Bushido & 6ix9ine: Ein Abgesang auf die Realness?

Es ist ein simples Prinzip, das wohl auf ewig besteht: Wer seine Kollegen anschwärzt, macht sich nicht sonderlich beliebt. Bushido und 6ix9ine scheint das wenig zu kümmern. Die Rapper haben in jüngster Vergangenheit so gehandelt, wie es ihre Umgebung strikt ablehnt, aber wie es aus ihrer Sicht erforderlich war.

Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein – der Prozess, den beide Künstler hinter sich haben (und noch zum Teil durchlaufen), ist es nicht. Was mit der Redeseligkeit gegenüber der Staatsgewalt regelrecht auseinanderfliegt, ist der mühsam aufgebaute Anspruch auf Authentizität. Ein Schatz, den Rapper gewöhnlich mehr pflegen als alles andere.

Heutzutage bilden Bushidos Texte mutmaßlich nur geringfügig die Lebensrealität des Anis Ferchichi ab. Ob 6ix9ine sein Gangsta-Troll-Image in den gewohnten Extremen fortführen kann, hängt auch von einer möglichen Verurteilung ab. Beide Künstlerpersönlichkeiten stecken voller Widersprüche, welche den musikalischen Vortrag mehr und mehr als übermäßige Inszenierung outen.

Nun wird Rap jedoch in jeglicher Form davon getragen, dass er glaubhaft erscheint. Ein Artist gilt als real, wenn die künstlerischen Inhalte in der Person ihre Entsprechung finden. Oder wie Megaloh es auf "Rap ist" ausdrückt:

"Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss"

6ix9ine: "When keeping it real goes wrong"

Man kann 6ix9ine viel an den bunt bemalten Kopf werfen. Doch im Zuge seiner relativ übersichtlichen Karriere mangelte es ihm einerseits kaum an besagter Realness. Er ist quasi ein lebender Beweis für den bekannten Ausspruch: "When keeping it real goes wrong". Andererseits zeigt sein Verhalten vor Gericht, dass er die Welt, in die er sich hineinbegeben hat, eher wie einen zeitlich befristeten Abenteuerurlaub betrachtete.

Der Rapper, der bürgerlich Daniel Hernandez heißt, kam ins Game und wütete wie ein Kampfhund, den man von der Leine gelassen hat. Dabei war sein mit Gewalt, Überfällen und Drogengeschäften angereicherter Rapvortrag nicht nur bloße Pose. Wie sein Gerichtsprozess herausfilterte, gab er tatsächlich einen Mord in Auftrag. Auch diverse Gewalttaten und Drogenhandel wurden ihm dort - wohl berechtigterweise - zur Last gelegt. Fast täglich kommen neue Nuancen des 6ix9ine-Lifestyles ans Tageslicht. Mehrere Dokus sind aktuell in Planung, da es schier unglaublich wirkt, was 6ix9ine für ein Programm abgespult hat.

"SuperVillain": Mehrteilige 6ix9ine-Doku angekündigt

Der schnelle Aufstieg und rapide Fall von Tekashi 6ix9ine ist filmverdächtig. Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen des US-Fernsehnetzwerks Showtime und kündigten nun eine mehrteilige 6ix9ine-Doku mit dem Titel "SuperVillain" ("Superschurke") an. Die dreiteilige Reise ins Wirken von 6ix9ine basiert auf einem Artikel, der im Januar im Rolling Stone veröffentlicht wurde.

Anhand der vielen Anklagepunkte ließe sich Kriminalbingo spielen. Häusliche Gewalt oder sexuelle Handlungen mit Minderjährigen stehen ebenfalls auf der langen Liste seiner Verfehlungen. 6ix9ine hat extrem viel Dreck am Stecken, aber auch nie von einer heilen Welt berichtet. Sein Stiefvater wurde ermordet, als er gerade 13 Jahre alt war. Es passt ins Bild, wenn er in einem Interview im Breakfast Club die Ängste in seinem Leben auf zwei Komponenten herunterbricht: "I fear god and FBI".

