Unter 25.000 Klicks: 5 Songs, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben

Während sich der zweite Monat des neuen Jahres dem Ende zugeneigt hat und wir den März begrüßen, erreicht uns in Deutschland auch die sibirische Kältewelle. Minusgrade, Schnee und Eis sind aber noch lange keine Gründe für Rap, sich aufhalten zu lassen. Im Laufe der letzten Wochen passierte Einiges: Fler sorgte für Gerüchte um ein Karriereende nach "Flizzy" und Haze katapultierte sich mit seinem Boom Bap-Album auf Platz #3 der Charts. Damit bewies er, dass auch Künstler, die nicht auf den Hype-Zug springen, bei der breiten Masse Anklang finden können.

Die Küche des Untergrunds brodelt durchgängig weiter und kocht sich ihr eigenes Süppchen. Eine kleine, aber feine Kostprobe gebe ich dir mit einer persönlichen Auswahl von fünf Songs der letzten Wochen, die nicht mehr als 5.000 Klicks haben. Hoffentlich entspricht etwas deinem Geschmack und lässt dir trotz Eiseskälte warm ums Herz werden. 

Symbiz – Ngaai Him (危險)

Der Sound von den Berliner Produzenten-Jungs Symbiz begleitet mich bereits seit sechs Jahren. Gemeinsam mit Singin Gold und Stunnah veröffentlichten sie 2012 den Track "Cold" und gingen mir seitdem mit ihrem Sound gemischt aus Dancehall, elektronischem Drum 'n' Bass und Afro Trap nicht mehr aus dem Kopf und dem Herzen. Etwa zwei Jahre später produzierte Symbiz-Mitglied Fiji Kris an der Seite von Teka und SoulForce-Chef Fizzle als die KitschKrieg-Crew für Trettmann. Mittlerweile ist Kris kein Teil des Symbiz-Kollektivs mehr. Das hindert seine ehemaligen Kollegen aber nicht daran, sich weiterhin mit ihrer für Toleranz und Vielfältigkeit stehenden Musik sowie dem zweiten Teil der "Broken Chinese EP" in die Hiphop-Kultur einzuschreiben.

"Ngaai Him" ist eine der vier Videoauskopplungen jener Musiker, die außergewöhnliche Klänge abseits von inhaltlichen Singsang-Hooks wieder auf die Karte setzen wollen. Auf ihrer neuesten Platte sind genau wie bei dem Vorgänger ausschließlich Parts auf Kantonesisch, einem chinesischen Dialekt, zu hören. Von dem urbanen Video, das unter anderem in U-Bahnhöfen Berlins und Tokio gedreht wurde, muss ich gar nicht erst anfangen. Ausdrucksstärke und Ästhetik sein Urgroßvater, aber sieh' und hör' selbst:

SYMBIZ "Ngaai Him (危險)" - Broken Chinese EP2

回 Taken from Broken Chinese EP2 (Yeeruh Records, 2018) 回 Watch Live Session here: https://youtu.be/oshgbSCcLfE 回 Stream the full EP here: Spotify: http://spoti.fi/2n6tUVN Soundcloud: https://goo.gl/HRZAxu Deezer: http://bit.ly/2GfDj5m 回 Support us, buy the music here: Bandcamp: https://goo.gl/v1WRq4 iTunes: https://apple.co/2DE8klG Amazon: http://amzn.to/2DJpYni 回 Filmed in Berlin, Jan.

Wer nicht genug bekommen kann, sollte sich die "Broken Chinese EP 2" komplett geben: 

Jupiter Junior - Kreise

Wie man Autotune als wirkungsvolles Stilmittel einsetzen kann, ohne den Afro Trap-Trends hinterher zu jagen, beweist uns Jupiter Junior auf "Kreise". Wie der Künstler eindrucksvoll sein Ding durchzieht, erzählten wir bereits vor anderthalb Monaten. Nicht unterschätzt, aber von der breiten Masse unbemerkt, schleicht er sich an normativen Paradigmen vorbei und kreiert selbstreflexiv-melancholische Tracks, zu denen er ohne Ausnahme ein Video liefert. Nicht nur ohne Ausnahme – auch ohne Label und ohne Crew. Vor allem aber ohne die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hätte. Einzig und allein die Beats von Jupiter Junior werden von fünf Männern produziert. Einer davon ist Brenna, der für den düsteren, drumlastigen "Kreise"-Beat verantwortlich ist und unter anderem schon mit größeren Namen wie Vega und Lakmann zusammengearbeitet hat.

