"Die ballern Kindern in den Kopf": Xatar macht auf die Proteste in Iran aufmerksam
Links: Xatar, Rechts: Bild von Protesten bei dem die alte iranische Landesflagge mit Löwe und Sonne in der Mitte hochgehalten wird

 

Xatar hat bei Instagram dazu aufgerufen, vermehrt darauf aufmerksam zu machen, was derzeit in Iran passiert. Dabei hofft er vor allem darauf, dass mehr Leute davon mitbekommen, was gerade in seiner Stadt Sanandaj - auf Kurdisch Sine - geschieht.

"Massaker": Xatar spricht über Ausschreitungen in Iran

In seinem kurzen Video fordert Xatar, dass die Proteste in Iran und die Gewalttaten der iranischen Regierung mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren. Konkret spricht er dabei über Sanandaj, die Hauptstadt der nordwestiranischen Provinz Kurdistan. Dort sollen die aktuell in Iran herrschenden Konflikte zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften besonders gewalttätig ablaufen.

Xatar spricht von einem "Massaker", bei dem "Kindern in den Kopf" geschossen und zivile Infrastruktur mit "großen Geschossen" attackiert werde. Des Weiteren hebt Xatar hervor, dass sich die Situation in Sanandaj von anderen kurdischen Widerständen unterscheide, da es sich in diesem Fall um unbewaffnete Zivilisten handele.

Was passiert derzeit in Sanadaj?

Vor allem in der kurdischen Provinz gehen iranische Sicherheitskräfte derweil mit einer besonderen Härte gegen Protestierende vor, so die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw. Seit Beginn der Proteste im vergangenen Monat sollen nach deren Informationen über 2.500 kurdische Bürger*innen festgenommen worden sein. Viele von ihnen würden während der Haft gefoltert, zwei Menschen seien in Folge dieser Folter bereits verstorben.

In der Provinz-Hauptstadt Sanandaj sollen Protestierende viele Straßen innerhalb der Stadt sowie Zufahrtsstraßen blockiert haben. Bei einer derzeitigen Gegenoffensive der iranischen Regierung sollen in den letzten Tagen unbestätigten Berichten zufolge mehr als 20 Menschen getötet worden sein. Laut Hengaw schießen iranische Sicherheitskräfte in vielen Fällen mit scharfer Munition auf die Protestierenden. Immer wieder tauchen Videos in den sozialen Medien auf, die zu zeigen scheinen, wie vor allem die Revolutionsgarde des Irans Kriegswaffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzt.

Der Guardian zitiert eine Protestierende so:

"Sie haben die Stadt abgeriegelt und schlachten die Menschen mit Gewehren und Bomben ab, nur weil sie nach Freiheit verlangen."

Der kurdisch-iranische Analyst Sasan Amjadi erklärte gegenüber der taz, dass das Ziel der iranischen Regierung nicht nur die reine Unterdrückung der Protestbewegung sei. Es ginge gerade auch darum, "die kurdische Gesellschaft dazu zu bringen, sich wehren zu müssen". Durch eine Militarisierung der kurdischen Stadt solle die gesellschaftliche Spaltung in dem Land vorangetrieben werden.

Die taz schreibt ebenfalls, dass die kurdische Bevölkerung derzeit "mehr als denn je als Teil des Widerstands gegen den Staat Iran verstanden" werde. Grund dafür seien die Bestrebungen der kurdischen Zivilbevölkerung sowie die der aus der kurdischen Stadt Saqqez stammende Familie von Mahsa Amini, den Tod der 22-Jährigen als Femizid zu verstehen. Also ein Mord, der aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit stattfand.

Was passiert derzeit in Iran?

Die kurdischstämmige Mahsa "Zhina" Amini wurde am 13. September von der iranischen Sittenpolizei festgenommen, weil sie ihr Hi­jab in der Öffentlichkeit nicht richtig getragen habe. Seit Beginn der 1980er ist es im Iran für Frauen verpflichtend, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen.

Stunden nach ihrer Festnahme wurde die 22-Jährige in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie drei Tage später verstarb. Während die Polizei den Tod auf einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt zurückführt, gehen die meisten von massiver Polizeigewalt aus. Bei einer CT-Untersuchung ihres Kopfes im Krankenhaus soll unter anderem ein Knochenbruch diagnostiziert worden sein.

In der Folge kam es zu landesweiten Protesten gegen die iranische Regierung sowie die Sittenpolizei, die bis heute andauern. Laut der in Norwegen sitzenden Iran Human Rights-Organisation wurden seit Beginn der Proteste mindestens 185 Menschen umgebracht, darunter 19 Kinder.

Wer sich auführlicher zu dem Thema informieren möchte, findet auf den Internetseiten von Hengaw und Amnesty International stetig aktualisierte Neuigkeiten zu den aktuellen Geschehnissen.
Zudem hatte Aria vor einigen Tagen für den Spiegel über die Protestbewegungen im Iran geschrieben.

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