16 "Fight Club"-Referenzen aus der Deutschrap-Welt

David Finchers "Fight Club" mit Brad Pitt und Edward Norton von 1999 ist einer dieser Filme, die nicht nach wenigen Tagen oder gar Stunden schon wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Der Thriller ist brutal, dreckig, roh, gesellschaftskritisch und philosophisch extrem vielschichtig. Heute wird er 20 Jahre alt und das feiern wir!

David Finchers "Fight Club" als Kultfilm

"Fight Club" ist ein Kultfilm und ein Klassiker. Einen ziemlich zuverlässigen Hinweis auf einen solchen Status liefern bei Filmen, Songs, Alben, Büchern und anderen popkulturellen Gütern stets die Referenzen auf das Original. Das gilt für Phrasen wie "Stress ohne Grund" ebenso wie für diesen Movie.

Legendär ist Tyler Durdens (Brad Pitt) Ansprache an den Fight Club, in der er die Regeln des Fight Clubs erläutert. Und jeder von uns hat schon mal selbst eine Anspielung darauf gebracht, sie von einem Freund gehört oder irgendwo anders mitbekommen. Die Welt der Popkultur ist voll von Clubs, über die man nicht sprechen sollte.

Edward Norton, Brad Pitt, illegale Kämpfe in einem Keller, Langeweile im Angesicht der konsumfixierten Gesellschaft, in der andere Werte verloren gehen, sowie die Kritik an ebendiesem Weltbild und jede Menge Kippen, die weggeschnipst werden – natürlich lieben auch Rapper diesen Film. Ihre Anspielungen kommen mal etwas smarter und mal deutlich simpler daher. Wir werfen einen Blick auf Hiphops Liebe für "Fight Club".

Die große Depression & Schlaflosigkeit: Direkte Zitate

Eindrucksvolle Filmzitate sind für viele Rapper ein beliebtes Werkzeug. Selbstverständlich wurden auch Tyler Durdens teils inspirierenden Ansagen in Werken deutscher Artists eingebaut. Ein prominentes Beispiel ist Mikis Fontagniers Musikvideo zum Manuellsen-Song "Der Löwe" (2017), das auch visuell mit Anspielungen auf die frühen Kampfszenen des Fight Clubs arbeitet.

"Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben kein'n großen Krieg, keine große Depression. Unser große Krieg ist ein spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Und das wird uns langsam klar. Und wir sind kurz, ganz kurz, vorm Ausrasten!"

Mit noch etwas mehr Vorlauf hat Joey Bargeld das Zitat in seinem Track "Betrüger" als Intro genutzt. Bei PTK ändert sich der Spieß, denn der Berliner breitet in "Wut zur Veränderung" zuerst auf mehr als vier Minuten seinen eigenen Blickwinkel auf die moderne Gesellschaft aus und schiebt Tylers Zitat als pointierte Ergänzung hinten ins Outro des Tracks

Ebenfalls von Mikis Fontagnier stammt das Video zu Credibils "Molokopf"-Outro "Schlaflos", das 2015 erschienen ist. Wieder eröffnet der Videograf seinen Clip mit einem "Fight Club"-Zitat, das bei den Streaming-Portalen nicht zum Song gehört.

"Schlaflosigkeit vernebelt die Realität. Alles ist weit weg. Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie."

Ein Zitat, auf das auch Casper und Prinz Pi sich anscheinend in ihren Songs "Jambalaya" beziehungsweise "Bestandsaufnahme" beziehen. Bei von Kopien kopierten Kopien sind Doppelschöpfungen jedoch nicht auszuschließen.

Der erfolgreichste deutschsprachige Rapsong, der sich auf den Film bezieht, kommt definitiv von Capital Bra. Der Bratan veröffentlichte 2018 mit Samra und AK Ausserkontrolle einen Song namens "Fight Club". Dieser liefert zwar weder in der Hook noch in den Parts erkennbare Bezüge zum Film – doch ohne David Fincher, Brad Pitt und Edward Norton hätte es den Track in dieser Form sicher nicht gegeben.

