8 Newcomer*innen aus FFM & Umgebung, die du kennen musst

Die Stadt Frankfurt und ihr Umland bringen ja bekanntlich immer wieder Rapper*innen raus, die in der gesamten Republik gefeiert werden. Dass die Gegend rund um den Main dem Straßenrap-Mythos zwar absolut gerecht wird, aber auch Künstler*innen fernab des Gangstertums zu bieten hat, beweisen diese acht Newcomer aus FFM & Umgebung, die ihr unbedingt kennen müsst. Natürlich zählen auch bekanntere Namen wie Ramo, Kilomatik, Hemso oder AK 33 zur Reihe interessanter Namen, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir wollen unser Augenmerk hier allerdings auf diejenigen legen, von denen man vielleicht noch gar nichts gehört hat. 

LIZ 

Den Anfang macht die Frankfurter Rapperin LIZ, die als Frau die Frankfurter Gangstarap-Szene aufmischt und durch ihre Roughness begeistert. In ihrem Song "Liz Izzez" gibt sie erstmal Props an die Frankfurter OGs Celo & Abdi, indem sie aus deren Song "Hektiks" zitiert: "Sag' es wie Celo: ‚Hand runter, ich bin Frankfurter`". Für die meisten Songs ihres im Februar 2021 erschienenen Mixtapes "Bleibe Echt", hatte sie mit dem Produzenten-Duo Lucry & Suena übrigens echte Hitmaschinen an ihrer Seite. Die beiden steckten bekanntermaßen auch hinter Apaches "Roller" und zahlreichen Bangern der KMN Gang. Und auch die OF/FFM Connection iz da: Im Januar 2021 veröffentlichte sie den Kollabo-Track "Reden" mit Ramo.

MiMO 

Rap aus Frankfurt – auf Griechisch? MiMO aus dem Frankfurter Ostend ist auf jeden Fall ganz anders unterwegs und representet seiner Musik seine griechischen Wurzeln. Der Vater des Rappers war bereits ein erfolgreicher Musiker in seiner Heimat und hat dem 18-Jährigen sein Talent so quasi in die Wiege gelegt. Mit der griechischen Sprache will der Newcomer sich vor allem von seinen Rap-Kollegen absetzen und darüber hinaus nicht nur hier, sondern auch auf dem dortigen Musikmarkt punkten. Dennoch bietet er über deutsche Features und deutsche Parts einen guten Mix. "Die Zuhörer in Deutschland lernen etwas von der griechischen Musik und die Leute aus Griechenland lernen etwas von der deutschen", sagt er. Nach der Single "Push It" gemeinsam mit Alpha, wird in naher Zukunft ein weiterer Kollabo-Track mit den Frankfurtern Cava und Gucci Qzi droppen. MiMOs Plan für 2021 sieht es erstmal vor, weiter an Zuhörern und Erfahrung zu gewinnen: "Ich werde dieses Jahr an einigen Singles arbeiten und Vorarbeit für das kommende Jahr leisten. Auf jeden Fall droppen paar harte Dinger dieses Jahr!"

 

Josi 

Der Darmstädter Platin-Rapper Olexesh hatte ja bereits im Oktober letzten Jahres sein eigenes Label Authentic Athletic Records gegründet, wobei er selbst allerdings seiner Labelheimat 385i treu bleibt. Zeitgleich hatte er auch seine ersten drei Signings bekannt gegeben: Josi, Yung Bratan und Chakal. Den Weg der gerade mal 17-jährigen Josi beschreibt Olex höchstselbst auf deren gemeinsamer Single "ICY": "Ich weiß noch, als die Jungs vorgerappt haben / Kamst du dazwischen und kicktest alle weg, Mann / Deine Flows war'n seltsam, ich kannte den Style nicht / Ich dacht mir ‚Safe, Mann, die sign' ich!‘". Und genau diesen eigenen Style bekommt man bei Josi auch zu hören: Starke Flows und eine überzeugende Rap-Stimme charakterisieren den Sound der Frankfurterin. Wie viele andere Female Rapper, zieht sie ihre Inspiration aus weiblichen Vorbildern. In ihrem Fall ist es ihre Mutter, die ihre insgesamt fünf Kinder alleine aufgezogen hat. "Unabhängig und stark", findet Josi.