6ix9ine kooperiert mit den Behörden

Am vorläufigen Ende seiner persönlichen Reise zum Regenbogen fand er vorerst keinen Topf voller Gold, sondern die Strafverfolgung. Dafür sorgte wohl vor allem sein ehemaliger Manager Shotti, der Connections zu den berüchtigten Nine Trey Bloods nutzte, um 6ix9ine noch medienwirksamer in Szene setzen zu können. Die so markanten Tattoos und die Frisur sind dabei Provokationen gegen das, was als Norm gilt. 6ix9ine ist nämlich vor allem eines: Eine gut geplante Übertreibung, die sich ungebremst in allzu ernsthafte Schwierigkeiten manövrierte.

Mit Sicherheit traf man ihn nicht tagtäglich schwer bewaffnet im Ghetto – er musste schließlich den Rapstar verkörpern, der er geworden war. Und vielleicht wird er das sogar wieder tun. Momentan probiert er, seine Haut zu retten, indem er eng mit den Behörden zusammenarbeitet. Ob Informationen zu alten Kollegen, Businesspartnern oder Gang-Mitgliedschaften anderer US-Stars. Jegliche Namen und Taten legt Hernandez bereitwillig der Justiz offen.

Durch dieses Verhalten mutiert 6ix9ine in den Augen vieler Prozessbeobachter aus der US-Musikwelt zu einer Snitch oder Ratte. In der Szene scheint für 6ix9ine kein Platz mehr. Kaum ein Rapper möchte mit einem Künstler assoziiert werden, der sich derart in den Dienst staatlicher Ermittler stellt. Seinem persönlichen Wohlergehen ordnet 6ix9ine augenscheinlich alles unter.

Von den ungeschriebenen Gesetzen der Straße hat er sich abgewandt. 6ix9ine liefert Daten, Fakten, Namen – für ein möglichst mildes Urteil und für seine Freiheit. So eine Bindung ans Rechtssystem ist beileibe kein Element von 6ix9ines Rap. Noch bevor er 2017 mit "Gummo" letztendlich seinen Durchbruch feierte, rappte Tekashi über seine Verachtung für Verräter. Die Line recycelte er auch für seinen Part auf der Gringo-Kollabo "Gigi (Zkittlez)":

"Order stitches for these snitches, dead men tell no tales" – 6ix9ine auf "Gigi (Zkittlez)" (2018)

Heute muss 6ix9ine selbst solche Stiche fürchten, sobald er wieder ein freier Mann sein darf. Welche Konsequenzen sein Verhalten vor Gericht nach sich ziehen wird, ist nicht absehbar. Dabei scheint er zu wissen, dass er mit dem Feuer spielt. Nicht umsonst hielt er wohl seine Familie davon ab, ihn im Gerichtssaal zu unterstützen. Die Gefahr, dass Member der Nine Trey Gangsters Rache üben könnten, ist nun Teil seines Daseins.

6ix9ine will wohl ein Comeback starten

Dieses permanente Drohszenario stellt für ihn scheinbar ein lohnenswertes Risiko dar. Private Sicherheitsleute sollen ihn vor dem beschützen, was er heraufbeschworen hat. Sein Comeback werde laut US-Medien hinter den Kulissen bereits vorbereitet. Mit diesem Move und seinen Aussagen bei den Behörden bestätigt 6ix9ine auch die Trollhaftigkeit, die seinem Werdegang anhaftet. Schon bevor er einem Haftrichter vorgeführt wurde, posaunte Tekashi vor allem über Instagram allerlei kurioses Zeug in der Welt herum. Man erinnere sich an die Behauptung, er sei der neue "King of New York" oder seine vielen willkürlich wirkenden Social-Media-Beefs. Indem er nun weiter öffentlich Staub aufwirbelt, bleibt er sich auf eine gewisse Weise treu.

Seiner Popularität tut der ganze Gerichtsprozess sowieso keinen Abbruch. Er hat monatlich allein auf Spotify 12 Millionen Hörer. Menschen honorieren scheinbar auch weiterhin eine Vermengung von Realität und Image. US-Rapper YNW Melly etwa wird mehrfacher Mord vorgeworfen. Mit seinem Track "Murder On My Mind", der die letztlich eingetroffenen Ereignisse vorwegnimmt, ist er inzwischen dreifach Platin gegangen. 6ix9ine ist ein ambivalenter Charakter, der einerseits vor Theatralik trieft, aber andererseits tatsächlich einen Ausschnitt seiner Erlebnisse in Musik übersetzt. Größtenteils geht es ihm dabei jedoch nicht um echte Geschichten von der Straße, sondern um eine einprägsame Hook, wie ein Wegbegleiter von 6ix9ine im Rolling Stone erzählt.

