2Pacs Modemacher: Wie Karl Kani Tommy Hilfiger segeln schickte
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Carl Williams feiert heute Geburtstag. Nach dem wir uns in den letzten Tagen Busta Rhymes und Biggie Smalls gewidmet haben, wird heute er gewürdigt: Der Mann, der vor 25 Jahren das erste wirkliche Hiphop-Modelabel startete.

Seit den Neunzigern hat gefühlt jeder US-amerikanische Rapper seine eigene Modelinie. Ach, Modelinie: inzwischen wird alles verkauft, was irgendwie zum Lifestyle passt. Macht ja auch Sinn: Wenn man schon die ganze Zeit über Autos, Shirts, Sneaker, Schmuck und Drinks rappt, wieso nicht selbst was verkaufen? Ein eigenes Auto ist schwer umzusetzen, Schmuck kann sich kein Fan leisten. Was liegt da näher, als in die Modeindustrie einzusteigen? Die Geschichte der Hiphop-Geschäftsmänner nahm mit Mode ihren Anfang.

In den ersten zehn Hiphop-Jahren war das noch Zukunftsmusik. Rapper waren einfach Rapper und kauften sich ihre Klamotten im Laden. Die Hersteller wussten wenig von ihrem Glück, in der kleinen Hiphop-Welt angesagt zu sein. In den Siebzigern trug der B-Boy Tanz-geeignete Sportmarken wie Adidas (aus Deutschland) oder Le Coq Sportif (aus Frankreich) zur Kangol-Cap (aus England). In den Achtzigern kamen Nike-Sneakers, Reebok, Fila oder Champion dazu. Die Gangsterrapper der Westküste kombinierten Dickies-Hosen mit weißem T-Shirt, Chucks und schwarzweißer Starter-Jacke der Oakland Raiders. An der Ostküste trug man die Arbeiterhosen von Carhartt und Timberland-Boots. Die Modeindustrie näherte sich den inzwischen erfolgreichen Rappern: Als die Kleidung in den Neunzigern baggy wurde, landete man bei überweiten Klamotten von Tommy Hilfiger und Calvin Klein. Hilfiger schickte P.Diddy und Coolio auf den Laufsteg. Von hier aus war der Weg zu wahrer Hiphop-Mode nicht mehr weit. 

Carl Williams aka Karl Kani
Carl Williams aka Karl Kani


Dass Tommy Hilfiger schließlich zurück aufs Segelschiff geschickt wurde, haben wir auch Carl Williams zu verdanken. Als Jugendlicher in Brooklyn war er vielleicht der Erste mit der, aus heutiger Sicht so nahliegenden, Idee, dass Hiphop seine Kleidung selbst produzieren könnte. Mit 16 begann er, sich seine Outfits vom örtlichen Schneider nach seinen Vorstellungen fertigen zu lassen. Als Freunde fragten, was er da trug, begann er sie auch anderen zu verkaufen. Er überlegte, ob es möglich wäre, der "Ralph Lauren der Straße" zu werden. Aus der Frage "Can I?" wurde der Künstler-Nachname Kani.

1989 zog er nach LA, wo er mit einem Freund einen Laden auf dem Crenshaw Boulevard eröffnete. Machen wir's kurz: Der Laden wurde ausgeraubt, ein Ausflug ins Modekatalog-Geschäft scheiterte.

Der Erfolg kam mit dem Baggy-Look der Neunziger. Williams erkannte ihn früh und passte die Größentabelle seiner Kollektionen dem Look an. Dazu kam aggressives Marketing. Er ließ sich das Logo entwerfen, das von nun an übergroß auf den Sweatern prangte, druckte es auf ein Schild und kaufte Karten für eine Fernsehshow. Während der Aufzeichnung hielt er dreist das Schild hoch. Die Nachfrage stieg.

Später konnte er größere Geschütze auffahren. 2Pac wurde für Werbekampagnen verpflichtet. Auch Aaliyah, Nas, Big Daddy Kane und Snoop Dogg ließen sich in seiner Kleidung sehen. Karl Kani wurde zu einer bedeutenden Modemarke und Carl Williams zu einem der 100 reichsten Afroamerikaner.

Seit dieser Zeit sind Hiphop-Marken, die in der Kultur auch ihren Ursprung haben, keine Seltenheit mehr. Mit dem Ende der Baggy-Ära (wann gibt's da eigentlich das Revival?) mag der Bedarf an Hiphop-Marken gesunken sein. Eine Zeit lang wurden die modischen Unterscheidungsmerkmale zwischen den Musikkulturen geringer.  Außerdem wird "Streetwear" von unzähligen Marken angeboten. Der Rap-Fan muss die passenden Marken nicht mehr finden und abwandeln, sie wird ihm auf den Leib geschneidert. Das Imperium schlägt zurück. Die Styles der Achtziger und Neunziger wurden wieder modern, standen aber auch direkt bei H&M, neben den Shirts mit dem Konterfei alter Raplegenden. Aber: Hiphop hat nach wie vor seine eigene Mode und zahlreiche Marken, die die Kultur leben, die sie verkaufen. In diesem Sinne: vielen Dank Carl Williams und alles Gute zum Geburtstag!


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