Yung Bratan 

Und noch ein Olex-Signing steht für 2021 in den Startlöchern: Yung Bratan. Über das Newcomer-Projekt "Von der Strasse in die Charts" von 385idéal veröffentlichte er zwar bereits 2019 die Single "Gang Life" und 2020 dann unter Authentic Athletic Records den Track "Vorbei". Mit "Rosarot" folgte dann aber seine erste Auskopplung des Jahres 2021, auf weitere heißt es, gespannt zu bleiben. Seine Idole liegen für den 22-Jährigen irgendwo zwischen Olexesh, der für den Newcomer "wie ein Vater war", und Van Halen, denn bereits mit sieben Jahren lernte Yung Bratan von seinem Stiefvater Bass, später dann Gitarre. Folglich ist auch sein Rap vielseitig und zieht Inspiration aus vielen unterschiedlichen Genres. 

Chakal

Ebenfalls Darmstädter wie Olexesh, durfte Chakal als erstes der Authentic Athletic-Signings eine Single releasen. Mit "Ghetto Große Fresse" bewies der Newcomer Straßenrap-Attitüde, später dann auf dem Feature "NMI" mit Olex Hitpotenzial. Seit sieben Jahren macht der Künstler, der bislang nur mit Maske auftritt, bereits Musik und ist damals durch seinen Labelchef selbst zum Rappen gekommen. Und sieben Jahre bis zum Signing beim neugegründeten Label Authentic Athletic sind eine lange Zeit – vielleicht nennt er gerade deshalb "Geduld" als eine seiner Stärken, auch wenn er bereits 2018 unter 385i sein "Fu§fesseltape" veröffentlicht hatte. 

Japo

Aufgewachsen in der Frankfurter Nordweststadt, kann Japo als Nachfolger der Bezirksgrößen Azad und Hanybal gehandelt werden. Laut seines Managements, hatte er so bereits sehr früh die Verbindung zur Straße und saß mehrere Jahre im Gefängnis, wo er dann anfing, seine ersten Texte zu schreiben. Kurz nach seiner Entlassung veröffentlichte der heute 22-Jährige seine ersten Handyvideos, worauf schnell Angebote von Majorlabels folgten. Ganz dem Frankfurter Stil treu, har er sich aber entschieden, den Weg mit seinem eigenen Team zu gehen. So teilt er sich das Management beispielsweise mit Enissa Amani. Bereits 2020 war ein Feature-Part des Rappers auf dem Song "Sirenen" von Hanybal zu hören. Wie das Feature zustande kam? Die beiden verbindet eine langjährige Nachbarschaft. Japo sagt: "Ich kann quasi von meinem Balkon einen Stein direkt in seine Wohnung werfen". Hanybal habe Japo damals über Instagram kontaktiert und ihn auf seinen Song eingeladen. Für Japo sei es eine große Ehre gewesen, auf Hanys Album präsent zu sein und deshalb habe er ihm seinen Part direkt geschickt. Bald folgen Infos zu Japos erster eigener EP, Features mit Jalil, Lucio101 und Moro sind in der Pipeline. 

 

Braevy

Ganz andere Töne schlägt der in Offenbach und Frankfurt aufgewachsene Künstler Braevy an. Ein eher melodienlastiger Sound mit hohem Gewicht auf dem Ohrwurm-Charakter der Hooks macht seine bisherigen Single-Veröffentlichungen aus. Zum Rappen sei er in einer durchzechten Nacht mit einem Freund gekommen – seitdem hat der Newcomer bereits seine erste EP "À La Carte" veröffentlicht, von der sein Track "Motel" und das zugehörige Video auf YouTube den bisher größten Anklang fanden. Zu seinen Plänen für 2021 sagt Braevy: "Für 2021 habe ich eigentlich erstmal nur Singles geplant. Ende 2020 kam ja meine erste EP raus und war auch relativ erfolgreich für die Ziele, die ich mir gesteckt hatte. Dieses Jahr möchte ich mich weiter darauf konzentrieren, meinen Style zu finden und auszufeilen."

DaVincci

"Ein Jahr voller Singles": Nach ein paar Monaten Musikpause im Jahr 2020, will DaVincci 2021 so richtig durchstarten und seinen Hörern monatlich etwas Neues bieten. Im Bezirk Oberrad aufgewachsen, ist auch er ein waschechter Frankfurter, hat aber mit der Gangsterrap-Thematik der Stadt recht wenig zu tun. Selbst sagt er, er sei ein Fan von Tiefe in der Musik, weshalb er sich momentan auf deepe Thematiken und dunkle Sounds fokussiere. In eine Schublade stecken lassen möchte er sich allerdings nicht. "In Zukunft wird man auch noch mehr raushören, von welchen Genres ich mich inspirieren lasse", so der Newcomer. Features seien auch geplant. Geprägt von seiner Mutter, die ihn ab seinem elften Lebensjahr immer mindestens ein Schiller-Gedicht hat lesen lassen, bevor er rausdurfte, entwickelte er schon früh seine künstlerische Ader und begann, für sich selbst Texte zu schreiben. Seine enorm melodische Single "Himmelrot" mit KEZ erschien Mitte März. Auf die monatlichen Single-Releases des Newcomers darf man sich jetzt schon freuen. 