Dass ein solcher musikalischer Neustart nach Kooperation mit der Staatsgewalt sogar gewissermaßen ohne den Faktor Realness funktionieren kann, zeigt ein Blick über den großen Teich. Bushido steht - soweit bekannt - in keinem Zusammenhang mit vergleichbaren Straftaten, wie sie 6ix9ine zur Last gelegt werden. Er ist auch in den letzten Jahren eher nicht dadurch aufgefallen, dass er sich in den fieseren Ecken Berlins herumtreibt. Sein Comeback entspringt dennoch aus einer ähnlichen Positon wie bei 6ix9ine.

Bushidos Umstände ähneln denen von 6ix9ine

Die Parallelen zwischen dem Berliner Urgestein und dem US-Rapper liegen dabei auf der Hand. Bushido verbrachte große Teile seiner Laufbahn an der Seite einer Familie, welcher die Süddeutsche Zeitung "mafiöse Strukturen" bescheinigt. Selbst sein Karrierestart nach dem Abgang von Aggro Berlin soll eng mit der beherzten Überzeugungsarbeit seines früheren Geschäftspartners Arafat Abou-Chaker zusammenhängen. So schildert es der autobiografische Film "Zeiten ändern dich".

Gegenwärtig tritt Bushido öffentlich mit vermummten Personen auf, die auf der Straße kein sonderlich hohes Ansehen genießen. Die Nähe zur Polizei hat Bushido im hiesigen Rapbusiness kurzfristig zu einer Figur gemacht, von der man sich lieber fernhält, wenn man noch ernst genommen werden möchte. Geleakte Protokolle sollen zudem verdeutlichen, dass Bushido sich auskunftsfreudig präsentiert habe. Dem Anschein nach hat sich der EGJ-Gründer wie 6ix9ine von Prinzipien entfernt, die auf der Straße einen Wert besitzen. Er hat sich augenscheinlich dazu entschieden, einen verschmähten Fluchtweg aus einer für ihn misslichen Lage zu suchen. Eine Kooperation mit den Behörden ist nach unserem Kenntnisstand Teil dieses Lösungsansatzes.

Als diese Entscheidung in Rapperkreisen die Runde machte, fielen die Reaktionen erst einmal dementsprechend aus. Die ehemaligen EGJ-Labelkollegen Capital Bra und Samra rappten, ohne Bushidos Namen in den Mund zu nehmen, "F*ck31er". Fler weist bis heute auf Bushidos für ihn inakzeptable Vorgehensweise hin. Bushido sei sogar "schlimmer als 6ix9ine", wie er im Podcast bei MC Bogy und B-Lash angab. Der eine Ex-Aggro Berliner sprach dort dem anderen Ex-Aggro Berliner ab, überhaupt den Schutz seiner Familie im Sinn zu haben. Stattdessen gehe es ums Geschäft. Laut Fler packe 6ix9ine derart umfangreich aus, da sein Leben und das Leben seiner Angehörigen tatsächlich bedroht seien. Bushido hüllt sich, was eine konkrete Bedrohungslage angeht, eher in Schweigen. Sollte seine Familie tatsächlich in Gefahr sein, ist es selbstredend nachvollziehbar, dass er sie mit allen erdenklichen Mitteln schützen möchte, die der Rechtsstaat zur Verfügung stellt.

Alles wie immer: Fler vs. Bushido

Die Gemengelage entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Bushido sieht sich schlussendlich dem gleichen Vorwurf ausgesetzt, den er einst Kay One machte. Auf "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" bezeichnete Bushido seinen ehemaligen Gefährten Kay One als "31er", der "LKA-Beamte und Security" benötige. Bushido frontete Kay One dort für einen Mangel an Glaubhaftigkeit, nachdem Kay sich von Bushido und dem damaligen Umfeld abgenabelt hatte. Heute ist Bushido - gewollt oder nicht gewollt - von den gleichen Personen umgeben, die er einst um sein Ex-Signing auszumachen glaubte. Es fällt schwer, Bushidos songgeewordenen Ärger über Kay Ones Verhalten ernst zu nehmen. Wie Kollegah, der sich als Rapper zum übergroßen Überboss aufbläht, muss Bushido viel mehr als Kunstfigur gelten. Vieles von dem, was Bushido rappt und gerappt hat, läuft augenscheinlich an seiner Lebensrealität vorbei. Es bleibt schleierhaft, auf was sich der mehrfache Vater beruft, wenn er reimt:

"BLN Crimetime, ich eliminiere / Eins, zwei, drei, vier Stiche in die Niere" – Bushido auf "Geigenkoffer" (2018)

Er liefert Inhalte, die aus einer kriminellen Welt stammen, von der Bushido wohl nie Teil sein wollte. Dass es zur Anklage gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker kommt, steht bereits fest. Bushidos früherem Vertrauten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung sowie gefährliche Körperverletzung vor. Bushido selbst verkörpert den treusorgenden Familienmensch.

Was bei 6ix9ine von außen betrachtet weiterhin ein wenig wahnsinnig wirkt, ist bei Bushido bereits wortgewaltige Realität. Er ist zurück ins Musikgeschäft eingestiegen und macht so weiter, als wäre nichts geschehen. Er inszeniert sich als Pate einer Szene, die er eigentlich verlassen hat. Dennoch findet er in ihr statt.

2018 prognostizierte Fler, dass Bushido in Rapperkreisen erledigt sei. Der Zuspruch nach der Ankündigung von "CCN4" verdeutlicht, dass Bushido keinesfalls auf dem Abstellgleis steht. Viele Kollegen liken seine Instagram-Posts und feiern den herrenlosen Samurai, der sich mutig Unmengen an Hatern erwehrt. Die üblichen Verdächtigen sind natürlich weit davon entfernt zu vergessen, was Bushido seit dem Zerfall von EGJ so getrieben hat. Diese negativen Stimmen sind jedoch nicht übermächtig. Der Mangel an Authentizität scheint der unverwüstlichen Fangemeinde kein Dorn im Auge zu sein.

Bisher hat sich kaum ein Rapper für 6ix9ine ausgesprochen, seitdem herausgekommen ist, was er vor Gericht von sich gegeben hat. Bushido genießt hierzulande einen Sonderstatus. Viele sind mit seiner Musik, seiner Stimme, seinem Rapstil aufgewachsen. Der Zuspruch, den er weiterhin erfährt, ist auch ein Resultat seiner nun mehr als 20 Jahre andauernden Karriere. Wer Bushido hört, ist ein Fan eines Images – vom Mythos um Bushido.

Ein rappender Widerspruch, der funktioniert

Vielleicht ist daher der Titel seines bisher letzten Soloalbums der treffendste überhaupt. In einer Szene, die sich immer noch an Realness ausrichtet, ist sein dauerhafter Erfolg eine sagenhafte Geschichte. Es grenzt an Zauberei: Auch die ständigen Ghostwritingvorwürfe, die ebenfalls seine Kredibilität als authentischer Rapper untergraben, haben ihm nichts anhaben können.

Die dargebotenen Tracks sind schlussendlich genau das, was Bushido in seinem Verse zu "Lichter der Stadt" einräumt. Er rappt dort darüber, "deutschen Gangsta-Rap paraphrasiert" zu haben. Bushido macht – ob mit oder ohne Schreibhilfe – einen Gangsta-Lifestyle zu Musik und schmückt Songs aus sicherer Entfernung mit wohl überlegtem Vokabular aus. Er stülpt der Straße eine Sprache über, die er für angemessen hält. Und er fährt damit gut. So sind seine Lines stabil gereimte Umschreibungen für ein Leben außerhalb des Gesetzes – keine wahrhaftigen oder echten Erzählungen.

Bushido & Animus - Lichter der Stadt [Video]

Bushido haut mit "Lichter der Stadt" die nächste Single aus "CCN 4" raus. Wie schon bei "Ronin" und offenbar auf dem ganzen Album ist auch dieses Mal Animus wieder mit am Start. Produziert wurde "Lichter der Stadt" von Bushido und Gorex. "CCN 4" erscheint am 20. Dezember.

An der Figur Bushido scheint alles abzuprallen. Das Kostüm, das er sich für seine Performance hervorholt, wirkt unverwüstlich. Er hat sich im Deutschrap-Game derart weit hochgelevelt, dass selbst die heftigsten Attacken mit einem bloßen Schulterzucken abgetan werden können. Bushido verfolgt mutmaßlich nicht das Ziel, dass der Hörer seine Musik als einigermaßen plausibel einstuft.

