"Verarschungs-Taktik": Fler leakt offenbar Bushidos Promo-Plan

Fler nutzt bekanntlich jede Gelegenheit, um Intimfeind Bushido in ein schlechtes Licht zu rücken. Auf Telegram teilte der Maskulin CEO nun kürzlich Audioaufnahmen, auf denen seinen Angaben nach Bushido zu hören sein soll, wie er seine Album-Promo plant.

Deutschrap-Promo 2020: Totale Inszenierung & "alles so echt" wie möglich

Die Aufnahmen könnten aus der Zeit vor einem Twitch-Stream stammen, in welchem letztendlich "Sonny Black II" angekündigt wurde. Die erzählende Stimme beruft sich zu Beginn der ersten Memo auf "eine miese gute Idee" und fordert am Ende Feedback von den Empfängern seiner Nachricht. Dazwischen liegen mehrere Minuten, in denen die Einbindung von Amazon und Twitch bei einer kommenden Albumankündigung im Mittelpunkt steht. Schließlich sei es wichtig, "das Produkt mit der größten Power" an die Käuferschicht zu bringen.

Was das Endeffekt genau heißt, lässt sich einfach mit den Worten "dann tun wir halt so" zusammenfassen. Was in dieser Sprachnachricht Stück für Stück ausformuliert wird, ist die Idee eines Schauspiels. Es kommt dabei die EP "F*ck deine Mutter Slang" mit Baba Saad zur Sprache, die - wie wir heute wissen - "Sonny Black II" beiliegen soll. Sowohl der Titel als auch das damals bekanntgegebene Release Date haben ganz offensichtlich schon vor dem Stream festgestanden. In einer zweiten Audioaufnahme, die Fler mit "Bushido erklärt Saad die Verarschungs-Taktik" betitelt, wird eine noch kleinteiligere Anleitung für den vermeintlichen Coup ausgerollt.

Für die Außenwelt bemühten sich Bushido und Saad jedoch, den Eindruck einer spontanen Reunion zu erwecken. In folgendem Video (ab Minute 05:30) reagiert Bushido sichtlich überrascht auf die Geschehnisse in seinem Twitch-Stream. Gegen Ende häufen sich weitere Momente, die Bushido als verblüfften Gesprächspartner zeigen.

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bushido went live on Twitch. Catch up on their VOD now.

Dem Absender der Nachrichten scheint vor allem wichtig, dass sich die Zuschauer*innen in dem Glauben wähnen, bei etwas Echtem live dabei gewesen zu sein. Und noch mehr: Unmittelbar Einfluss auf künstlerische Prozesse genommen zu haben. Durch diese Inszenierung ergebe sich der "perfekte Punkt", um einen Vorbestelllink für das neue Produkt in die Welt zu setzen.

"[...] Und vor allem haben die das Gefühl, dass die so richtig dabei sind, dass das alles so echt ist und dass sie uns dazu gedrängt haben. Ich glaube, das ist der perfekte Punkt, um auch das Album anzukündigen."

Vertriebspartner weiß nichts von "Inszenierungen oder dergleichen"

So ein Kalkül bei der Planung eines Releases dürfte kein Einzelfall sein. Promophasen sind seit jeher Phasen voller Pläne, die entweder aufgehen oder sich im Sande verlaufen. Dass so eine Strategie in dieser Ausführlichkeit an die Öffentlichkeit gelangt, ist jedoch eine Seltenheit. Der dort zur Schau gestellte Grad an Berechnung dürfte für so manchen Deutschrap-Fan überraschend sein. Fler stellt in seiner Insta-Story klar, wie er dieses Vorgehen einordnet. Für ihn läuft die Sache unter der Überschrift: "Wie verarschen wir am besten unsere Twitch-Community...!"

Wir haben bei Bushidos Vertrieb und seiner Anwältin nach einem Statement gefragt, um seinen Blickwinkel auf die Nachricht zu erfahren. Dem Vertrieb seien "Inszenierungen oder dergleichen" nicht bekannt. Von Bushidos Anwältin haben wir bislang keine Antwort erhalten.

Bushido & 6ix9ine: Ein Abgesang auf die Realness?

Es ist ein simples Prinzip, das wohl auf ewig besteht: Wer seine Kollegen anschwärzt, macht sich nicht sonderlich beliebt. Bushido und 6ix9ine scheint das wenig zu kümmern. Die Rapper haben in jüngster Vergangenheit so gehandelt, wie es ihre Umgebung strikt ablehnt, aber wie es aus ihrer Sicht erforderlich war.

