3 Erkenntnisse aus Kollegahs New York-Doku

Vor dem Release von "Imperator" war es eine umstrittene Palästina-Dokumenation – anlässlich seines neuen Albums "Monument" zeigt Kollegah sich bei einem ausgiebigen New York-Besuch. Dieses Mal verfolgt er weniger eine politische Mission, sondern begibt sich zu den Wurzeln der Hiphop-Kultur. Sein Ausflug zum Big Apple offenbart drei Dinge:

Kollegah vermittelt Hiphop-Knowledge

Die Kunstfigur des stählernen Bosses ist auch in Amerika dauerpräsent. Dennoch stellen Kollegah und sein Team die Selbstinszenierung hin und wieder in den Hintergrund. In diesen Augenblicken erklären sie kurz, auf welchen Spuren sie eigentlich unterwegs sind. Auf der Manhattan Bridge und in den Projects stellt Kollegah ikonische Fotos von Jay-Z nach (Minute 2:34 und Minute 48:55). Das Abchecken von Jay-Zs legendärem 40/40 Club darf da auch nicht fehlen.

Der New York-Spirit lässt Kollegah und seine Entourage teilweise als wissbegierige Fans der eigenen Kultur erscheinen. Im Tonstudio rückt Kollegah mal gänzlich aus dem Fokus. In dem Komplex, in dem auch The Notorious B.I.G. und 2Pac recordet haben, kommt Studio-Manager Dave Rosner zu Wort. Er erklärt, wie er in den Räumen der Quad Studios den angeschossenen 2Pac verarztete. In diesen Einstellungen sind die Albumpromo und der nächste Eiweiß-Joke sekundär.

Kollegahs Album wird "amerikanisch"

Schon in den letzten Wochen sickerten diverse Infos über den Produktionsprozess zu "Monument" durch. Da wäre der Studioaufenthalt mit Scott Storch oder der Hinweis von Fler, dass Kollegah einen Track mit Rakim aufnehmen würde. In der Doku sehen wir nun Studiosessions von Kollegah. Diese zeigen, dass sich der selbsternannte Boss mit weiteren amerikanischen Künstlern zusammengetan hat.

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AraabMuzik könnte durchaus mehr als den Beat für "Dear Lord" produziert haben. Das Erscheinen von Dipset-MC Cam'ron sowie die Szenen in der Aufnahmekabine deuten sehr auf ein Feature hin. Im Abspann ist zudem zu sehen, wie Kollegah im Club auf Nas und Ja Rule trifft. Die Erklärung von Hustensaft Jüngling, dass er einen Gastbeitrag auf "Monument" habe, dürfte eher eine Trollaktion sein.



Foto:

Screenshot: https://youtu.be/Yq9jPCfP0cI

Kollegahs Reise erinnert an seine Frühphase

Als Kollegah noch am Beginn seiner Karriere stand, tourte er gerne mal mit Favorite oder auch mit Farid Bang um die Welt. In den Reiseblogs tauchte immer wieder der serbische Miltitärsbefehlshaber Vojin Popović aka Vojvoda Vuk auf. Einmal falsch ausgesprochen wurde sein Name zum Running Gag in vielen von Kollegahs Reiseblogs. Für die Fans der ersten Stunde reaktiviert Kollegah diesen Spaß. Er grüßt den alten serbischen Bekannten, als er mit dem Helikopter auf die Freiheitsstatue zusteuert (Minute 3:50) .

Ebenso ist eine Sequenz in der Dokumentation enthalten, die an ein beliebtes Merkmal aus den Hoodtapes erinnert. Ein junger Fan kommt ins Bild und möchte ein Foto (Minute 23:06). Kollegah vertröstet ihn und gibt erstmal eine Line zum Besten. Die Verhaltensweisen von einem "Fanboy" ("Hoodtape Vol.1") oder einem "Fangirl" ("Hoodtape Vol.2") werden häufiger auf die Schippe genommen. Generell ist die Doku von den lockeren Vibes der früheren "Bosshaft unterwegs"-Videos durchzogen.

