Flers Marketing-Schule: 5 Tipps zum Durchstarten

Fler kann nicht mit hunderten Goldenen Schallplatten und Awards flexen. Dafür ist er seit einer gefühlten Ewigkeit eine der schillerndsten Figuren, die Deutschrap zu bieten hat.
Der Flizzmaster hat den Kult um seine Person über Jahre perfektioniert. Dabei sind ihm auch schon einige Tipps für die Konkurrenz rausgerutscht, die man sich zu Herzen nehmen kann oder eben nicht.

Wer es jedoch geschafft hat, im immer undurchsichtigeren Deutschraptreiben nie an Relevanz zu verlieren, dürfte in Sachen Eigenvermarktung nicht oft daneben gelegen haben. Weil Flizzy auch für die Menschen ist, kommen hier fünf Empfehlungen aus seiner inoffiziellen Marketing-Bibel:

1. Mach Interviews

Die Bundesliga-Sonntagsspiele müssen bekanntlich um die Einschaltquote bangen, wenn ein neues Flizzy-Interview erscheint. Die Antwort darauf, warum das so ist, liefert jeder einzelne Realtalk des Berliners. Fler weiß seit Beginn seiner Karriere, dass er sich als Person der Öffentlichkeit auch in dieser inszenieren sollte. Allen Newcomern rät er daher im letzten Jahresrückblick mit Rooz zum wiederholten Male: "Macht Interviews!" Schon 2016 erläuterte Fler, auf welche Marketing-Basics er sich beruft:

"Das Grund-Prinzip in Marketing bedeutet, wenn du die erste Single hast, wenn du das erste Album hast, das habe ich damals bei Aggro und Universal von den größten Leuten gelernt, du musst immer den Typen präsentieren!"

Gerade heutzutage ist es regelrecht notwendig, als Mensch für die Hörerschaft greifbar zu sein. Nur so lässt sich umgehen, letztendlich als egale Figur auf einem fortwährend unübersichtlicheren Spielfeld zu enden.

Fler empfiehlt, dieses persönliche Branding durch Interviews voranzutreiben. Wenn Leute neben der Musik auch den Charakter hinter der Kunst ahnen, steigen die Chancen, dass mit der nächsten Trendwelle, nicht die halbe Fanschar davonsurft.

Im Gegensatz zur Selbstdarstellung auf Social Media ist bei einem klassischen Interview zudem mit Widerworten zu rechnen. In der spontanen Reaktion zeigt sich oft das wahre Wesen und somit die Portion Authentizität, die besonders im Rap weiterhin einen enormen Stellenwert besitzt. Um sich das vor Augen zu führen, wechselt Fler auch mal die Perspektive. Am Beispiel von Miami Yacine führte Fler vor circa drei Jahren aus:

"Ich probier das immer aus der Sicht von den Konsumenten zu sehen und die müssen halt einfach verstehen, dass wenn sie das jetzt nicht schnell auf die Reihe bekommen, dass die Leute peilen, wer er als Person ist, dann ist er nur austauschbar."

2. Geh in Clubs

Flers legendäre Energie-Story kommt ebenfalls nicht ohne einen Hinweis auf Marketing-Ebene aus: "Wenn wir in den Club kommen, ist Marketing."

Dieser Ratschlag ist natürlich mit einem leichten Augenzwinkern zu betrachten. Jedoch enthält er einen relevanten Kern. Selbst, wenn du als Privatperson unterwegs bist, nimmt dich deine Umwelt ab einem gewissen Berühmtheitslevel nur noch als Star wahr. Mit einer Saftschorle in der Ecke sitzen und durch das Feuilleton einer Wochenzeitung blättern, wäre wohl letztendlich schlechte Werbung für die Marke Fler.

Fler hat aus diesem Abend stattdessen ein drippendes Event gemacht. Für diese Form von Zielgruppen-Marketing erscheint das Investment von 6.000 Euro für Champagner-Flaschen fast schon wieder vertretbar. Sogar Flizzys neues Album "Atlantis" sollte ursprünglich an diese Club-Episode anknüpfen. Der Arbeitstitel "Energy" wurde jedoch verworfen (mehr dazu später).

3. Beefe nicht – oder doch?!

Auch wenn Fler in einem fast zehn Jahre alten Interview Beef als Marketing-Tool für überholt erklärt hat, ist es selbstverständlich nicht so, dass Streitereien keine Beobachter mehr anlocken würden. Insofern der Zoff einen authentischen Eindruck erweckt, funktioniert der unendlich oft aufgeführte Zaubertrick weiterhin ganz gut.