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Review: Kanye Wests "Donda" ist ein absolut stabiles Album

Review: Kanye Wests "Donda" ist ein absolut stabiles Album

Von Leon Schäfers am 03.09.2021 - 21:00

Eines vorweg: "Donda" von Kanye West ist kein perfektes Album. Es fühlt sich trotz mehrfacher Verspätung und trotz Kanyes releaseverhinderndem Perfektionismus nach einem gehetzten, schon beinahe unfertigen Projekt an. Dafür Schuld trägt vor allem die massive Überlänge des Albums mit 27 Songs und einer Laufzeit, die geradewegs auf die Zwei-Stunden-Marke zusteuert. Das lässt schnell den Anschein erwecken, als wäre schlichtweg jeder Song und jede Idee zu einem riesigen Potpourri aus Gospel, Hiphop und Gastauftritten zusammengewürfelt worden, ohne dass vorher großartige Gedankenarbeit ins Filtern oder ins Sequencing geflossen ist.

Aber reicht diese Tatsache allein aus, um die Qualität eines Albums zu ruinieren? Wohl kaum. In einer playlisttauglichen Musikära, in der viele Alben tendenziell unter einer viel zu kurzen Laufzeit leiden, fühlt es sich auch einfach falsch an, Artists für ein Projekt in Spielfilmlänge an den Pranger zu stellen. Außerdem bietet eine derart große Auswahl entsprechend viel Platz für gute Songs – und die kommen auf "Donda" nicht zu kurz. Also: "Donda" von Kanye West ist kein perfektes Album. Dafür aber ein ziemlich gutes.

"Donda" fängt sehr stark an

Gut, der "Donda Chant" als erste Anspielstation des Albums ist natürlich etwas... gewöhnungsbedürftig. In meinen privaten Playlists wird dieses Intro jedenfalls nicht landen. Aktuell macht sich unter Fans jedoch die These breit, dass der Chant die letzten Herzschläge von Kanyes verstorbener Mutter, nach der das Album benannt ist, symbolisieren soll. Diese Theorie ist zwar nicht bestätigt, würde den merkwürdig anmutenden Einstieg in Kanyes zehntes Solo-Album aber in ein ganz neues Licht rücken.

Danach kommt das Album aber sehr schnell in die Gänge. Gerade die erste Hälfte des Albums hangelt sich von Highlight zu Highlight und überzeugt mit einheitlicher Abwechslung: Die "Throne"-Reunion "Jail" als inoffizieller Opener, auf dem das Power-Duo aus Kanye West (jetzt auf Apple Music streamen) und Jay-Z wieder zusammenfindet und mit Stakkato-Bass sowie hymnenartigen Gesängen einen zeitlosen Sound kreiert, lässt das Album mit höchsten Tönen beginnen. "Off the Grid" vereint Playboi Carti und Fivio Foreign – eine unvorstellbar weirde, aber überraschenderweise unvorstellbar gut funktionierende Featurekombination. Der plötzliche Switch zu einem Drill-Beat allererster Güteklasse hypt jedes Mal aufs Neue. Auch wenn ich persönlich noch an den "80 Degrees"-Leak mit Ant Clemons aus der Yandhi-Ära gewöhnt bin, fügt sich die jetzige Version von "Hurricane" perfekt in das Gesamtbild von "Donda" ein und kommt mit einer himmlischen Epochalität daher, die vor allem durch The Weeknds Gesang gesichert wird. Weiter geht es mit "Praise God", ein düsterer Banger mit starken Featureparts von Travis Scott und dem aufstrebenden Baby Keem, der noch zwei Tage vor Albumrelease für das Quasi-Comeback von Kendrick Lamar verantwortlich war. Was ein Wochenende!