Eine Ähnlichkeit zur Palästina-Doku gibt es dann doch. Erneut zeigt sich Kollegah im Gönnermodus. Er überlässt einem Kind seine sicher nicht ganz günstige Kette (Minute 49:07). Die komplette New York-Dokumentation kannst du hier sehen:

Kollegah MONUMENT - Eine New York Hip Hop Doku - (Album Making Of)#1

Dear Lord - Jetzt Auf Spotify streamen! https://spoti.fi/2Noz9PN Monument - Jetzt auf Amazon vorbestellen! https://amzn.to/2zVG7DB Das ist Alpha - Die 10 Boss Gebote auf Amazon vorbestellen! https://amzn.to/2ooPMvV Video made by : Camera: Kamil Kukielka https://www.instagram.com/npreee/ Video Edit: Phillip Hartung https://www.instagram.com/mr.philow/ (X B Roll X Production) Kollegah auf Facebook: http://www.facebook.com/kollegah Kollegah auf Instagram: https://www.instagram.com/kollegahder...

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Farid Bang spricht offen über Echo-Skandal: "Ich stand vor dem Ende"

Farid Bang spricht offen über Echo-Skandal: "Ich stand vor dem Ende"

Von Alina Amin am 06.06.2020 - 15:38

Farid Bang gehört zu den Deutschrappern, die besonders oft mit einer heftigen Reaktion auf ihre Lyrics rechnen müssen – seien es Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfe oder Beef mit Kollegen. Der Höhepunkt dieser Kritik war der Echo-Eklat, der nun gut zwei Jahre her ist. Seitdem ist so einiges passiert: Nicht nur privat und beruflich hat sich für Farid vieles geändert, auch seine Ansichten bezüglich der fragwürdigen Line über Auschwitz-Insassen hat er überdacht.

Im Interview mit der Bild spricht er nun offen über seine aktuelle Einstellung zur ganzen Sache, die Konsequenzen des damaligen Skandals und warum er die fragliche Rap-Zeile zutiefst bereut.

"Ich stand vor dem Ende meiner Karriere": Farid Bang bereut seine Line auf "0815"

Der 34-Jährige gibt zu, dass er die Line rückgängig machen würde, wenn er könnte. Der Skandal und sein Nachspiel haben dem Banger-Oberhaupt offenbar erst klar gemacht, dass auch Battlerap Grenzen kennen muss:

"Wenn ich könnte, würde ich es heute rückgängig machen. So etwas wird mir nie wieder passieren. Ich distanziere mich heute wie auch damals ausdrücklich vom Antisemitismus. Mir ist mit dieser Rap-Zeile ein Fehler unterlaufen, für den ich mich bei allen Betroffenen immer noch entschuldigen möchte. Rap war bis zu dem Eklat für mich eine Kunstform ohne Grenzen. Ich habe damals diese Zeile einfach ohne Nachzudenken gerappt. Mir fehlte damals die nötige Selbstreflexion."

Während er damals nicht reflektiert hat, weshalb seine Line für viele die Grenzen der Kunstfreiheit sprengt, sieht er das inzwischen anders. Er erläutert, dass er als Moslem es ebenfalls nicht gut finden würde, wenn jemand die Geschichte seiner Glaubenskultur verhöhnt hätte. Außerdem erzählt er der Bild, dass der Echo-Eklat ihm viele negative Konsequenzen gebracht habe, der damalige beruflichen Umbruch aber auch der Anstoß für einen Wechsel im Privatleben bedeutete:

"Viele Leute haben sich damals von mir abgewandt, wir haben unseren Plattendeal verloren. Ich stand vor dem Ende meiner Karriere. Ich habe aber meinen Kopf nicht in den Sand gesteckt. Ich habe meine Konsequenzen akzeptiert. Nach dem Echo habe ich mich von vielen Leuten abgewandt. Ich wollte kein Mitläufer sein und mir ständig etwas einreden lassen. Sie kamen aus allen Segmenten. Das waren Kriminelle, Menschen aus der Musikindustrie oder aus dem Alltag. Aber ehrlicherweise entsprach ihr Handeln und Auftreten nicht meinen Prinzipien. Das war dann auch der größte Schnitt in meinem Privatleben, der sehr viel Kraft und Überwindung gekostet hat."

Echo-Skandal: Farid Bangs Auschwitz-Line auf "JBG 3" änderte alles

Hintergrund: 2018 wurden Kollegah und Farid Bang anlässlich ihres Kollaboalbums "Jung Brutal Gutaussehend 3" für einen Echo nominiert. Nachdem sie von Campino (Die Toten Hosen) live bei der Echo-Verleihung wegen einer antisemitischen Textzeile kritisiert wurden, schaltete sich der Ethik-Beirat des Echos ein und prüfte die Nominierung. Inner- und außerhalb der Rapszene entfachte die Diskussion über die Grenzen der Kunstfreiheit (im Rap) erneut.