Favorite hat sich 2011 für "Obama" – damals noch nahe am Höhepunkt seines Schaffens – eine etwas weniger poetische Stelle aus dem Film herausgepickt.

"Gegen wen würdest du am liebsten kämpfen? - Gegen meinen Boss vermutlich."

Außerdem darf Alpa Gun nicht fehlen. Er hatte auf "Geladen & entsichert" (2007) gleich einen kompletten Song namens "Fight Club", der mit den ersten beiden Regeln eröffnet wird:

Deutschrap-Lines mit "Fight Club"-Referenzen

Andere gehen etwas subtiler vor und droppen Lines, die man nur verstehen kann, wenn man den Film bis zum Ende gesehen hat. So etwa Young Kira, der im Song "Ready 2 Die" seiner (unterschätzten) EP "Six Feet Thunder" 2018 folgende Zeile droppt:

"Deutsche Rapper, alles leicht Gestörte / Alle so real, wie Tyler Durden"

Brad Pitts Charakter Tyler Durden, dem sogar im großartigen "Witcher 3" ein Easter Egg gewidmet wurde, wird von anderen Rappern aber eher als positive Identifikationsfigur herangezogen. Die mangelnde "Realness" ist wohl nur Kira aufgefallen. Face vergleicht auf Vegas Mixtape "Dreggisch & roh" im Song "Geh meinen Weg" seine zwei Gesichter mit denen der Hauptfigur aus dem Film, auch wenn seine Zeile einen inhaltlichen Fehler hat: Tyler ist nicht derjenige, der morgens im Büro ackert.

"Und während du diese Scheibe hörst in dei'm iPod / Sitz' ich morgens mit nem Feilchen im Büro so wie Tyler Durden in Fight Club"

Der Hamburger Jace kratzt mit seiner Line in "Zahnfleisch" zwar nur an der Oberfläche des Films, aber immerhin teilt er die revolutionäre Ambition:

"JarJar Durden schickt A&Rs in den Fight Club / Bin live stark, Flavour Gang in den Reichstag" 

Vor über einem Jahrzehnt brachte Prinz Pi in seinem Song "Monarchie" mit "25 Stunden" noch einen zweiten Film mit Edward Norton in diesen Zeilen unter:

"Dieser Song ist für die Fans, für jeden Einzelnen / Ich mach ein Club auf, ihr dürft mich Tyler Durden nennen / Ich bin nicht Edward Norton / Doch kann in 25 Stunden ein paar Texte horten / Und sie perfekt recorden"

Und wenn wir Fav schon erwähnen, dann darf sein alter Gefährte Hollywood Hank auch nicht fehlen, der "Fight Club" im Song "Toter Winkel" aufgegriffen hat:

"Ich sorg' für Gewalt wie Tyler Durden / Denn Rap hat leider keine Zeit für solche Weicheier wie Curse"

Für eine Punchline mit eine klassischen Doppeldeutigkeit sorgt Mess auf dem 2017er-Album von Witten Untouchable im Song "Handy hoch":

"Geh besser fort, wen willst du mit dein‘ Kleffer fronten / Ich geh mit Pit in den Fightclub, als wär ich Edward Norten"

RAF Camora, Testo & Goldroger mit spezielleren Anspielungen

Etwas mehr Spielraum zum Nachdenken und Analysieren lassen RAF Camora und Testo von Zugezogen Maskulin. RAF spricht auf dem Song "Strom" (2014) seines damaligen Signings Sierra Kidd von Playlists als Fight Clubs. Der Vergleich wäre zwar heute noch viel spannender, aber damals fügte er sich wunderbar in RAFs Part ein. Man bekommt das Gefühl, die Referenz ist nicht zufällig hier gelandet, denn seine Lyrics im Song behandeln ebenso wie David Finchers Film eine gewisse Entmenschlichung in der Postmoderne.

