Apache 207: Deutschraps Miroslav Klose fängt gerade erst an

Wir schreiben den ersten Juni 2002. Flutlicht erhellt den Rasen im Stadion der nordjapanischen Millionenstadt Sapporo. Für Miroslav Klose ist es das erste Pflichtspiel in der Nationalmannschaft, das er von Beginn an bestreiten darf. Das Vertrauen des Cheftrainers Rudi Völler rechtfertigt der damalige Spieler des FC Kaiserslautern an diesem Abend mit drei Toren und einer Vorlage.

Der 22-jährige Klose wird neben Führungsspielern wie Ballack und Kahn zu einer Schlüsselfigur des Teams. Gegen Irland legt er mit einem weiteren Tor nach, gegen Kamerun leitet er mit einem sehr feinen Pass die Führung durch Marco Bode ein und erzielt anschließend das 2:0 selbst. Als Newcomer fünf Treffer zum Einstand – reife Leistung.

Apache 207, Deutschraps Miroslav Klose?

Als Apache 207 sich in seiner Single "Kein Problem" Anfang April zu "Deutschraps Miroslav Klose" erklärt, geht es nicht um die äußerst erfolgreiche WM-Premiere der heute 40-jährigen Fußballlegende. Der Vergleich soll eigentlich nur eine Fashion-Ansage sein:

"Indianer, Apache – ich stehe hier mit meinem Hemd in der Hose / Denn ich bin – Indianer, Apache – Deutschraps Miroslav Klose"

Wenn man so will, kann man schon in dieser Zeile erkennen, dass Dinge bei Apache anders laufen. Den unter Rapkollegen populären Vergleichen mit aktuell erfolgreichen Sportlern setzt er eine humorvolle Alternative entgegen.

Kalim feiert den französischen Youngster Kilian Mbappé, Luciano zelebrierte 2016 Riyad Mahrez vom Überraschungsmeister Leicester, Capi benennt seine Songs nach Benzema und Neymar, auf Hanybals Album "Haramstufe rot" gibt es einen Track namens "Messi Ronaldo" mit Olexesh. Es sind die großen Lichtgestalten, Weltstars und teils kontroverse Figuren. Im direkten Vergleich liest sich der stets bescheidene und mannschaftdienliche Klose schon fast wie ein Understatement.

Frischer Wind in der Szene

Apache bringt mit seinem gesamten Auftreten stilistische Unterschiede in den Fokus, die über in die Hose gesteckte Oberteile hinausgeht. Die Retro-Reminiszenzen findet man auch in seiner Musik und dafür wird Apache nahezu flächendeckend in allen Kommentarspalten, auf den Schulhöfen und in den Parks gefeiert.

Er macht es nicht komplett anders, aber eben nicht wie du – seine Attitude ist definitiv Straße und auch die Themen in seinen Tracks kennt man durchaus von anderen Vertretern der Szene. Es fühlt sich trotzdem immer frisch und unverbraucht an, wenn er sich vors Mic klemmt. Oft lässt er seine humorvolle Seite erahnen, wenn man etwas Selbstironie à la SSIO oder Summer Cem hört, ohne dass diese in den Mittelpunkt der Musik gerückt wird.

Außerdem zählt der Gesang zu seinen größten Stärken. Weitestgehend ohne den stigmatisierten Autotune-Effekt schmettert der Ludwigshafener seine Ohrwurm-Hooks in einer Art und Weise, die auch manchen Hater des aktuellen Sounds catcht. Apaches Stimmgewalt ist unbestritten und noch lange nicht ausgereizt:

Allerdings – und das ist bisher der einzige Wermutstropfen bei Apache – ist es schon strange, sich 2019 in Text und Video als "Indianer" zu bezeichnen und mit Gesichtsbemalung sowie Kostüm vor einem Marterpfahl zu performen. Man kann sich gut vorstellen, dass sich der Spitzname Apache in der Hood selbst entwickelt und etabliert hat. Das zu einem Gimmick für mehr Profil und Aufmerksamkeit zu machen, hätte der Kerl jedoch wirklich nicht nötig.

