Bushido & 6ix9ine: Ein Abgesang auf die Realness?

Es ist ein simples Prinzip, das wohl auf ewig besteht: Wer seine Kollegen anschwärzt, macht sich nicht sonderlich beliebt. Bushido und 6ix9ine scheint das wenig zu kümmern. Die Rapper haben in jüngster Vergangenheit so gehandelt, wie es ihre Umgebung strikt ablehnt, aber wie es aus ihrer Sicht erforderlich war.

Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein – der Prozess, den beide Künstler hinter sich haben (und noch zum Teil durchlaufen), ist es nicht. Was mit der Redeseligkeit gegenüber der Staatsgewalt regelrecht auseinanderfliegt, ist der mühsam aufgebaute Anspruch auf Authentizität. Ein Schatz, den Rapper gewöhnlich mehr pflegen als alles andere.

Heutzutage bilden Bushidos Texte mutmaßlich nur geringfügig die Lebensrealität des Anis Ferchichi ab. Ob 6ix9ine sein Gangsta-Troll-Image in den gewohnten Extremen fortführen kann, hängt auch von einer möglichen Verurteilung ab. Beide Künstlerpersönlichkeiten stecken voller Widersprüche, welche den musikalischen Vortrag mehr und mehr als übermäßige Inszenierung outen.

Nun wird Rap jedoch in jeglicher Form davon getragen, dass er glaubhaft erscheint. Ein Artist gilt als real, wenn die künstlerischen Inhalte in der Person ihre Entsprechung finden. Oder wie Megaloh es auf "Rap ist" ausdrückt:

"Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss"

6ix9ine: "When keeping it real goes wrong"

Man kann 6ix9ine viel an den bunt bemalten Kopf werfen. Doch im Zuge seiner relativ übersichtlichen Karriere mangelte es ihm einerseits kaum an besagter Realness. Er ist quasi ein lebender Beweis für den bekannten Ausspruch: "When keeping it real goes wrong". Andererseits zeigt sein Verhalten vor Gericht, dass er die Welt, in die er sich hineinbegeben hat, eher wie einen zeitlich befristeten Abenteuerurlaub betrachtete.

Der Rapper, der bürgerlich Daniel Hernandez heißt, kam ins Game und wütete wie ein Kampfhund, den man von der Leine gelassen hat. Dabei war sein mit Gewalt, Überfällen und Drogengeschäften angereicherter Rapvortrag nicht nur bloße Pose. Wie sein Gerichtsprozess herausfilterte, gab er tatsächlich einen Mord in Auftrag. Auch diverse Gewalttaten und Drogenhandel wurden ihm dort - wohl berechtigterweise - zur Last gelegt. Fast täglich kommen neue Nuancen des 6ix9ine-Lifestyles ans Tageslicht. Mehrere Dokus sind aktuell in Planung, da es schier unglaublich wirkt, was 6ix9ine für ein Programm abgespult hat.

"SuperVillain": Mehrteilige 6ix9ine-Doku angekündigt

Der schnelle Aufstieg und rapide Fall von Tekashi 6ix9ine ist filmverdächtig. Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen des US-Fernsehnetzwerks Showtime und kündigten nun eine mehrteilige 6ix9ine-Doku mit dem Titel "SuperVillain" ("Superschurke") an. Die dreiteilige Reise ins Wirken von 6ix9ine basiert auf einem Artikel, der im Januar im Rolling Stone veröffentlicht wurde.

Anhand der vielen Anklagepunkte ließe sich Kriminalbingo spielen. Häusliche Gewalt oder sexuelle Handlungen mit Minderjährigen stehen ebenfalls auf der langen Liste seiner Verfehlungen. 6ix9ine hat extrem viel Dreck am Stecken, aber auch nie von einer heilen Welt berichtet. Sein Stiefvater wurde ermordet, als er gerade 13 Jahre alt war. Es passt ins Bild, wenn er in einem Interview im Breakfast Club die Ängste in seinem Leben auf zwei Komponenten herunterbricht: "I fear god and FBI".

