Direkt aus dem Untergrund: 5 neue Musiktipps unter 18.000 Klicks

Musikkünstler, die bei keinem großen Label unter Vertrag stehen, bekommen oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient hätten. Seitdem Instagram, Soundcloud, YouTube und Co. einer jeden Privatperson die Plattform geben, sich musikalisch auszudrücken, wächst die Konkurrenz untereinander. Die Qualität hingegen scheint durch Massenproduktion und Übersättigung an Wert zu verlieren. Fast unentdeckt schleichen sich kleinere, talentierte Künstler an der Chart-Prominenz vorbei. Nicht aber an uns. Wir haben dir deshalb fünf erntereife Track-Beeren zwischen den grünen herausgepickt, die das Potenzial für eine saftige Erfolgstorte haben.

Cliff – Handy Whack

Auch wenn du diesen Artikel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf deinem Smartphone liest: Bitte lege deinen treuen technischen Begleiter für diesen Künstler nicht beiseite. Der 18-jährige Cliff Odum alias Cliff verbreitet mit seiner neuen Single "Handy Whack" eine deutliche Message. Der Steinfurter richtet sich an alle Jungs und Mädels seiner Generation, die ständig auf den Bildschirm starren und dabei die wichtigen und vor allem in der Realität stattfindenden Dinge um sich herum vergessen: 

"Ja, ich kenn nicht deinen Namen / Doch ich kenne deine Snap-ID"


Nicht nur das Thema um übermäßigen Smartphone-Konsum ist aktueller denn je. Nachdem der (Afro-)Trap Sound vergangenes Jahr in deutschem Rap seinen Höhepunkt erlebte und sich gesungene Hooks wie die von Bausas „Was du Liebe nennst" oder KC Rebells und Summer Cems "Mucielago" großer Beliebtheit erfreuten, könnte 2018 RnB durch die Decke gehen – und mit ihm Cliff.  Sicher nicht der leichteste Weg, ein feierbarer aber durchaus. Die Spannung auf Cliffs Debüt-EP steigt. "Cosmos" erscheint am 23. März.

CLIFF - Handy Whack (official Musicvideo) prod. by Johanna Schelp

Video Prod. by Johanna Schelp Mein Debüt-Album COSMOS gibts ab dem 23.03.2018! Danke an: Mauritzhof Münster Drohne: Phillip Saskia Prim Chris Kleilein Jill Fimpler Gina Ammertman Mariu Riddering Rike Schmieding Arne Schmieding Berkan Tekin Henner Rochol Nina Haverkamp Tim Haverkamp Mercy Odum Jule Hartmann Lolo Joana

Calman – Kleiner als Drei

"Kleiner als Drei" gab es bereits auf Calmans Album "Inhalt" zu hören. Jetzt visualisiert uns der Berliner Rapper und selbsternanntes "schnellstes Spermium" die Zeilen und verpackt sie in ein experimentelles Video. Was momentan von YouTube-Rappern als neuer Ausdruck für "nice" missbraucht wird, trifft bei Calman tatsächlich zu: Er ist anders. Seine prägnante Stimme mit hohem Wiedererkennungswert brennt sich in Verbindung mit einem souveränen Flow und emotionalem Storytelling in den Kopf ein. Auch die gesungene Hook und das damit einhergehende Ende bleiben nicht ohne Überraschungseffekt: 

Calman - Kleiner als Drei

Aus dem Album "Inhalt", FREE DOWNLOAD: https://calman.bandcamp.com/album/inhalt mehr Calman: https://www.facebook.com/calmanmusik/ https://www.instagram.com/calmanmusik https://soundcloud.com/calman Credits: Regie/Schnitt: Calman Sängerin: Melina Haranian Maske: Maïté Lisa Dietzel Kamera/Licht: Patrick Lehrmann

Das gesamte Album steht dir übrigens als freier Download zur Verfügung und klingt so:

Abby Jasmine – Long Live

Sie ist jung und talentiert: Die erst 19-jährige Abby Jasmine aka. Trap Mom f*ckt nicht mit Weibern, die s*xuelle Handlungen gegen Drogen ausführen. Den Untergrund rasieren und dabei verdammt gelassen aussehen, ist ihre Attitüde. 

Soziale Medien haben immer mehr Künstlern den Weg geebnet, um die große, weite Welt erreichen zu können. Na gut, auch solchen Leuten, die gerne Künstler wären und sogar im realen Leben absolut talentfrei sind. Trotzdem: So viele unterhaltende Inhalte wie möglich in kürzester Zeit zu konsumieren, ist das Ziel eines jeden modernen Mediennutzers. Das impulsive Handeln verstärkt den Wettbewerbscharakter in der Kreativszene immer mehr. Abby Jasmine konnte sich trotz großer Konkurrenz mit kurzen, originellen und witzigen Clips durchboxen und begeistert seitdem über 430 Tausend Follower auf Instagram und Twitter. Ihr "But Did You Die Tho"-Freestyle bewies, dass ihr Talent weit über den Humor hinaus reicht. Sie eroberte das Internet in kürzester Zeit, wurde zu einem lebendigen Meme (#lifegoals) und teaste ein paar Rapskills an, die Früchte trugen. Mit ihrer Debütsingle "Long Live" und dem passenden Video dazu kann sie hoffentlich auch zukünftig in den Weiten der Musikbranche überzeugen.

