So hängen Rap und ISIS sicherlich NICHT zusammen. Auch, wenn du das in der Bild-Zeitung gelesen hast.

Die Bild (wir verlinken nicht darauf) veröffentlichte gestern Morgen einen Artikel mit dem Titel: "So hängen Rap und ISIS zusammen". Da es mindestens drei ISIS-Milizionäre gäbe, die mal gerappt haben, läge ein "Zusammenhang zwischen Rap und islamistischen Terrorgruppen" nahe.

Ein großer Teil europäischer Jugendlicher hört Rap-Musik. Ein kleiner Teil wird Dschihadist. Wahrscheinlich essen auch viele europäische Jugendliche gerne Spaghetti. Besteht jetzt ein Zusammenhang zwischen Spaghetti und ISIS? Haben Spaghetti schuld? Sollte der Geheimdienst Nudelhersteller unter die Lupe nehmen?

Die Bild-News beruht auf einem Artikel aus dem Billboard Magazin, das mit Professor Peter Neumann gesprochen hat, der in London "Radikalisierung und politische Gewalt" erforscht. Im Billboard Magazin wird kein allgemeiner Zusammenhang zwischen Rap und Dschihadismus behauptet. Allerdings: Es gäbe "Dschihadisten-Rap". Und der sei der "Soundtrack zum militanten, extremistischen Islam". Im selben Artikel steht, dass es "massiv falsch" wäre, zu behaupten, dass auch nur ein "signifikanter Prozentsatz" der im Westen aufgewachsenen Dschihadisten Rap hören würde. Wie kann man dann davon sprechen, dass Rap der "Soundtrack des Terrors" sei? Zumal Dschihadisten Musik per se für eine Sünde halten.

Großartige Belege, dass Rap-Musik zur Propaganda genutzt wird, hat auch das Billboard Magazin nicht. Vor allem führt man Beispiele wie Deso Dogg an: ehemalige Rapper, viele gänzlich unbekannt, die NACH ihrer Rap-Karriere zur ISIS gingen. Falls sich mal ein ehemaliger Dachdecker der ISIS angeschlossen hat, hieße das, dass ein Zusammenhang zwischen Dachdeckern und der ISIS bestünde?

Professor Neumann behauptet: Rap spräche, ebenso wie Dschihadismus, Jugendliche an, die vom westlichen System wenig halten. Durch diese Gemeinsamkeit käme es dazu, dass Dschihadisten Rap für ihre Zwecke benutzen. Falk Schacht schrieb zu diesem Argument heute auf Facebook, der entscheidende Unterschied sei aber, dass Rap eben nicht komplett gegen das System sei: "In kurz bedeutet das: 'Wir wollen auch ein Stück vom Kuchen'. Es bedeutet aber so gut wie nie: 'Wir wollen einen anderen Kuchen'."

Die Geschichte von Deso Dogg zeigt, dass es Extremisten gibt, die versuchen, Rapper auf ihre Seite zu ziehen, um sich ihren Einfluss auf Jugendliche zu Nut­ze zu ma­chen. Ob Deso Dogg tatsächlich Rap-Fans mit seinen Handlungen beeinflusst, sei dahingestellt. Es ist jedenfalls falsch, ihn heute noch mit der Hiphop-Kultur zu assoziieren. Er selbst möchte nicht mehr zur Kultur gehören, rief dazu auf, seine CDs zu verbrennen und forderte, dass man seine Videos von YouTube nimmt. Seine letzten Songs liegen Jahre zurück und die absolute Mehrheit der Rap-Fans verurteilt seine Taten.

Wer weiß, würde Rap in diesen Kreisen nicht als Sünde gelten, vielleicht wäre "Dschihadisten-Rap" wirklich ein so großes Problem, wie es die beiden Medien darstellen. Ein Großteil der Rapszene ist sicherlich bereit, sich dagegen zu wehren. Die Bild-Zeitung sollte aufpassen, den Dschihadisten-Rap nicht herbeizuschreiben. Nein, die Deutschrapszene ist kein Terroristen-Ausbildungscamp. Hiphop widerspricht nahezu allem, wofür Dschihadisten stehen. Sollte jemand nach der Bild-Lektüre meinen, er könnte hier seinen Dschihad-Soundtrack finden: Sorry, falsche Party.

Foto: Bild.de