Jupiter Junior - Kreise

Musik: Brenna Text: Jupiter Junior Video: Jupiter Junior (Dank an: Scälet Film & Foto, Häuptling) Aus dem Album: Die Lebenszeichen des Jupiter Junior 3

Esco Esco - Eiskalt

Esco Esco aka Ray Escobar hat nicht nur Ice auf seinen Grillz, weil Winter ist. Passend zu den Temperaturen im Minusbereich beweist er mit "Eiskalt" ein weiteres Mal, dass er für heiße Tracks zu frostigen Tagen sorgen kann. Na gut, zugegebenermaßen ist das, wie so vieles, eine Frage des persönlichen Geschmacks. Doch der Rapper aus Kassel muss ein besonders großes Päckchen verurteilender Kritik mit sich tragen.

Bereits seit zwei Jahren lädt er in regelmäßigen Abständen Tracks auf seinem YouTube-Kanal hoch. Betrachtet man das Like-Dislike-Verhältnis, fällt auf, dass so mancher Track nur bei der Hälfte der Hörer beliebt zu sein scheint. Mit seinen teilweise unverständlich eingerappten Parts aus der Kategorie Mumble Rap und Trap mag er vielleicht nicht jeden Geschmack treffen. Dass Esco mit der Zeit geht, sollte sich jedoch auch der letzte, silbenzählende Storytelling-Fan eingestehen. Deutschlands Rapfans sind eben Gewohnheitstiere und brauchen manchmal etwas Zeit, um Trends aus Übersee fühlen oder gar verstehen zu können. Das Flow-Talent und seine originelle Reibeisenstimme erkannte auch Marvin Game und überließ Esco einen Part in seiner Single "Check". Er ist eben "immer ready" für Neues. Doch auch ohne an der Seite des Berliners zu stehen, gibt Esco eine gute Figur ab und beweist, dass er ordentlich etwas auf dem Kasten hat. Eiskalt, eiskalt!

ESCO ESCO - EISKALT (prod. Mike Medusa) [4K]

STREAM & DOWNLOAD "GUAC - EP" http://bit.ly/ESCO-GUAC http://bit.ly/ESCO-GUAC http://bit.ly/ESCO-GUAC ESCO ESCO: Facebook: http://fb.me/ESCOTRAP Snapchat: DEUTSCHTRAP Instagram: DEUTSCHTRAP Website: http://ESCO-ESCO.DE Business Kontakt: Management@esco-esco.de Eine Next Level Studios Produktion: Film, Recording, Mixing & Mastering www.Next-Level-Studios.com https://www.facebook.com/NEXTLEVELSTUDIOS

Chaaze – Geh mir nicht auf den Sack

Chaaze ballert mit "Geh mir nicht auf den Sack" die zweite Videoauskopplung zu seiner EP "47" raus. Der Duisburger brettert mit verschiedensten Flow-Varianten über einen Beat von ProduZZa als wäre es nuffin. Und was ist das bitte für eine krasse Stimme? Allein mit dem Einstieg hat er mich von der ersten Sekunde an gepackt: "Bruder, hast du heute Zeit?" - Nein. Geh' mir nicht auf den Sack." Kaum zu glauben, dass das qualitativ hochwertige Video zu dem Track nur knapp 1.200 Klicks hat. Änder das! 