6ix9ine kooperiert mit den Behörden

Am vorläufigen Ende seiner persönlichen Reise zum Regenbogen fand er vorerst keinen Topf voller Gold, sondern die Strafverfolgung. Dafür sorgte wohl vor allem sein ehemaliger Manager Shotti, der Connections zu den berüchtigten Nine Trey Bloods nutzte, um 6ix9ine noch medienwirksamer in Szene setzen zu können. Die so markanten Tattoos und die Frisur sind dabei Provokationen gegen das, was als Norm gilt. 6ix9ine ist nämlich vor allem eines: Eine gut geplante Übertreibung, die sich ungebremst in allzu ernsthafte Schwierigkeiten manövrierte.

Mit Sicherheit traf man ihn nicht tagtäglich schwer bewaffnet im Ghetto – er musste schließlich den Rapstar verkörpern, der er geworden war. Und vielleicht wird er das sogar wieder tun. Momentan probiert er, seine Haut zu retten, indem er eng mit den Behörden zusammenarbeitet. Ob Informationen zu alten Kollegen, Businesspartnern oder Gang-Mitgliedschaften anderer US-Stars. Jegliche Namen und Taten legt Hernandez bereitwillig der Justiz offen.

Durch dieses Verhalten mutiert 6ix9ine in den Augen vieler Prozessbeobachter aus der US-Musikwelt zu einer Snitch oder Ratte. In der Szene scheint für 6ix9ine kein Platz mehr. Kaum ein Rapper möchte mit einem Künstler assoziiert werden, der sich derart in den Dienst staatlicher Ermittler stellt. Seinem persönlichen Wohlergehen ordnet 6ix9ine augenscheinlich alles unter.

Von den ungeschriebenen Gesetzen der Straße hat er sich abgewandt. 6ix9ine liefert Daten, Fakten, Namen – für ein möglichst mildes Urteil und für seine Freiheit. So eine Bindung ans Rechtssystem ist beileibe kein Element von 6ix9ines Rap. Noch bevor er 2017 mit "Gummo" letztendlich seinen Durchbruch feierte, rappte Tekashi über seine Verachtung für Verräter. Die Line recycelte er auch für seinen Part auf der Gringo-Kollabo "Gigi (Zkittlez)":

"Order stitches for these snitches, dead men tell no tales" – 6ix9ine auf "Gigi (Zkittlez)" (2018)

Heute muss 6ix9ine selbst solche Stiche fürchten, sobald er wieder ein freier Mann sein darf. Welche Konsequenzen sein Verhalten vor Gericht nach sich ziehen wird, ist nicht absehbar. Dabei scheint er zu wissen, dass er mit dem Feuer spielt. Nicht umsonst hielt er wohl seine Familie davon ab, ihn im Gerichtssaal zu unterstützen. Die Gefahr, dass Member der Nine Trey Gangsters Rache üben könnten, ist nun Teil seines Daseins.

6ix9ine will wohl ein Comeback starten

Dieses permanente Drohszenario stellt für ihn scheinbar ein lohnenswertes Risiko dar. Private Sicherheitsleute sollen ihn vor dem beschützen, was er heraufbeschworen hat. Sein Comeback werde laut US-Medien hinter den Kulissen bereits vorbereitet. Mit diesem Move und seinen Aussagen bei den Behörden bestätigt 6ix9ine auch die Trollhaftigkeit, die seinem Werdegang anhaftet. Schon bevor er einem Haftrichter vorgeführt wurde, posaunte Tekashi vor allem über Instagram allerlei kurioses Zeug in der Welt herum. Man erinnere sich an die Behauptung, er sei der neue "King of New York" oder seine vielen willkürlich wirkenden Social-Media-Beefs. Indem er nun weiter öffentlich Staub aufwirbelt, bleibt er sich auf eine gewisse Weise treu.