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Von Graffiti zu "CCN": Fler rekonstruiert seine Hiphop-Geschichte

Von Graffiti zu "CCN": Fler rekonstruiert seine Hiphop-Geschichte

Von Michael Rubach am 27.03.2021 - 14:51

Fler taucht tief in seine persönliche "History of Berlin" ein: Flizzy lässt auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal nämlich seinen eigenen Hiphop-Werdegang Revue passieren. Die ersten Berührungspunkte mit der Kultur, die Leidenschaft für Graffiti Writing und nicht zuletzt das Deutschrap-historisch wichtige Aufeinandertreffen mit Bushido – bis einschließlich 2003 beleuchtet der Maskulin CEO seine Hiphop-Sozialisation in der Hauptstadt.

Fler: "Da hast du zum ersten Mal gemerkt, es gibt eine Deutschrapszene"

In Süd-Berlin kam Fler schon in jungen Jahren mit Hiphop in Kontakt. Die stationierten Soldaten der Alliierten Streitkräfte verbreiteten den amerikanischen Spirit. Die erste Rap-CD kommt dabei vom Nachbarn: "Da Mystery of Chessboxin'" vom Wu-Tang Clan. Fler beschreibt, wie er in der Kultur Halt findet, sich beweisen will und nach Anerkennung sucht. Er habe "radikal" seine Kunst ausleben wollen. In der Schule sei es damals vor allem um Graffiti gegangen.

"Auf dem Schulhof gab's kein Thema, was so wichtig war wie Graffiti. Es war Wahnsinn, wie die Jungs alle auf diesem Film waren: 'Okay, Graffiti ist der Shit und wir müssen hier Qualität abliefern, wirklich auf 'nem hohen Niveau.' Da hat man schon gemerkt, es waren junge Kids, die Hardcore-Leute aus der Szene als Vorbilder hatten. In diesem Alter ging es wirklich darum, dass man mittlerweile genau seine Vorbilder in der Hiphop-Szene hatte. Jeder wusste: Wenn du dich morgen dazu bekennst, dass du Writer wirst, dann ist es mehr als nur: 'Ich mal jetzt 'n bisschen'. Dann war klar: Du bist Teil einer Szene, die nicht sehr einfach ist."

Immer wieder betont Fler das Berlin-typische Konkurrenzdenken. Es sei stets darum gegangen, sich zu behaupten und sich seinen Respekt zu verdienen. All das sei eine "harte Schule" für ihn gewesen. Das Kennenlernen mit Bushido während der Malerausbildung brachte Fler schließlich nach und nach auf die musikalische Schiene. Die Connection mündete bekannterweise in der Entstehung des stilprägenden Kollaboalbums "Carlo Cokxxx N*tten" (2002).

Die Begegnung mit anderen Teilen der Deutschrapszene auf dem Splash! Festival schildert Fler rückblickend hingegen als regelrechten Kulturschock. Vorher habe er Rap vor allem aus einer Berliner Perspektive wahrgenommen.

"Da hast du zum ersten Mal gemerkt, es gibt eine Deutschrapszene. Wir sind da mit paar Kumpels übers Feld gelaufen, haben das "Carlo Cokxxx N*tten"-Tape aus so Pappkartons für 10 DM verkauft und haben dann zum ersten Mal diese Käuferschaft von Deutschrap gesehen und es war für mich - bei aller Liebe - nichts, womit ich mich identifizieren konnte. Irgendwelche Dorf-Kiddies, die sagen 'Samy Deluxe ist der bessere Freestyler', war für uns mit dieser Berliner Mentalität nicht vereinbar."

Diese beschriebene Einstellung spiegelte sich wohl auch bei einem kleinen Konflikt mit Melbeatz wider. Mit der Queen of Beats, die damals bei Optik Records unter Vertrag stand, sei es auf dem Splash! beinahe zu einer Schlägerei gekommen. Ein auf den Boden geworfener Flyer sei der Auslöser gewesen. Heute kann Fler darüber vor allem schmunzeln: "Mel ist die Beste, ich liebe die."

Die Episode "History of Berlin" hört an dem Punkt auf, an dem Fler selbst einen Plattenvertrag bei Aggro Berlin bekommt. Ein zweiter Teil von Flers Berlin-Geschichte soll am kommenden Ostermontag erscheinen.

Eine Legende aus der Hauptstadt, für die Fler Hochachtung empfindet, war Maxim. Hier kannst du die Zeitreise mit dem bereits verstorbenen Hiphop-Pionier anschauen.

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte


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