Azzi Memo organisiert Charity-Song für die Opfer von Hanau

Der Schock über den rechtsextremen Terrorakt in Hanau sitzt Deutschland und ganz Europa noch tief in den Knochen. Während die Folgen in der Politik noch nicht ansatzweise abzusehen sind, stehen die Familien und Freunde der Opfer vor traurigen Fakten und müssen Abschied nehmen. Der aus Hanau stammende Azzi Memo hat Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld verloren und möchte nun für mentale und finanzielle Unterstützung sorgen.

UPDATE: Hier findet ihr noch mehr zum Thema.

Nach Hanau: Spätestens jetzt müssen alle aktiv werden - auch Rapper

Wir dürfen nach rassistischen Terroranschlägen wie denen in Halle oder Hanau nicht einfach so weitermachen und zur normalen Tagesordnung übergehen. Spätestens jetzt müssen alle aktiv werden – auch Rapper und Rapfans...

Rapper planen Song für die Opfer von Hanau

Der 25-jährige ruft Kollegen aus der Szene per Instagram und Co dazu auf, sich per DM bei ihm zu melden, wenn sie von Herzen sechs bis acht Bars mit thematischem Bezug abliefern können. Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei von seinem Manager Aydin Kaya, der auch Capo, Milonair und Qzeng zu seinen Schützlingen bei 62 MGMT zählt.

"Wir haben mit einigen Rapper-Kollegen eine Aktion gestartet. Wir werden einen Charity-Song veröffentlichen demnächst. [...] Die gesamten Einnahmen werden an die Familien gespendet, die ihre Kinder verloren haben, ihre Ehemänner, ihre Frauen."

Unterstützung beim Projekt gibt es unter anderem von Rooz, der Memo dabei hilft, die Rapper zusammenzutrommeln. Sein Engagement gilt auch der Notwendigkeit, dass sich nicht nur wieder die üblichen Verdächtigen zum Thema äußern, die ohnehin regelmäßig mit ihrer Reichweite für den guten Zweck nutzen. Neben Azzi Memo haben bisher Manuellsen, Nate57, Rola, Soufian, Disarstar, Sierra Kidd, Olexesh, Credibil, Mois, Sinan-G und Maestro zugesagt, sich am Song zu beteiligen. UPDATE 21. März: In einem Tweet über den fertigen Song hat Memo nun auch Kool Savas, KEZ sowie Celo & Abdi für den Song angekündigt.

Es reicht nicht, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Das müssen alle Rapper und ihre Zuhörer jetzt verstehen, um die tiefbraunen Hintergründe dieser furchtbaren und kalkulierten Tat richtig einzuordnen. Jeder von uns muss sich fragen, was er tun kann, um die dunkle Zukunft, in die wir grade blicken, wieder in vernünftige Bahnen zu lenken.

Als im Jahr 2000 der mosambikanische Alberto Adriano in Dessau von Neonazis aufgrund seiner Hautfarbe zu Tode geprügelt wurde, schloss sich eine mächtige Rap-Koalition zusammen. Der Song "Adriano (Letzte Warnung)" der Brothers Keepers sorgt bis heute für Gänsehaut und bekommt im neuen Kontext wieder ein erschreckend hohes Maß an Aktualität. Die Erlöse wurden damals den Angehörigen der etwa 120 Opfer gespendet, die zwischen 1989 und 2001 bei rassistischen Morden ums Leben kamen.

Rap 2020 hat nicht die Chance, sondern die Pflicht, jetzt seine Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen!

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Rassistischer Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Maestro mit starkem Statement

Rassistischer Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Maestro mit starkem Statement

Von Alina Amin am 28.04.2021 - 15:00

Maestro hat am gestrigen Abend seine Reichweite genutzt, um ein Video zu besprechen, das seit einigen Tagen im Internet kursiert. In dem kurzen Clip wird eine Szene aus einer Erfurter Straßenbahn gezeigt, in der ein 40-jähriger Mann einen syrischen Jugendlichen aufs Übelste rassistisch angeht und gewalttätig wird. Der Vorfall ist über den letzten Tag viral gegangen und wird inzwischen von zahlreichen Medienportalen aufgegriffen. Maestro hat sich in einem etwa zehn Minuten langen YouTube-Video zu dem Vorfall geäußert. Die Message ist klar: "Man darf nicht wegschauen".

Maestro will auf rassistischen Übergriff in Erfurt aufmerksam machen

Zunächst erklärt der YouTuber und Rapper, was in dem Video überhaupt passiert ist. So habe der Mann den Jugendlichen erst angefangen, rassistisch zu beleidigen und ist dann dazu übergegangen, den Jungen anzuspucken. Sodann trat er ihm mehrere Male ins Gesicht. Das Opfer reagierte während des ganzen Überfalls nicht. 

Maestro stellt zunächst das Offensichtliche klar: Was in Erfurt passiert ist, ist absolut ekelhaft. Sodann erklärt er, dass solche Übergriffe Ergebnis von dem Schubladendenken und den Kategorisierungen sind, die in der Deutschen Gesellschaft vorherrschen.

"Wieso zieht ihr Linien und Grenzen? Haben wir nicht genug gelernt von der Geschichte? Dass Mauern ziehen und Linien ziehen und niemals Frieden und Segen mit sich bringt?"

Im Anschluss darauf bezieht er sich konkret auf die Aussage des Täters im Video, der erklärt, dass Deutschland sein Land sei und auch auf das Denken von denjenigen, die der Meinung seien Menschen mit Migrationshintergrund sollen in ihr Herkunftsland zurück.

"Das ist nicht dein Land. Das ist unser Land"

Auch über Zivilcourage und Solidarität spricht er. Zunächst stellt Maestro diejenigen zur Rede, die sich für ihre eigenen Familienmitglieder oder Freunde einsetzen würden, aber nicht für Fremde – insbesondere, wenn diese Fremden Migrationshintergrund haben. Er kritisiert, dass man sich in der Gesellschaft an denjenigen bereichern würde, die unliebsame Jobs verrichten, diese aber nie als richtigen Teil der Gemeinschaft sehe.

Um Integration ginge es vielen Rassisten dabei nicht. So erklärt Maestro, wie er selbst ein Positivbeispiel für Integration sei und dennoch tagtäglich rassistischen Anfeindungen zum Opfer fiele. Auch in seinem Alltag wirke sich dies aus: So könne er nicht mal eine Wohnung finden.

Abschließend zweifelt er die Zivilcourage der Gesellschaft an und und stellt klar: 

"Jeder der zugut und sich denkt ja, ist passiert ist Mitschuld."

Er fordert seine Zuschauer dazu auf, sich für andere einzusetzen und Zivilcourage zu zeigen. Am Ende sei man immerhin eine Gemeinschaft. Man dürfe nicht weggucken – egal worum es geht. 

TW: Gewalt 

Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Mann festgenommen

Bei dem Video handelt es sich um Geschehnisse vom vergangenen Freitag. Durch die Videoaufnahmen und Zeugenaussagen der weiteren Insassen der Bahn konnte der Mann zügig identifiziert werden. Nach dem Übergriff gelang dem Mann zunächst die Flucht. Am Montag soll er dann festgenommen worden sein. Ihm werden gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung vorgeworfen. Er ist der laut der Polizei als Drogenkonsument sowie wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten bekannt. 


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