Wieso #alllivesmatter nicht hilft, sondern kontraproduktiv ist

Der Schwarze George Floyd wurde in den USA von Weißen Polizisten getötet. Seitdem protestieren Menschen auf der ganzen Welt gegen Rassismus und Polizeigewalt. Sie eint die Bewegung und das Hashtag #blacklivesmatter. Der Gedanke dahinter ist eigentlich klar und eindeutig: Schwarze sind genauso viel wert wie alle anderen auch, sie spielen eine genauso wichtige Rolle. Es ist nicht egal, wenn sie um ihr Leben fürchten müssen. Trotzdem reagieren viele Menschen im Netz mit Hashtags wie #alllivesmatter oder #bluelivesmatter. Wir klären, wieso das jetzt nicht der richtige Hashtag und alles andere als hilfreich ist.

#alllivesmatter ist Quatsch, weil nicht alle gleich um ihr Leben fürchten müssen

In den USA (und auch hier in Deutschland oder anderswo auf der Welt) herrscht ein rassistisches System vor. Der alltägliche, strukturelle und institutionelle Rassismus macht den Menschen aber nicht einfach nur das Leben schwer. Er nimmt es ihnen auch immer wieder. Er zwingt vor allem Schwarze, Indigene und People of Colour dazu, in Angst zu leben. In Todesangst, und zwar jeden Tag, vor allem im Kontakt mit der Staatsgewalt.

White Privilege: Das Problem haben Weiße nicht. Sich damit nicht auseinandersetzen zu müssen, ist eines der vielen Privilegien, die sie genießen – und es in der Regel nicht einmal wissen. Kein Wunder, ist dieses System doch für Weiße gemacht. Sie können bequem darin leben und es sich leisten, die Augen vor den Ungerechtigkeiten des Systems zu verschließen. Das können diejenigen, die regelmäßig um ihr Leben fürchten müssen nicht.

Todesrisiko: Schwarz sein

Gastbeitrag von Liban Farah Das sind die letzten Sätze von George Floyd, als er von einem weißen Polizisten auf offener Straße ermordet wird. Völlig unbeeindruckt vom Flehen der Passant*innen, die Floyd helfen wollen...

Schwarze, Indigene und People of Colour müssen sich damit auseinander setzen, wie sie sich am Besten verhalten, wenn sie in eine Polizeikontrolle geraten. Was doppelt gefährlich ist, weil sie erstens überproportional häufiger kontrolliert werden (Stichwort Racial Profiling) und zweitens eine viel höhere Chance besteht, dass sie dabei von Polizisten getötet werden. Darum entstehen solche erschütternden Videos:

Natürlich sind alle Leben gleich viel wert – genau darum geht es #blacklivesmatter

Weil vor allem BIPoC im Kontakt mit der US-Polizei um ihr Leben fürchten müssen, wurde Black Lives Matter überhaupt erst ins Leben gerufen. Der Kampagne geht es genau darum, darauf hinzuweisen, dass auch das Leben von Schwarzen eine Rolle spielt und wichtig ist. Um auf das bestehende Ungleichgewicht in unserem gesamtgesellschaftlichen System hinzuweisen, das auf dem Gegenteil basiert.

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Dass mit Black Lives Matter überhaupt erst darauf hingewiesen werden muss, dass Schwarze genauso wichtig sind wie alle anderen, ist an sich schon unglaublich. Das wir in einer Gesellschaft leben, in der das extra betont werden muss, sollte allen Menschen eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben – und dafür sorgen, dass sie sich reflektieren und anschließend etwas dagegen unternehmen.

Black Lives Matter: So kannst du dich über Rassismus informieren & helfen

Ihr wollt etwas tun?! Es gibt viele Möglichkeiten...

Weiße stehen jetzt ausnahmsweise mal nicht im Mittelpunkt & das ist gut so

Ich weiß, dass das schwer auszuhalten ist. Vor allem, weil es bisher immer anders war. Aber im Moment dreht sich ausnahmsweise mal nicht alles um die alten Weißen Männer mit Privilegien. Das muss für Menschen wie Donald Trump schier unerträglich sein. Schließlich sind sie es nicht anders gewöhnt, standen stets im Mittelpunkt und haben immer alles bekommen, was sie wollten. Jetzt soll sich daran auf einmal etwas ändern?

Ja, das muss es sogar. Zumindest dann, wenn wir wirklich an einer besseren Gesellschaft arbeiten wollen. Wenn die ganzen Solidaritätsbekundungen nicht nur Lippenbekenntnisse waren und uns wirklich an einer gerechteren Gesellschaft ohne Rassismus, ohne Diskriminierung und ohne Polizeigewalt gelegen ist. Egal, ob in den USA oder in Deutschland. Das Problem ist historisch und weltumspannend. Der Kapitalismus basiert darauf.

