Rap Français beim Openair Frauenfeld: Überflieger, Superstars & heiße Newcomer

Es ist wieder soweit: Die Festival-Saison ist in vollem Gange und heute beginnt das größte Hiphop-Festival Europas. Die Rede ist vom Openair Frauenfeld in der Schweiz. Dass die schweizer Kollegen sowohl dicke Fische aus den Staaten als auch aus Deutschland an Land ziehen können, ist schon seit Längerem bekannt. Aber auch französischsprachige Artists mit Rang und Namen werden für die riesige Hiphop-Party aufgeboten. Dieses Jahr sind es drei Artists und eine Crew, welche die Fahne für Rap Français am Openair Frauenfeld hochhalten werden. Hier liefern wir dir einen Überblick und alle nötigen Hintergrundinformationen zu den Artists. Los geht's!

Maitre Gims (FR), 18.15 - 19.20, Freitag, South Stage

Dieser Herr wird wohl jedem, der etwas mit Hiphop am Hut hat, bekannt sein. Das Oberhaupt der Sexion D’Assaut hat sich in den letzten Jahren in Frankreich zu einem absoluten Superstar gemausert und dabei auch mehr als 2 Millionen (!) Solo-CDs verkauft.

Dieses Jahr ist er auf dem Openair Frauenfeld zu Gast und wird uns mit einem bunten Mix aus straightem Rap und Gesang beglücken. An Bühnenerfahrung mangelt es Meister Gims auf jeden Fall nicht und wie man hier sehen kann, ist er auch an Spontanität schwer zu übertreffen:

Damso (BE) 22.10 - 23.15, Samstag, North Stage

Im letzten Moment hat Tyler, The Creator seinen Auftritt abgesagt, woraufhin das Openair Frauenfeld kurzerhand den belgischen Überflieger Damso verpflichtet hat.

Der 25-jährige Hüne aus Brüssel ist bei Boobas Label 92i unter Vertrag und hat es mit nur zwei Alben von ganz unten bis an die Spitze geschafft. Vom Bordstein bis zur Skyline sozusagen. Seine aktuelle LP Ipséité rasiert seit mehr als zwei Monaten alles in der französischsprachigen Szene. Die unfassbar smoothe Damso-Atmosphäre ist definitiv einen Besuch wert.

Wer wissen will, was genau den Überflieger ausmacht, kann sich hier informieren.

MHD (FR) 15.50 - 16.50, Freitag, South Stage

MHD ist der große Star des Afro Traps, der gerade Europa überrollt. Am Freitagnachmittag wird der 22-Jährige auf der South Stage auftreten und eine riesige Party feiern.

Der Name des jungen Parisers war im letzten Jahr dank seiner Afro-Trap-Reihe und des Debütalbums MHD in aller Munde und auch 2017 gibt es bisher nur Erfolge (wie jüngst das Erreichen von 100 Millionen Klicks für den Song La Puissance) zu feiern.

Dass Afro Trap auch live abgeht, werden manche sich schon denken können. Beim Abriss hier auf dem Openair Frauenfeld wird der Ansturm auf die ersten Reihen enorm werden. Check dis:

Superwak Clique: Makala, Di-Meh, Slimka (CH), 14.00 - 14.45, Samstag, SoulCity

Das OAF hat auch ein Auge auf den Untergrund geworfen. Die bekanntesten Artists der Superwak Clique aus Genf werden am Samstagmittag die SoulCity beehren. Namentlich werden Makala, Di-Meh und Slimka auftreten, welche sich allesamt bereits solo einen Namen gemacht haben.

Die Crew gilt als sehr live-affin und fette Moshpits gehören zum Programm bei einem ausgewachsenen Superwak-Turn-Up. Hier gibt es richtig amtliche Action von hungrigen MCs – versprochen!

Jedes der vier Konzerte kann ein Highlight auf dem Openair Frauenfeld werden. Jetzt liegt es an dir, welche französischsprachigen Artists du dir auf der großen Bühne geben willst. Unser Tipp: Alle! Auf welchen Festivals bist du dieses Jahr zu Gast und wieso? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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Rekordjagd in Frankreich: Superstar Damso releast neues Album "QALF"

Rekordjagd in Frankreich: Superstar Damso releast neues Album "QALF"

Von Clark Senger am 20.09.2020 - 16:42

Seit einigen Jahren zählt Damso zur absoluten Champions League der französischsprachigen Rapwelt. Knapp zwei Jahre nach "Lithopédion" (2018, Dreifachplatin) ist er diese Woche Freitag mit der Platte "QALF" ("Qui Aime Like Follow") zurückgekehrt.