"Sie vergessen, dass du Mensch bist / Denn sie kenn' dich / Nur noch aus dem iPod, so wie Kendrick / Die Playlist, ein digitaler Fightclub — Brad Pitt"

Testo lässt in "Keine Ahnung wo" Fragezeichen über Köpfen aufploppen. Er lehnt sich gegen das System auf, indem er seine Verpflichtungen in den Wind schießt, aber trifft anschließend auf Tyler Durden, der offenbar nicht mehr kämpft, sondern seine Wampe in der Sonne braten lässt. Eure Erklärungen für diese Metapher dürft ihr gerne mit uns teilen!

"Sag' Arbeit, Auftritt ab, alle sind sauer, setz' das Haus in Brand / Treffe Tyler Durden fett und braun am Strand"

Eine besondere Rolle dürfte der Film zudem für Goldroger gespielt haben. Auf seinem Debütalbum "Avrakadavra" (2016) lässt sich fast der komplette erste Part von "Wir sind da" auf "Fight Club" beziehen. Er verknüpft grandios das mit "Where Is My Mind?" von den Pixies inszenierte Ende des Films mit anderen Szenen und seinen eigenen Gedanken, die er kaum geordnet bekommt. 

"Und wenn die Welt untergeht, geb ich kein F*ck / Hocke knutschend aufm Dach und hör die Pixies / Singe 'Where is my mind' - nein - 'Wer ist in my mind?' / Hör 'ne Stimme wär doch cool wenn es Brad Pitt ist / Hallo Tyler? Hallo Tyler? Sag mir was geschieht? Sag mir was geschieht? / Du meintest, alles wird ganz einfach / Komm schon ratter meine Alte, du sahst Hammer aus in Fightclub! / Wir wurden von der Glotze konditioniert - zu viel Songs konsumiert / Die sagten eines Tages wird etwas Besonderes passieren / Doch im Westen nix Neues, stehen restlos enttäuscht vor der Tür und sind gekommen um zu spielen"

Um den ganzen Part zu verstehen, muss man auch dieses Zitat aus "Fight Club" kennen:

"We've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires, and movie gods, and rock stars, but we won't. We're slowly learning that fact. And we're very, very pissed off."

Das sind lange nicht alle Referenzen deutschsprachiger Rapper auf den Film und auch im Ausland haben etliche Künstler sich auf David Finchers Klassiker bezogen und somit dabei geholfen, seinen Kultstatus zu festigen. Die Beispiele aus diesem Artikel zeigen bereits, dass der Movie generationsübergreifend ganz unterschiedliche Menschen fesseln kann und es auch in Zukunft tun wird.

Weitere Filme, die sich unter Rappern größter Beliebtheit erfreuen, haben wir hier zusammengestellt:

7 Blockbuster: Woher die Filmzitate deiner Lieblingsrapper stammen

Rapper wie Gzuz, Veysel, Massiv und Eko Fresh erobern Kino und Fernsehen. Auch in Deutschland übernimmt Hiphop also langsam das Filmgeschäft.

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Rassismus & Sexismus im Rap: Prinz Pi reagiert auf Kritik & erntet noch mehr Gegenwind

Rassismus & Sexismus im Rap: Prinz Pi reagiert auf Kritik & erntet noch mehr Gegenwind

Von David Molke am 13.11.2019 - 18:24

Prinz Pi steht aktuell in der Kritik. Mit seinen Aussagen über Rassismus und Sexismus im Rap im Rahmen der Diskussion beim New Fall Forum macht er sich wenig Freunde. Stattdessen wird er von vielen Seiten aufs Schärfste kritisiert. Da hilft auch seine ausführliche Reaktion nichts – im Gegenteil. Danach hagelt es eigentlich nur noch mehr Kritik. Hier findest du eine Zusammenfassung der Ereignisse und einen Überblick über die Diskussion.

