Hiphop.de Awards präsentiert von Teufel und Thomann

Deutschrap 2019: Das sind die 10 besten Videos des Jahres

Die Hiphop.de Awards 2019 befinden sich in vollem Gang. Das heißt, dass du noch bis zum 2. Januar 2020 für deine Favoriten des Jahres 2019 abstimmen kannst. Dabei gibt es wie jedes Jahr auch dieses Mal wieder die Kategorie zum Video des Jahres. Wenn du nicht alle gesehen haben solltest oder dein Gedächtnis auffrischen willst, welches Video das jetzt nochmal genau war, für das du stimmen wolltest: We got you covered. Hier findest du die Nominierten in der Kategorie Bestes Video National.

Welches ist das beste deutschsprachige Rap-Video 2019?

OG Keemo – 216 (dir. Breitband)

OG Keemo spielt eindeutig ganz weit vorn mit, wenn es um die Frage nach dem besten Rap-Video des Jahres 2019 geht. Das Video zu "216" von Breitband diente nicht nur als Vorbote zu "Geist", einem der besten Alben des Jahres, sondern thematisiert auch noch wichtige Themen wie Alltagsrassimus und den Umgang damit. Dass das Ganze auch noch extrem eindrücklich und bildgewaltig geschieht, macht das Video so wichtig.

Tarek – Kaputt wie ich (dir. OH MY)

Tarek K.I.Z geht mit Vorliebe dahin, wo es weh tut. Das gilt nicht nur für sein neuestes Video, in dem er einigen Nazis die Lampen ausknipst, sondern auch für das einzigartige Video zu "Kaputt wie ich" von OH MY, in dem wir Zeuge eines Autounfalls beziehungsweise von dessen Ergebnis werden. Wie so oft bei Tarek und K.I.Z ist das überhaupt Nichts für schwache Nerven, aber dafür umso eindrücklicher.

Max Herre ft. Fatoni, Megaloh, Sugar MMFK & Dirk von Lowtzow – Dunkles Kapitel (dir. Henrik Album)

Max Herre, Fatoni, Megaloh, Sugar MMFK, Dirk von Lowtzow und Regisseur Henrik Album liefern mit "Dunkles Kapitel" ein starkes Stück Kunst gegen den sich erneut in Deutschland ausbreitenden Faschismus. Das Video dazu dürfte eines der untypischsten Rap-Videos sein, die 2019 zu bieten hatte. Es gibt fast gar keine Kameraschwenks, was die Bilder noch beeindruckender und intensiver wirken lässt.

KALIM ft. Nimo – Bis um 3 (dir. MacDuke)

Im Kalim-, Nimo- und MacDuke-Video zu "Bis um 3" geht es extrem farbenfroh zu. Das liegt aber nicht nur an den Klamotten oder der Farbe, die aus den Feuerlöschern versprüht wird, sondern auch an den abgefahrenen Effekten, die hier äußerst kunstvoll eingesetzt werden.

SSIO – Hash Hash (dir. EASYdoesit)

SSIO meldet sich nach langen Jahren der Pause mit einem EASYdoesit-Video zu "Hash Hash" zurück, das es in sich hat. Zum Beispiel Xatar: Das AON-Oberhaupt taucht im ersten Video zum kommenden SSIO-Album "Messios" ebenfalls mehrfach auf. Dazu gibt es den gewohnten SSIO-Humor, viel sehr sehr buntes Treiben und eine mysteriöse Story rund um SSIOs Aktivitäten im asiatischen Ausland.

Bausa – Radio / Nacht (dir. Shoko Hara)

Bausas Splitvideo zu "Radio" und "Nacht" lebt von den Gegensätzen. Während es im ersten Teil sowohl inhaltlich als auch visuell eher ruhig und hell zugeht, sieht die Sache bei Nacht ganz anders aus. Wer seine Stadt immer nur bei Tageslicht sieht, kennt das wahre Gesicht der Straßen nicht: In diesem Fall bedeutet das einen Zeichentrick-Stil im Neo-Noir-Look. Das Shoko Hara-Video erinnert wohl nicht zufällig an Anime-Klassiker wie "Akira".

Luciano, Capital Bra, Nimo, Samra & Kalazh44 – Royal Rumble (dir. ALLDIFFERENT & Traviez)

Wenn Luciano, Capital Bra, Nimo, Samra und Kalazh44 zum "Royal Rumble" bitten, herrscht pures Chaos. Im ALLDIFFERENT & Traviez-Video geht zumindest anscheinend alles drunter und drüber: Da fehlt das Auto, die Location, die Drehgenehmigung oder gleich der ganze Rapper. Was dabei herauskommt, zählt zu einem der unterhaltsamsten Videos des Jahres und nebenbei versammeln sich hier natürlich unglaublich viele Hochkaräter, die offenbar viel Spaß hatten.

