Tod des Musikfernsehens: Weshalb VIVA ein wichtiger Wegbegleiter für Deutschrap war

Am 1. Dezember 1993 ging VIVA auf Sendung. Gute 25 Jahre später - am 31. Dezember 2018 - hieß es Abschied nehmen. Um 14 Uhr am Silvestertag stellte der Musiksender den Betrieb ein. Damit endete ein Stück popkulturelle Geschichte des deutschen Fernsehens.

VIVA war in den letzten Jahren keine Erfolgsgeschichte mehr. Auch der ehemalige Konkurrent MTV hat nicht mehr den Einfluss auf die Musikindustrie, den die Sender insbesondere in den 90er Jahren zugeschrieben wurde. Dennoch hat insbesondere VIVA entscheidenden Anteil daran, dass deutschsprachiger Rap es mitten in den Mainstream schaffte. Und so hörte VIVA genauso auf, wie es angefangen hatte: mit Hiphop aus Deutschland.

Dezember 1993: VIVA spielt die Fantastischen Vier zum Auftakt

Der erste Clip, den VIVA Anfang Dezember 1993 zeigte, war "Zu geil für diese Welt" von den Fantastischen Vier. Die Stuttgarter liefen mit ihrem Song am Montag auch als Letzte über die Bildschirme des Senders.

Dass es mit deutschem Rap begann, dürfte Zufall gewesen sein. Deutschsprachiger Musik mehr Raum zu geben, gehörte indes zu den erklärten Zielen des Musiksenders, der ab 1993 aus Köln heraus der Weltmarke MTV Konkurrenz machen wollte. Denn MTV hatte Anfang der 90er kaum Platz für Popmusik made in Germany. Die neue Videoverwertungsanstalt (abgekürzt: VIVA) wollte das ändern und hatte genau damit Erfolg. Was in der Folge auch MTV dazu bewegte, deutschsprachiger Musik mehr Sendezeit zu widmen.

In den folgenden Jahren ebnete VIVA mit seiner Strategie, Dinge unbedarft auszuprobieren, nicht nur Moderatorinnen und Moderatoren wie Stefan Raab, Oliver Pocher, Klaas Heufer-Umlauf, Heike Makatsch, Charlotte Roche oder einigen anderen, die in verschiedenen Funktionen teils bis heute die deutsche Unterhaltungsindustrie prägen, den Weg. Der Sender schuf auch Voraussetzungen, unter denen deutscher Hiphop erstmals etwas mehr Aufmerksamkeit im deutschen TV bekam.

VIVA x Deutscher Hiphop: "Get The Clip", "Mixery Raw Deluxe" & der legendäre Taktloss-Auftritt

Denn wer Ende der 1990er oder Anfang der 2000er Videos deutschsprachiger Hiphop-Artists sehen wollte, der musste sich an das Musikfernsehen halten. Selbst in heutigen - für Deutschrap unglaublich erfolgreichen - Zeiten findet deutscher Rap, gemessen am Einfluss des Genres, im Fernsehen noch recht wenig statt. In einer Zeit, in der Rap hierzulande noch nicht regelmäßige Rekorde aufstellte und Hits am Fließband produzierte, hatte die Kunstform es dementsprechend noch schwerer, einen Platz im TV-Programm zu finden. Dass Deutschrapfans nicht vollends in die Röhre gucken mussten, sondern auf Röhrenfernsehern (diese unglaublich sperrigen TV-Geräte mit komischem Bildformat) zumindest ab und an Rap aus Deutschland geliefert bekamen, hatten sie auch VIVA zu verdanken. 

Die etwas Älteren werden sich erinnern, vor dem VIVA-Format "Get The Clip" gesessen zu haben. Immer mit der Hoffnung, zwischen Boybands und Britney Spears-Hits Clips von Aggro Berlin, Samy Deluxe oder anderen Rappern sehen zu können. Zumindest in den Erinnerungen scheint es so, als ob Rap es für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich oft auf den heimischen Fernseher schaffte.

Natürlich war da auch "Mixery Raw Deluxe". Die zu Beginn von MC René und später vom Hiphop-Weisen Falk Schacht moderierte Sendung lieferte regelmäßig Inhalte zu deutschem und amerikanischen Hiphop. Ebenso unvergessen ist Taktloss' legendäre Performance, die man niemals oft genug gesehen haben kann:

VIVA ist TV-Geschichte

All diese Sendungen sind mittlerweile Geschichte. Genauso wie VIVA seit einigen Tagen Geschichte ist. Wer sich die Entwicklung des einstigen VIVA-Konkurrenten MTV anschaut, der wird schnell merken, dass Musikfernsehen wohl nicht mehr wirklich das große Ding ist. Mit dem Internet und spätestens mit Social Media sind Artists nicht mehr darauf angewiesen, dass Programmchefs ihnen Sendeplätze in ausgewählten Shows zugestehen. Wer die neue Generation musikinteressierter Teenies ansprechen möchte, der muss ganz andere Wege gehen. Vor allem das Streaming-Business hat Rap revolutioniert. Die Kids von heute werden VIVA kaum noch kennen.

