Wie sich Der Benman eigentlich selbst sieht, lässt er das Publikum auch wissen. Freunde von Big-Budget-Action-Kino kommen auf ihre Kosten, wenn "Raps Tom Cruise" zum Mic greift.

Young Krillin x KDM Karat x Lars Lichtgestalth – Yoga Boys

Young Krillin x KDM Karat x Lars Lichtgestalth YOGA BOYS [ official Video ]

Hanuschplatzflow-Kanal abonnieren: http://bit.ly/2WlJbAP "YOGA BOYS" auf Spotify, iTunes und Apple Music: http://ampl.ink/W4zNJ Dadash Shop: http://bit.ly/2KzelCz Hier das Video zur Single "YOGA BOYS" von Young Krillin, KDM Karat und Lars Lichtgestalth. Teilt das Video, kommentiert es und gebt einen Daumen hoch.

Nach knapp zwei Monaten stehen drei junge Herren im vierstelligen Aufrufbereich. Anscheinend ist die Hörerschaft noch nicht vollkommen bereit für den tiefenentspannten Vortrag der "Yoga Boys". Dabei liefern Young Krillin und KDM Karat normale Raps über "verschiedene Gegenden, verschiedene heilige Männer" – einfach dies und das.

Der Talk vom Salzburger Hanuschplatz, die Weisheiten eines maskierten Dadash und das Instrumental von Lars Lichtgestalth fusionieren zu einer fast rauschhaften Erfahrung. Die dazugehörige EP "Trippy" ist seit Ende Juni auf der Streaming-Plattform deines Vertrauens zu finden.

T9 – Kanye West

Producer Torky Tork und Rapper Doz9 bilden zusammen das Duo T9. Unter diesem Namen bespielen die beiden schon eine Weile die Bühnen des Landes. Ihr neues Album "Maestro Antipop" ist das inzwischen vierte gemeinsame Werk. Dabei sind sie text- und soundtechnisch in einem völlig eigenen Kosmos angekommen.

Was irgendwann einmal bei klassischem Boombap begonnen hat, liegt nun irgendwo zwischen unkonventionellen Battlerap und experimentellen Wortcollagen. Der Anspruch Wack-MCs zurechtzuweisen, bleibt die Konstante. Ansonsten befindet sich die Messlatte eher auf Höhe "Kanye West". So ist der Titel auch Programm: Die Anspielungen auf das Werk des Querdenkers sind mannigfaltig – Hauptsache "keine Partys mehr in Berlin".

Papke – Berlin ist nicht New York

PAPKE - Berlin ist nicht New York (prod. by PAPKE, FAST)

Die dritte Videoauskopplung aus der EP "BERLIN IST NICHT NEW YORK" HIER STREAMEN ►https://t1p.de/BerlinistnichtNY Papke auf INSTAGRAM ► https://www.instagram.com/papke030 FACEBOOK► https://www.facebook.com/papkeone/ Wenn der Track euch gefällt, abonniert den CHANNEL! ► https://t1p.de/HL Video Shot & Edited by ODG: INSTAGRAM ► https://t1p.de/ODG Mix / Master by FAST INSTAGRAM►► https://t1p.de/l5at FACEBOOK►► https://t1p.de/3b3y DANKE AN ALLE DIE UNTERSTÜTZT HABEN!

Im Gegensatz zu T9 feiert Papke in Westberlin und kommt direkt zum Punkt. Seine treffende Erkenntnis lautet: "Berlin ist nicht New York". Trotzdem lässt sich auf den Dächern der Hauptstadt über das Treiben in einer Metropole rappen.

Mit Bassboxxx-Shirt und klarer Haltung stellt sich Papke in die Historie Berliner Raps. Er macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem Sound, der die Charts einnimmt, wenig anfangen kann. Den charmanten Track mit ordentlich Liebe für die Hood hat Papke zusammen mit Fast produziert. Die EP "Berlin ist nicht New York" ist bereits erschienen.