Prinz Pi kann keinen Sexismus & Rassismus erkennen

Darum geht's: Auslöser der erneuten Debatte sind Aussagen, die Prinz Pi im Rahmen einer Panel-Diskussion beim New Fall-Forum getätigt hat. Eigentlich sollte es darum gehen, welche Hiphop-Werte es gibt. Im Zuge dessen hat Prinz Pi erklärt, er habe in seinen über 20 Jahren in der deutschsprachigen Hiphop-Szene keine Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder ähnlichem erlebt.

Das wirkt angesichts der vielen Gegenbeispiele ziemlich unglaublich und weltfremd, mindestens aber betriebsblind oder naiv. Selbst die von Prinz Pi als Positiv-Beispiel angeführte Shirin David hat vor Kurzem noch über Sexismus und Diskriminierung von Frauen im deutschsprachigen Rap und der dazugehörigen Szene geklagt. Sie ist nicht die Einzige. Mit Manuellsen sitzt ein Rapper in der Runde, der immer wieder Rassismus und Diskriminierung anprangert. Manuellsen ist damit ebenfalls nicht allein.

Die Kritik an Prinz Pi: Mangelnde Sensibilität & Ignoranz

Seine Worte sorgen dafür, dass Prinz Pi von sehr vielen Menschen kritisiert wird, die das ganz anders sehen. Sie werfen Prinz Pi unter anderem vor, sich nicht seiner Privilegien bewusst zu sein und den Betroffenen ihre Erfahrungen abzusprechen. Nach dem Motto: Nur weil Prinz Pi das angeblich nicht erlebt hat, heißt es nicht, dass es das nicht gibt.

"Falls ihr euch fragt, was check your privilege ist, das ist es nicht"

Jan Kawelke on Twitter

„Ich hab das nie erlebt, dass in dieser HipHop-Szene jemand diskriminiert wurde, wegen seinem Geschlecht oder wegen seiner Herkunft oder sowas." kann mich nur wiederholen: Falls ihr euch fragt, was check your privilege ist, das ist es nicht https://t.co/7E4ITfzcsF

Mine findet einen viele Aussagen Prinz Pis schlichtweg absurd. Die Rapperin hat ihre Kritik zunächst in einer Insta Story veröffentlicht, die Videos mittlerweile aber nochmal veröffentlicht. Unter anderem wirft sie Prinz Pi vor, dass er es eigentlich besser wissen müsste. Sie erklärt ihm auch, dass "das ist einfach so" kein gutes Argument ist. Abschließend gibt sie noch zu bedenken, dass das Aussehen bei Frauen im Rap immer (noch) eine größere Rolle spielt als bei Männern.

"Und von Homophobie und Transphobie im Deutschrap will ich erst gar nicht anfangen. [...] Das gehört nämlich auch zur Diskriminierung. Aber da kann wirklich keiner leugnen, dass es das gibt. Hoffe ich zumindest."

Mine on Twitter

(2/2) meiner Aussage https://t.co/khs0C9CZGr

Johann Voigt wirft Prinz Pi mangelnde Sensibilität und Ignoranz vor. Rapper droppen immer wieder das N-Wort und es gibt sowohl Antisemitismus als auch Antiziganismus, nicht nur in Raptexten. Prinz Pi hätte laut Johann Voigt einfach nur mit Frauen aus der Szene sprechen müssen, um genug über Sexismus zu hören. Auch mit der "romantisierten HipHop-Unity-Erzählung" müsse Schluss sein.

"Ich bin der Meinung, dass es nicht möglich ist, in 20 Jahren in der HipHop-Szene weder Rassismus noch Sexismus zu beobachten, außer man will es nicht sehen."

Johann Voigt on Twitter

Die Aussage von Prinz Pi zeugt von mangelnder Sensibilität gegenüber diesen Themen. Ich bin der Meinung, dass es nicht möglich ist, in 20 Jahren in der HipHop-Szene weder Rassismus noch Sexismus zu beobachten, außer man will es nicht sehen.