Viva ist deutsche Fernsehgeschichte, weil es das deutsche Fernsehen nachhaltig verändert hat, vor allem das Jugendfernsehen

Und trotzdem hat VIVA eben nicht nur ein Stück (pop-)kulturelle TV-Geschichte in Deutschland geschrieben, sondern mit seiner unkonventionellen Art Rap eine Plattform geboten, zu der das Genre gesellschaftlich noch weit weniger anerkannt und im Mainstream verankert war. Kaum jemand, der das ikonische VIVA-Logo nicht unmittelbar vor Augen hat. Nach 25 Jahren voller Höhen und Tiefen ist Schluss. Irgendwann ist gut. Mit den Fantastischen Vier lief zum passenderweise ein Act über die Bildschirme, der eher für Historie als für zeitgeistigen Sound junger Leute steht. VIVAs Zeit it vorbei. Und dennoch hat marcus S. Kleiner - ein Berliner Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft" Recht, wenn er VIVA gegenüber dem Focus als "deutsche Fernsehgeschichte" bezeichnet. 

VIVA war zur richtigen Zeit da, um deutschsprachigem Rap etwas Öffentlichkeit zu geben. Heute ist das Genre darauf nicht mehr angewiesen. Deshalb hatte auch Sarah Kuttner Recht, als sie zum Ende der Abschiedsshow sagte "Jetzt ist auch mal gut". 

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Kommentare

Die Fanta 4 kommen also neuerdings aus Hamburg. Ok. Gute Recherche.

Ist natürlich verbessert. Danke für den Hinweis!

Ihr habt tatsächlich die Sendung "Freestyle" NICHT erwähnt?!?!

Keine Nennung von Freestyle und WordCup? Keine Erwähnung von Supreme? Außer versteckt auf dem Videotitel zum Taktloss-Auftritt. Auch wenn Supreme eigentlich auf Viva 2 beheimatet war. Dennoch das beste Format gewesen.

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Soulja Boy vs. Bow Wow: 2000er Battle bei VerzuzTV?

Soulja Boy vs. Bow Wow: 2000er Battle bei VerzuzTV?

Von Renée Diehl am 23.05.2021 - 13:42

Soulja Boy und Bow Wow teilen vielen Gemeinsamkeiten: Beide waren in den frühen 2000ern jung zu Fame gekommen und haben von Beef untereinander bis hin zu einem gemeinsamen Kollabo-Album im Jahr 2016 so einiges durch. Nun hat Soulja Boy auf seinem Twitter-Account angekündigt, dass die beiden in einem VerzuzTV-Battle gegeneinander antreten werden. 

Soulja Boy vs. Bow Wow: Ankündigung bisher ohne Datum

Keiner der Macher von VerzuzTV, also weder Swizz Beatz, noch Timbaland, haben das Battle bisher bestätigt. Allerdings hat Swizz Beats Soulja Boys Tweet in seiner Instagram-Story geteilt, was durchaus als Hinweis auf das Stattfinden des Battles gewertet werden kann. In Soulja Boys Tweet heißt es:

"Soulja Boy vs Bow wow #verzuz it’s official"

Promo-Beef: Soulja Boy macht Bow Wow eine Ansage

Kürzlich noch hatte Soulja Boy in einer Radiosendung gewitzelt, dass Bow Wow (diesen Artist auf Apple Music streamen) Angst hätte, ihn einem Battle gegen ihn anzutreten: 

"Bow Wow hat Angst vor mir, Mann. Als Romeo etwas gesagt hat, ist er direkt darauf eingegangen, aber als sie Big Dracos Namen erwähnt haben, war er still und hat sich jede Menge Ausreden einfallen lassen. Bow Wow weiß, wie ich drauf bin."

"Bow Wow scared of me, man. You see when Romeo said something, he jumped right on it but as soon as they said Big Draco name, Bow Wow be quiet as hell making up all types of excuses, man. Bow Wow knows what’s up with me, man."

Das Ganze hatte er natürlich nur halbernst gemeint, ist er doch eigentlich mit Bow Wow gut befreundet. Für das Battle scheinen die beiden dennoch bereit zu sein, gegeneinander zu schießen – schließlich hat etwas Promo-Beef im Vorfeld eines Kräftemessens im Rap noch nie geschadet. Trotzdem stellt Soulja Boy klar:

"Trotzdem ist er mein Homie. Ich liebe Bow Wow, im wahren Leben ist er mein Freund, ein echter Bruder. Wenn es allerdings um Verzuz geht, hör mit den Spielchen auf, Bow Wow."

"That’s my boy, though. I love Bow Wow, you know what I’m saying? That’s like my friend in real life. That’s like my real brother, but when it comes to Verzuz and all that, stop playing Bow Wow."

Fans und Rap-Kollegen zeigen sich auf Social Media heiß auf das Battle. Fehlen also nur noch die Ankündigung über VerzuzTV und das offizielle Datum. 


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