Abby Jasmine - Long Live (Official Video)

Abby Jasmine's "Long Live" Official Video. Visually Orchestrated by @ZionJem || Shot by Ezru Stream on Soundcloud: http://bit.ly/longlivesc Follow Abby: https://www.instagram.com/abbyjasminexo/ https://twitter.com/abbn0rmal_ https://www.facebook.com/TrapMomAbby/ https://soundcloud.com/abbn0rmal https://www.musical.ly/h5/share/usr/80815920729731073.html

abby jasmine on Twitter

but did you die tho? https://t.co/a9YS5MFw88

JosherHaze – Shawty, Siehst Du?

JosherHaze und der PBS Mob liefern sicherlich keinen Sound, der in dem Stil noch nie gehört wurde. Zugegebenermaßen ist er dennoch ziemlich catchy und lässt einen unweigerlich mitwippen.  Sowohl "Grün & Lila" als auch "Pfirsich Eistee" sind prägnante Tracknamen, die gleichzeitig Dinge verkörpern, mit denen zumindest ich mich gut identifizieren kann. Den Track "Zitronen Eistee" zu taufen, hätte die Jungs in meinen Augen wesentlich unsympathischer erscheinen lassen. Wer trinkt denn sowas? Aber genug von der Eistee-Debatte. Geschmäcker sind eben verschieden. Über den noch immer präsenten Trap Sound lässt sich mitnichten weniger diskutieren. "Shawty, siehst du?" geht mir dennoch seit Tagen nicht aus dem Kopf und das ist auch gut so. Bei den nächsten Singles aus dem kommenden Solotape von JosherHaze wird es mir gemessen an den bisherigen Veröffentlichungen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders ergehen. 

JosherHaze - Shawty, siehst du? (prod. Barré) by PBS MOB

Special thanks to Willi & Gary!

DietharD Schlächter – Siddhartha

Du musst nicht Retrogott und Hulk Hodn heißen, um in wortgewandter Boom Bap-Manier einen entspannten 90er-Vibe zu erzeugen. DietharD Schlächter reicht vollkommen aus – oder noch kürzer: DDS. Der 28-Jährige übt reflektierte Gesellschaftskritik und präsentiert in seinen Tracks teils humoristische, teils ernstere Phrasen auf entspannten Beats. Dem Ganzen mischt er eine Prise Flow und persönliche Erfahrungen bei. Auf seinem neuesten Track "Siddhartha" vergleicht David, so sein bürgerlicher Name, sein eigenes Leben mit dem des gleichnamigen Protagonisten aus Hermann Hesses bekannten Roman. Wer den Track für sich entdecken kann, macht somit also nicht nur mich, sondern zusätzlich noch den Deutschlehrer stolz.

DDS - Siddhartha by DietharD Schlächter

Beat: Beckert Intro & Outro-Vocals - Ulrich Matthes

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Kommentare

Auch passend in eure Kategorie "Musiktipps unter 18k Views".

Lü Rique aus Berlin mit "Chiko" (13k Views). Video (by Orkan Ce) kam Ende Januar 2018 raus: youtu(dot)be/sA3CmzVBzBI

dieser josherhaze ist 1 gutr tipp

JosherHaze <3

Gut geschrieben und coole tipps, aber Pfirsich Eistee < Zitronen Eistee

Deine Meinung dazu?

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Ungehypt &amp; dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Ungehypt & dope: 5 Deutschrap-Tipps unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 16.10.2019 - 15:09

Der Untergrund hat, was der Mainstream vermissen lässt. Deshalb braucht man nicht jammern, sondern man kann sich auf die Suche machen nach den Artists, die nur darauf warten, gefunden zu werden. Wir präsentieren euch regelmäßig eine kleine aber feine Auswahl dieser Perlen. Einzige Regel: Die Videos müssen noch unter 25.000 Klicks liegen. Einen Überblick über die bisherigen Artikel aus dieser Reihe gibt es hier.

Lugatti & 9ine – Error 404 (prod. Traya)

Bei diesen Jungs haut die Einordnung "ungehypt" zwar nicht mehr ganz hin, aber sei's drum. Das Video zur aktuellen Single des Kölner Duos Lugatti & 9ine, natürlich produziert von Traya, liegt mit derzeit knapp 15.000 Views auf dem JUICE-Kanal bei YouTube und verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

Wie von den Jungs gewohnt gibt es humorvolle Punches, sicheren, modernen Flow und ein wunderbar sphärisches Instrumental von Traya, dessen Bassline man beim genauen Hinhören einfach lieben muss. La kölsche Vita, inszeniert mit der richtigen Portion Bounce.

