"Keiner macht like this": Warum Lucianos internationale Kollaborationen so einzigartig sind

 

"Keiner macht like this" – selten steckte in einer Line so viel Wahres. Luciano zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Rappern in Deutschland – er ist der Erfolgreichste! 2021 schmückte sein Gesicht noch Platz zwei der meistgestreamten Artists in Deutschland hinter Bonez MC – 2022 gehört ihm die Eins dieser Liste und noch viel mehr. Als erster deutscher Rapper knackt Luciano die sieben Millionen monatlichen Hörer*innen auf Spotify – zum Vergleich: Sido besetzt aktuell Platz zwei mit knapp 5,7 Millionen. Mitverantwortlich dafür werden die zahlreichen Veröffentlichungen sein, die mit seinem sechsten Studio-Album "Majestic" einhergingen. Songs wie "Beautiful Girl", "SUVs", "West Connect" mit UK-Rapper Central Cee oder "Bamba" gemeinsam mit US-Rapperin Bia und Aitch aus den UK wurden sehr schnell zu etablierten Club-Evergreens. Letzterer sorgte auch dafür, dass Luciano in der Instagram-Story von Nicki Minaj landete. Luciano dominiert das Game momentan auf allen Ebenen.

Was nicht an einem vorbeigeht, ist die Liste an internationalen Acts, mit denen Luciano für "Majestic" zusammengearbeitet hat – ein Muster, welches sich seit circa 2020 bei dem Rapper etabliert. Damals konnte er sich einen Part auf Headie Ones "Ain’t It Different" gemeinsam mit den UK-Größen AJ Tracey und Stormzy sichern. Wer Luciano fleißig verfolgt, wird ab da gemerkt haben, dass solche Collabs immer mal wieder auftauchten. Zum Beispiel holte er sich die türkische Rapperin Lil Zey für "Elmas" auf sein Album "Aqua", steuerte einen Part für den französischen Rapper Gazo auf "ON A" bei und auch weitere Projekte mit Headie One wurden veröffentlicht. Darunter auch ihre gemeinsame Single "Cloud" im Jahr 2022. Abschließend folgten eben auch die Features von Aitch, Bia und Central Cee auf "Majestic". Was dabei deutlich wird, ist, dass Luciano nicht nur einfach sagen kann, dass er in den Songs stattfindet, sondern auch mithalten kann. Immer weiter streckt der Rapper die Fühler in die Hiphop-Szenen anderer Länder aus, erzielt damit einen Erfolg nach dem Nächsten und hinterlässt Eindruck bei den Rapkolleg*innen. Es scheint so als müsse Luciano nicht darauf zurückgreifen, sich Features zu kaufen. Eher wirkt es so als wollten die Acts wirklich mit ihm zusammenarbeiten.

Internationale Features als Statussymbol

Egal ob Eko Fresh, Katja Krasavice, Farid Bang, Shirin David, Kollegah oder Fler: Rap Stars stehen auf internationale Features. Diese haben bislang den Anschein gemacht, entweder aus dem Interesse der möglichen Reichweite eingekauft worden zu sein oder aus dem eigenen Verlangen, sich einen Traum zu erfüllen – einmal mit dem Vorbild auf einem Song sein. Beispiele dafür findet ihr hier. Gerade Features aus den USA sind sehr hoch im Kurs.

Unabhängig von der Herkunft oder den Hintergründen der Zusammenarbeit mit den Feature-Gäst*innen, bleibt aber in den allermeisten Fällen ein Gefühl eines Ungleichgewichts. Häufig wirkt die Zusammenarbeit wie Frankensteins Monster, um es mal zu verbildlichen. Es sind unabhängig voneinander gute Parts, die mit Nadel und Faden zusammengenäht wurden. Sie passen zwar zusammen, im Gesamtbild sieht man aber, dass sie von unterschiedlichen Körpern stammen. Das könnte zum Großteil daran liegen, dass es für viele einfach ein großer Flex ist, seinen oder ihren Namen neben einen Artisten zu platzieren, der auch international erfolgreich ist. So wirklich gezündet hat das aber eigentlich nie.