Johann Voigt on Twitter

@ToxikKargoll @arianejati @MalcolmOhanwe Letzter Gedanke: Manuellsen singt, macht Schnarchgeräusche, ist ignorant, während eine Frau aus dem Publikum spricht. Beim Typen danach nicht. Prinz Pi hätte, wäre er nicht schon gegangen, live Zeuge von "Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in der HipHop-Szene" werden können

Prinz Pi hat offenbar gar nicht so viel Ahnung von Klassik, wie es scheint. Jedenfalls stimmen seine Aussagen über Bach, Mozart und Verdi wohl nicht mit der Realität überein, auch wenn er sie sehr überzeugend vorgetragen hat.

Giselle Ucar on Twitter

@JanKawelke Auch kompletter Schwachsinn: Pi's Klassik-Rant! Denn: -Bach hat keine Symphonien komponiert -Mozart hat den Adel in seinen Opern wie kein anderer auf die Schippe genommen -Verdi's "Liebesschnulzen" sind voll von Sozial- u. Gesellschaftskritik Ich höre weiter Klassik UND Rap!

Prinz Pi reagiert auf seine Kritiker mit einem Gast-Kommentar

Auch auf rap.de und bei Noizz wurden Prinz Pis Aussagen kritisiert. Einmal heißt es da, dass Prinz Pis Aussagen zur angeblich klassenlosen Hiphop-Gesellschaft ziemlich großer Quatsch sind. Auf der anderen Seite werden jede Menge Beispiele geliefert, die das Sexismus-Problem im deutschsprachigen Rap verdeutlichen.

Prinz Pi entschuldigt sich aber nicht, sondern verfällt in eine Art Selbstverteidigungsmodus. Dabei geht er zum Angriff über, indem er Mine Rassismus vorwirft und inszeniert sich gleichzeitig als Opfer. Von Einsicht oder dem Willen, die Kritik anzunehmen, fehlt jede Spur. Hier könnt ihr euch seinen Kommentar in voller Länge durchlesen.

Prinz Pi antwortet auf die Kritik an seinen Aussagen (Gastkommentar) - rap.de

In einem Artikel unter der Überschrift „Prinz Pi ruft die klassenlose Gesellschaft aus? Einspruch!" kritisierte unser Autor Jonas Heuten kürzlich einige Aussagen, die Pi in einer Diskussionsrunde machte. In einem ausführlichen Gastbeitrag antwortet ihm dieser nun - und bezieht sich dabei auch auf die Kritik von Till Boettcher, die dieser in einem Artikel auf noizz.de geübt hatte sowie auf die Instagram-Stories von Mine (inzwischen leider gelöscht).

Noch mehr Gegenwind: Es hagelt erneut Kritik nach Prinz Pis Antwort

Weil Prinz Pis Reaktion hinter den Erwartungen vieler Kritiker zurück bleibt, gibt es erneut entsprechende Reaktionen. Da wären zum Beispiel diverse Tweets von Künstlern und Künstlerinnen wie 3Plusss, Lady Bitch Ray, Amewu oder Mine. Sie begegnen Prinz Pi in erster Linie mit Argumenten und Gegenbeispielen, aber auch Unverständnis.

"1. Gibt es Rassismus trotz nachweislicher Erfolge von Rapper*innen of Color & Schwarzen Rapper*innen in Deutschland
2. Ist Sexismus im Rap trotz der Erfolge von (wenigen) weiblichen Rapperinnen strukturell"

Lady Bitch Ray on Twitter

Die Behandlung von SEXISMUS in @prinzpi23 s Artikel greift für mich etwas zu kurz: Der Erfolg von Rapperinnen wie Juju, Loredana & S. David ist zwar eine schöne Entwicklung, aber es kann nicht den jahrzehntelang vorherrschenden, strukturellen Sexismus im Deutschrap auslöschen

Lady Bitch Ray on Twitter

amp; zur Kritik von „Mine" in deinem Artikel, lieber @prinzpi23 : Ich denke nicht, dass sie dir deine Meinung absprechen will, sondern Kritik üben an deiner Perspektive als weißer cis hetero-Mann, der Rassismus relativiert (so kommt es in dem 1. Videoausschnitt rüber)

Amewu on Twitter

@mzeeRalle weiß gar nicht warum da so intellektuell diskutiert wird. Sein Abschlusssatz war einfach traurig. Wer in 20 Jahren HipHop-Szene keine Diskriminierung von Frauen mitbekommen hat, den scheint das Thema einfach nicht groß zu interessieren.