Master Niggel – TGV

Der Tune von Master Niggel kommt so schnell vorbeigerauscht wie der titelgebende "TGV". Kiels Finest ist "fix unterwegs" und ballert nach der Tour mit dem Hamburger Jace mal ebenso einen Song raus, der kaum einen kompletten Part umfasst. Niggel ist nicht einzufangen und zieht unangepasst sein Ding durch. Für das System und künstlerische Beschränkungen hat er nur den Mittelfinger übrig. Der Master tritt einfach "Nie auf der Stelle" und berappt den Beat so, wie er es gerade für richtig hält. Ruhig können andere – Master Niggel ist schon wieder ganz woanders.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Ungehypt & dope: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Ungehypt & dope: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 17.06.2019 - 17:45

Während das obere Ende von Deutschraps Klickspektrum sich in immer höhere Sphären katapultiert, haben unbekannte Künstler teils ordentlich zu knabbern, bis auch nur der sechsstellige Bereich in Sichtweite rückt. Einige Schätze bleiben dabei regelmäßig unterhalb der Oberfläche verborgen.

Wir haben euch schon einige Sammlungen von Songs präsentiert, die unter der Marke von 25.000 Klicks zu finden sind. Mit diesem Artikel wollen wir euch wieder Musik nahebringen, die fernab vom Mainstream stattfindet, aber so manchen Raphörer erfreuen könnte.

Binho – F*ckhead

Man sollte meinen, in OG Keemos Windschatten fährt er sich derzeit komfortabel. Und sicher: Binho, der zum Mannheimer Zonkeymobb gehört und einen nicht unerheblichen Teil zu Keemos und Frankys Karriere beigetragen hat, dürfte grade jetzt in der Festival-Saison wieder eine gute Zeit mit den Jungs genießen.

Dennoch sind seine Tracks mit Ausnahme der Juice-Premiere "Keine Zeit" chronisch unterklickt. Das gilt für "Langfinger" auf unserem Kanal ebenso wie für die relativ frische Videopremiere bei den Kollegen von 16bars. Dort hat Binho letzte Woche den Clip zu "F*ckhead" veröffentlicht. Breitband hinter der Kamera, Funkvater Frank und ZNKMO am Beat.

Der Sound ist fett, der Rap mehr als stabil, die Ästhetik ist konsequent. Das Gesampaket, das Binho liefert, würde nicht vermuten lassen, dass "F*ckhead" noch unter 10.000 Klicks liegt, während andere Rapper die Mio im Vorbeigehen über Nacht einsammeln.

Falk & Khacoby – Trap'n'Cloud

Das Thema ist allgegenwärtig für jeden, der (deutschen) Rap nicht losgelöst von Social Media konsumiert. Hater überall. Ü-BER-ALL! Leute kommen nicht klar auf Veränderungen im Sound lassen langjährige Fans auf die Barrikaden gehen, von wo aus sie Wut getränkte Molotovcocktails auf jeden in der Kommentarspalte werfen, der sich erdreistet, einen anderen Musikgeschmack zu haben als sie selbst. Es ist ermüdend.

Glücklicherweise noch knapp unter 25.000 Views liegt einer der interessanteren Songs über das omnipräsente Thema, das viel zu oft mit der lyrischen Brechstange und ohne Reflexion angegangen wird. Falk und Khacoby, bekannte Gesichter aus DLTLLYs Cypherkreis, gehören zum erlesenen Kreis der Battlerapper, die auf Tracks nicht untergehen.

"Sie starren mit Verachtung auf den Tellerrand / aus Angst, dass sich irgendwas verändern kann" – Falk

Durch ihre unterschiedlichen Stärken ergänzen die beiden sich auch bei der "FAKH"-Auskopplung mit dem symbolischen Titel "Trap'n'Cloud" hervorragend. Inhaltlich bringt Falk die Problematik im ersten Part pointierter auf den Punkt als sein Homie, der dafür raptechnisch mehr glänzen kann. Der gemeinsamen EP aus dem letzten Dezember ließ Falk übrigens im April sein Soloalbum "Ankomm" folgen.