Seiner Popularität tut der ganze Gerichtsprozess sowieso keinen Abbruch. Er hat monatlich allein auf Spotify 12 Millionen Hörer. Menschen honorieren scheinbar auch weiterhin eine Vermengung von Realität und Image. US-Rapper YNW Melly etwa wird mehrfacher Mord vorgeworfen. Mit seinem Track "Murder On My Mind", der die letztlich eingetroffenen Ereignisse vorwegnimmt, ist er inzwischen dreifach Platin gegangen. 6ix9ine ist ein ambivalenter Charakter, der einerseits vor Theatralik trieft, aber andererseits tatsächlich einen Ausschnitt seiner Erlebnisse in Musik übersetzt. Größtenteils geht es ihm dabei jedoch nicht um echte Geschichten von der Straße, sondern um eine einprägsame Hook, wie ein Wegbegleiter von 6ix9ine im Rolling Stone erzählt.

Dass ein solcher musikalischer Neustart nach Kooperation mit der Staatsgewalt sogar gewissermaßen ohne den Faktor Realness funktionieren kann, zeigt ein Blick über den großen Teich. Bushido steht - soweit bekannt - in keinem Zusammenhang mit vergleichbaren Straftaten, wie sie 6ix9ine zur Last gelegt werden. Er ist auch in den letzten Jahren eher nicht dadurch aufgefallen, dass er sich in den fieseren Ecken Berlins herumtreibt. Sein Comeback entspringt dennoch aus einer ähnlichen Positon wie bei 6ix9ine.

Bushidos Umstände ähneln denen von 6ix9ine

Die Parallelen zwischen dem Berliner Urgestein und dem US-Rapper liegen dabei auf der Hand. Bushido verbrachte große Teile seiner Laufbahn an der Seite einer Familie, welcher die Süddeutsche Zeitung "mafiöse Strukturen" bescheinigt. Selbst sein Karrierestart nach dem Abgang von Aggro Berlin soll eng mit der beherzten Überzeugungsarbeit seines früheren Geschäftspartners Arafat Abou-Chaker zusammenhängen. So schildert es der autobiografische Film "Zeiten ändern dich".

Gegenwärtig tritt Bushido öffentlich mit vermummten Personen auf, die auf der Straße kein sonderlich hohes Ansehen genießen. Die Nähe zur Polizei hat Bushido im hiesigen Rapbusiness kurzfristig zu einer Figur gemacht, von der man sich lieber fernhält, wenn man noch ernst genommen werden möchte. Geleakte Protokolle sollen zudem verdeutlichen, dass Bushido sich auskunftsfreudig präsentiert habe. Dem Anschein nach hat sich der EGJ-Gründer wie 6ix9ine von Prinzipien entfernt, die auf der Straße einen Wert besitzen. Er hat sich augenscheinlich dazu entschieden, einen verschmähten Fluchtweg aus einer für ihn misslichen Lage zu suchen. Eine Kooperation mit den Behörden ist nach unserem Kenntnisstand Teil dieses Lösungsansatzes.

Als diese Entscheidung in Rapperkreisen die Runde machte, fielen die Reaktionen erst einmal dementsprechend aus. Die ehemaligen EGJ-Labelkollegen Capital Bra und Samra rappten, ohne Bushidos Namen in den Mund zu nehmen, "F*ck31er". Fler weist bis heute auf Bushidos für ihn inakzeptable Vorgehensweise hin. Bushido sei sogar "schlimmer als 6ix9ine", wie er im Podcast bei MC Bogy und B-Lash angab. Der eine Ex-Aggro Berliner sprach dort dem anderen Ex-Aggro Berliner ab, überhaupt den Schutz seiner Familie im Sinn zu haben. Stattdessen gehe es ums Geschäft. Laut Fler packe 6ix9ine derart umfangreich aus, da sein Leben und das Leben seiner Angehörigen tatsächlich bedroht seien. Bushido hüllt sich, was eine konkrete Bedrohungslage angeht, eher in Schweigen. Sollte seine Familie tatsächlich in Gefahr sein, ist es selbstredend nachvollziehbar, dass er sie mit allen erdenklichen Mitteln schützen möchte, die der Rechtsstaat zur Verfügung stellt.