CHAAZE Geh mir nicht auf den Sack ( prod. by ProduZZa)

FACEBOOK : https://www.facebook.com/supremechaaze/ INSTAGRAM : supreme_chaaze SNAPCHAT : supreme_chaaze Management : Plug Media For Booking Requests : management@plugmediamusic.de Künstler: Chaaze Titel: Geh mir nicht auf den Sack Aufgenommen in den KML Studios Video : Samuel Reschke

Rio - Qué pasa

Zwei Tracks, zwei Videos. Mehr gibt es von rio auf YouTube bisher nicht zu sehen oder hören. Die alten Videos zu "Bald" und "Zu weit" hat er gelöscht. Ob ein Image-Wechsel oder generelle Unzufriedenheit der Anlass waren, wissen wir nicht. Was wir allerdings von rio kennen, sind unter anderem seine drei Künstlernamen. Rio, ryoh und asim – such dir den schönsten aus. Der Frankfurter überzeugt  auf seinem neuesten Track "Qué pasa" (zu Deutsch: „Was gibt's?") mit zeitgemäßem Trap-Sound, futuristischen Bewegtbildern, die nahezu süchtig machen und einer Stimme, die sich in das Gedächtnis einbrennt. Kommentare und Likes von Kopfticker Records' Eno unter rios Instagram-Bildern sowie Hinweise auf größere Kooperationen machen neugierig auf mehr: "Nächstes Video von mir kommt auf nem andern Kanal, haltet Ausschau", heißt es in rios Infobox unter dem YouTube-Upload. 

RIO - QUÉ PASA (prod by Accent/Cohen) Offizielles Video

Alternative Titel: Uptown Skunk / pilot / irgendwas mit dritte base Beat: Accent Beats - Talent http://www.youtube.com/user/OfficialAccentbeats Recording, Mix & paar Adlips: Cohen the engineer Besucht den Jungen: http://instagram.com/engineercohen Track & Video: rio http://instagram.com/asim.select http://facebook.com/asim.select Nächstes Video von mir kommt auf nem andern Kanal, haltet Ausschau

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Kommentare

was für ein toller beitrag. weiter so.. erlich

"...sollte sich jedoch auch der letzte, silbenzählende Storytelling-Fan eingestehen. Deutschlands Rapfans sind eben Gewohnheitstiere und brauchen manchmal etwas Zeit, um Trends aus Übersee fühlen oder gar verstehen zu können."
Bist du auf irgendwas klebengeblieben? Ist das heutzutage ungeschriebenes Gesetz, dass jeder Trend aus den USA hier adaptiert werden muss? Autor ist komplett unterbelichtet..

Jupiter Junior is gut
Rest kenn ich nicht, soll sich ...

Für diesen "Esco Esco" Song hat der Autor ne harte Schelle verdient... Wieder zu tief in den Lean-Cup geschaut, Kollege?

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Ungehypt & dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 16.10.2019 - 15:09

Der Untergrund hat, was der Mainstream vermissen lässt. Deshalb braucht man nicht jammern, sondern man kann sich auf die Suche machen nach den Artists, die nur darauf warten, gefunden zu werden. Wir präsentieren euch regelmäßig eine kleine aber feine Auswahl dieser Perlen. Einzige Regel: Die Videos müssen noch unter 25.000 Klicks liegen. Einen Überblick über die bisherigen Artikel aus dieser Reihe gibt es hier.

Lugatti & 9ine – Error 404 (prod. Traya)

Bei diesen Jungs haut die Einordnung "ungehypt" zwar nicht mehr ganz hin, aber sei's drum. Das Video zur aktuellen Single des Kölner Duos Lugatti & 9ine, natürlich produziert von Traya, liegt mit derzeit knapp 15.000 Views auf dem JUICE-Kanal bei YouTube und verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

Wie von den Jungs gewohnt gibt es humorvolle Punches, sicheren, modernen Flow und ein wunderbar sphärisches Instrumental von Traya, dessen Bassline man beim genauen Hinhören einfach lieben muss. La kölsche Vita, inszeniert mit der richtigen Portion Bounce.

"Error 404" ist die erste Single aus der kommenden EP "Man kennt sich 3.0", die am 9. November erscheint. Die Release Party am 6. Dezember in Köln ist schon jetzt ausverkauft und der kleine Hype der Jungs ist derzeit auf dem besten Weg, auch andere deutsche Großstädte zu erobern. Mit Longus Mongus von BHZ, den Hamburgern Jace und Cha Lee sowie Opti Mane und Donvtello als Gästen zeigen die beiden sich bestens connectet. Parallel dazu knacken Lugatti & 9ine (@_lugatti_ & @9inebro) mit "Salty" auf Spotify ihre erste Mio – es ist angerichtet!