Fler – Vermächtnis (dir. Katja Kuhl)

Fler und Katja Kuhl setzen dem Rapper ein Denkmal in Schwarz-Weiß. Darin wird eine Beerdigung inszeniert, während Fler seine Karriere und alles andere Revue passieren lässt. Richtig Sinn ergibt das alles aber erst zum Schluss, wenn Flizzy und Katja Kuhl das Video mit einer Jay-Z-Hommage beenden. Classic Shit.

Shirin David – Gib ihm (dir. 100BLACKDOLPHINS)

Shirin David hat dieses Jahr die Szene erobert, wie es bisher nur die Allerwenigsten geschafft haben. Das 100BLACKDOLPHINS-Video zu "Gib Ihm" markiert dabei den Startschuss in die heiße Phase der Promo: Das erste richtige Musikvideo zum Album "Supersize". Der selbstbewusste Representer hat dann auch voll eingeschlagen und das verdankt Shirin David auch dem Video. Die Macher haben übrigens letztes Jahr den Hiphop.de Award in der Kategorie Bestes Video abgeräumt.

Yung Hurn – Cabrio AR App (dir. Uwe Flade)

Yung Hurn macht immer schon reichlich weirde Kunst-Dinge. Aber hier geht es gar nicht um das mehr oder weniger normale Video zu "Cabrio", sondern um die dazugehörige Augmented Reality-App. Die gibt euch nämlich die Möglichkeit, einfach ein eigenes Musikvideo zu drehen, in dem ihr neben und mit Yung Hurn abgehen könnt. Die App findet ihr zum Beispiel hier im App-Store. Das Video dazu könnt ihr hier sehen:

Alle Infos zu den Hiphop.de Awards 2019, zu den Kategorien und den Jury-Mitgliedern findest du hier. Zum Voting geht es hier: Stimm ab!

Vote hier für die Hiphop.de Awards 2019!

Die Hiphop.de Awards 2019 haben begonnen! Wir suchen wie jedes Jahr gemeinsam mit der Szene die prägendsten Akteure der vergangenen zwölf Monate. Ab sofort könnt ihr hier eure Stimmen für eure Favoriten abgeben. Heute und morgen begleiten wir den Startschuss mit unserem Jahresrückblick im Livestream bei Twitch.

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Attila Hildmanns Telegram-Gruppe startet "traurigsten Shitstorm aller Zeiten" gegen Fatoni-Video

Attila Hildmanns Telegram-Gruppe startet "traurigsten Shitstorm aller Zeiten" gegen Fatoni-Video

Von HHRedaktion am 30.06.2020 - 13:30

2020 war bisher ein gutes Jahr für Verschwörungserzählungen. Xavier Naidoo hat endültig seine letzten Hüllen fallen lassen. Ex-Starkoch Attila Hildmann schmeißt regelmäßig alle Verschwörungen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind, mit einer guten Prise Fantasie und drei Esslöffeln maximaler Verwirrung in den Thermomix, um das Ergebnis seiner Telegram-Gruppe vorzusetzen.

Auch Rapper haben schon länger ein Faible für Fantasien, die komplizierte Sachverhalte mit einem Bösewicht und einem vermeintlich großen Plan plötzlich zugänglich und einfach erscheinen lassen. Sie glauben an die flache Erde, an weltumspannende Medienverschwörungen, an Bill Gates' satanistische Mikrochip-Bestrebungen, an Kinderblut schlürfende Machteliten und daran, dass es vielleicht gar kein Covid-19 gibt.

Deutschrap & die Verschwörungsmythen

Aber es gibt auch die Gegenseite. Viele Rapper appellieren an die Vernunft ihrer Fans, informieren und leisten teilweise mühsame Aufklärungsarbeit. Oder sie machen Songs.

Ein aktuelles Beispiel ist Edgar Wassers Song "Wacht auf!!!!!!!!", in dem er die Pseudoargumente der Verwirrten da draußen ad absurdum führt. Sein Kollabopartner Fatoni ("Nocebo", 2013) hatte bereits auf dem letzten Soloalbum "Andorra" (2019) mit dem Song "Nein nein nein nein nein nein" einen ähnlich guten Beitrag zu dieser Thematik abgeliefert. Dieser rückt nun, über ein Jahr nach der Erstveröffentlichung, wieder ins den Fokus.