Alles wie immer: Fler vs. Bushido

Die Gemengelage entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Bushido sieht sich schlussendlich dem gleichen Vorwurf ausgesetzt, den er einst Kay One machte. Auf "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" bezeichnete Bushido seinen ehemaligen Gefährten Kay One als "31er", der "LKA-Beamte und Security" benötige. Bushido frontete Kay One dort für einen Mangel an Glaubhaftigkeit, nachdem Kay sich von Bushido und dem damaligen Umfeld abgenabelt hatte. Heute ist Bushido - gewollt oder nicht gewollt - von den gleichen Personen umgeben, die er einst um sein Ex-Signing auszumachen glaubte. Es fällt schwer, Bushidos songgeewordenen Ärger über Kay Ones Verhalten ernst zu nehmen. Wie Kollegah, der sich als Rapper zum übergroßen Überboss aufbläht, muss Bushido viel mehr als Kunstfigur gelten. Vieles von dem, was Bushido rappt und gerappt hat, läuft augenscheinlich an seiner Lebensrealität vorbei. Es bleibt schleierhaft, auf was sich der mehrfache Vater beruft, wenn er reimt:

"BLN Crimetime, ich eliminiere / Eins, zwei, drei, vier Stiche in die Niere" – Bushido auf "Geigenkoffer" (2018)

Er liefert Inhalte, die aus einer kriminellen Welt stammen, von der Bushido wohl nie Teil sein wollte. Dass es zur Anklage gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker kommt, steht bereits fest. Bushidos früherem Vertrauten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung sowie gefährliche Körperverletzung vor. Bushido selbst verkörpert den treusorgenden Familienmensch.

Was bei 6ix9ine von außen betrachtet weiterhin ein wenig wahnsinnig wirkt, ist bei Bushido bereits wortgewaltige Realität. Er ist zurück ins Musikgeschäft eingestiegen und macht so weiter, als wäre nichts geschehen. Er inszeniert sich als Pate einer Szene, die er eigentlich verlassen hat. Dennoch findet er in ihr statt.

2018 prognostizierte Fler, dass Bushido in Rapperkreisen erledigt sei. Der Zuspruch nach der Ankündigung von "CCN4" verdeutlicht, dass Bushido keinesfalls auf dem Abstellgleis steht. Viele Kollegen liken seine Instagram-Posts und feiern den herrenlosen Samurai, der sich mutig Unmengen an Hatern erwehrt. Die üblichen Verdächtigen sind natürlich weit davon entfernt zu vergessen, was Bushido seit dem Zerfall von EGJ so getrieben hat. Diese negativen Stimmen sind jedoch nicht übermächtig. Der Mangel an Authentizität scheint der unverwüstlichen Fangemeinde kein Dorn im Auge zu sein.

Bisher hat sich kaum ein Rapper für 6ix9ine ausgesprochen, seitdem herausgekommen ist, was er vor Gericht von sich gegeben hat. Bushido genießt hierzulande einen Sonderstatus. Viele sind mit seiner Musik, seiner Stimme, seinem Rapstil aufgewachsen. Der Zuspruch, den er weiterhin erfährt, ist auch ein Resultat seiner nun mehr als 20 Jahre andauernden Karriere. Wer Bushido hört, ist ein Fan eines Images – vom Mythos um Bushido.

Ein rappender Widerspruch, der funktioniert

Vielleicht ist daher der Titel seines bisher letzten Soloalbums der treffendste überhaupt. In einer Szene, die sich immer noch an Realness ausrichtet, ist sein dauerhafter Erfolg eine sagenhafte Geschichte. Es grenzt an Zauberei: Auch die ständigen Ghostwritingvorwürfe, die ebenfalls seine Kredibilität als authentischer Rapper untergraben, haben ihm nichts anhaben können.

Die dargebotenen Tracks sind schlussendlich genau das, was Bushido in seinem Verse zu "Lichter der Stadt" einräumt. Er rappt dort darüber, "deutschen Gangsta-Rap paraphrasiert" zu haben. Bushido macht – ob mit oder ohne Schreibhilfe – einen Gangsta-Lifestyle zu Musik und schmückt Songs aus sicherer Entfernung mit wohl überlegtem Vokabular aus. Er stülpt der Straße eine Sprache über, die er für angemessen hält. Und er fährt damit gut. So sind seine Lines stabil gereimte Umschreibungen für ein Leben außerhalb des Gesetzes – keine wahrhaftigen oder echten Erzählungen.