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#alllivesmatter ist momentan extrem kontraproduktiv und lenkt nur ab

Wer auf die Black Lives Matter-Bewegung also reflexartig mit #allllivesmatter reagiert, beweist nur, dass er oder sie nicht lang genug darüber nachgedacht hat. Dass ihm oder ihr offensichtlich die historische, systematische und gesellschaftliche Dimension des Problems nicht bewusst ist. Es geht hier um den Anfang vom Ende eines Systems, das seit vielen Jahrhunderten auf der Ausbeutung von Benachteiligten basiert.

Oder, um es anders zu formulieren: Wer auf #blacklivesmatter mit #alllivesmatter reagiert, zeigt nur, dass er oder sie nicht bereit ist, anderen das Rampenlicht zu überlassen. Aber es ist nicht nur okay und angebracht, endlich den Platz zu räumen, zwei Schritte zurückzutreten, anderen das Feld zu überlassen und verdammt noch mal endlich zuzuhören, sondern bitter nötig, so schwer es manchen vielleicht auch fallen mag.

Dazu kommt, dass vor allem #bluelivesmatter (für Cops aka Täter-Opfer-Umkehr), #whitelivesmatter und natürlich #alllivesmatter vor allem von Nazis und rechten Gruppierungen genutzt wird, um gegen die Black Lives Matter-Bewegung Stimmung zu machen. Nicht erst seit ein paar Tagen, sondern schon seit Jahren. Auch diese Hashtags haben also eine Geschichte und sind vorbelastet.

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Celebrities reagieren & K-Pop-Fans kapern rassistische Hashtags

K-Pop-Stans mischen sich ein: K-Pop-Fans scheinen ein ziemlich stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein zu haben. Gleichzeitig nutzen sie ihre Reichweite, ihre Masse und ihr Internet-Knowhow für eine gute Sache: Um den Rassisten und Nazis den Wind aus den Segeln zu nehmen, twittern und posten sie massiv unter den Hashtags #alllivesmatter, #whitelivesmatter und #bluelivesmatter.

Aber anstatt rumzunerven, dass es ihnen angeblich auch irgendwie mindestens so schlimm gehen würde wie den Schwarzen in den USA, fluten sie das Netz unter den Hashtags entweder mit K-Pop-Content oder mit Solidaritätsbekundungen zur Black Lives Matter-Bewegung. Das funktioniert so gut, das zeitweise nur noch entsprechende Posts und Tweets in den sozialen Medien zu sehen waren. Respekt!

K-Pop Stans Continue to Run the Internet, Flood Racist Twitter Hashtags

Maybe you were a little shocked this morning when you opened Twitter to see hashtags like #whiteoutwednesday trending. ( Maybe not.) Click on one and you'll be significantly less worried to know that they're filled with K-pop fancams and photos, meant to drown out racist and pro-cop tweets.

Auf der anderen Seite machen sich auch immer mehr Stars für Black Lives Matter im Allgemeinen und gegen die #alllivesmatter-Reaktionen im Speziellen stark. Neben Samy Deluxe in diesem Video haben sich zum Beispiel auch Billie Eilish oder Seth Rogen jeweils auf ihre ganz eigene Art und Weise damit auseinandergesetzt.

#justiceforgeorgefloyd #blacklivesmatter

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Heidi Klum hat zum Beispiel den Fehler gemacht und das Hashtag zunächst selbst in einem Post benutzt. Woraufhin sie heftig kritisiert wurde, den Fauxpas eingesehen hat und das Ganze gelöscht hat. Anschließend folgte ein neuer Beitrag ohne #alllivesmatter.

Heidi Klum äußert sich zu George Floyd - und löscht Tweet nach Kritik

Der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd bewegt seit Tagen weltweit die Menschen. Sein Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz löste eine Protestwelle in den USA aus, in sozialen Medien rufen viele Prominente zum Kampf gegen Rassismus auf. Auch Heidi Klum will ein Zeichen setzen - wegen eines Hashtags wird das Model aber scharf kritisiert.

Auf Twitter finden sich ebenfalls unzählige Erklärungen dazu, wieso die Reaktion mit #alllivesmatter oder Ähnlichem Quatsch ist, die von freundschaftlich bis zu wütend reichen. Sie können aber gut dazu dienen, die Problematik nochmal zu veranschaulichen. Oder crasht ihr zum Beispiel auch Beerdigungen von Fremden, um sie darauf hinzuweisen, dass ihr auch schon mal Verlust erlitten habt? Eben.

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#EndSARS: Rihanna, Beyoncé & mehr fordern Ende der Gewalt in Nigeria

#EndSARS: Rihanna, Beyoncé & mehr fordern Ende der Gewalt in Nigeria

Von Michael Rubach am 21.10.2020 - 15:06

Polizeigewalt ist ein weltweites Problem. In Nigeria schlagen die Proteste gegen eine berüchtigte Spezialeinheit seit Wochen hohe Wellen. Gestern haben die Kundgebungen offenbar Tote und Verletzte gefordert. Wenn Superstars wie Rihanna, Beyoncé, Nicki Minaj oder DJ Khaled sich aktuell mit #EndSars in den sozialen Medien positionieren, wollen sie nicht auf ein grassierendes Virus hinweisen, sondern ein deutliches politisches Statement setzen.