Terra Pete – Erdenmann

Mit Terra Pete geht es aus dem Untergrund noch eine Etage weiter runter. Der Krepkek-Künstler Terra Pete hat erst letzte Woche den Song "Erdenmann" gedroppt, der bei YouTube nicht mal im vierstelligen Bereich ist. Der Beat, der Flow, die Representer-Lyrics mit leichten philosophischen Anflügen – das alles weckt Erinnerungen an die Prä-Aggro-Ära und die heute als Backpacker verschrienen MCs von damals.

Das Video dazu kommt mit Low-Budget-Charme, eine widerwilligen Ziege und einigem Grünzeug. Die Kulisse dafür ist offenbar eine waschechte Ganjafarm von ein paar Rastafari, die abgelegen in den grünen Hügeln Jamaikas ein unbeschwertes Dasein zwischen Mangos, Zuckerrohrzahnbürsten und Ziegenmilch pflegen. Das gefällt dem Erdenmann von Welt.

Wem das Gesamtpaket zusagt, kann sich auf das gleichnamige Album "Erdenmann" freuen, das Terra Pete relativ vage für "bald" angekündigt hat. Bei Insta bleibt man auf dem Laufenden wie Brandon Stark.

Frizzo ft. Serious Klein – No Drill

Zugegeben: Es fühlt sich ein bisschen wie Cheaten an, die erst wenige Tage alte Single von Frizzo in diesem Artikel zu parken, da diese Nummer schon bald unsere selbst auferlegte Obergrenze erreichen wird. Aber eine Chance, den gnadenlos unterhypten Bochumer Serious Klein zu pushen, lasse ich ungern liegen.

Dass er in den Kommentaren als deutscher Kendrick Lamar und Vince Staples bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Serious Klein hat serious Skills, er kann mit seiner Stimme spielen wie die ganz Großen, sein Flow sitzt perfekt und sein musikalisches Gespür ist nicht zu überhören. Hinzu kommt, dass nicht nur der Sound, sondern auch die optische Ästhetik ohne Ausnahme zu überzeugen weiß – so auch im Video zu Frizzos neuer Single. Das alles macht eher den Eindruck, von TDE oder Dreamville zu kommen als aus dem Pott.

Producer Frizzo kennen Deutschrap-Fans vielleicht schon von seinen Singles mit Soufian ("Maybach" knallt brutal!), Antifuchs, Harris oder Micel O.

Dennis Dies Das – Dizzy

Sein Style glänzt auch auf unserem YouTube-Kanal. Der Kölner Dennis Dies Das und sein Produzenten-Homie Sascha Urlaub sind einzigartig in der Rapszene. Ihr Sound, die Videos und die komplette Verpackung sind eine wahre Fundgrube für Fans der Popkultur vergangener Jahrzehnte. Mal ist es eine Stimmung, mal ein Genre, oft auch Samples oder einfach textliche Referenzen, die sich an den 80ern, 90ern oder den frühen 00er-Jahren bedienen.

So auch in unserer Videopremiere aus dem März. In "Dizzy" haben die beiden mal wieder ein genrefremdes Sample aus einer anderen Zeit gepickt. Es klingt nach viele Jahre altem Trance oder House; ganz genau kann ich das nicht sagen. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass der Vibe ein ganz eigener ist. Das ist tanzbar und konsequent umgesetzt.

Und das würde ich auch pushen, wenn es nicht auf unserem Kanal online gegangen wäre. Songs wie "Metro", "Bounce" oder "Alle wieder Techno" liegen aber schon über 25.000 Views bei YouTube. Relativ bald gibt's übrigens neue Musik von Dennis – auch hier ein gut gemeinter Verweis auf den passenden Instagram-Kanal, auf dem man davon Wind bekommen wird.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (1 Kommentar)

Register Now!