"Du kannst es natürlich als Marketing-Instrument benutzen, aber nur wenn der Zaubertrick noch nicht bekannt ist. Und sobald dir jemand sagt, 'Beef ist ein Marketinginstrument', ist es keins mehr. [...] Wenn ein Zaubertrick erklärt ist, wird David Copperfield den auch nicht mehr anwenden."

Flers Einschätzung ist insofern stimmig, als das manche Beefs sogar von der Fanbase schnell als Promo abgetan werden. Es zeige "als Rapper eher Größe, wenn du dich davon fernhältst und da drüber stehst", resümierte Fler damals dementsprechend. So ein Verhalten wäre gleichbedeutend mit einem positiven Branding.

Das Leben ist allerdings voller Widersprüche und so ist Fler immer wieder in Beefs und Zankereien verwickelt. Den alten Trick führt er heute noch in regelmäßigen Abständen auf – auch weil Flers Wut auf Kollegen nie so wirkt, als sei sie Teil eines großen Masterplans. Parallel dazu konnten jedoch ebenso diverse Friedens-Missionen mit NRW-Kollegen erfolgreich abgeschlossen werden. Flizzy setzt seine eigenen Ratschläge insofern um, als dass er sich an weitaus weniger Fronten als früher aufreibt.

Deutschrap-Beef hat keine Gewinner mehr (Meinung)

Wisst ihr noch, 2016? Fler gegen Kollegah, ein episches Interview, ein epischer Berlin-Tourblog, Live-Performance von "Fanpost" im Tempodrom. Auch wenn Kolle für viele als der Sieger des Social-Media-Beefs dastand, kann man aus heutiger Perspektive sagen, dass beide Seiten mit einem positiven Ergebnis aus der Sache gehen konnten.

4. Nimm dich nicht so ernst

Okay, diese Regel ist relativ neu im Fler-Universum und lässt sich aus der jüngsten Vergangenheit ableiten. Vermutlich hätte der Flizzmaster einige Dinge früher nicht durchgewunken, die er heute mit erkennbarem Vergnügen tut. Einige Neuinterpretationen des Covers von "Atlantis" hat der Berliner selbst in seinen Instafeed geladen und sich auch nicht daran gestört, dass er in Disneys Arielle verwandelt wurde oder neben Spongebobs heimischer Ananas chillte.

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Seinen "Fanboy"-Moment hat er regelrecht zum Meme gepusht und den Wutausbruch in einen Song überführt. Auch bei "Public Enemies" begab er sich ohne Murren auf das Spaßlevel des "JBG"-Duos Farid Bang und Kollegah. Ob so eine direkte Konfrontation mit einer Figur wie Mr. Rap, vor ein paar Jahren so locker stattgefunden hätte – möglich, aber eher unwahrscheinlich. Ein gesundes Maß an Selbstironie wirkt einfach nie unsympathisch. Das hat Fler augenscheinlich erkannt.

5. Sei unberechenbar

Womit wir beim letzten Punkt wären: Um hervorzustechen, musst du dich von anderen abgrenzen – und Fler ist ganz besonders gut darin. Kein Deutschrapper schafft es, vor seinen Alben ein derart großes Fass aufzumachen, was Titel- und Cover-Auswahl betrifft. Fler ist vom Vibe geleitet. Dieser ist ständigen Änderungen unterworfen. Solange das Master nicht abgegeben ist, kann schlichtweg alles rund um das neue Album passieren. Es ist eine Art von Unique Selling Point, dass wirklich "keiner macht, wie Flizzy macht".

Sogar Flers alter Aggro-Chef und Marketing-Goat Specter soll sich laut eines aktuellen Interviews danach erkundigt haben, wie es der Rapper nach all der Zeit hinbekommt, nicht den Anschluss zu verlieren.

Das Ziel, das hinter den Werbemaßnahmen steckt, hat Fler auch schon mal in einem Song klar benannt. Im Track "Du machst, dass ich atme" aus dem Jahr 2007 rappt er scheinbar über eine Frau. Es geht aber um etwas anderes: Geld. Das ist wenig romantisch, aber verdeutlicht den Mindstate:

"Ich denk' an dich, wenn ich am Schlafen bin, Warten bin / Nur dir zur Liebe interessier' ich mich für Marketing"

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