Fatonis Song über Verschwörungserzählungen: Storyteller trifft Analyse

Warum jetzt das nachträgliche Video? Fatoni hat in den letzten Monaten – wie wohl die meisten von uns – sehr aufmerksam und vermutlich mit leichtem Entsetzen beobachtet, welche Dynamik Verschwörungsmythen während Corona bekommen haben. Der Song war ohnehin schon fertig und so bedurfte es eigentlich nur der passenden Bebilderung, die dem Kotburschi Kollektiv sehr gut gelungen ist. Darin zu sehen, ohne im Song namentlich genannt zu werden: Attila Hildmann.

"Ich dachte die letzten Jahre immer wieder das Thema Verschwörungsidiologien ist dann auch mal durch, die letzten Monate haben gezeigt dass dem nicht so ist. Im Song 'Nein Nein Nein Nein Nein Nein' habe ich mir die Frage gestellt was bei mir hätte anders laufen müssen, um heute zu glauben dass die Welt von ein paar wenigen Exen aus dem Keller einer Pizzeria gelenkt wird." [sic]

Der Song thematisiert das Verlangen nach einfach Lösungen und Erklärungen, die besonders einleuchtend scheinen, wenn man sich im eigenen Rauchpalast abschottet und "Informationen" dem Weltbild anpasst, anstatt es andersherum zu tun. In einer Mischung aus Storyteller und Analyse blickt Fatoni zurück auf sein 17-jähriges Ich, das mit einem Homie Joint nach Joint killte, um anschließend die Welt in Gut und Böse einzuteilen.

Mit dem zweiten Part geht es dann in die Gegenwart, in der sein alter Homie Jan "nur noch ein Typ, der Scheiße redet im Kifferwahn" für ihn ist. Und im dritten wird dann konkret eingeordnet:

Ich würde ja gerne glauben, die halten mich dumm /

Dass ich zu faul für Bücher bin, ist zwar die Wahrheit, aber nicht gerade der geilere Grund /

Ich würde ja gerne glauben, die schalten mich stumm /

Das ist ein viel geilerer Grund als: "Es interessiert mich halt einfach nicht und darum halt ich den Mund" /

Ich würde lieber glauben, alles wird von denen kontrolliert /

Als zugeben zu müssen, nicht genau zu wissen, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert (fuck)

Hildmann-Anhänger startet den traurigsten Shitstorm aller Zeiten

Das Sprichwort, dass getroffene Hunde bellen, bewahrheitet sich nicht nur unter Rappern, sondern offenbar auch in der bunten Welt der Verschwörungsfantasien. "Nein nein nein nein nein nein" ist einem Post von Fatoni zufolge in einer Telegram-Gruppe namens "Freiheits-Chat" von Attila Hildmann gelandet.

Dort ruft ein Mitglied (nicht der vegane Verschwörungsboss himself) offenbar dazu auf, das Musikvideo zu disliken. Die geplante Sabotage des Like-Balkens konnte allerdings keinen durchschlagenden Erfolg erzielen. Aktuell stehen 3660 positive Bewertungen 74 negativen gegenüber. Der "traurigste Shitstorm aller Zeiten" hält @Herr_M auf Twitter fest.

In diesem Fall war der Aufruf also ziemlich egal, aber er zeigt eine beliebte Taktik in einem Internet, das immer mehr in verschiedene Echokammern aufsplittert. Ob es nun Hildmanns Verschwörungschäfchen sind, eine Rapper-Fanarmee oder ganz klassisch rechte Vollidioten: Organisierte Shitstorms sollen gezielt das Meinungsbild im Netz manipulieren.

Das senkt die Hemmschwelle, sich selbst in die Welt der Verschwörungsmythen zu begeben, rechtes Gedankengut sowie rechte Sprache zu akzeptieren oder sich der vermeintlich mehrheitlichen Meinung über einen Rapper oder sonstiges anzuschließen Der gute Rayk Anders und sein Team haben zu diesem Thema eine sehr empfehlenswerte Doku gedreht:

Auf das Thema Verschwörungserzählungen kann man im Prinzip anwenden, was viele spätestens aus der aktuellen Debatte um Rassismus und Polizeigewalt mitgenommen haben sollten: Manchmal reicht es nicht, das Verschwörungsgerede selbst dumm zu finden. Man muss es auch zeigen.

Wenn die andere Seite laut durch Internet stampft, dann darf die schweigende Mehrheit nicht weiter schweigen. Sonst sieht es irgendwann so aus, als wären die Attila Hildmanns, Xavier Naidoos und Leon Lovelocks in der Überzahl.


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