Auch zur Mitte des Albums scheinen die Hit-Songs nicht weniger zu werden. Ob "Remote Control" mit Young Thug und dem härtesten musikalischen Pfeif-Element seit "Kill Bill" oder dem ruhigen "Moon" mit Kid Cudi und Don Toliver, die wärmste klangliche Umarmung, die Musik 2021 zu bieten hat – schnell wird deutlich, dass es an vielen Stellen vor allem die Features sind, die glänzen und dem Album den letzten Schliff verpassen. Aber trotz der unzähligen Gastauftritte hört man jederzeit raus, dass "Donda" ein klassisches Kanye-Album ist. Er liefert den akustischen Rahmen für ein Projekt, auf dem unzählige, talentierte Menschen vereint werden.

Das merkwürdige Sequencing von "Donda"

Ganz furchtbare Ausreißer sind auf dem Album kaum zu finden. Außer vielleicht "Tell the Vision", das als Interlude mit der Message "R.I.P. Pop Smoke" verstanden werden kann. Eine schöne Geste, die leider alles andere als gut klingt. Schwächere Songs wie "Jonah", "Ok Ok" oder "God Breathed" bewegen sich schlimmstenfalls jedoch auf einem mittelmäßigen Level. Dennoch entlarvt die zweite Hälfte des Albums das Kernproblem von "Donda". Während die ersten Tracks noch vor Abwechslung und Ideenreichtum strotzen, entwickelt sich das Album im weiteren Verlauf immer mehr zu einem ziemlich homogenen Gospel-Album. Das lässt sich auch schon mehr oder minder von der Tracklist ablesen.

Eine solche Entwicklung könnte inhaltlich zwar weit entfernt als Metapher für Progression interpretiert werden, so oder so geschieht dies jedoch auf Kosten von Spannung und Dramaturgie. Gerade bei der enormen Länge des Albums ist es niemandem zu verübeln, wenn dort auf kurz oder lang Ermüdungserscheinungen auftreten. "Keep my Spirit alive", der 9-Minuten-Knaller "Jesus Lord", der Kim Kardashian-Reflection-Track "Lord I Need You", "Pure Souls", "Come to Life" – einzeln betrachtet sind das keine schlechten Songs. Ganz im Gegenteil, "Come to Life" beispielsweise erinnert mit der schönen Piano-Melodie schon beinahe an Kanyes All Time-Klassiker "Runaway". Nur klingen die Songtitel nicht nur nach einer ähnlichen Richtung, sie verfolgen auch musikalisch eine ähnliche Grundstimmung. Eine solche Sektion hätte entweder gekürzt oder von thematisch und klanglich anderen Songs aufgelockert werden sollen.

Die vier "Part Zwei"-Tracks am Ende des Albums hinterlassen auch einen eher faden Beigeschmack. Bei den zweiten Parts der Songs handelt es sich nämlich nicht um Fortsetzungen, sondern um die exakt selben Songs mit ausgetauschten Featureparts. Naja, so hätte man theoretisch die Möglichkeit, "Donda" mit der eigenen, bevorzugten Tracklist neu zu sortieren und einen bevorzugten zweiten Part durch den Originalsong zu ersetzen. Im Internet wird jedenfalls schon über das ideale Sequencing von "Donda" diskutiert. 

Textlich bleibt das neue Kanye-Album simpel

Dass sich das Album thematisch, textlich und inhaltlich dem Vorgänger "Jesus is King" anschließen wird, war wohl wenig überraschend – Kanye macht schließlich kein Geheimnis daraus, seinen Weg zu Gott gefunden zu haben. Rein textlich zeichnen sich hier auf vielen Songs also ähnliche Motive ab. Inhaltlich spannender wird es an den Stellen, an denen sich "Donda" mit dem Thema des Verlustes auseinandersetzt. Den verstorbenen Stars Pop Smoke ("Tell the Vision") und Kobe Bryant ("24") wurden eigene Songs gewidmet, die zerbrochene Ehe mit Kim wird auch mehrfach diskutiert.

Das alles steht natürlich unter dem Schatten seiner Mutter Donda West, die 2007 an den Folgen einer Schönheitsoperation verstorben ist. Im Laufe des Albums werden immer wieder verschiedene Voice Clips von ihr angespielt. Auf dem Song "Jesus Lord" verarbeitet er in guter alter "808s & Heartbreak"-Manier den Tod seiner Mutter mit emotionalen Zeilen.

„Mama, you was the life of the party
I swear you brought life to the party
When you lost your life, it took the life out the party
[…] And if I talk to Christ, can I bring my mother back to life?
And if I die tonight, will I see her in the afterlife?”

Solche Lines bilden den tragischen Kontrast zu seinem fröhlichen "Hey Mama", das 2005 auf "Late Registration" erschienen ist.