Mine on Twitter

(2/4)

Mine on Twitter

(4/4)

Journalist*innen und Autor*innen melden sich ebenfalls erneut mit harscher Kritik zu Wort. Der Grundtenor lautet: Prinz Pi hat offensichtlich keine Ahnung von diesem Thema und anscheinend leider auch kein Interesse, etwas daran zu ändern. Die Erzählung vom angeblichen Rassismus gegen Weiße wird am heftigten zurückgewiesen.

"Könnten wir uns ein für alle mal darauf einigen, dass es keinen umgekehrten Rassismus gibt? Da im Artikel auch gerne mit Buchbeispielen gearbeitet wird, gerne auch hierzu eines: Alice Hasters – Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten"

Miriam Davoudvandi on Twitter

könnten wir uns ein für alle mal darauf einigen, dass es keinen umgekehrten rassismus gibt? da im artikel auch gerne mit buchbeispielen gearbeitet wird, gerne auch hierzu eines: alice hasters - was weiße menschen nicht über rassismus hören wollen, aber wissen sollten https://t.co/wLmvSk35LU

Juri Sternburg on Twitter

Das schlimmste an diesem Text ist nicht der Inhalt. Es ist die gefühlte Überlegenheit des Autors aufgrund des angeeigneten Inhalts einiger der grundlegendsten Bücher der Welt. Für wie unglaublich dumm muss man seine Kritiker und Fans halten, wenn man denkt diese Antwort wäre gut?

Johann Voigt on Twitter

Es geht bei der Kritik an diversen Rappern nicht darum, auf Rap rumzuhacken, sich wichtig zu machen oder "die nächste Sau durchs Dorf zu jagen", sondern darum, gefährlichen und diskriminierenden Aussagen von Rappern zu widersprechen, die sie auf ein riesiges Publikum loslassen.

In einem ausführlichen Artikel fasst Vice die Aussagen Prinz Pis sowie die Kritik daran nochmal zusammen und bescheinigt dem Rapper, total daneben zu liegen. Prinz Pi scheine nicht zu verstehen, dass "die Rapszene kein hermetisch abgeriegelter Raum ist, sondern ein Teil der Gesellschaft, in dem Rassismus präsent ist".

"Dass es keinen sogenannten umgekehrten Rassismus gibt, ist wissenschaftlicher Konsens. Gruppenbezogene Feindlichkeit gegen Weiße, wohlsituierte Friedrichs existiert nicht. Sie sind nicht strukturell benachteiligt, haben aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe nichts zu befürchten, werden nicht unterdrückt, nicht systematisch ausgegrenzt."

"Dass Prinz Pi sich überhaupt geäußert hat, ist gut. Wie er sich geäußert hat, spricht gegen ihn. Wahrscheinlich sollte er andere Bücher lesen. Bücher, die ihm Rassismus erklären. Dann würde er verstehen, dass er ganz sicher nicht das Opfer ist, sondern Teil des Problems."

Wie siehst du die ganze Angelegenheit?

Welche Werte hat Hiphop? Manuellsen, Prinz Pi, Aria & mehr diskutieren (New Fall Forum)

Zurück zum Grundsätzlichen: Was zählt eigentlich zu den Werten der Hiphop-Kultur? Das New Fall Forum beim diesjährigen New Fall Festival gab die Möglichkeit, genau diese Frage zu diskutieren.


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