Seinen "CCN4"-Partner Animus hat er vor wenigen Jahren noch verspottet – die Bilder sind bis heute auf Bushidos Facebook-Page online. Nun rappen die beiden ehemaligen Kontrahenten Seite an Seite über ein "Leben zwischen Dealern, den Huren und Cops". Es vertieft sich mit jeder Zeile der Graben zwischen dem, was Bushido in seiner Musik behauptet zu sein und dem, was er als Person verkörpert. Der gut situierte Ehemann stürmt nirgends mit Skimaske hinein und hat das wohl auch nie getan. Wahrscheinlicher ist es, dass er sich mit Telekommunikationsanbietern streitet oder sich darum kümmert, Anwaltspost in Auftrag zu geben.

6ix9ine hat keine derart lange Karriere vorzuweisen, von der er zehren könnte. Er kam mit einem Knall und trat genauso krachend (vorerst) ab. Vielleicht ist es Bushidos beeindruckendste Leistung, dass seine Hörerschaft ihm Narrenfreiheit zugesteht. Unabhängig von allem, was über ihn an die Öffentlichkeit dringt: Die Fans hängen an seinen Lippen. Ob sein jüngeres US-Pendant da Schritt halten kann, wird sich noch zeigen. Womöglich muss er dafür einfach nur seiner Masche treu bleiben. Auch das ist ein relativ simples Prinzip.

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Bushidos Weggefährte packt aus: Hass auf Kollegah & Farid Bang, entfernter Bonez MC-Diss

Bushidos Weggefährte packt aus: Hass auf Kollegah & Farid Bang, entfernter Bonez MC-Diss

Von Paul Kruppa am 24.03.2021 - 14:13

Bushidos ehemaliger enger Mitarbeiter Congo hat sich kürzlich in Flers Maskulin Telegramgruppe mit einem umfangreichen Post zu Wort gemeldet. Der frühere Admin des EGJ-Forums rollt vor allem die Zeit zwischen 2013 und 2017 auf. Dabei erinnert er sich unter anderem an das Verhältnis von Bushido zum "JBG"-Duo Kollegah und Farid Bang. Außerdem führt er aus, warum Bushido letztendlich davon abgesehen haben soll, Bonez MC auf seinem Album "Black Friday" zu dissen. Congos Rückblick ist nach den Geschehnissen der letzten Jahre unweigerlich subjektiv gefärbt. Er pocht jedoch auf seine Version der Geschichte.

"Aber ich weiß[,] was da los war."

Bushido soll Kollegah & Farid Bang "gehasst" haben

Der geneigte Deutschrapfan weiß: Mit "Gangsta Rap Kings" existiert ein gemeinsamer Track von Kollegah, Farid Bang und Bushido. Eine Zusammenarbeit mit Banger und Boss war wohl schon für Bushidos Album "Zeiten ändern dich" (2010) angedacht. Allerdings wäre diese Features für Bushido laut Congo ein reiner Businessmove gewesen. Der EGJ-Boss habe seine Kollegen aus NRW regelrecht gehasst und soll sie um 2006 herum noch als "Versager" abgestempelt haben.

Congo habe seinerzeit selbst gar nichts von den Gastbeiträgen gehalten und sogar mit seinem Rückzug gedroht, insofern ein gemeinsamer Track auf "Zeiten ändern dich" landen würde. Daraufhin seien sowohl Kollegah sowie Farid Bang nicht auf dem Album platziert worden.

"Bu hat Farid und Kolle gehasst. Ich habe mich 2008/2009 davon anstacheln lassen und war dann absolut dagegen dass beide auf ZÄD gefeatured sind. Bu sah deren steigenden Erfolg und hat die feats. bekommen, obwohl er die beide gehasst hat, aber sie konnten ihm von Nutzen sein. [...] Ich war dagegen und wollte gehen, wenn er das durchzieht. Dann wurden beide vom Album genommen. Das ist die Wahrheit." [sic!]

Jahre später sei es jedoch ein genialer "Schachzug" gewesen, es erneut auf eine Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang ankommen zu lassen. Vom Videodreh zu "Gangsta Rap Kings" in Köln will Congo vor allem Lästereien von Bushido im Kopf behalten haben.