Maxmustermann069 – Mit Links (prod. Khronos Beats)

069 kann auch anders. Maxmustermann (@maxmustermann069_original) bringt in seinen Songs selbstironische Punchlines direkt aus dem Leben auf Kopfnicker-Beats von Khronos. Dazu gibt's oft auch starke Reimtechnik, die den Hörer in Kombination mit den kuriosen Lines immer wieder zum Schmunzeln bringt. Die Hooks, die Beats, der Humor und die teils amtlichen Reimketten erinnern teils stark an SSIO. Nur eben als Alman-Version, wie Max schon mit seinem Künstlernamen klarstellt.

Erst vor zwei Wochen hat der Frankfurter sein Debütalbum mit dem Titel "Normal" (Stream) veröffentlicht und sich damit quasi für's Camp von Audio88 und Yassin beworben. "Mit Links" ist zugegebenermaßen nicht der stärkste Track der Platte, aber die drei anderen Auskopplungen liegen alle zwischen 25.000 und 30.000 Views auf YouTube.

Olson – Altstadt (prod. AgaJon & knd)

Olson hatte vor Jahren mal so etwas wie einen Hype, von dem er sich bis heute einige treue Hörer bewahrt hat. Seine gefühlvolle Mischung aus Rap und Gesang hat ihr Potenzial für Ohrwürmer nicht verloren und lyrisch hat er ebenfalls einiges anzubieten.

Auf Spotify nehmen auch heute noch 100.000 Leute im Monat dieses Angebot wahr. Die 10.800 Views für "Altstadt" auf YouTube nach anderthalb Monaten sind aber ein klarer Indikator dafür, dass der unfassbar smoothe Track längst nicht alle erreicht hat, die ihn feiern können.

In dem Song erinnert Olson (@olsonofficial) sich an seine wilden Partyzeiten in der Düsseldorfer Altstadt, die er passenderweise im Video von der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee bis zum Rhein durchstreift. Der Musiker demonstriert dabei sowohl seine Skills als Reimer als auch als Songwriter. Vor knapp zwei Wochen erschien mit "LA Lights" eine weitere hörenswerte Single.

Binho – Für den Mobb (prod. Funkvater Frank & ZNKMO)

Es ist kaum überraschend, dass der Zonkeymobb mehr als einen talentierten MC in seinen Reihen hat. Binho (@langfingerbinho) teilt mit seinem Homie OG Keemo ein Faible für durchdachte Patterns, bei denen sich nach dem vermeintlichen Vorbild MF Doom nicht nur die letzten Silben jeder Zeile reimen. Die Texte sind voll von Assonanzen, die seinen Rap von der Masse abheben.

Bei "Für den Mobb" gibt's außerdem ein Breitband-Video sowie unverkennbaren Sound von Funkvater Frank und ZNKMO. Das Ergebnis ist einfach doper Rap, der auch visuell passend in Szene gesetzt wurde und von mehr Leuten gehört werden sollte.

Der Track stammt aus der aktuellen EP "Segen oder Fluch", die letzten Freitag erschienen ist (Stream).

Blvth x Ahzumjot – Tunnel Life (prod. Blvth)

Dieses Video sollte mit größter Vorsicht konsumiert werden. Konzertszenen werden hier mit Aufnahmen aus "Need for Speed Underground 2" zu einer mächtigen Provokation für Epileptiker verschnitten. Deutlich genießbarer ist der Song, den die beiden äußerst talentierten Produzenten gemeinsam auf die Beine gestellt haben.

Blvth (@_blvth_), der als Executive Producer für das frisch erschienene Kummer-Album "Kiox" verantwortlich ist, überzeugt Fans ausgefallenen Sounds schon seit vielen Monaten mit Produktionen für diverse Rapper. Außerdem liefert er immer wieder eigenes Material, das oft Gesang und vor allem viel progressives Elektronisches beinhaltet, aber in keine Schublade passen will. Dermaßen böse und düster wie in "Tunnel Life" geht es jedoch selten zu. Brutaaale Nummer!

Dazu feiert Ahzumjot (@ahzumjot) seinen Lifestyle, der nur eine Richtung kennt: Nämlich pausenlos nach vorne. Machen, machen, machen. Und er macht es gut.


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