"Error 404" ist die erste Single aus der kommenden EP "Man kennt sich 3.0", die am 9. November erscheint. Die Release Party am 6. Dezember in Köln ist schon jetzt ausverkauft und der kleine Hype der Jungs ist derzeit auf dem besten Weg, auch andere deutsche Großstädte zu erobern. Mit Longus Mongus von BHZ, den Hamburgern Jace und Cha Lee sowie Opti Mane und Donvtello als Gästen zeigen die beiden sich bestens connectet. Parallel dazu knacken Lugatti & 9ine (@_lugatti_ & @9inebro) mit "Salty" auf Spotify ihre erste Mio – es ist angerichtet!

Maxmustermann069 – Mit Links (prod. Khronos Beats)

069 kann auch anders. Maxmustermann (@maxmustermann069_original) bringt in seinen Songs selbstironische Punchlines direkt aus dem Leben auf Kopfnicker-Beats von Khronos. Dazu gibt's oft auch starke Reimtechnik, die den Hörer in Kombination mit den kuriosen Lines immer wieder zum Schmunzeln bringt. Die Hooks, die Beats, der Humor und die teils amtlichen Reimketten erinnern teils stark an SSIO. Nur eben als Alman-Version, wie Max schon mit seinem Künstlernamen klarstellt.

Erst vor zwei Wochen hat der Frankfurter sein Debütalbum mit dem Titel "Normal" (Stream) veröffentlicht und sich damit quasi für's Camp von Audio88 und Yassin beworben. "Mit Links" ist zugegebenermaßen nicht der stärkste Track der Platte, aber die drei anderen Auskopplungen liegen alle zwischen 25.000 und 30.000 Views auf YouTube.

Olson – Altstadt (prod. AgaJon & knd)

Olson hatte vor Jahren mal so etwas wie einen Hype, von dem er sich bis heute einige treue Hörer bewahrt hat. Seine gefühlvolle Mischung aus Rap und Gesang hat ihr Potenzial für Ohrwürmer nicht verloren und lyrisch hat er ebenfalls einiges anzubieten.

Auf Spotify nehmen auch heute noch 100.000 Leute im Monat dieses Angebot wahr. Die 10.800 Views für "Altstadt" auf YouTube nach anderthalb Monaten sind aber ein klarer Indikator dafür, dass der unfassbar smoothe Track längst nicht alle erreicht hat, die ihn feiern können.

In dem Song erinnert Olson (@olsonofficial) sich an seine wilden Partyzeiten in der Düsseldorfer Altstadt, die er passenderweise im Video von der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee bis zum Rhein durchstreift. Der Musiker demonstriert dabei sowohl seine Skills als Reimer als auch als Songwriter. Vor knapp zwei Wochen erschien mit "LA Lights" eine weitere hörenswerte Single.

Binho – Für den Mobb (prod. Funkvater Frank & ZNKMO)

Es ist kaum überraschend, dass der Zonkeymobb mehr als einen talentierten MC in seinen Reihen hat. Binho (@langfingerbinho) teilt mit seinem Homie OG Keemo ein Faible für durchdachte Patterns, bei denen sich nach dem vermeintlichen Vorbild MF Doom nicht nur die letzten Silben jeder Zeile reimen. Die Texte sind voll von Assonanzen, die seinen Rap von der Masse abheben.

Bei "Für den Mobb" gibt's außerdem ein Breitband-Video sowie unverkennbaren Sound von Funkvater Frank und ZNKMO. Das Ergebnis ist einfach doper Rap, der auch visuell passend in Szene gesetzt wurde und von mehr Leuten gehört werden sollte.

Der Track stammt aus der aktuellen EP "Segen oder Fluch", die letzten Freitag erschienen ist (Stream).

Blvth x Ahzumjot – Tunnel Life (prod. Blvth)

Dieses Video sollte mit größter Vorsicht konsumiert werden. Konzertszenen werden hier mit Aufnahmen aus "Need for Speed Underground 2" zu einer mächtigen Provokation für Epileptiker verschnitten. Deutlich genießbarer ist der Song, den die beiden äußerst talentierten Produzenten gemeinsam auf die Beine gestellt haben.

Blvth (@_blvth_), der als Executive Producer für das frisch erschienene Kummer-Album "Kiox" verantwortlich ist, überzeugt Fans ausgefallenen Sounds schon seit vielen Monaten mit Produktionen für diverse Rapper. Außerdem liefert er immer wieder eigenes Material, das oft Gesang und vor allem viel progressives Elektronisches beinhaltet, aber in keine Schublade passen will. Dermaßen böse und düster wie in "Tunnel Life" geht es jedoch selten zu. Brutaaale Nummer!

Dazu feiert Ahzumjot (@ahzumjot) seinen Lifestyle, der nur eine Richtung kennt: Nämlich pausenlos nach vorne. Machen, machen, machen. Und er macht es gut.


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