"Wir waren beim Dreh in Köln. Und selbst beim Dreh hat er wieder gelästert. Farid Pickel hier. Er mag die beiden nicht. Ich dachte mir nur meinen Teil. Dann kam Mozart (Farids Manager ) dazu. Und er war plötzlich leise. Dann erzählte er Storys von Cassandra Steen die ja so geschwitzt hätte und dass er bei der umarmung Herpes bekommen hätte. Ich dachte nur, halt einfach dein Maul du eierloser pisser." [sic!]

Aus Congos Perspektive hätte Bushido für Kollegahs und Farid Bangs Kooperation dankbar sein müssen. Schließlich seien sie trotz der vorigen Unstimmigkeiten bei "Zeiten ändern dich" für ein Feature bereit gewesen. In Bushidos Gedankenwelt hätte jedoch weiterhin ein Konkurrenzkampf stattgefunden.

"Farid und Kolle waren für ihn Konkurrenz. Ich dachte nur, wow, junge sei doch froh dass die uns gerettet haben. Das sind gute Jungs mittlerweile. Sie haben sogar die Absage wegen zäd sportlich genommen. Ich bin wieder fein mit denen. Was ist los mit dir? Wieso muss man die als Konkurrenz sehen, statt einfach Freundschaftlich auf die Ferne mit denen verbunden zu sein, so dass kein Hate zwischen den Lagern bestand." [sic!]

Bushidos "Black Friday": Darum soll Bonez MC nicht gedisst worden sein

Die Single-Version zur zweiten "Black Friday"-Auskopplung "Sodom & Gomorrha" erschien im Mai 2017. Konkrete Disslines lieferte der Track nicht. Sinan-G sorgte jedoch dafür, dass die einige Zeit später die Original-Version im Netz auftauchte. Darauf wurden Bonez MC, MoTrip und Kollegah mit Zeilen bedacht. Mehr dazu hier:

Bushidos Disses gegen Bonez MC, Kollegah & MoTrip online

Sinan-G hat soeben einen Songausschnitt auf Instagram geteilt, in dem eine andere Version von Bushidos Track "Sodom & Gomorrha" zu hören ist.

Congo behauptet nun, dass Bushido sich unter anderem gegen die namentlichen Disses entschieden habe, da der Hype um Bonez MC nach "Palmen aus Plastik" schlichtweg zu heftig gewesen sei.

"Dort fiel ein sehr prägender Satz für mich. In einem Telefonat im Januar 2017 sagte er mir, es gibt Disslines gegen Kolle, Bonez etc. auf dem Album, aber die nehm ich raus, weil der Hype von Bonez zu groß sei (wegen Palmen aus Plastik hatte er einen riesigen Hype). Nach diesen Telefonat war es dann vorbei bei mir. Ich konnte ihn einfach nicht mehr respektieren."

Da ein Release von Die Toten Hosen einen Einstieg auf Platz #1 der Charts gefährdet hätte, soll sich Bushido auf Congos Rat hin zu einer Verschiebung von "Black Friday" durchgerungen haben. Daran anschließend seien schließlich sämtliche Disses von dem Album genommen worden.

"Er sagte ok, erzählte dann irgendeinen Schrott von neuen Songs. Die gab es auch weil der Druck von Farid und Kolle und ihren Drohungen jbg3 zu machen größer und größer wurde. Das machte es schwer Black Friday gut zu verkaufen. Box Verkäufe liefen durch die zweite Single besser aber auch nicht krass gut. Dann wurden alle disses rausgenommen. Neue Songs aufgenommen wie Oma Lise und Papa." [sic!]

Bushido hat sich bisher nicht zur Darstellung seines langjährigen Wegbegleiters geäußert. Congo bezog in der Vergangenheit mehrfach deutlich gegen seinen ehemaligen Chef Stellung. Eine genauere Einordnung seiner Rolle im ersguterjunge-Kosmos lieferte Rooz vor Kurzem in einem Live-Stream. Dort wird zudem das gesamte Statement kommentierend begleitet.

"Super langjähriger Freund von Bushido. Aber halt nicht nur Freund, sondern Mitarbeiter beim Label. Der hat die Promo gemacht. Der hat die Promophasen gesteuert, der hat die Interviews organisiert, hat unfassbar lange ein Forum geführt, womit die sich wirklich viele Awards erschlichen haben. [...] Congo hatte 'ne Army an der Hand, das war schon wild."


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