Bushido & Animus - Lichter der Stadt [Video]

Bushido haut mit "Lichter der Stadt" die nächste Single aus "CCN 4" raus. Wie schon bei "Ronin" und offenbar auf dem ganzen Album ist auch dieses Mal Animus wieder mit am Start. Produziert wurde "Lichter der Stadt" von Bushido und Gorex. "CCN 4" erscheint am 20. Dezember.

An der Figur Bushido scheint alles abzuprallen. Das Kostüm, das er sich für seine Performance hervorholt, wirkt unverwüstlich. Er hat sich im Deutschrap-Game derart weit hochgelevelt, dass selbst die heftigsten Attacken mit einem bloßen Schulterzucken abgetan werden können. Bushido verfolgt mutmaßlich nicht das Ziel, dass der Hörer seine Musik als einigermaßen plausibel einstuft.

Seinen "CCN4"-Partner Animus hat er vor wenigen Jahren noch verspottet – die Bilder sind bis heute auf Bushidos Facebook-Page online. Nun rappen die beiden ehemaligen Kontrahenten Seite an Seite über ein "Leben zwischen Dealern, den Huren und Cops". Es vertieft sich mit jeder Zeile der Graben zwischen dem, was Bushido in seiner Musik behauptet zu sein und dem, was er als Person verkörpert. Der gut situierte Ehemann stürmt nirgends mit Skimaske hinein und hat das wohl auch nie getan. Wahrscheinlicher ist es, dass er sich mit Telekommunikationsanbietern streitet oder sich darum kümmert, Anwaltspost in Auftrag zu geben.

6ix9ine hat keine derart lange Karriere vorzuweisen, von der er zehren könnte. Er kam mit einem Knall und trat genauso krachend (vorerst) ab. Vielleicht ist es Bushidos beeindruckendste Leistung, dass seine Hörerschaft ihm Narrenfreiheit zugesteht. Unabhängig von allem, was über ihn an die Öffentlichkeit dringt: Die Fans hängen an seinen Lippen. Ob sein jüngeres US-Pendant da Schritt halten kann, wird sich noch zeigen. Womöglich muss er dafür einfach nur seiner Masche treu bleiben. Auch das ist ein relativ simples Prinzip.

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"Das wirst du bereuen": Ali Bumaye über den Bruch mit Bushido

"Das wirst du bereuen": Ali Bumaye über den Bruch mit Bushido

Von Till Hesterbrink am 27.09.2020 - 13:13

Ali Bumaye hielt sich lange aus dem ganzen Trubel um Bushido und Arafat Abou-Chaker raus, doch nachdem das SEK letzte Woche die Wohnung seiner Mutter stürmte, sei für ihn eine Grenze überschritten worden. Nun veröffentlichte er ein elfminütiges Statement zum Beef mit Bushido auf Youtube.

Ali Bumaye: Bushido hatte einen Deal mit Kollegah und Farid Bang

In seinem Video-Statement geht Ali darauf ein, wie der Bruch mit Bushido zustande gekommen sei. Auch der berüchtigte EGJ-Labelsampler kommt dabei zur Sprache. Der ursprüngliche Auslöser für die Trennung soll wohl der Streit mit Kollegah und Farid Bang gewesen sein. Bushido habe damals unnötigerweise öffentlich eine Ansage an die beiden erteilt, dass Laas nicht mehr beleidigt werden solle. Laut Ali hätte man das auch privat klären können, da zu der Zeit noch guter Kontakt zum JBG-Camp herrschte.

Kollegah und Farid ließen sich das natürlich nicht gefallen und so seien Bushido und sein Umfeld zu Zielen auf "JBG 3" geworden. Ali vermutet jedoch, dass Bushido die ganze Situation hinter dem Rücken, der anderen EGJ-Signings mit Kolle und Farid geklärt hätte.