Auf der Bonus-EP zu "JBG 3" hat Farid im ersten Part des Tracks "0815" nämlich folgende Line gerappt: 

"Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet / Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen"

Schon damals distanzierte sich Farid von den Diskriminierungs- und Antisemitismusvorwürfen und erklärte, dass es sich bei der besagten Line um einen Ausdruck der Battlerap-Kunst handele. Er entschuldigte sich bei der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und zeigte sich offen für den Dialog.

Im Rückblick ist klar: Ein positives Ende nahm die ganze Angelegenheit für kaum jemanden. Den Echo-Veranstaltern wurde nach wiederholter Kritik klar, dass ihr Nominierungssystem Schwachsinn war und die jährliche Preisverleihung wurde abgeschafft. Die beiden Rapper verloren ihren Plattendeal und das Album wurde von der BPjM indiziert. Vom Image-Schaden ganz zu schweigen.

Auch seine Freundschaft zu Kollegah stand "nach dem Echo-Eklat auf dem Prüfstand", wie Farid erklärt. Sie seien nicht immer einer Meinung, auch wenn sie eine langjährige Freundschaft verbindet. Den Kollabo-Track "Public Enemies" auf "Genkidama" habe er aufgezogen um Kollegah und Fler die Möglichkeit der Versöhnung zu eröffnen – mit Erfolg. 



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Die letzten 2 Jahre waren für mich die wahrscheinlich schwerste Zeit in meinem Leben, 2 der wertvollsten Menschen in meinem Leben sind verstorben meine Tante Mina & einer meiner besten Freunde Abdersamad. Etwas wovon ich mich nie wieder mehr erholen werde. Davor gab es noch diese Echo Geschichte bei der ich nicht mehr wusste ob es jemals weitergehen kann oder jemals wieder wird wie es war. Viele Menschen haben mich musikalisch für Tod erklärt und sich von mir abgewannt, trotzdem habe ich selber nie aufgehört an mich zu glauben. Ich habe nie den Ehrgeiz verloren und habe weiterhin die Energie im Studio aufgebracht weil ich es genau diesen Leuten zeigen wollte. „Ich entscheide wann es vorbei ist“ egal wer denkt er hat jetzt kurz seine 2 Minuten, ich war vor ihm da und ich werde nach ihm da sein!!! Fast 2 Jahre habe ich im Studio gearbeitet, es sind bestimmt 40 Songskizzen entstanden. 14 (+4 EP) haben es letztendlich geschafft. Viele Leute haben mich auch mit Leib Seele unterstützt, @instara11e & @mo7art sind wahrscheinlich 2 der wichtigsten denen ich vieles im Leben zu verdanken habe Der Richter bei dieser ganzen Sache ist aber am Ende der Fan, er entscheidet ob es mir gelungen ist diese Emotionen in Energie umzuwandeln #genkidama

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Seitdem konnte man durchaus eine musikalische Neuausrichtung bei Farid erkenne. Unter die altbewährten harten Tracks mischen sich längst auch unironische Einflüsse aus anderen Genres, beispielsweise aus dem lateinamerikanischen Raum. Sein neues Album "Genkidama" erfährt gute Resonanz von vielen Fans und kommt kreativer und vor allem positiver daher als seine vorigen Alben. Es scheint ganz so, als hätte der Echo-Skandal tatsächlich Spuren hinterlassen, die mittlerweile immer deutlicher zu erkennen sind.

>Wir haben die "Genkidama"-Metapher aufgeschlüsselt und weitere "Dragonball"-Referenzen rund um die Platte unter die Lupe genommen:

7 Dragon Ball Z-Referenzen rund um Farid Bangs "Genkidama"

Mit einer der mächtigsten Attacken, die das Dragon Ball Z-Universum so hergibt, setzt Farid Bang mit seinem nunmehr achten Studioalbum "Genkidama" metaphorisch zur Zerstörung der Deutschrapszene an. Farids große Faszination für die epische Geschichte um den Saiyajin Son Goku schlägt sich dabei rund um die Platte nieder.


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