Sein Weg zum Hype

Wir schreiben den ersten Juni 2018. Auf den Tag genau 16 Jahre nach Miroslav Kloses Startelfdebüt bei einem Pflichtspiel droppt Apache seine erste Single. "Kleine H*re" ist eine Mischung aus Pop, RnB und Rap mit einem Touch Dancehall. Als bis dato gänzlich unbekannter Newcomer kann er damit schnell ein paar Hundertausend Hörer erreichen. Ganz organisch und ohne Label im Selbstvertrieb über Spinnup.

Nach dem Debüt geht es dann in einem gesunden Tempo weiter: In den verbleibenden sechs Monaten 2018 droppt er fünf weitere Songs – einen Treffer nach dem anderen. Neben Hiphop.de, Bonez MC und Bausa werden langsam auch die Labels aufmerksam, wie man in Apaches Texten hören kann. Man kann sich vorstellen, was hinter den Kulissen abgeht, wenn ein Neuling nach wenigen Wochen regelmäßig ohne großen Push sechsstellige Klickzahlen erreicht.

Zwischen diversen Genres das Tanzbein schwingend, kann er sogar aus den obligatorischen Sommersongs ("Kleine H*re", "Sag mir wer", "Ferrari Testarossa") ganz unterschiedliche Musikstücke mit verschiedenen Vibes herausholen. Instrumentals kommen in dieser Zeit erst von Kostas Karagiozidis und später vorzugsweise von WorstBeatz, der auch in "Kein Problem" sein Faible für die schillernden und treibenden Sounds der 80er- und 90er-Jahre zum Ausdruck bringt.

Königstransfer: Apache 207 bei TwoSides

Während Yung Miro seinerzeit noch zwei Jahre bei Kaiserslautern kickte, bevor der Absprung zu Werder Bremen gelang, hält Apache sich nicht so lange mit dem nächsten Schritt auf. Seit 2019 erscheinen seine Songs über TwoSides.

Beim Label von Bausa und Lucas Teuchner, das die beiden gemeinsam mit der Sony-Tochter Four Music gegründet haben, steht er bislang als einziges Signing neben reezy im Roster. Mit der Anbindung ans Major-Label stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Er hat erfahrene Mitspieler und einen jungen Wilden an seiner Seite.

(90s-Kids will remember: Bremen gehörte damals lange zu den potenziellen Bayern-Jägern und spielte von 2004 bis 2009 durchgehend in der Champions League.)

Und obwohl sein Hype seitdem sichtbarer geworden ist und die Klickzahlen weiter wachsen, liest man noch immer unter jedem Video, Apache habe mehr Aufmerksamkeit verdient. Ihm schlägt jede Menge Positivität entgegen und das ist bei neuen Gesichtern und Styles in der Szene alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Derzeit stellt sich eigentlich nur die Frage, wie groß die Geschichte von Deutschraps Salt Bae noch werden kann. Dass es nach oben kaum Grenzen gibt, legt auch hier ein Vergleich zu Miro Klose nahe: Er wurde bei Weltmeisterschaften und in der deutschen Nationalmannschaft Rekordtorschütze. Nuff said.

Wir wollen euch in unserem Newcomer Spotlight einige Rapper vorstellen, die den Großteil ihrer Karriere noch vor sich haben. So erscheinen weiterhin Artikel, die sich mit einem noch mehr oder weniger unbekannten Künstler beschäftigen. Einen Überblick über die bisherigen Artikel aus der Reihe 2019 findest du hier.

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reezy – 100k [Video]

reezy – 100k [Video]

Von Michael Rubach am 28.06.2019 - 12:02

reezy - 100k (prod. by reezy & Bounce Brothas)

reezy '100k' - ab Mitternacht überall!!!

Zehn Riesen waren nicht genug – heute macht es reezy nicht unter "100k". Gleichzeitig verteilt das Multitalent Props an all jene, die den Lifestyle fühlen: "Shoutout an meine Jungs für die miese Leber".

Im Frühjahr releaste reezy sein Album "Teenager Forever". Die Bounce Brothas und reezy haben den neuen Track "100k" produziert.


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