Natürlich sorgt so etwas inhaltlich nicht gerade für Überraschungen oder große Wow-Momente. Die lyrisch versierteste Poesie findet man auf "Donda" auch nicht. Aber das ist gar nicht zwingend nötig, da das Album auch ohne diese Elemente funktioniert. Die Texte wirken durch ihre repetitive Art wie eine Art Leitmotiv, das sich durch das gesamte Album schlängelt. Kanye widmet das Album seiner Mutter und Gott und drückt genau das aus – nicht mehr, aber dafür auch nicht weniger.

Ein Musikalbum mit starker Außenwirkung

Am Ende des Tages bleibt Musik eine reine Geschmackssache. Eines muss man "Donda" aber definitiv lassen: Kanye West hat hier ein Album produziert, das im Gedächtnis bleibt. Dafür ist der verkopfte Rollout maßgeblich mitverantwortlich. Klar, es ist natürlich relativ einfach, Aufsehen mit Beef und Kontroversen zu erregen. DaBaby und Marilyn Manson auf die Bühne und aufs Album zu holen, nur um... um was eigentlich? Um ein unbedarftes Statement gegen die Cancel Culture zu setzen? Frei nach dem Bibelvers "Vor Gott sind alle gleich"? Naja, solche Moves bleiben natürlich weiterhin mehr als fragwürdig und könnten den Hörgenuss des Albums vor diesem Hintergrund negativ beeinflussen. Trotzdem ist es nicht minder beachtlich, wie "Donda" als Musikalbum im Jahre 2021 auch weit über den Rap-Kosmos hinaus einen gewissen Stellenwert in der breiten Öffentlichkeit erreicht hat.

Spannend wird außerdem zu beobachten sein, wie das Kapitel "Donda" zu Ende gehen wird. Werden nochmals im Stile von "The Life of Pablo" Änderungen an dem Album nach Release vorgenommen? Wir werden es gespannt verfolgen, denn laut Kanye hätte Universal das Album ohne seine Zustimmung veröffentlicht.

Ein Fazit zu Kanye Wests "Donda"

"Donda" ist eines der wohl cineastischsten und theatralischsten, gleichermaßen aber auch chaotischsten und verworrensten Gesamtwerke, die Hiphop in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Um sich voll zu entfalten, braucht das Album seine Zeit. Viel zu viel Zeit. "Donda" birgt in meinen Augen großes Potenzial und hat wirklich viele starke Songs auf Lager, die vereinzelt jedoch angenehmer zu hören sind als im Komplettdurchlauf. Ob sich das ändern wird, ob manche Lieder noch zünden müssen, ob das Album gut altern wird – das alles sind Fragen für die Zukunft.

Zu Beginn erwähnte ich, dass "Donda" kein perfektes Album sei. Dafür aber ein ziemlich gutes. Und für mich als Hörer bleibt das auch so. Vielleicht könnte man aber so weit gehen und behaupten, dass es für Kanye West als Macher des Albums tatsächlich nahe der Perfektion liegt. "Donda" wirkt nämlich wie die logische Schlussfolgerung und Symbiose aus seinen letzten Solo-Alben. Es klingt wie das, was "Jesus is King" sein wollte. Nur wird die Gospel-Thematik hier besser aufgegriffen und umgesetzt. Teils minimalistische Instrumentals gepaart mit ernsten, introspektiven Themen gab es auf "Ye". Die verwirrende, kaum vorhandene Stringenz, die dafür vor Ideen und kreativen Ansätzen brodelt, erinnert stark an "The Life of Pablo". Und hier und da blickt immer mal wieder der experimentelle "Yeezus"-Ansatz durch. Sei es das Album selbst oder alles, was drumherum passiert ist: "Donda" bringt die Kunstfigur Kanye West auf den Punkt.

Aber nicht alle wurden von dem Album so sehr überzeugt wie ich! Meine werte Kollegin Alina hat sich das Album ebenfalls angehört und war deutlich weniger begeistert von der Hörerfahrung. Ihre Review kannst du dir hier durchlesen:

Review: Kanye Wests "Donda" ist nicht so gut wie alle sagen

"Donda" is here: Nachdem Kanye West seine Fans wochenlang mit immer absurder werdenden Listening-Partys gequält hat, ist das 10. Studioalbum des gebürtigen Chicagoers doch tatsächlich rausgekommen. Wer hätte es gedacht? Ich auf jeden Fall nicht. Denn Ye (so heißt er doch jetzt, oder nicht?) ist ja seit jeher bekannt für messy Promo-Phasen.


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