Einzig und allein Ufo361 schaffte es bislang, sich davon zu lösen und mit seinen Features eine Auswahl zu treffen, die zum einen mit seinem Trap-Sound in Einklang sind und zum anderen zu wiederholten Zusammenarbeiten führt. Ufos Fokus liegt dabei auf dem amerikanischen Markt. Genau das unterscheidet sich stark von Lucianos Strategie.

Internationale Features: Was bei Luciano anders ist

Lucianos Strategie kann man natürlich nicht belegen, dementsprechend können nur Mutmaßungen darüber angestellt werden, was denn jetzt der Plan ist. Sein Entscheidungsprozess darüber, wen er als Feature haben möchte oder wo er einen Part zusteuert, wirkt nicht nach einer "Ich erfülle mir einen Lebenstraum"-Mentalität. Eher könnte man annehmen, Luciano habe die Intention, wirkliche Arbeitsbeziehungen zu knüpfen, sich immer mehr im internationalen Musikbusiness zu platzieren und vor allem einfach gute Musik zu machen. Das scheint, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, zu funktionieren. Was Luciano nämlich vehement von allen Rapper*innen in Deutschland unterscheidet, ist, dass er nicht nur Features auf seine Releases holt. Er platziert sich auch auf ihren.

Angefangen hat Lucianos internationaler Werdegang in Frankreich. Für Kalash steuerte der deutsche Rapper einen Part zum "Mwaka Moon Remix" bei. Darauf hin holte er sich Kalash Criminel und den britischen Rapper Fredo auf sein Album "L.O.C.O.". Es folgte ein Feature von Lil Baby auf "Brillies". Den UK-Markt nahm Luciano 2020 in Angriff mit einem Feature auf Headie Ones "Ain’t It Different". Der Track kam insgesamt in vier Versionen heraus. Drei davon hatten neben AJ Tracey und Stormzy jeweils einen weiteren Part von unterschiedlichen Rappern: Sevn Alias, ONEFOUR und eben Luciano. Dabei ist der deutsche Rapper eine Besonderheit, denn er ist als Einziger mit einer Fremdsprache auf dem Song vertreten.

Auffällig ist auch der Markt, an welchem sich Luciano bedient. Während viele seiner Kolleg*innen vermehrt in Richtung USA blicken, versucht der Rapper eher in Frankreich und der UK Fuß zu fassen, ohne dabei andere europäische Länder aus den Augen zu verlieren. Allein aus der Perspektive der räumlichen Nähe beinhaltet das ein großes Potenzial. Rap wird universalisiert und musikalische Ländergrenzen werden aufgebrochen. Das ist ein anderer Themenkomplex, der aber nicht ganz irrelevant ist. Auch Rap Kollege Aitch scheint diesen Aspekt zu sehen. Im Interview mit Marvin Game sprach er unter anderem darüber und wie die Zusammenarbeit mit Luciano lief:

Was Luciano zusätzlich von anderen Deutschrapper*innen abgrenzt, sind die Acts an sich, die der Rapper auswählt. Was Lucio Loco nämlich hat, ist ein enormes Gespür dafür, welche Rapper*innen auf ihrem Markt und auch darüber hinaus aktuell gut funktionieren. Central Cee ist ein gutes Beispiel dafür: Mit seiner Single "Doja" landete der Rapper letztes Jahr einen der Hits des Jahres. Ihn mit auf das Album zu holen, ist also allein strategisch gesehen nicht unschlau. Aber auch musikalisch macht das Feature einfach Sinn. Der Drill-Sound von Luciano und Central Cee funktioniert zusammen wie eine gut geölte Maschine. Ähnlich ist das auch bei den anderen Features.

In der europäischen Hiphop-Landschaft wächst aktuell einiges zusammen und Luciano ist ganz vorne mit dabei, das zu sehen und auch umzusetzen. Wie er mit seiner aktuellen Single "on my way" bekannt gegeben hat, wird er jetzt auch Konzerte ins Ausland bringen. Er spielt als Zusatz zu seiner Tour Shows in London, Amsterdam, Paris, Istanbul und Luxemburg. Luciano schaltet also schon in den nächsten Gang!

Letzten Endes wird nur die Zeit zeigen können, ob er es schaffen wird, international sein Standing zu erweitern. Aber wenn es so weiter läuft wie bisher, dann steht dem Ganzen wenig im Weg. Denn aktuell wirkt es so, als wäre Luciano immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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