#EndSars: Polizei-Brutalität seit langer Zeit bekannt

Ausgangspunkt für die Demonstrationen war Anfang Oktober ein Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Schwarzer Mann von SARS-Mitgliedern gedemütigt und schließlich erschossen wird. Die "Special Anti-Robbery-Squad" hat in den letzten drei Jahren laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International 82 Leben auf dem Gewissen. Auch würden Beweise dafür vorliegen, dass Folter, Misshandlungen und gar Hinrichtungen zu den angewandten Maßnahmen der Truppe gehören. Selbst ein 2017 erlassenes Antifolter-Gesetz setzte diesem Treiben demnach kein Ende.

Die BBC ist zu lesen, dass bei den jüngsten Protesten in Lagos zwölf Menschen vom Militär getötet worden seien. Lokale Medienberichte dienen hier als Quelle. Die Armee bestreitet dies. Amnesty International erklärt auf Twitter, dass man "verstörende Hinweise zum übermäßigen Einsatz von Gewalt" erhalten habe.

Der Staatspräsident hat vor einer Woche in Aussicht gestellt, SARS aufzulösen. Laut Spiegel wurde so ein Vorhaben in den letzten vier Jahren viermal angekündigt. Der Polizeichef Nigerias erklärte vor wenigen Tagen, dass eine neue Einheit den Platz von SARS einnimmt: Das "Special Weapons and Tactics Team" (SWAT) soll mit "hoher Professionalität" und entlang "ethischer Standards" operieren.

Die Demonstrationen hielten jedoch an, da die Maßnahmen der Regierung als nicht ausreichend angesehen werden. Eine Polizeistation brannte gestern nieder. In der drittgrößten Stadt Nigerias Benin City sollen Demonstrierende 2000 Gefangene aus dem Gefängnis befreit haben. Daraufhin verhängten die Behörden dort und in Lagos eine Ausgangssperre.

Wie im Fall von George Floyd ist es hier ebenfalls eine viral gegangene Videoaufnahme, die das Fass bei der Bevölkerung schließlich zum Überlaufen brachte. Das Hashtag #EndSARS wurde bereits 2017 ins Leben gerufen. Vor allem junge Nigerianer*innen sind es satt, sich drangsalieren zu lassen. Unterstützung erfahren sie von den größten Popstars des Landes. Auch weit über den afrikanischen Kontinent hinaus solidarisieren sich Künstler*innen mit der Protestbewegung.

Protest gegen Polizeigewalt: Rihanna, Beyoncé, Burna Boy erheben ihre Stimme

Mit Burna Boy sprach einer der größten Künstler Nigerias in einem Interview über die Bedeutung der aktuellen Kundgebungen.

"Man muss verstehen, das ist größer als Nigeria. Nigeria ist im Angesicht der Erde die größte Schwarze Nation. Ich glaube, dass jede Revolution dort startet. Wenn Nigeria sein volles Potenzial entfaltet – und die Jugend kann dafür sorgen, indem sie sich erhebt und für ihre Rechte kämpft. So wie sie es jetzt tut. Das kann einen Domino-Effekt für die restliche Welt haben. Darum ist es so wichtig. [...] Wir leiden seit Jahren unter dem Handeln der gleichen Menschen. Das ist erst der Anfang. Es geht nicht mehr darum, nur SARS aufzulösen. Es ist eine Revolution geworden. Es ist ein 'Wir wollen ein neues Nigeria' geworden. Und bald wird es ein 'Wir wollen ein neues Afrika' sein."

Nicht nur Burna Boy engagiert sich bei den Protesten. Nigerianische Künstler*innen wie Wizkid, Tiwa Savage, Mr Eazi und Davido erheben ebenfalls die Stimme. In Amerika solidarisieren sich reihenweise Artists mit den Demonstrierenden und zeigen sich zutiefst bestürzt über all die Gewalt. Unter anderem Rihanna und Beyoncé nutzen ihre enorme Reichweite, um die Weltöffentlichkeit auf die Geschehnisse in Nigeria aufmerksam zu machen.

Megaloh, Kwam.E & T-Ser & mehr unterstützen den Protest

In der hiesigen Szene sind die Bilder und Berichte ebenfalls angekommen. Megaloh, Kwam.E und T-Ser sprechen sich deutlich für Reformen aus und lassen wissen, dass sie mit den Gedanken bei den Menschen in Nigeria sind. Künstler wie Audio88 und BRKN retweeten Beiträge zu #EndSARS.


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