"Dann wollten wir zurückschlagen, musikalisch zurückschlagen. Was macht aber der Häuptling? Macht hinterrücks mit denen... geht der auf L*tsch-Partie und kriecht denen in den Arsch und klärt die Sache hinter dem Rücken von uns allen. [...] Während wir schon im Studio sind und den Sampler am Machen, ist er schon mit denen am Klären."

Dieses Verhalten stieß Ali wohl sauer auf. Er hätte sich beleidigen lassen und wäre bereit gewesen, den Beef für Bushido zu führen, während dieser "wie eine F*tze, wie eine Ratte" seine Kollegen hintergangen hätte. Ali und die anderen Label-Mitglieder seien dahingehend lange im Dunkeln gelassen worden.

Ali ist sich sicher, Kollegah und Farid hätten etwas gegen Bushido in der Hand gehabt oder wären einen Deal eingegangen.

"Ich bekriege irgendwelche Leute für dich, damit du hinterrücks bei denen in den Arsch kriechst, damit die dich nicht dissen. Oder nur so ein bisschen dissen. JBG 3 hat ja jeder gehört. Was war das denn? Da wurde Bushido nicht richtig gedisst."

Als Ali nach "JBG 3" auf Kollegah und Farid Bang losgehen wollte, habe Bushido ihn angeblich angerufen und zurückgehalten.

"Ich weiß noch ein Mal ganz genau, als das Album rauskam [...] da haben wir so in einer Gruppe geschrieben. Und ich meinte: 'Lass ins Studio gehen, ich werde jetzt übertreiben' und so. Da hat er mich noch persönlich angerufen [...] und meinte 'Nein Bruder, warte, warte! Beruhige dich. Mach nicht'. Weil er Schiss hatte, [...] Weil die hatten einen Deal."

Ali Bumaye: "Wenn wir über das Thema Loyalität reden, kann mir keiner das Wasser reichen"

Auch abseits der verbalen Streitigkeiten mit anderen Rappern habe Ali immer zu Bushido gehalten. Beispielsweise damals, als ein Streit auf der FIBO zu eskalieren drohte. All das, obwohl seit drei Jahren kein Geld an ihn geflossen sei. Er habe Bushido sogar einige Zeit nach der Trennung geschrieben und ihn wissen lassen, dass er die Zeit und auch Bushido selbst vermisse. Dieser hätte daraufhin lediglich "Jetzt bekommt jeder, was er verdient" geantwortet.

Der Tropfen, welcher das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht habe, sei jedoch der SEK-Einsatz vor ein paar Tagen gewesen. Bei diesem sollen angeblich 40 Beamte die Wohnung von Ali gestürmt haben.

"Jahrelang mein Maul gehalten": Ali Bumaye richtet sich nach Großrazzia an Bushido

Gestern wurden das Anwesen von Arafat Abou-Chaker in Kleinmachnow (Brandenburg) und diverse Wohnungen sowie Geschäftsräume von der Polizei durchsucht. Im "ZDF-"heute journal" war von einer "Großrazzia in der Rapperszene" die Rede. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Steuerbetrug und Geldwäsche. Dabei wurde wohl auch Ali Bumayes Mutter von den einrückenden Ermittlern überrascht.

Von nun an sei er auch Teil des Beefs. Sowohl auf musikalischer Ebene als auch seinen Social Meida-Kanälen. Er wolle ab jetzt immer wieder Video-Statements veröffentlichen und Dinge aus der Vergangenheit aufdecken. Man solle Fragen an ihn schreiben, er würde dann auf die jeweiligen Top-Kommentare eingehen und antworten.

Zuletzt gab es bereits einen Diss-Track von Arafat-Signing Level an Bushido:

LEVEL - #KingSushido (Bushido Diss) [Video]

Von HHRedaktion am 13.06.2020 - 13:37 Am gestrigen Freitag veröffentlichte Nu51 von der Bantu Nation seinen Disstrack "Patricia" gegen Fler. Der Berliner reagiert auf Insta mit einem kleinen Story-Beitrag und offenbar in einer Telegram-Gruppe auf die Zeilen aus NRW.


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