Musikvideos oder auch nur ein Streaming-Release? Fehlanzeige. Das Artwork der Platte zeigt lediglich Künstlernamen, Albumtitel und Spieldauer in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund – ein ähnlicher Minimalismus wie bei der quasi nicht vorhandenen Promophase. Dennoch oder gerade deswegen knackt der belgische Riese, der im Kongo geboren wurde, schon wieder Rekorde und macht international auf sich aufmerksam.

Damso rasiert Spotify & Genius mit seinem Album "QALF"

Wie auch in Deutschland und den USA ist einer der besten Indikatoren für Hype ein Blick auf die Spotify-Zahlen. Dort konnte "QALF" nach 24 Stunden bereits mehr als 11,3 Millionen Streams verzeichnen. Damit steckt Damso die beiden erfolgreichsten Rapalben des Jahres in Frankreich von Maes ("Les derniers salopards" mit 8,2 Millionen im gleichen Zeitraum) sowie Ninho ("MILS 3" mit 6,5 Millionen) in die Tasche.

In Frankreichs Spotify-Charts liegen alle 13 Songs des Albums aktuell in den Top 17. Das Interlude "Thevie Radio" schafft es immerhin auf Platz 22. Gestern sollen die 13 Songs der Platte allesamt in den globalen Top 200 von Spotify vertreten gewesen sein, wie das französische Portal Booska-P berichtet. Heute sind "BXL Zoo" (#151) mit Hamza sowie "Deux Toiles de Mer" (#154) noch in der Liste zu finden und kristallisieren sich für den Moment als die größten Hits heraus.

Einen weiteren Beweis für die Größenordnung, in der Damso spielt, findet man auf Genius. In den Top 10 der am häufigsten aufgerufenen Songs stehen derzeit mit den beiden oben genannten und dem Titel "Life Life" gleich drei "QALF"-Songs.

Damsos Engagement im Kongo

Es ist Damsos erstes Album, das er ohne die Hilfe und das Label seines ehemaligen Mentors Booba veröffentlicht. Seit der Trennung gab es – man ist es von Booba nicht anders gewohnt – kleinere und größere Seitenhiebe auf Instagram. Die melancholische Gelassenheit aus Damsos Musik findet sich aber auch in seinem Krisenmanagement wieder. Offenbar unbeeindruckt hat er sich auf das Album und Arbeit jenseits der Musik konzentriert.

Unter anderem gründete er die Vie Sur Nous Fondation. Mit der Stiuftung hat er es sich zum Ziel gemacht, die menschenunwürdigen und teils lebensgefährlichen Zustände beim Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo zu bekämpfen. Unter anderem beim Abbau des Rohstoffes Kobalt, der beispielsweise für die Akkus von Handys und E-Autos elementar ist, sterben täglich Menschen, während sie für einen Hungerlohn schuften. Außerdem hat er dort den Bau eines Waisenhauses vorangetrieben.

Kobaltabbau im Kongo - Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones

In der Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und neuerdings auch Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo wird der Rohstoff unter katastrophalen Bedingungen abgebaut - häufig von Kindern.

So klingt "QALF": Erster Eindruck & eine Kritikerstimme

Schon auf den ersten Metern von "QALF" merkt man den afrikanischen Einfluss deutlicher als auf den bisherigen Alben. Kurios: Das Album hat zwar ein "Intro", es ist allerdings der letzte Song in der Tracklist. Das tatsächliche Intro heißt "Mevtr" und switcht nach knapp 40 Sekunden mit afrikanischem Gesang und Percussions zu sphärischem 808-Sound.

Auf den folgenden Anspielstationen gibt es Damsos Stimmgewalt erneut sowohl in sanfter als auch härterer Ausführung zu hören. Zu den potenziellen Hits und den gefühlvollen Momenten gesellen sich dieses Mal auch sehr tanzbare Uptempo-Nummern (zum Beispiel "Pour l'argent"), 80s-Nostalgie ("911") und afrikanischer Rumba ("Fais ca bien" ft. Fally Ipupa).

Brice Miclet schreibt bei Les Inrockuptibles, "QALF" erreiche weder die Härte des Debüts "Batterie faible" (2016) noch die Intensität von "Ipséité" (2017), zeichne sich aber durch seine Vielfältigkeit aus. Außerdem vermutet er, wie viele Fans, dass "QALF" ein Teil eines größeren, release-übergreifenden Plans des Musikers sein könnte. Dass das "Intro" als letzter Song auftaucht und Damso an dessen Ende laut brüllt, woraufhin eine Computerstimme "Batterie aufgeladen" sagt, würde diese Theorie stützen. Miclet erwartet auf dem vermeintlichen Nachfolger einen deutlich härteren Damso.

Damso gibt seinen Anhängern und Kritikern ein einzigartiges Stück Musik, das zum Diskutieren animieren möchte und sich nur selten dem Fast-Food-Spirit der Streaming-Ära beugt. Hört die Platte und macht euch selbst einen Eindruck!



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